Kapitel 9: śrīrāmāvatārakathanaṃ
Erzählung von der Herabkunft des erhabenen Rāma (Sundarakāṇḍa)
Hanūmat überspringt den Ozean, findet Sītā im Aśoka-Hain, übergibt Rāmas Ring und erhält einen Edelstein als Zeichen; nach der Verwüstung des Hains und dem Brand Laṅkās kehrt er zu Rāma zurück. Vibhīṣaṇa läuft zu Rāma über, der Ozean weist den Brückenbau durch Nala an, und das Heer erreicht den Suvela. Das Kolophon nennt das Kapitel „sundarakāṇḍavarṇana“; mehrere Digitalisierungsfehler (mārūtintarau, śṛṅkitām, lāṅgala); Vers 31 hat drei Halbverse.
nārada uvāca | sampātivacanaṃ śrutvā hanumānaṅgadādayaḥ / abdhiṃ dṛṣṭvābruvaṃste 'bdhiṃ laṅghayet ko nu jīvayet //
Nārada sprach: „Als Hanūmat, Aṅgada und die übrigen die Worte Sampātis gehört und den Ozean gesehen hatten, sprachen sie: ‚Wer könnte den Ozean überspringen? Wer könnte [uns] das Leben retten?‘
Rāma und Lakṣmaṇa sind seine beiden trefflichen Söhne, die in die Waldverbannung gegangen sind. Du bist Jānakī, Rāmas Gattin, von Rāvaṇa mit Gewalt geraubt.
uvāca māṃ yathā rāmo nayecchīghraṃ tathā kuru / kākākṣipātanakathām pratiyāhi hi śokaha //
und sprach: ‚Handle so, dass Rāma mich schnell holt. Und [erinnere ihn an] die Geschichte vom ausgeschossenen Krähenauge; kehre zurück, du Vertreiber des Kummers!‘
maṇiṃ kathāṃ gṛhītvāha hanūmānneṣyate patiḥ / athavā te tvarā kācit pṛṣṭhamāruha me śubhe //
Nachdem er Edelstein und Geschichte empfangen hatte, sprach Hanūmat: ‚Der Gatte wird [dich] holen. Oder, wenn du irgend Eile hast, steige auf meinen Rücken, Schöne;
Hanūmat ersann ein Mittel, den Zehnhalsigen zu Gesicht zu bekommen: Er verwüstete den Hain, nachdem er dessen Wächter mit Zähnen, Krallen usw. getötet hatte.
‚[Ich bin] Rāmas Bote. Gib Sītā dem Rāghava [zurück]! [Sonst] wirst du sterben, von Rāmas Pfeilen getötet, zusammen mit den Rākṣasas in Laṅkā, ganz gewiss.‘
rāvaṇo hantumudyukto vibhīṣaṇanivāritaḥ / dīpayāmāsa lāṅgalaṃ dīptapucchaḥ sa mārutiḥ //
Rāvaṇa, bereit ihn zu töten, wurde von Vibhīṣaṇa abgehalten; er ließ [ihm] den Schwanz anzünden, und mit brennendem Schwanz [sprang] jener Sohn des Windes [davon].
dagdhvā laṅkāṃ rākṣasāṃś ca dṛṣṭvā sītāṃ praṇamya tām / samudrapāramāgamya dṛṣṭā sīteti cābravīt //
Nachdem er Laṅkā und die Rākṣasas verbrannt, Sītā [nochmals] gesehen und sich vor ihr verneigt hatte, gelangte er ans jenseitige Ufer des Ozeans und sprach: ‚Sītā ist gefunden!‘
aṅgadādīnaṅgadādyaiḥ pītvā madhuvane madhu / jitvā dadhimukhādīṃś ca dṛṣṭvā rāmañca te 'bruvan //
[So sprach er] zu Aṅgada und den übrigen. Mit Aṅgada und den übrigen trank er im Madhuvana Honig[trank]; sie überwältigten Dadhimukha und die übrigen, sahen Rāma und sprachen:
Benetze mich, der ich im Feuer der Liebe [brenne], mit dem Nektar der Kunde von Sītā!‘ Hanūmat sprach zu Rāma: ‚Ich habe den Ozean übersprungen und bin zurückgekommen,
nachdem ich Sītā gesehen und die Stadt verbrannt habe. Nimm den Edelstein Sītās! Wenn du Rāvaṇa getötet hast, wirst du Sītā [wieder]erlangen, Rāma; trauere nicht!‘
Rāma nahm jenen Edelstein und weinte, vom Trennungsschmerz gequält: ‚Beim Anblick des Edelsteins ist mir, als hätte ich Jānakī gesehen; führe mich zu Sītā!
ahaṃ tvayā kṛtaḥ pūrvaṃ rāmo 'pi nalasetunā / kṛtena taruśailādyair gataḥ pāraṃ mahodadheḥ / vānaraiḥ sa suvelasthaḥ saha laṅkāṃ dadarśa vai //
Ich bin einst von dir [d.h. deinen Vorfahren] geschaffen worden.‘ Und Rāma gelangte über Nalas Brücke, die aus Bäumen, Felsen usw. gebaut war, ans andere Ufer des großen Ozeans; auf dem Suvela stehend, erblickte er zusammen mit den Affen Laṅkā.
Wort für Wort
aham tvayā kṛtaḥ pūrvam
ich bin einst von dir gemacht
nala-setunā
über Nalas Brücke
taru-śaila-ādyaiḥ
aus Bäumen, Felsen usw.
pāram mahodadheḥ
das Ufer des großen Ozeans
suvela-sthaḥ
auf dem Suvela stehend
laṅkām dadarśa
erblickte Laṅkā
Vers mit drei Halbversen; „von dir geschaffen“ spielt wohl auf die Sagara-Söhne, Rāmas Vorfahren, an.