Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 156: dravyaśuddhiḥ Die Reinigung der Gegenstände

Puṣkara lehrt, wie Gegenstände aus verschiedenen Materialien (Ton, Metall, Stein, Holz, Stoff, Horn usw.) rituell gereinigt werden, welche Tiere und Dinge als rein gelten, wann man den Mund spülen muss, die Reinheit der Frau nach der Menstruation sowie die Zahl der Erdklumpen bei der Körperreinigung. Der Kopftitel ist als „dravyacuddhiḥ“ verschrieben (Kolophon: dravyaśuddhi). Mehrere Stellen sind verderbt (1–2, 8, 9, 14); Vers 16 besteht nur aus einem Halbvers.

puṣkara uvāca | dravyaśuddhiṃ pravakṣyāmi punaḥpākena mṛṇmayaṃ / śuddhyen mūtrapurīṣādyaiḥ spṛṣṭāmraṃ suvarṇakaṃ //

Puṣkara sprach: Ich will die Reinigung der Gegenstände verkünden. Ein irdenes [Gefäß] wird durch erneutes Brennen rein. Durch Harn, Kot und dergleichen berührtes Kupfer [?] und Gold

Wort für Wort
puṣkaraḥ uvāca
Puṣkara sprach
dravya-śuddhim
Reinigung der Gegenstände
punaḥ-pākena
durch erneutes Brennen
mṛṇmayam
irdenes [Gefäß]
mūtra-purīṣa-ādyaiḥ spṛṣṭam
von Harn, Kot usw. berührt
suvarṇakam
Gold

spṛṣṭāmraṃ gelesen als spṛṣṭaṃ tāmraṃ.

āvartitañcānyathā tu vāriṇāmllena tāmrakaṃ / kṣāreṇa kāṃsyalohānāṃ muktādeḥ kṣālanena tu //

[wird] durch Umschmelzen [rein], andernfalls aber [genügt Wasser]; Kupfer mit Wasser und Saurem, Bronze und Eisen mit Lauge, Perlen und dergleichen durch Abwaschen,

Wort für Wort
āvartitam
umgeschmolzen
anyathā
andernfalls
vāriṇā amlena
mit Wasser und Saurem
kṣāreṇa
mit Lauge
kāṃsya-lohānām
von Bronze und Eisen
muktā-ādeḥ kṣālanena
Perlen usw. durch Abwaschen

Konstruktion von 1c–2a unsicher.

abjānāṃ caiva bhāṇḍānāṃ sarvasyāśmamayasya ca / śākarajjumūlaphalavaidalānāṃ tathaiva ca //

[ebenso] die aus dem Wasser stammenden [Dinge wie Muscheln], die Gefäße, alles aus Stein Gefertigte, ferner Gemüse, Stricke, Wurzeln, Früchte und Flechtwerk aus Bambus.

Wort für Wort
abjānām
der aus dem Wasser stammenden
bhāṇḍānām
der Gefäße
aśmamayasya
des Steinernen
śāka-rajju-mūla-phala
Gemüse, Stricke, Wurzeln, Früchte
vaidalānām
des Bambusflechtwerks

mārjanādyajñapātrāṇāṃ pāṇinā yajñakarmaṇi / uṣṇāmbunā sasnehānāṃ śuddhiḥ sammārjanādgṛhe //

Die Opfergefäße [werden] bei der Opferhandlung durch Abwischen mit der Hand und dergleichen [rein], die fettigen mit heißem Wasser; die Reinigung des Hauses [geschieht] durch Fegen.

Wort für Wort
mārjana-ādi
durch Abwischen usw.
yajña-pātrāṇām
der Opfergefäße
pāṇinā
mit der Hand
uṣṇa-ambunā
mit heißem Wasser
sa-snehānām
der fettigen
sammārjanāt gṛhe
im Haus durch Fegen

śodhanānmrakṣaṇādvastre mṛttikādbhirviśodhanaṃ / bahuvastre prokṣaṇācca dāravāṇāñca takṣaṇāt //

Bei Kleidung [geschieht die Reinigung] durch Säubern und Einreiben [?], durch Erde und Wasser; bei einer Menge Kleidung durch Besprengen und bei Holzgegenständen durch Abhobeln.

Wort für Wort
vastre
bei Kleidung
mṛttikā-adbhiḥ
mit Erde und Wasser
bahu-vastre
bei viel Kleidung
prokṣaṇāt
durch Besprengen
dāravāṇām
der hölzernen [Dinge]
takṣaṇāt
durch Abhobeln

mrakṣaṇa (‚Einreiben, Einfetten‘) bei Kleidung auffällig.

prokṣaṇāt saṃhatānāntu dravāṇāñca tathotplavāt / śayanāsanayānānāṃ śūrpasya śakaṭasya ca //

Zusammengehäufte [Dinge] durch Besprengen, Flüssigkeiten durch Abschöpfen [Anm.: Durchziehen von Halmen]; von Lager, Sitz und Fahrzeug, von Getreideschwinge und Wagen

Wort für Wort
saṃhatānām
der zusammengehäuften
dravāṇām
der Flüssigkeiten
utplavāt
durch Abschöpfen
śayana-āsana-yānānām
von Lager, Sitz, Fahrzeug
śūrpasya śakaṭasya
von Schwinge und Wagen

śuddhiḥ samprokṣaṇāj jñeyā palālendhanayos tathā / śuddhārthakānāṅkalkena śṛṅgadantamayasya ca //

ist die Reinigung durch Besprengen zu erkennen, ebenso von Stroh und Brennholz; von Gegenständen aus Horn und Zahn mit einer Paste aus weißem Senf,

Wort für Wort
samprokṣaṇāt
durch Besprengen
palāla-indhanayoḥ
von Stroh und Brennholz
siddhārthakānām kalkena
mit Senfpaste
śṛṅga-danta-mayasya
des aus Horn und Zahn Gefertigten

śuddhārthakānām wohl für siddhārthakānām (weißer Senf).

gobālaiḥ palapātrāṇāmasthnāṃ syācchṛṅgavattathā / niryāsānāṃ guḍānāñca lavaṇānāṃ ca śoṣaṇāt //

Gefäße aus Fruchtschalen mit Kuhhaaren; Knochen wie Horn; Harze, Rohzucker und Salze durch Trocknen,

Wort für Wort
go-vālaiḥ
mit Kuhhaaren
phala-pātrāṇām
der Fruchtschalengefäße
asthnām
der Knochen
śṛṅgavat
wie Horn
niryāsānām guḍānām lavaṇānām
Harze, Rohzucker, Salze
śoṣaṇāt
durch Trocknen

palapātra wohl für phalapātra.

kuśumbhakusumānāñca ūrṇākārpāsayos tathā / śuddhannadīgataṃ toyaṃ puṇyantadvat prasāritaṃ //

[ebenso] Saflorblüten, Wolle und Baumwolle. Rein ist Wasser, das in einen Fluss gelangt ist; ebenso [rein ist] ausgelegte Ware.

Wort für Wort
kusumbha-kusumānām
der Saflorblüten
ūrṇā-kārpāsayoḥ
von Wolle und Baumwolle
nadī-gatam toyam
in den Fluss gelangtes Wasser
śuddham
rein
prasāritam
ausgelegt

puṇyam hier wohl für paṇyam (zum Verkauf Ausgelegtes).

mukhavarjañca gauḥ śuddhā śuddhamaśvājayormukhaṃ / nārīṇāñcaiva vatsānāṃ śakunīnāṃ śuno mukhaṃ //

Die Kuh ist rein außer am Maul; rein ist das Maul von Pferd und Ziege, [ferner der Mund] der Frauen, [das Maul] der Kälber, der Vögel und des Hundes

Wort für Wort
mukha-varjam
außer dem Maul
gauḥ śuddhā
die Kuh ist rein
aśva-ajayoḥ mukham
Maul von Pferd und Ziege
vatsānām
der Kälber
śakunīnām
der Vögel
śunaḥ mukham
Maul des Hundes

mukhaiḥ prasravaṇe vṛtte mṛgayāyāṃ sadā śuci / bhuktvā kṣutvā tathā suptvā pītvā cāmbho vigāhya ca //

[jeweils] mit dem Maul beim Fließen der Milch bzw. bei der Jagd — [diese sind] stets rein. Nach dem Essen, Niesen, Schlafen und Trinken, nach dem Eintauchen ins Wasser,

Wort für Wort
prasravaṇe vṛtte
wenn die Milch fließt
mṛgayāyām
bei der Jagd
sadā śuci
stets rein
bhuktvā kṣutvā
nach Essen, Niesen
suptvā pītvā
nach Schlafen, Trinken
vigāhya
nach Eintauchen

rathyāmākramya cācāmedvāso viparidhāya ca / mārjāraś caṅkramācchuddhaś caturythe 'hni rajasvalā //

nach dem Betreten einer Straße und nach dem Anlegen der Kleidung soll man den Mund spülen. Die Katze ist durch ihr Umherlaufen rein. Die Menstruierende [ist] am vierten Tag

Wort für Wort
rathyām ākramya
nach Betreten der Straße
ācāmet
soll den Mund spülen
vāsaḥ viparidhāya
nach Anlegen der Kleidung
mārjāraḥ
die Katze
caṅkramāt
durch Umherlaufen
rajasvalā
die Menstruierende

snātā strī pañcame yogyā daive pitrye ca karmaṇi / pañcāpāne daśaikasminnubhayoḥ sapta mṛttikāḥ //

nach dem Bad [rein]; am fünften ist die Frau tauglich für Handlungen gegenüber Göttern und Ahnen. Fünf Erdklumpen an den After, zehn an eine [Hand], an beide sieben;

Wort für Wort
snātā strī
die gebadete Frau
pañcame yogyā
am fünften tauglich
daive pitrye karmaṇi
bei Götter- und Ahnenritus
pañca apāne
fünf an den After
ubhayoḥ sapta mṛttikāḥ
an beide sieben Erdklumpen

ekāṃ liṅge mṛdaṃ dadyāt karayostridvimṛttikāḥ / brahmacārivanasthānāṃ yatīnāñca caturguṇaṃ //

einen Erdklumpen gebe man an das Glied, an die Hände drei bzw. zwei [?]. Für Brahmacārins, Waldeinsiedler und Asketen [gilt] das Vierfache.

Wort für Wort
ekām liṅge mṛdam
einen Erdklumpen an das Glied
karayoḥ
an die Hände
brahmacāri-vanasthānām
der Schüler und Waldeinsiedler
yatīnām
der Asketen
caturguṇam
vierfach

Die Zahlen für die Hände weichen von 13d ab; Text vermutlich gestört.

śrīphalair aṃśupaṭṭānāṃ kṣaumāṇāṅgaurasarṣapaiḥ / śuddhiḥ paryukṣya toyena mṛgalomnāṃ prakīrtitā //

Bei Seidenstoffen [geschieht die Reinigung] mit Bilva-Früchten, bei Leinen mit weißen Senfkörnern; bei Gegenständen aus Hirschhaar wird die Reinigung durch Besprengen mit Wasser gelehrt.

Wort für Wort
śrīphalaiḥ
mit Bilva-Früchten
aṃśu-paṭṭānām
der Seidenstoffe
kṣaumāṇām
der Leinenstoffe
gaura-sarṣapaiḥ
mit weißem Senf
paryukṣya toyena
durch Besprengen mit Wasser
mṛga-lomnām
der Hirschhaare

puṣpāṇāñca phalānāñca prokṣaṇājjalato 'khilaṃ //

Blumen und Früchte [werden] allesamt durch Besprengen mit Wasser [rein].

Wort für Wort
puṣpāṇām
der Blumen
phalānām
der Früchte
prokṣaṇāt jalataḥ
durch Besprengen mit Wasser
akhilam
allesamt

Nur ein Halbvers überliefert.

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