Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 204: māsopavāsavratam Das Gelübde des Monatsfastens

Agni beschreibt das Monatsfasten als höchstes Gelübde: Voraussetzungen, das Gelöbnis an Viṣṇu für dreißig Tage vom elften Tag des hellen Āśvina an, die Verhaltensregeln, den Abschluss mit Gaben an dreizehn Brahmanen und die Früchte. Am Ende wird geregelt, welche Speisen und Heilmittel einem ohnmächtigen Fastenden gereicht werden dürfen, ohne das Gelübde zu brechen. Einige Formen (arcayet für arcayiṣye, hitauṣadhva) sind verderbt.

agnir uvāca | vrataṃ māsopavāsañca sarvotkṛṣṭaṃ vadāmi te / kṛtvā tu vaiṣṇavaṃ yajñaṃ gurorājñāmavāpya ca //

Agni sprach: Ich nenne dir das Gelübde des Monatsfastens, das allerhöchste. Nachdem man ein Viṣṇu-Opfer vollzogen und die Erlaubnis des Lehrers erlangt hat

Wort für Wort
māsa-upavāsam
das Monatsfasten
sarva-utkṛṣṭam
allerhöchst
vaiṣṇavaṃ yajñam
ein Viṣṇu-Opfer
guroḥ ājñām
die Erlaubnis des Lehrers
avāpya
erlangt habend

kṛcchrādyaiḥ svabalaṃ buddhvā kuryān māsopavāsakaṃ / vānaprastho yatirvātha nārī vā vidhavā mune //

und durch Kṛcchra-Bußen und dergleichen die eigene Kraft erkannt hat, vollziehe man das Monatsfasten – ein Waldeinsiedler oder ein Asket oder auch eine Frau oder eine Witwe, o Weiser.

Wort für Wort
kṛcchra-ādyaiḥ
durch Kṛcchra-Bußen usw.
sva-balaṃ buddhvā
die eigene Kraft erkannt
vānaprasthaḥ
Waldeinsiedler
yatiḥ
Asket
nārī vidhavā
Frau, Witwe

āśvinasyāmale pakṣe ekādaśyāmupoṣitaḥ / vratametattu gṛhṇīyādyāvattriṃśaddināni tu //

In der hellen Hälfte des Āśvina, am elften Tag fastend, nehme man dieses Gelübde auf sich, und zwar für dreißig Tage:

Wort für Wort
āśvinasya amale pakṣe
in der hellen Hälfte des Āśvina
ekādaśyām upoṣitaḥ
am elften fastend
gṛhṇīyāt
nehme auf sich
triṃśat dināni
dreißig Tage

adyaprabhṛtyahaṃ viṣṇo yāvadutthānakantava / arcayetvāmanaśnan hi yāvat triṃśaddināni tu //

'Von heute an, o Viṣṇu, bis zu deinem Erwachen werde ich dich ohne zu essen verehren, dreißig Tage lang.

Wort für Wort
adya-prabhṛti
von heute an
yāvat utthānakam tava
bis zu deinem Erwachen
arcayiṣye tvām
ich werde dich verehren
anaśnan
ohne zu essen

arcayet ist dem Sinn nach als arcayiṣye (ich werde verehren) zu verstehen.

kārttikāśvinayorviṣṇoryāvadutthānakantava / mriye yadyantarāle 'haṃ vratabhaṅgo na me bhavet //

Bis zu deinem Erwachen, o Viṣṇu, [in der Zeit] zwischen Āśvina und Kārttika: Wenn ich in der Zwischenzeit sterbe, soll mir kein Bruch des Gelübdes entstehen.'

Wort für Wort
kārttika-āśvinayoḥ
zwischen Kārttika und Āśvina
mriye yadi
wenn ich sterbe
antarāle
in der Zwischenzeit
vrata-bhaṅgaḥ
Bruch des Gelübdes
na me bhavet
soll mir nicht sein

trikālaṃ pūjayedviṣṇuṃ triḥsnāto gandhapuṣpakaiḥ / viṣṇorgītādikaṃ japyandhyānaṃ kuryād vratī naraḥ //

Dreimal täglich verehre man Viṣṇu, dreimal gebadet, mit Duftstoffen und Blumen; Gesänge und dergleichen auf Viṣṇu, Murmelgebet und Meditation übe der gelübdetreue Mann.

Wort für Wort
tri-kālam
dreimal täglich
triḥ-snātaḥ
dreimal gebadet
gandha-puṣpakaiḥ
mit Duft und Blumen
gīta-ādikam
Gesang usw.
japyam dhyānam
Murmelgebet und Meditation

vṛthāvādampariharedarthākāṅkṣāṃ vivarjayet / nāvratasthaṃ spṛśet kañcidvikarmasthānna cālayet //

Nutzloses Gerede vermeide man, Verlangen nach Gewinn gebe man auf; man berühre niemanden, der nicht im Gelübde steht, und bewege [keinen], der verbotenem Tun nachgeht [?].

Wort für Wort
vṛthā-vādam
nutzloses Gerede
artha-ākāṅkṣām
Verlangen nach Gewinn
na avrata-stham spṛśet
berühre keinen außerhalb des Gelübdes
vikarma-sthān
die verbotenem Tun nachgehen
na cālayet
bewege nicht [?]

vikarmasthān na cālayet unsicher; vielleicht 'mit Übeltätern nicht verkehren'.

devatāyatane tiṣṭhedyāvat triṃśaddināni tu / dvādaśyāṃ pūjayitvā tu bhojayitvā dvijānvratī //

Im Tempel verweile man dreißig Tage lang. Am zwölften Tag, nachdem der Gelübdetreue [Viṣṇu] verehrt und Brahmanen gespeist hat

Wort für Wort
devatā-āyatane
im Tempel
tiṣṭhet
verweile
dvādaśyām
am zwölften Tag
bhojayitvā dvijān
Brahmanen gespeist habend

samāpya dakṣiṇāṃ dattvā pāraṇantu samācaret / bhuktimuktimavāpnoti kalpāṃś caiva trayodaśa //

[und] nach Beendigung [des Gelübdes] den Opferlohn gegeben hat, vollziehe er das Fastenbrechen. Er erlangt Genuss und Erlösung und zwar für dreizehn Weltzeitalter.

Wort für Wort
samāpya
beendet habend
dakṣiṇāṃ dattvā
den Opferlohn gegeben
pāraṇam
das Fastenbrechen
bhukti-muktim
Genuss und Erlösung
kalpān trayodaśa
dreizehn Kalpas

kārayedvaiṣṇavaṃ yajñaṃ yajedviprāṃstrayodaśa / tāvanti vastrayugmāni bhājanānyāsanāni ca //

Er lasse ein Viṣṇu-Opfer vollziehen und ehre dreizehn Brahmanen; ebenso viele Kleiderpaare, Gefäße und Sitze,

Wort für Wort
kārayet vaiṣṇavaṃ yajñam
lasse ein Viṣṇu-Opfer vollziehen
viprān trayodaśa
dreizehn Brahmanen
tāvanti
ebenso viele
vastra-yugmāni
Kleiderpaare
bhājanāni āsanāni
Gefäße und Sitze

chatrāṇi sapavitrāṇi tathopānadyugāni ca / yogapaṭṭopavītāni dadyādviprāya tairmataḥ //

Schirme samt Pavitra-Ringen, ebenso Sandalenpaare, Yoga-Binden und heilige Schnüre gebe er dem Brahmanen, von ihnen gebilligt.

Wort für Wort
chatrāṇi sa-pavitrāṇi
Schirme mit Pavitra-Ringen
upānat-yugāni
Sandalenpaare
yoga-paṭṭa-upavītāni
Yogabinden und heilige Schnüre
taiḥ mataḥ
von ihnen gebilligt

anyaviprāya śayyāyāṃ haimaṃ viṣṇuṃ prapūjya ca / ātmanaś ca tathāmūrtiṃ vastrādyaiś ca prapūjayet //

Einem anderen Brahmanen [gebe er], nachdem er auf einem Lager einen goldenen Viṣṇu verehrt hat; und ebenso verehre er ein Bild seiner selbst mit Kleidern und dergleichen [mit den Worten]:

Wort für Wort
anya-viprāya
einem anderen Brahmanen
śayyāyām
auf einem Lager
haimaṃ viṣṇum
einen goldenen Viṣṇu
ātmanaḥ mūrtim
ein Bild seiner selbst
vastra-ādyaiḥ
mit Kleidern usw.

sarvapāpavinirmukto vipro viṣṇuprasādataḥ / viṣṇulokaṃ gamiṣyāmi viṣṇureva bhavāmyahaṃ //

'Von allen Sünden befreit, ein Brahmane durch die Gnade Viṣṇus, werde ich in die Welt Viṣṇus gehen; Viṣṇu selbst werde ich.'

Wort für Wort
sarva-pāpa-vinirmuktaḥ
von allen Sünden befreit
viṣṇu-prasādataḥ
durch Viṣṇus Gnade
viṣṇu-lokaṃ gamiṣyāmi
ich werde in Viṣṇus Welt gehen
viṣṇuḥ eva bhavāmi
Viṣṇu selbst werde ich

vraja vraja devabuddhe viṣṇoḥ sthānamanāmayaṃ / vimānenāmalastatra tiṣṭhed viṣṇusvarūpadhṛk //

'Geh, geh, du göttlich Gesinnter, zu der leidlosen Stätte Viṣṇus!' Fleckenlos möge er dort mit dem Himmelswagen verweilen, die Gestalt Viṣṇus tragend.

Wort für Wort
vraja vraja
geh, geh
deva-buddhe
du göttlich Gesinnter
sthānam anāmayam
die leidlose Stätte
vimānena
mit dem Himmelswagen
viṣṇu-svarūpa-dhṛk
Viṣṇus Gestalt tragend

dvijānuktvātha tāṃ śayyāṃ gurave 'tha nivedayet / kulānāṃ śatamuddhṛtya viṣṇulokannayed vratī //

Nachdem man zu den Brahmanen [so] gesprochen hat, übergebe man jenes Lager dem Lehrer. Der Gelübdetreue erhebt hundert Geschlechter und führt sie in die Welt Viṣṇus.

Wort für Wort
dvijān uktvā
zu den Brahmanen gesprochen
tāṃ śayyām
jenes Lager
gurave nivedayet
übergebe dem Lehrer
kulānāṃ śatam uddhṛtya
hundert Geschlechter erhebend
viṣṇu-lokaṃ nayet
führe in Viṣṇus Welt

māsopavāsī yaddeśe sa deśo nirmalo bhavet / kiṃ punastatkulaṃ sarvaṃ yatra māsopavāsakṛt //

In welchem Land ein Monatsfastender ist, dieses Land wird rein – um wie viel mehr das ganze Geschlecht, in dem einer das Monatsfasten vollzieht!

Wort für Wort
māsa-upavāsī
der Monatsfastende
yat-deśe
in welchem Land
nirmalaḥ bhavet
wird rein
kiṃ punaḥ
um wie viel mehr
tat kulaṃ sarvam
dieses ganze Geschlecht

vratasthaṃ mūrchitaṃ dṛṣṭvā kṣīrājyañcaiva pāyayet / naite vrataṃ vinighranti havirviprānumoditaṃ //

Sieht man den im Gelübde Stehenden ohnmächtig, so gebe man ihm Milch und Butterschmalz zu trinken; diese zerstören das Gelübde nicht, [ebenso wenig] Opferspeise, die von Brahmanen gebilligt ist,

Wort für Wort
vrata-stham mūrchitam
den ohnmächtigen Gelübdehalter
kṣīra-ājyam
Milch und Butterschmalz
pāyayet
gebe zu trinken
na vratam vinighnanti
zerstören das Gelübde nicht
haviḥ vipra-anumoditam
von Brahmanen gebilligte Opferspeise

vinighranti für vinighnanti.

kṣīraṃ gurorhitauṣadhva āpo mūlaphalāni ca / viṣṇurmahauṣadhaṃ kartā vratamasmāt samuddharet //

Milch, [was] der Lehrer [anordnet], ein heilsames Arzneimittel, Wasser, Wurzeln und Früchte. Viṣṇu ist das große Heilmittel und der Handelnde: Darum möge er [durch ihn] das Gelübde aufrechterhalten [?].

Wort für Wort
kṣīram
Milch
guroḥ
des Lehrers [Wort]
hitam auṣadham
heilsames Arzneimittel
āpaḥ mūla-phalāni
Wasser, Wurzeln, Früchte
viṣṇuḥ mahā-auṣadham
Viṣṇu ist das große Heilmittel

hitauṣadhva ist verderbt (wohl hitam auṣadham); der Schluss vratam asmāt samuddharet ist unsicher.

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