Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 110: gaṅgāmāhātmya Die Größe der Gaṅgā

Kurzer Lobpreis der Gaṅgā: Ihr Wasser, ihre Ufererde und schon ihr Name reinigen von Sünden und verschaffen den Himmel; Knochen Verstorbener in ihrem Wasser sichern deren Verbleiben im Himmel. Kopftitel 'gaṅāmāhātmyaṃ' ist verschrieben; V. 2 ist metrisch unvollständig.

agnir uvāca | gaṅāmāhātmyamākhyāsye sevyā sā bhuktimuktidā / yeṣāṃ madhye yāti gaṅgā te deśā pāvanā varāḥ //

Agni sprach: Ich will die Größe der Gaṅgā verkünden; ihr soll man dienen, sie gewährt Genuss und Erlösung. Die Länder, durch deren Mitte die Gaṅgā fließt, sind reinigend und vorzüglich.

Wort für Wort
gaṅgā-māhātmyam
Größe der Gaṅgā
ākhyāsye
ich werde verkünden
sevyā
zu verehren, aufzusuchen
yeṣām madhye yāti
durch deren Mitte sie geht
pāvanāḥ varāḥ
reinigend, vorzüglich

gaṅāmāhātmyam: lies gaṅgāmāhātmyam.

gatirgaṅgā tu bhūtānāṃ gatimanveṣatāṃ / sadā gaṅgā tārayate cobhau vaṃśau nityaṃ hi sevitā //

Die Gaṅgā ist die Zuflucht der Wesen, die [stets] eine Zuflucht suchen; stets rettet die Gaṅgā, beständig verehrt, beide Geschlechterlinien [Anm.: die väterliche und die mütterliche].

Wort für Wort
gatiḥ
Zuflucht, Weg, Ziel
bhūtānām
der Wesen
gatim anveṣatām
die eine Zuflucht suchen
tārayate
rettet, lässt hinübergelangen
ubhau vaṃśau
beide Geschlechter
nityam sevitā
beständig verehrt

Im ersten Halbvers fehlen metrisch zwei Silben (vor gatimanveṣatāṃ).

cāndrāyaṇasahasrācca gaṅgāmbhaḥpānamuttamaṃ / gaṅāṃ māsantu saṃsevya sarvayajñaphalaṃ labhet //

Vorzüglicher als tausend Cāndrāyaṇa-Bußen ist das Trinken von Gaṅgā-Wasser. Wer der Gaṅgā einen Monat lang dient, erlangt die Frucht aller Opfer.

Wort für Wort
cāndrāyaṇa-sahasrāt
als tausend Cāndrāyaṇa-Bußen
gaṅgā-ambhaḥ-pānam
Trinken von Gaṅgā-Wasser
uttamam
besser, höchst
māsam
einen Monat lang
saṃsevya
verehrt habend

gaṅāṃ: lies gaṅgāṃ.

sakalāghaharī devī svargalokapradāyinī / yāvadasthi ca gaṅgāyāṃ tāvat svarge sa tiṣṭhati //

Die Göttin nimmt alle Sünden hinweg und schenkt die Himmelswelt. Solange ein Knochen [des Verstorbenen] in der Gaṅgā liegt, so lange verweilt er im Himmel.

Wort für Wort
sakala-agha-harī
alle Sünde wegnehmend
svarga-loka-pradāyinī
die Himmelswelt schenkend
yāvat asthi
solange ein Knochen
tāvat svarge tiṣṭhati
so lange weilt er im Himmel

andhādayastu tāṃ sevya devair gacchanti tulyatāṃ / gaṅgātīrthasamudbhūtamṛddhārī so 'ghahārkavat //

Blinde und andere [Gebrechliche], die ihr dienen, gelangen zur Gleichheit mit den Göttern. Wer Erde trägt, die an einem Gaṅgā-Tīrtha entstanden ist, der tilgt die Sünde wie die Sonne [die Finsternis].

Wort für Wort
andha-ādayaḥ
Blinde und andere
devaiḥ tulyatām
Gleichheit mit den Göttern
gaṅgā-tīrtha-samudbhūta-mṛd-dhārī
Träger von Erde aus einem Gaṅgā-Tīrtha
agha-hā
Sündentilger
arka-vat
wie die Sonne

aghahārkavat aufgelöst als agha-hā arka-vat.

darśanāt sparśanāt pānāttathā gaṅgetikīrtanāt / punāti puṇyapuruṣān śataśītha sahasraśaḥ //

Durch Anblick, Berührung, Trinken und ebenso durch das Aussprechen [des Namens] „Gaṅgā“ reinigt sie heilige Menschen zu Hunderten und Tausenden.

Wort für Wort
darśanāt
durch Anblick
sparśanāt
durch Berührung
pānāt
durch Trinken
gaṅgā iti kīrtanāt
durch Aussprechen von 'Gaṅgā'
punāti
reinigt
śataśaḥ sahasraśaḥ
zu Hunderten und Tausenden

śataśītha: lies śataśo 'tha.

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