Kapitel 295: pañcāṅgarudravidhānam
Das fünfgliedrige Rudra-Ritual
Agni beschreibt das fünfgliedrige Rudra-Ritual, bei dem vedische Hymnen (Śivasaṅkalpa, Puruṣasūkta, „adbhyaḥ sambhṛtaḥ“, Apratiratha-Hymnus „āśuḥ“, Śatarudriya) den Gliedern Herz, Haupt, Haarlocke, Panzer und Waffe zugeordnet werden, mit Angaben zu Seher, Metrum und Gottheit; es folgen Viṣṇu- und Nṛsiṃha-Mantras gegen Gift und Krankheit sowie eine Liste weiterer wirksamer Mantras. Die Anukramaṇī-artigen Angaben (Verse 5–15) sind in der Digitalisierung stark entstellt, die Hymnenanfänge teils nur erschlossen; Vers 19 hat drei Halbverse.
Agni sprach: „Ich werde das fünfgliedrige Rudra-Ritual darlegen, das höchste, alles gewährende. Das Herz ist der Śivasaṅkalpa[-Hymnus], das Haupt [?] der Puruṣa-Hymnus,
Wort für Wort
rudra-vidhānam pañca-aṅgam
das fünfgliedrige Rudra-Ritual
sarva-dam param
alles gewährend, höchst
hṛdayam śivasaṅkalpaḥ
das Herz: der Śivasaṅkalpa
śiraḥ
das Haupt
sūktam pauruṣam
der Puruṣa-Hymnus
śivaḥ steht wohl für śiraḥ „Haupt“ (Gliederzuordnung).
Nachdem man die fünf Glieder aufgelegt und ihn meditiert hat, rezitiere man die Rudra[-Hymnen] der Reihe nach. Der Hymnus „yaj jāgrataḥ“ – dessen Verse kennt man als auf den Geist bezogen [?].
die Gottheit Puruṣa, das Metrum Anuṣṭubh, und man kenne [für den letzten Vers] auch Triṣṭubh. Für den Hymnus „adbhyaḥ sambhṛtam“ ist der Seher Uttaranārāyaṇa [?].
Wort für Wort
devatā puruṣaḥ
Gottheit: Puruṣa
anuṣṭup chandaḥ
Metrum: Anuṣṭubh
traiṣṭubham
Triṣṭubh
adbhyaḥ sambhṛtam sūktam
der Hymnus „aus den Wassern gebildet“
ṛṣiḥ
Seher
abhyaśrasambhṛtaṃ für adbhyaḥ sambhṛtam; uttaragonaraḥ wohl für uttaranārāyaṇaḥ.
Für die ersten Verse bis auf den letzten [?] ist das Metrum Triṣṭubh, Anuṣṭubh auch für zwei; das Metrum des letzten ist Triṣṭubh; auch hier ist Puruṣa die Gottheit.
Die Gottheiten sind jeweils verschieden: die Gottheiten sind nach den Kennzeichen [im Vers] zu bestimmen [?]; bei den übrigen Gottheiten wird das Metrum Anuṣṭubh angegeben.
Wort für Wort
pṛthak pṛthak devatāḥ
jeweils verschiedene Gottheiten
liṅga-ukta-devatā
nach Kennzeichen genannte Gottheit
avaśiṣṭa-daivateṣu
bei den übrigen Gottheiten
chandaḥ anuṣṭup
Metrum Anuṣṭubh
puruvidaṅgadevatā unklar, wohl für yathāliṅgadevatāḥ.
„asau yā“ [?] … Indra – die Gottheiten sind nach den Kennzeichen genannt, das Metrum Paṅkti; dann „marmāṇi te“ – die Gottheiten sind nach den Kennzeichen genannt.
Wort für Wort
asau
„jener …“ (Vers-Anfang)
indraḥ
Indra
liṅga-ukta-devatāḥ
nach Kennzeichen genannte Gottheiten
paṅktiḥ chandaḥ
Metrum Paṅkti
marmāṇi te
„deine Gelenke“ (Vers-Anfang)
asau yamo bhavitrīndraḥ puruliṅgoktadevatāḥ verderbt; tvapaliṅgoktadevatāḥ für te liṅgoktadevatāḥ.
mit fünf Versen, haben Rudra als Gottheit; im Mantra der Rudra-Anuvāka. Im zwanzigsten [?] sind die Rudras die Gottheiten; der erste [Vers] gilt als Bṛhatī.
Auch durch den „Betörer der drei Welten“ [erreicht man] die Vernichtung von Gift, Krankheit und Feinden: „iṃ śrīṃ hrīṃ hrauṃ hūṃ trailokyamohanāya viṣṇave namaḥ“ [Anm.: …, Verehrung Viṣṇu, dem Betörer der drei Welten]. Der Anuṣṭubh[-Mantra] mit Nṛsiṃha vernichtet Gift und Krankheit:
„oṃ iṃ iṃ – den grimmigen Helden, den großen Viṣṇu, den flammenden, nach allen Seiten gesichtigen, den schrecklichen Nṛsiṃha, den Tod des Todes verehre ich.“
Wort für Wort
ugra-vīram
den grimmigen Helden
mahā-viṣṇum jvalantam
den großen, flammenden Viṣṇu
sarvatomukham
nach allen Seiten gesichtig
nṛsiṃham bhīṣaṇam
den schrecklichen Nṛsiṃha
mṛtyu-mṛtyum namāmi
den Tod des Todes verehre ich
maṃhāviṣṇuṃ für mahāviṣṇum; mṛtyumṛtyumnamāmyahaṃ für mṛtyumṛtyuṃ namāmy aham (das übliche bhadraṃ fehlt).
Kubjikā, Tripurā, Gaurī und Candrikā [sind] giftvertreibend; der Prasāda-Mantra vertreibt Gift und mehrt Leben und Gesundheit; ebenso der Sonnen[-Mantra], der Vināyaka[-Mantra] und stets alle Rudra-Mantras.“