Kapitel 282: nānārogaharāṇy auṣadhāni
Heilmittel, die verschiedene Krankheiten beseitigen
Dhanvantari zählt Rezepte gegen Kinderkrankheiten, Mund-, Ohren- und Nasenleiden, Hautkrankheiten, Hämorrhoiden, Harnleiden, Wunden, Durchfall, Kolik und Schwellungen auf, dazu Abführ- und Brechmittel sowie verjüngende Mittel für langes Leben. Am Ende folgen Zauberkunststücke (Räuchern, Feuerlaufen) und ein Lob der sechs magischen Handlungen. Zahlreiche Pflanzennamen sind mehrdeutig, mehrere Stellen (V. 17, 18, 22, 37, 47) verderbt oder unklar.
Dhanvantari sprach: Siṃhī, Śaṭī (Zitwerwurzel), die beiden Niśā (Gelbwurz und Baumgelbwurz) und Vatsaka (Kuṭaja-Rinde) – der Genuss eines Absuds davon wird beim Kind bei allen Arten von Durchfall und bei Fehlern der Muttermilch empfohlen.
Wort für Wort
dhanvantariḥ uvāca
Dhanvantari sprach
niśā-yugmam
das Paar der Niśā (zwei Gelbwurzarten)
kvātha-sevanam
Einnahme eines Absuds
sarva-atisāreṣu
bei allen Durchfällen
stanya-doṣeṣu
bei Fehlern der Muttermilch
siṃhī wohl Vāsaka oder Kaṇṭakārī; die Pflanzennamen sind vielfach mehrdeutig.
Śṛṅgī (Karkaṭaśṛṅgī) zusammen mit Kṛṣṇā (langem Pfeffer) und Ativiṣā, pulverisiert, lecke man mit Honig; Ativiṣā allein beseitigt beim Kind Husten, Erbrechen und Fieber.
dies trinke das Kind mit Yaṣṭi (Süßholz) und Saindhava (Steinsalz) am Morgen; es fördert die Verstandeskraft. Von Devadāru, Mahāśigru, der Dreiheit der Früchte (Triphalā) und Payomuc (Mustā) –
Wort für Wort
sa-yaṣṭi-saindhavam
mit Süßholz und Steinsalz
prātaḥ
am Morgen
medhā-karam
Verstand bewirkend
phala-traya
die drei Früchte (Triphalā)
payomucām
der Mustā (wörtl. Wolke)
payomuc „Wolke“ = Mustā (Cyperus), die Liste setzt sich in V. 6 fort.
ein Absud [davon] mit Kṛṣṇā, und eine Paste aus Mṛdvīkā (Weintrauben) beseitigt alle Würmer. In den Säften von Triphalā, Bhṛṅga (Bhṛṅgarāja) und Viśvā (Ingwer), in Honig und Ghee –
in Schafmilch und in Kuhharn getränkt, ist [es] bei Krankheit des Kindes heilsam. Als Nasenmittel ist hierbei der Saft der Dūrvā das beste Mittel gegen Nasenbluten.
Der Saft von Knoblauch, frischem Ingwer und Śigru dient zum Füllen des Ohres; oder Öl, aus frischem Ingwer und Jātī bereitet [?], vertreibt Schmerz und beseitigt Lippenkrankheiten.
Wort für Wort
laśuna-ārdraka-śigrūṇām rasaḥ
Saft von Knoblauch, frischem Ingwer und Śigru
karṇasya pūraṇam
Füllung des Ohres
tailam ārdraka-jātyam
Öl aus Ingwer [und Jātī]
śūla-hā
Schmerz vertreibend
oṣṭha-roga-nut
Lippenleiden beseitigend
ārdrakajātyam unsicher: „aus frischem Ingwer gewonnen“ oder „mit Jātī (Jasmin)“.
Jātī-Blätter, Phala (Triphalā), Vyoṣa (die drei Scharfen) als Gurgelmittel, [ferner] Mustaka [?] und Niśā: Öl, in einem Milchabsud mit einer Paste von Abhayā (Harītakī) gekocht, beseitigt Zahnleiden.
Wort für Wort
jātī-patram
Jasminblatt
vyoṣam
die drei Scharfen (Ingwer, Pfeffer, langer Pfeffer)
Getreidewasser (Kāñjika), Kokosnuss und Kuhharn, mit Kramuka (Arekanuss) und Viśvā (Ingwer) abgekocht, soll als Mundspülung zur Beruhigung von Adhijihvā (Schwellung unter der Zunge) angewendet werden.
Mit den Sprossen von Arka, Pūtīka, Snuhī, Rugghāta (Āragvadha) und Jātī reibe man [den Körper] zusammen mit Kuhharn ein – [Mitteln], die alle Hautfehler vernichten.
Wort für Wort
pallavaiḥ
mit Sprossen
arka-pūtīka-snuhī
Arka, Pūtīka, Snuhī (Wolfsmilch)
udvartayet
man reibe ein
sa-go-mūtraḥ
mit Kuhharn
sarva-tvag-doṣa-nāśanaiḥ
alle Hautfehler vernichtend
rugghāta „Krankheitsvertreiber“ wohl Synonym zu vyādhighāta = Āragvadha.
Vākucī, mit Sesam gegessen, vernichtet nach einem Jahr den Aussatz (Kuṣṭha); Pathyā (Harītakī), Bhallātakī und ein Kloß aus Öl und Rohzucker besiegen den Aussatz.
Buttermilch mit Pulver von Pūtīka, Vahni (Citraka), Rajanī (Gelbwurz), Triphalā und Vyoṣa soll bei Hämorrhoiden getrunken werden, oder Abhayā mit Rohzucker gegessen werden.
Ein Absud von Phala (Triphalā), Dārvī und Viṣāṇā [?] oder Dhātrī-Saft (Āmalakī) ist zu trinken, [ebenso] eine Paste von Rajanī mit Honig vom an Harnfluss (Prameha) Leidenden.
Wort für Wort
phala-dārvī-viṣāṇānām kvāthaḥ
Absud von Triphalā, Baumgelbwurz, Viṣāṇā
dhātrī-rasaḥ
Āmalakī-Saft
pātavyaḥ
ist zu trinken
rajanī-kalkaḥ
Gelbwurzpaste
pramehiṇā
vom an Harnfluss Leidenden
kṣaudrākṣaudra- unklar: „mit Honig“ bzw. Anspielung auf kṣaudrameha (Honigharnruhr); viṣāṇa wohl Viṣāṇikā (Meṣaśṛṅgī).
Ein Absud von Vyādhighāta (Āragvadha) mit Vāsā als Einlage, mit Rizinusöl versehen, beseitigt durch Trinken das Vātaśoṇita (Wind-Blut-Leiden, Gicht); Pippalī beseitigt Milzleiden.
Vom an Bauchleiden (Jaṭhara) Erkrankten ist Kṛṣṇā einzunehmen, vielfach mit Snuhī-Milchsaft getränkt; oder Milch mit einer Paste aus Racya [?], Dantī, Agni (Citraka), Viḍaṅga und Vyoṣa.
Wort für Wort
jaṭhariṇā
vom Bauchkranken
snuk-kṣīra-bahu-bhāvitā
vielfach mit Wolfsmilchsaft getränkt
payaḥ
Milch
dantī-agni-viḍaṅga
Dantī, Citraka, Viḍaṅga
kalka-yuk
mit Paste
racya unklar, evtl. verderbt (etwa für rucaka oder pathyā); vahubhāvitā für bahubhāvitā.
Granthika (Pippalī-Wurzel), Ugrā (Vacā), Abhayā und Kṛṣṇā, mit Viḍaṅga benetzt und in Ghee gelegt, mit Buttermilch [?], beseitigen Grahaṇī, Hämorrhoiden, Bleichsucht, Gulma und Würmer.
Wort für Wort
granthika-ugrā-abhayā-kṛṣṇā
Pippalīwurzel, Kalmus, Harītakī, langer Pfeffer
viḍaṅga-aktā
mit Viḍaṅga benetzt
ghṛte sthitā
in Ghee gelegt
grahaṇī-arśaḥ-pāṇḍu
Grahaṇī, Hämorrhoiden, Bleichsucht
gulma-kṛmīn haret
Gulma und Würmer beseitigt
sāṃsantakram unklar, vielleicht verderbt aus sa-takram „mit Buttermilch“ oder sa-māṃsa-.
Die drei Früchte, Amṛtā (Guḍūcī), Vāsā und ebenso [das] vom bitteren Bhūnimba stammende [Kraut] – dieser Absud mit Honig vernichtet die Bleichsucht samt Gelbsucht (Kāmalā).
Der an Raktapitta (Blutungsleiden) Kranke trinke Vāsā-Saft mit Zucker und Honig, oder, jeweils gesondert, Milch, mit Varī (Śatāvarī), Drākṣā, Balā und Śuṇṭhī bereitet.
Wort für Wort
rakta-pittī
der an Blutungsleiden Kranke
vāsā-surasam
Vāsā-Saft
sa-sitam madhu
mit Zucker und Honig
varī-drākṣā-balā-śuṇṭhī-sādhitam
mit Śatāvarī, Traube, Balā, Ingwer bereitet
payaḥ pṛthak
Milch, jeweils einzeln
surasa hier als svarasa „frischer Saft“ verstanden; möglich auch Surasā (Tulasī).
Trivṛtā, Jīvantī, Dantī, Mañjiṣṭhā, die zwei Śarvarī (Gelbwurzarten), Tārkṣaja (Rasāñjana) und Nimbablätter – als Salbe empfohlen bei Bhagandara (Analfistel).
Ein Stoffdocht mit Pulver aus Rugghāta, Rajanī [?] und Lākṣā (Lack), mit Ziegen[milch] und Honig versehen, soll in die Wunde eingelegt werden; er reinigt und vernichtet den Fistelgang.
Wort für Wort
lākṣā-cūrṇa
Lackpulver
āja-kṣaudra-saṃyutā
mit Ziegen[milch] und Honig
vāsaḥ-vartiḥ
Stoffdocht
vraṇe yojyā
in die Wunde einzulegen
gati-nāśanī
Fistelgang vernichtend
-janī wohl für rajanī; āja „vom Ziegen“ (Milch oder Harn).
Mit Blättern der Śrī-Baumwolle: Asche, Phala, Salz [?] und Niśā – Schwitzbehandlung mit einem Kloß daraus in einem Kupfer[gefäß], mit Öl, ist ein Mittel für Verletzungen.
[Pulver] aus Viśvā, Ajamoda, Steinsalz und Tamarindenrinde, mit gleicher Menge Abhayā, mit Buttermilch oder warmem Wasser getrunken, vertreibt den Durchfall.
vatsakātiviṣāviśvavillamustaśṛtaṃ jalaṃ / sāme purāṇe 'tīsāre sāmṛkśūle ca pāyayet //
Wasser, gekocht mit Vatsaka, Ativiṣā, Viśvā, Bilva und Musta, lasse man bei Durchfall mit Āma (unverdautem Stoff), bei chronischem Durchfall und bei [Durchfall] mit Āma, Blut und Kolik trinken.
Steinsalz, in Holzkohle gebrannt und gut geschmolzen [?], trinke der an Kolik Leidende mit warmem Wasser, oder eben dies: Steinsalz, Hiṅgu, Kaṇā (langer Pfeffer) und Abhayā.
Ein Absud von Kṛṣṇā, Ativiṣā, Tiktā (Kaṭukā), Indradāru [?], Pāṭhā und Payomuc (Mustā), in Harn gekocht und mit Honig versehen, beseitigt alle Halskrankheiten.
Ein Absud von Pathyā, Gokṣura, Dusparśa, Rājavṛkṣa (Āragvadha) und Śilābhid (Pāṣāṇabheda), mit Honig getrunken, vertreibt den Harnzwang (Mūtrakṛcchra).
Ein Absud von Bambusrinde und Varuṇa zerstört Harngrieß und Harnstein. Der an Elephantiasis (Ślīpada) Leidende soll sich von Śākhoṭa-Absud mit Honig und Milch nähren.
Pulver aus Śuṇṭhī, Sauvarcala-Salz und Hiṅgu, [und] Ghee mit Śuṇṭhī-Säften beseitigt den Schmerz; ferner kenne einen Absud zur Behandlung des gehemmten Verdauungsfeuers [?].
Der an Gulma Leidende trinke Buttermilch, versehen mit den Säften von Sauvarcala, Agni (Citraka) und Hiṅgu samt Dīpya (Ajowan), oder mit Viḍ-Salz und Dīpyaka versehen.
Ein Absud von Dhātrī, Paṭola und Mudga mit Ghee vertreibt die Wundrose (Visarpa); ein anderer ist ein Absud von Śuṇṭhī, Dāru, [Punar]navā und Milch, mit Harn versehen.
savyoṣāyorajaḥkṣāraḥ phalakvāthaś ca śothahṛt / guḍaśigrutrivṛddhiś ca saindhavānāṃ rajoyutaḥ //
Eisenpulver und Alkali mit Vyoṣa und ein Absud der Früchte (Triphalā) beseitigen Schwellung; ebenso Rohzucker, Śigru und Trivṛt [?] mit dem Pulver der Salze.
Wort für Wort
sa-vyoṣa-ayaḥ-rajaḥ-kṣāraḥ
Eisenpulver und Alkali mit den drei Scharfen
phala-kvāthaḥ
Absud der Früchte
śotha-hṛt
Schwellung beseitigend
guḍa-śigru
Rohzucker, Śigru
rajaḥ-yutaḥ
mit Pulver
trivṛddhi unsicher (trivṛt?); saindhavānām hier als „der Salze“.
Ein Absud von Trivṛtā und Phalaka (Triphalā) mit Rohzucker ist abführend; Milch, die aus einem Absud von Vacā und Phala (Madanaphala) gewonnen wird, wirkt brechenerregend.
Wort für Wort
trivṛtā-phalaka-kvāthaḥ
Absud von Trivṛt und Triphalā
sa-guḍaḥ
mit Rohzucker
virecanaḥ
abführend
vacā-phala-kaṣāya-uttham payaḥ
Milch aus Absud von Kalmus und Brechnuss
vamana-kṛt
Erbrechen bewirkend
phala im zweiten Halbvers wohl madanaphala (Brechnuss).
mit Rohzucker gegessen, vertreibt es Krankheit und bewirkt dreihundert Jahre [Leben]. Etwas Pulver und eine Javā-Blüte (Hibiskus), zu einem Kloß geformt, werfe man ins Wasser –
[dann] wird Öl ghee-artig; etwas Pulver mit Wasser vermischt … Zum Räuchern: mit der Nachgeburt einer Katze (Vṛṣadaṃśa) wird ein Wunderbild gesehen [?].
Wort für Wort
tailam bhavet ghṛta-ākāram
Öl wird ghee-artig
kiñcit cūrṇam jala-anvitam
etwas Pulver mit Wasser
dhūpa-artham
zum Räuchern
dṛśyate citram
ein Wunder(bild) wird gesehen
vṛṣadaṃśa-jarāyunā
mit der Nachgeburt einer Katze
Der Vers ist knapp und unklar; die Einzelheiten der Kunststücke sind nicht sicher rekonstruierbar.
piṣṭvā lipya pade dve ca caredaṅgārake naraḥ / tṛṇautthānādikaṃ vyūhya darśayanvai kutūhalaṃ //
zerrieben, bestreiche man damit beide Füße, [dann] gehe der Mann über glühende Kohlen; [ferner] ordne man das Aufrichten von Gras und dergleichen an und zeige so Wunderdinge.
viṣagraharujadhvaṃsakṣudranarma ca kāmikaṃ / tatte ṣaṭkarmakaṃ proktaṃ siddhidvayasamāśrayaṃ //
Die Vernichtung von Gift, Besessenheit (Graha) und Krankheit, niedrige Praktiken (Kṣudra), Kurzweil (Narma) und Liebeszauber (Kāmika) – das ist dir als die Lehre von den sechs Handlungen verkündet, die auf den zwei Arten der Vollendung (Siddhi) beruht.
Worin Mantra, Meditation, Heilkräuter, Erzählung, Mudrā, Verehrung und Kunstgriffe (Muṣṭi) [enthalten] sind, das ist als Frucht der vier Lebensziele verkündet; wer es liest, gelangt in den Himmel.
Wort für Wort
mantra-dhyāna-auṣadhi
Mantra, Meditation, Heilkraut
kathā-mudrā-ijyāḥ
Erzählung, Handgeste, Verehrung
muṣṭayaḥ
Kunstgriffe
catur-varga-phalam
Frucht der vier Lebensziele
divam vrajet
gelangt zum Himmel
muṣṭi „Faust“, hier wohl „Kunstgriff, Geheimrezept“.