Kapitel 52: devīpratimālakṣaṇaṃ
Merkmale der Göttinnenbilder
Aufzählung der vierundsechzig Yoginīs nach Himmelsrichtungen, danach Ikonographie und verschlüsselte Mantra-Anweisung für Bhairava sowie Beschreibungen Vīrabhadras, Gaurīs, Lalitās und Caṇḍikās. Das Kolophon nennt das Kapitel pratimālakṣaṇa; der Kapitelkopf hat die Verschreibung dvipañcośo. V. 12-13 enthalten codierte Mantra-Silben, deren Sinn nur annähernd erschließbar ist.
Der Erhabene sprach: Ich will die acht mal acht Yoginīs verkünden, der Reihe nach vom Osten (Indras Richtung) bis zum Nordosten (Īśānas Richtung): Akṣobhyā, Rūkṣakarṇī, Rākṣasī, Kṛpaṇā, Akṣayā,
Wort für Wort
yoginī-aṣṭa-aṣṭakam
die acht mal acht Yoginīs
aindra-ādi-īśa-antataḥ
vom Osten bis zum Nordosten
akṣobhyā
Akṣobhyā ('die Unerschütterliche')
rūkṣa-karṇī
Rūkṣakarṇī ('Rauhohr')
kṛpaṇā akṣayā
Kṛpaṇā, Akṣayā
rūkṣakarṇo für rūkṣakarṇī. Die 64 Namen sind in V. 1-8 vollständig wiedergegeben.
[Sie sind] achthändig oder vierhändig, mit Waffen nach Belieben, alle Vollkommenheiten gewährend. Bhairava sei zwölfhändig, mit ... Gesicht [?], Haarflechten und Mond tragend,
Wort für Wort
aṣṭa-hastāḥ catur-hastāḥ
acht- oder vierhändig
icchā-astrāḥ
mit Waffen nach Belieben
sarva-siddhi-dāḥ
alle Vollkommenheiten gebend
arka-hastaḥ
zwölfhändig
jaṭā-indu-bhṛt
Flechten und Mond tragend
arka = 12. kūrparāsyo unklar (vielleicht kharparāsya).
auf der einen Seite Schwert, Stachel, Axt, Pfeil, ... [?] und Schutzgebärde tragend; [auf der anderen] Bogen, Dreizack, Khaṭvāṅga, Schlinge, ... [?] und die erhobene Gabengeste,
Wort für Wort
khaḍga-aṅkuśa-kuṭhāra-iṣu
Schwert, Stachel, Axt, Pfeil
abhaya-bhṛt
Schutzgebärde tragend
ekataḥ
auf der einen Seite
cāpa-triśūla-khaṭvāṅga-pāśaka
Bogen, Dreizack, Khaṭvāṅga, Schlinge
vara-udyataḥ
mit erhobener Gabengeste
viśva und ardha sind in der Waffenliste unklar (evtl. vajra bzw. ein Halbmond).
mit zwei [Händen] das Elefantenfell haltend, mit einem Fell als Gewand, mit Schlangen geschmückt, Leichen verzehrend [?]; er ist inmitten der Mütter zu verehren, oder fünfgesichtig.
Wort für Wort
gaja-carma-dharaḥ
das Elefantenfell haltend
kṛtti-vāsāḥ
mit Fell als Gewand
ahi-bhūṣitaḥ
mit Schlangen geschmückt
mātṛ-madhye pūjyaḥ
inmitten der Mütter zu verehren
pañca-ānanaḥ
fünfgesichtig
pretāśano vielleicht für pretāsano ('auf einem Toten sitzend'); hibhūṣataḥ für hibhūṣitaḥ.
avilomāgniparyantaṃ dīrghāṣṭakaikabheditaṃ / tatṣaḍaṅgāni jātyantair anvitaṃ ca kramād yajet //
[Den Mantra, gebildet aus den Buchstaben] in nicht umgekehrter Folge bis zum Feuer[-Laut], unterschieden durch die acht Langvokale [?], und seine sechs Glieder, versehen mit den Jāti-Endungen, verehre man der Reihe nach.
Wort für Wort
aviloma
nicht umgekehrt
agni-paryantam
bis zum Feuer(-Laut)
dīrgha-aṣṭaka
acht Langvokale [?]
tat-ṣaḍ-aṅgāni
seine sechs Glieder
jāti-antaiḥ
mit den Jāti-Endungen
Verschlüsselte Mantra-Anweisung; Sinn nur ungefähr erschließbar.
[Der Mantra ist] auf dem Blatt des 'Hauses' und des 'Feuers' angebracht [?], mit 'Gold' und 'Saft' versehen [?], verbunden mit Nāda, Bindu und Mondsichel, erleuchtet durch die Glieder des Herrn der Mütter.
Wort für Wort
mandira-agni-dala-ārūḍham
auf 'Haus'- und 'Feuer'-Blatt gesetzt [?]
suvarṇa-rasaka-anvitam
mit 'Gold' und 'Saft' versehen [?]
nāda-bindu-indu-saṃyuktam
mit Nāda, Bindu, Mondsichel verbunden
mātṛ-nātha-aṅga-dīpitam
durch die Glieder des Mütterherrn erleuchtet
Die Codewörter (mandira, agni, suvarṇa, rasaka) bezeichnen verschlüsselte Mantra-Laute; vindvandu für bindvindu.
[oder] vierarmig mit Dreizack, Tropfgefäß (galantikā), Wasserkrug und Gabengeste. Lalitā, auf dem Lotos stehend, mit Skanda, Gaṇa[pati], Spiegel und Stäbchen.
Caṇḍikā sei zehnhändig, rechts Schwert, Dreizack, Rad und Speer tragend, links Schlangenschlinge, Schild, Stachel, Axt und Bogen; [sie steht] auf dem Löwen, und vor ihr [liegt] der Büffel, vom Dreizack getroffen.
Wort für Wort
daśa-hastā
zehnhändig
khaḍga-śūla-ari-śakti-dhṛk
Schwert, Dreizack, Rad, Speer tragend
carma-aṅkuśa-kuṭhārakam
Schild, Stachel, Axt
siṃhe
auf dem Löwen
śūlena prahataḥ
vom Dreizack getroffen
saśahastā wohl für daśahastā; carmāgkuśa für carmāṅkuśa. Vers mit drei Halbverspaaren.