Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 269: viṣṇupañjaram Der Viṣṇu-Käfig (Schutzgebet)

Der Sprecher (nach der Quelle Puṣkara) berichtet, dass Brahman für Śiva und Bṛhaspati für Indra den „Viṣṇu-Käfig“ bestimmten, ein Schutzgebet, das Viṣṇu mit seinen Waffen in allen Richtungen um den Betenden aufstellt und Dämonen, Feinde und Krankheiten abwehrt. In der Quelle ist die Sprecherangabe „puṣkara uvaca“ in das Titelfeld geraten; das Kolophon ist verderbt (nāmonasapraty- für nāmonasaptaty-) und enthält den Digitalisierungsvermerk „% chapter {270}“.

tripurañjaghnuṣaḥ pūrvaṃ brahmaṇā viṣṇupañjaraṃ / śaṅkarasya dvijaśreṣtha rakṣaṇāya nirūpitaṃ //

[Puṣkara sprach:] Einst wurde von Brahman für Śaṅkara, als er Tripura erschlug, der Viṣṇu-Käfig (viṣṇupañjara) zu seinem Schutz bestimmt, o Bester der Zweimalgeborenen,

Wort für Wort
tripuram jaghnuṣaḥ
des Tripura-Erschlagenden
brahmaṇā
von Brahman
viṣṇu-pañjaram
der Viṣṇu-Käfig (Schutzpanzer)
śaṅkarasya rakṣaṇāya
zum Schutz Śaṅkaras
nirūpitam
bestimmt

Die Sprecherangabe „puṣkara uvāca“ ist in der Quelle in das Titelfeld geraten und fehlt am Versanfang.

vāgīśena ca śakrasya balaṃ hantuṃ prayāsyataḥ / tasya svarūpaṃ vakṣyāmi tattvaṃ śṛṇu jayādimat //

und von Vāgīśa [Anm.: Bṛhaspati] für Śakra, als er auszog, um Bala zu töten. Seine Gestalt werde ich darlegen; höre sie wahrheitsgetreu, sie bringt Sieg und anderes.

Wort für Wort
vāgīśena
von Vāgīśa (Bṛhaspati)
śakrasya
für Śakra
balam hantum prayāsyataḥ
als er auszog, Bala zu töten
tasya svarūpam vakṣyāmi
seine Gestalt werde ich darlegen
jaya-ādimat
mit Sieg usw. verbunden

viṣṇuḥ prācyāṃ sthitaś cakrī harirdakṣinaṇato gadī / pratīcyāṃ śārṅgadhṛgviṣṇurjiṣṇuḥ khaḍgī mamottare //

„Viṣṇu steht im Osten mit dem Diskus, Hari im Süden mit der Keule, im Westen Viṣṇu als Träger des Śārṅga-Bogens, Jiṣṇu mit dem Schwert in meinem Norden;

Wort für Wort
prācyām sthitaḥ cakrī
im Osten stehend mit dem Diskus
dakṣiṇataḥ gadī
im Süden mit der Keule
pratīcyām śārṅga-dhṛk
im Westen den Śārṅga-Bogen tragend
jiṣṇuḥ khaḍgī
Jiṣṇu mit dem Schwert
mama uttare
in meinem Norden

dakṣinaṇato für dakṣiṇato.

hṛṣīkeśo vikoṇeṣu tacchidreṣu janārdanaḥ / kroḍarūpī harirbhūmau narasiṃho 'mbare mama //

Hṛṣīkeśa in den Zwischenrichtungen, in deren Lücken Janārdana, Hari in Ebergestalt auf der Erde, Narasiṃha im Luftraum für mich.

Wort für Wort
hṛṣīkeśaḥ vikoṇeṣu
Hṛṣīkeśa in den Zwischenrichtungen
tat-chidreṣu
in deren Lücken
kroḍa-rūpī hariḥ bhūmau
Hari in Ebergestalt auf der Erde
narasiṃhaḥ ambare
Narasiṃha im Luftraum

kṣurāntamamalañcakraṃ bhramatyetat sudarśanaṃ / asyāṃśumālā duṣprekṣyā hantuṃ pretaniśācarān //

Mit rasiermesserscharfem Rand, makellos, kreist dieser Diskus Sudarśana; sein Strahlenkranz, kaum anzuschauen, [dient] dazu, die Pretas und Nachtwandler zu töten.

Wort für Wort
kṣura-antam
mit rasiermesserscharfem Rand
amalam cakram
der makellose Diskus
bhramati sudarśanam
Sudarśana kreist
aṃśu-mālā duṣprekṣyā
der kaum anzuschauende Strahlenkranz
hantum preta-niśācarān
um Pretas und Nachtwandler zu töten

gadā ceyaṃ sahasrārciḥpradīptapāvakojjvalā / rakṣobhūtapiśācānāṃ ḍākinīnāñca nāśanī //

Und diese Keule, strahlend wie ein tausendflammig lodernd Feuer, ist die Vernichterin der Rakṣas, Bhūtas, Piśācas und Ḍākinīs.

Wort für Wort
gadā ca iyam
und diese Keule
sahasra-arciḥ-pradīpta-pāvaka-ujjvalā
strahlend wie ein tausendflammiges Feuer
rakṣaḥ-bhūta-piśācānām
der Rakṣas, Bhūtas, Piśācas
ḍākinīnām
der Ḍākinīs
nāśanī
Vernichterin

śārṅgavisphūrjitañcaiva vāsudevasya madripūn / tiryaṅmanuṣyakuṣmāṇḍapretādīn hantvaśeṣataḥ //

Und das Schwirren des Śārṅga-Bogens Vāsudevas möge meine Feinde – Tiere, Menschen, Kuṣmāṇḍas, Pretas und dergleichen – restlos töten.

Wort für Wort
śārṅga-visphūrjitam
das Schwirren des Śārṅga-Bogens
vāsudevasya
Vāsudevas
mat-ripūn
meine Feinde
tiryak-manuṣya-kuṣmāṇḍa-preta-ādīn
Tiere, Menschen, Kuṣmāṇḍas, Pretas usw.
hantu aśeṣataḥ
möge restlos töten

khaḍgadhārojjvalajjo 'tsnānirdhūtā ye samāhitāḥ / te yāntu śāmyatāṃ sadyo garuḍeneva pannagāḥ //

Die Übelwollenden, hinweggefegt vom flammenden Glanz der Schwertschneide, mögen sogleich zur Ruhe kommen wie die Schlangen durch Garuḍa.

Wort für Wort
khaḍga-dhārā
Schwertschneide
ujjvala-jyotsnā-nirdhūtāḥ
vom flammenden Glanz hinweggefegt
yāntu śāmyatām sadyaḥ
mögen sogleich zur Ruhe kommen
garuḍena iva pannagāḥ
wie Schlangen durch Garuḍa

ujjvalajjo 'tsnā ist als ujjvalajyotsnā zu lesen; samāhitāḥ wohl für ye 'hitāḥ („die Übelwollenden“) verschrieben.

ye kuṣmāṇḍāsthā yakṣā ye daityā ye niśācarāḥ / pretā vināyakāḥ krūrā manuṣyā jambhagāḥ khagāḥ //

Die Kuṣmāṇḍas, die Yakṣas, die Daityas, die Nachtwandler, die Pretas, die grausamen Vināyakas, Menschen, Jambhagas [?] und Vögel,

Wort für Wort
kuṣmāṇḍāḥ yakṣāḥ
Kuṣmāṇḍas, Yakṣas
daityāḥ niśācarāḥ
Daityas, Nachtwandler
pretāḥ vināyakāḥ krūrāḥ
Pretas, grausame Vināyakas
manuṣyāḥ
Menschen
khagāḥ
Vögel

kuṣmāṇḍāsthā ist unklar; jambhagāḥ ist unsicher (vielleicht „Gähnen verursachende“ Dämonen).

siṃhādayaś ca paśavo dandaśūkāś ca pannagāḥ / sarve bhavantu te saumyāḥ kṛṣṇaśaṅkharavāhatāḥ //

die Tiere wie Löwen und andere, die beißenden Schlangen – sie alle mögen mild werden, getroffen vom Klang der Muschel Kṛṣṇas.

Wort für Wort
siṃha-ādayaḥ paśavaḥ
Tiere wie Löwen usw.
dandaśūkāḥ pannagāḥ
beißende Schlangen
sarve bhavantu saumyāḥ
alle mögen mild werden
kṛṣṇa-śaṅkha-rava-āhatāḥ
vom Klang der Muschel Kṛṣṇas getroffen

cittavṛttiharā ye me ye janāḥ smṛtihārakāḥ / balaujasañca hartāraśchāyāvibhraṃśakāś ca ye //

Die mir die Denkkraft rauben, die Leute, die das Gedächtnis rauben, die Räuber von Kraft und Lebensglanz und die den Schatten [Anm.: das Ansehen, die Ausstrahlung] zerstören,

Wort für Wort
citta-vṛtti-harāḥ
Räuber der Denkkraft
smṛti-hārakāḥ
Räuber des Gedächtnisses
bala-ojasām hartāraḥ
Räuber von Kraft und Lebensglanz
chāyā-vibhraṃśakāḥ
Zerstörer des Schattens

ye copabhogahartāro ye ca lakṣaṇanāśakāḥ / kuṣmāṇḍāste praṇaśyantu viṣṇucakraravāhatāḥ //

die Räuber des Genusses und die Vernichter der [glückverheißenden] Merkmale – diese Kuṣmāṇḍas mögen vergehen, getroffen vom Sausen des Diskus Viṣṇus.

Wort für Wort
upabhoga-hartāraḥ
Räuber des Genusses
lakṣaṇa-nāśakāḥ
Vernichter der Merkmale
kuṣmāṇḍāḥ
Kuṣmāṇḍa-Dämonen
praṇaśyantu
mögen vergehen
viṣṇu-cakra-rava-āhatāḥ
vom Sausen des Viṣṇu-Diskus getroffen

buddhisvāsthyaṃ manaḥsvāsthyaṃ svāsthyamaindriyakaṃ tathā / mamāstu devadevasya vāsudevasya kīrtanāt //

Gesundheit des Verstandes, Gesundheit des Geistes und ebenso Gesundheit der Sinne sei mir durch den Lobpreis Vāsudevas, des Gottes der Götter.

Wort für Wort
buddhi-svāsthyam
Gesundheit des Verstandes
manaḥ-svāsthyam
Gesundheit des Geistes
svāsthyam aindriyakam
Gesundheit der Sinne
mama astu
sei mir
vāsudevasya kīrtanāt
durch Vāsudevas Lobpreis

pṛṣṭhe purastānmama dakṣiṇottare vikoṇataścāstu janārdano hariḥ / tamīḍyamīśānamanantamacyutaṃ janārdanaṃ praṇipatito na sīdati //

Hinter mir, vor mir, rechts und links und aus den Zwischenrichtungen sei Janārdana Hari [mir nahe]. Wer sich vor ihm, dem Preiswürdigen, dem Herrn, dem Unendlichen, Unvergänglichen, Janārdana verneigt, der versinkt nicht.

Wort für Wort
pṛṣṭhe purastāt
hinter, vor
dakṣiṇa-uttare
rechts und links (Süden und Norden)
vikoṇataḥ
aus den Zwischenrichtungen
īḍyam īśānam anantam acyutam
den Preiswürdigen, Herrn, Unendlichen, Unvergänglichen
praṇipatitaḥ na sīdati
wer sich verneigt, versinkt nicht

yathā paraṃ brahma haris tathā paraḥ jagatsvarūpaś ca sa eva keśavaḥ / satyena tenācyutanāmakīrtanāt praṇāśayettu trividhaṃ mamāśubhaṃ //

Wie Hari das höchste Brahman ist, so ist er der Höchste, und eben Keśava hat die Gestalt der Welt. Durch diese Wahrheit [und] durch den Lobpreis des Namens Acyuta möge er mein dreifaches Unheil vernichten.“

Wort für Wort
yathā param brahma hariḥ
wie Hari das höchste Brahman ist
jagat-svarūpaḥ
von der Gestalt der Welt
satyena tena
durch diese Wahrheit
acyuta-nāma-kīrtanāt
durch Preisen des Namens Acyuta
trividham mama aśubham
mein dreifaches Unheil

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