Agni beschreibt den Vorgang des Sterbens, den Austritt der Seele durch die Körperöffnungen, den Weg des Übergangskörpers zu Yama, die achtundzwanzig Höllenabteilungen mit ihren Namen und Vorsteher-Höllen sowie die Höllenqualen. Es folgen die Wiedergeburtsfolgen der Todsünden und verschiedener Diebstähle und zum Schluss die Einteilung des dreifachen Leids und die Mittel zu seiner Aufhebung. Die Zahl der Vorsteher-Höllen (V. 19) und einige Tier- und Höllennamen (V. 23, 36, 38) sind textlich unsicher.
Agni sprach: Die Wege Yamas sind dargelegt; nun werde ich [das Geschehen] beim Sterben der Menschen darlegen. Die Hitze, im Körper erregt, von heftigem Wind angetrieben,
unten After und Geschlechtsteil: durch diesen [Weg] bei den Übeltätern. Bei den Yogins aber durchbricht die Seele den Scheitel und geht dann nach Wunsch hinaus.
antakāle tu samprāpre prāṇe 'pānamupasthite / tamasā saṃvṛte jñāne saṃvṛteṣu ca marmasu //
Wenn aber die Endzeit gekommen ist, wenn der Prāṇa den Apāna erreicht hat, wenn die Erkenntnis von Finsternis umhüllt ist und die Vitalpunkte umschlossen sind,
sa jivo nābhyadhiṣṭānaścālyate mātariśvanā / bādhyamāṇaścānayate aṣṭāṅgāḥ prāṇavṛttikāḥ //
wird jene Seele, deren Sitz der Nabel ist, vom Wind (mātariśvan) bewegt; bedrängt führt sie die achtgliedrigen, im Atem wirkenden [Kräfte] mit sich [?].
Wort für Wort
jīvaḥ
die Seele
nābhi-adhiṣṭhānaḥ
den Nabel als Sitz habend
cālyate
wird bewegt
mātariśvanā
vom Wind
bādhyamānaḥ
bedrängt
prāṇa-vṛttikāḥ
im Atem wirkend
Zweite Hälfte unklar (bādhyamāṇaś cānayate aṣṭāṅgāḥ prāṇavṛttikāḥ); jivo für jīvo, nābhyadhiṣṭāna für nābhyadhiṣṭhāna.
Wasser und Erde [nach unten]: [so] gilt der Mensch als zur Fünfheit zurückgekehrt [Anm.: d. h. gestorben]. Den ātivāhika-Körper aber führen die Boten Yamas
auf den sehr schrecklichen Weg Yamas, der sechsundachtzigtausend [Yojanas lang] ist; während er geführt wird, genießt er Speise und Wasser, die von den Verwandten gegeben wurden.
Nachdem er Yama gesehen hat, gelangt er zu den grausamen Höllen, die von Citragupta auf Yamas Geheiß bestimmt wurden; der Rechtschaffene [gelangt] auf glückvollen Pfaden zum Himmel.
bhujyante pāpibhirvakṣye narakāṃstāś ca yātanāḥ / aṣṭāviṃśatirevādhaḥkṣiternarakakoṭayaḥ //
Ich werde die Höllen darlegen, die von den Sündern erfahren werden, und die Qualen. Achtundzwanzig Höllen-Koṭis [Anm.: Höllenabteilungen] liegen unterhalb der Erde,
am Ende der siebten Unterwelt (tala), in schrecklicher Finsternis gelegen. Die erste Abteilung heißt Ghorā (‚die Schreckliche‘), darunter liegt Sughorā,
diese Höllen, wisse, [sind] die Vorsteher der Abteilungen, schrecklich anzusehen. Die Übeltäter werden in eine einzige oder auch in viele hinabgestürzt.
Wort für Wort
narakān viddhi
wisse die Höllen
koṭī-īśān
als Vorsteher der Abteilungen
ghora-darśanān
schrecklich anzusehen
pātyante
werden hinabgestürzt
pāpa-karmāṇaḥ
die Übeltäter
ekaikasmin bahuṣu api
in einer oder in vielen
koṭīśanāganvai verderbt, wohl koṭīśān nāgān vai oder koṭīśān tān vai.
mārjārolūkagomāyugṛghrādivadanāś ca te / tailadroṇyāṃ naraṃ kṣiptvā jvālayanti hutāśanaṃ //
Und jene [Boten Yamas] haben Gesichter von Katzen, Eulen, Schakalen, Geiern und dergleichen. Sie werfen einen Menschen in einen Öltrog und entfachen Feuer.
Wort für Wort
mārjāra-ulūka-gomāyu-gṛdhra-ādi-vadanāḥ
mit Gesichtern von Katzen, Eulen, Schakalen, Geiern usw.
Von den Boten Yamas [werden] die Menschen [gezwungen,] Staub, Kot, Blut, Schleim und dergleichen [zu essen]; sie geben ihnen heißen Rauschtrank zu trinken und zerreißen die Menschen wieder.
hā tāteti krandamānāḥ svakannidanti karma te / mahāpātakajānghorānnarakānprāpya garhitān //
‚Ach Vater!‘ schreiend, tadeln sie ihre eigenen Taten. Nachdem die Todsünder die aus Todsünden entstehenden, schrecklichen, verabscheuten Höllen erreicht haben,
der Rauschtrinker in den von Esel, Pukkasa [Anm.: verachtete Mischkaste] und Mleccha; der Golddieb in das Dasein als Wurm, Insekt und Motte; wer [das Lager] des Lehrers besteigt, in das Dasein als Gras und Strauch.
Der Brahmanenmörder wird schwindsüchtig, der Branntweintrinker schwarzzähnig, der Golddieb hat schlechte Nägel, schlechte Haut hat, wer das Lager des Lehrers besteigt.
yo yena saṃspṛśatyeṣāṃ sa talliṅgo 'bhijāyate / annahartā māyāvī syānmūko vāgapahārakaḥ //
Wer mit einem von diesen in Berührung kommt, wird mit dessen Merkmal geboren. Wer Speise raubt, wird kränklich [?]; stumm wird, wer die Rede [Anm.: wohl heiliges Wissen] raubt.
Wort für Wort
yaḥ yena saṃspṛśati
wer mit wem in Berührung kommt
tat-liṅgaḥ
mit dessen Merkmal
anna-hartā
Speiseräuber
āmayāvī
kränklich
mūkaḥ
stumm
vāk-apahārakaḥ
Räuber der Rede
māyāvī („Betrüger“) wohl verderbt aus āmayāvī („kränklich“).
Wer Getreide raubt, hat überzählige Glieder; ein Verleumder hat eine stinkende Nase; wer Öl raubt, wird ein Öltrinker [Anm.: ein Insekt]; ein Zuträger hat einen stinkenden Mund.
Wer die Frau eines anderen raubt und das Eigentum eines Brahmanen entwendet, wird in der Wildnis, in einer menschenleeren Gegend, als Brahmarākṣasa geboren.
Wer Juwelen raubt, wird von niedriger Geburt; [wer] Wohlgerüche [raubt], eine Moschusratte; [wer] Blätter und Gemüse raubt, ein Pfau; wer Getreide raubt, ein Schwätzer [?].
Wort für Wort
ratna-hārī
Juwelenräuber
hīna-jātiḥ
von niedriger Geburt
gandhān śubhān
Wohlgerüche
chuchundarī
Moschusratte
patram śākam
Blätter und Gemüse
śikhī
Pfau
mukharaḥ
Schwätzer (?)
mukharo („geschwätzig“) als Tierbezeichnung unklar.
[Wer] Vieh [raubt, wird] eine Ziege; [wer] Milch, eine Krähe; [wer] ein Fahrzeug, ein Kamel; [wer] Früchte, ein Affe; [wer] Honig, eine Bremse; [wer] Früchte, ein Geier; [wer] Hausrat, eine Hauskrähe.
[Wer] Kleidung [raubt, wird] aussätzig; [wer] einen Kranich [?] ...; wer Salz raubt, eine Grille. Das innerlich bedingte Leid ist dargelegt; das durch Waffen usw. ist das von den Wesen verursachte (ādhibhautika);
Wort für Wort
śvitrī vastram
aussätzig (wer) Kleidung
sārasam
Kranich (?)
jhallī
Grille
lavaṇa-hārakaḥ
Salzräuber
uktaḥ ādhyātmikaḥ tāpaḥ
das innerlich bedingte Leid ist dargelegt
śastra-ādyaiḥ ādhibhautikaḥ
durch Waffen usw. das von Wesen verursachte
sārasañca unklar (vielleicht Tier als Folge eines weiteren Raubes).
grahāgnidevapīḍādyair ādhikaivika īritaḥ / trithā tāpaṃ hi saṃsāraṃ jñānayogādvināśayet / kṛcchrair vrataiś ca dānādyair viṣṇupūjādibhirnaraḥ //
das durch Planeten, Feuer, Bedrängnis durch Götter usw. wird das von höheren Mächten verursachte (ādhidaivika) genannt. Das dreifache Leid, nämlich den Saṃsāra, vernichte der Mensch durch Erkenntnis und Yoga, durch Bußübungen (kṛcchra) und Gelübde, durch Gaben usw. und durch Verehrung Viṣṇus usw.
Wort für Wort
graha-agni-deva-pīḍā-ādyaiḥ
durch Planeten, Feuer, Götterbedrängnis usw.
ādhidaivikaḥ
das von höheren Mächten verursachte
tridhā tāpam
das dreifache Leid
jñāna-yogāt
durch Erkenntnis und Yoga
vināśayet
vernichte
viṣṇu-pūjā-ādibhiḥ
durch Viṣṇu-Verehrung usw.
ādhikaivika Tippfehler für ādhidaivika; trithā für tridhā.