Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 80: damanakārohaṇavidhiḥ Die Vorschrift über die Darbringung des Damanaka

Ursprungsmythos der Damanaka-Pflanze (Bhairava, von Śiva zum Strauch verflucht) und Ritual ihrer Einladung, Einweihung am Vorabend und Darbringung an Śiva am Morgen, verbunden mit einer Bitte um Vervollständigung des Ritus; der Lohn ist die Frucht des Monats Caitra. V. 7 ist in der Verteilung der Pflanzenteile unklar.

īśvara uvāca | vakṣye damanakārohavidhiṃ pūrvavadācaret / harakopāt purā jāto bhairavo damitāḥ surāḥ //

Īśvara sprach: Ich werde die Vorschrift über die Darbringung des Damanaka [Anm.: eine aromatische Pflanze] verkünden; man vollziehe sie wie zuvor. Aus dem Zorn Haras entstand einst Bhairava; von ihm wurden die Götter gebändigt.

Wort für Wort
vakṣye
ich werde verkünden
damanakārohavidhim
Vorschrift der Damanaka-Darbringung
harakopāt
aus Haras Zorn
bhairavaḥ
Bhairava
damitāḥ surāḥ
die Götter wurden gebändigt

tenātha śapto viṭapo bhaveti tripurāriṇā / prasanneneritaṃ cedaṃ pūjayiṣyanti ye narāḥ //

Darauf wurde er vom Feind von Tripura verflucht: „Werde ein Strauch!“ Und gnädig gestimmt sprach dieser: „Die Menschen, die [dich] verehren werden,

Wort für Wort
śaptaḥ
verflucht
viṭapaḥ bhava
werde ein Strauch
tripurāriṇā
vom Feind Tripuras
prasannena īritam
vom Gnädigen gesprochen
pūjayiṣyanti
sie werden verehren

paripūrṇaphalaṃ teṣāṃ nānyathā te bhaviṣyati / saptamyāṃ vā trayodaśyāṃ damanaṃ saṃhitātmabhiḥ //

deren Frucht wird vollständig sein; nicht anders wird es für sie sein.“ Am siebten oder dreizehnten [Mondtag] soll der Mantrakundige den Damana mit den Saṃhitā[-Mantras]

Wort für Wort
paripūrṇaphalam
vollständige Frucht
na anyathā
nicht anders
bhaviṣyati
wird sein
saptamyām trayodaśyām
am Siebten oder Dreizehnten
saṃhitātmabhiḥ
mit den Saṃhitā-Mantras

sampūjya bodhayedvṛkṣaṃ bhavavākyena mantravit / haraprasādasaṃbhūta tvamatra sannidhībhava //

verehren und den Strauch mit dem Wort Bhavas (Śivas) erwecken: „Aus Haras Gnade Entstandener, sei hier gegenwärtig!

Wort für Wort
sampūjya
verehrend
bodhayet vṛkṣam
er erwecke den Strauch
bhavavākyena
mit dem Wort Bhavas
haraprasādasambhūta
o aus Haras Gnade Entstandener
sannidhībhava
sei gegenwärtig

śivakāryaṃ samuddiśya netavyo 'si śivājñayā / gṛhe 'pyāmantraṇaṃ kuryāt sāyāhne cādhivāsanaṃ //

Im Hinblick auf ein Werk für Śiva musst du auf Śivas Geheiß [mit]genommen werden.“ Auch im Haus vollziehe er die Einladung und am Abend die Einweihung (adhivāsana).

Wort für Wort
śivakāryam samuddiśya
im Hinblick auf ein Werk für Śiva
netavyaḥ asi
du musst genommen werden
śivājñayā
auf Śivas Geheiß
āmantraṇam
Einladung
sāyāhne adhivāsanam
am Abend die Einweihung

yathāvidhi samabhyarcya sūryaśaṅkarapāvakān / devasya paścime mūlaṃ dadyāttasya mṛdā yutaṃ //

Nachdem er Sonne, Śaṅkara und Feuer vorschriftsgemäß verehrt hat, lege er westlich des Gottes seine [des Strauches] Wurzel, mit Erde versehen, nieder,

Wort für Wort
yathāvidhi
vorschriftsgemäß
sūryaśaṅkarapāvakān
Sonne, Śaṅkara, Feuer
devasya paścime
westlich des Gottes
mūlam
die Wurzel
mṛdā yutam
mit Erde versehen

vāmena śirasā vātha nālaṃ dhātrīṃ tathottare / dakṣiṇe bhagnapatrañca prācyāṃ puṣpañca dhāraṇaṃ //

mit dem Vāma[deva] und dem Kopf-Mantra; oder den Stängel [und] Āmalakī [?] ebenso im Norden; im Süden abgebrochene Blätter, im Osten die Blüte und das Dhāraṇa [?],

Wort für Wort
vāmena śirasā
mit Vāmadeva und Kopf-Mantra
nālam
Stängel
dhātrīm
Āmalakī [?]
bhagnapatram
abgebrochenes Blatt
prācyām puṣpam
im Osten die Blüte

Vers unklar: dhātrīṃ und dhāraṇaṃ in diesem Zusammenhang unsicher.

puṭikāsthaṃ phalaṃ mūlamathaiśānyāṃ yajecchivaṃ / pañcāṅgamañjalau kṛtvā āmantrya śirasi nyaset //

die im Blattbecher befindliche Frucht und die Wurzel; dann verehre er im Nordosten Śiva. Nachdem er die fünf Teile [der Pflanze] in die hohlen Hände genommen und [Śiva] angerufen hat, lege er sie aufs Haupt:

Wort für Wort
puṭikāstham phalam
die Frucht im Blattbecher
aiśānyām yajet śivam
im Nordosten verehre er Śiva
pañcāṅgam
die fünf Teile
añjalau kṛtvā
in die hohlen Hände nehmend
śirasi nyaset
aufs Haupt lege er

āmantrito 'si deveśa prātaḥkāle mayā prabho / kartavyastapaso lābhaḥ pūrṇaṃ sarvaṃ tavājñayā //

„Eingeladen bist du, Herr der Götter, von mir für die Morgenzeit, o Herr; die Erlangung [der Frucht] der Askese ist zu bewirken; alles [sei] vollständig auf dein Geheiß.“

Wort für Wort
āmantritaḥ asi
du bist eingeladen
prātaḥkāle
für die Morgenzeit
kartavyaḥ
ist zu bewirken
tapasaḥ lābhaḥ
die Erlangung der Askese[frucht]
pūrṇam sarvam
alles vollständig

mūlena śeṣaṃ pātrasthaṃ pidhāyātha pavitrakaṃ / prātaḥ snātvā jagannāthaṃ gandhapuṣpādibhiryajet //

Den im Gefäß befindlichen Rest bedecke er mit dem Grundmantra, ebenso das Pavitra. Am Morgen gebadet, verehre er den Herrn der Welt mit Duftstoffen, Blumen usw.

Wort für Wort
mūlena
mit dem Grundmantra
śeṣam pātrastham
den Rest im Gefäß
pidhāya
bedeckend
prātaḥ snātvā
am Morgen gebadet
jagannātham
den Herrn der Welt

nityaṃ naimittikaṃ kṛtvā damanaiḥ pūjayettataḥ / śeṣamañjalimādāya ātmavidyāśivātmabhiḥ //

Nachdem er das Tägliche und Gelegentliche vollzogen hat, verehre er dann mit den Damanaka[-Zweigen]. Den Rest nehme er in die hohlen Hände, [und opfere ihn] mit Ātman, Vidyā und Śiva,

Wort für Wort
nityam naimittikam kṛtvā
Tägliches und Gelegentliches vollziehend
damanaiḥ pūjayet
mit Damanaka verehre er
śeṣam añjalim ādāya
den Rest in die hohlen Hände nehmend
ātmavidyāśivātmabhiḥ
mit Ātman, Vidyā, Śiva

mūlādyair īśvarāntaiś ca caturthāñjalinā tataḥ / oṃ hauṃ makheśvarāya makhaṃ pūraya śūlapāṇaye namaḥ / śivaṃ vahniṃ ca sampūjya guruṃ prārcyātha bodhayet //

mit den [Mantras], die mit dem Grundmantra beginnen und auf „īśvara“ enden, dann mit einer vierten Handvoll: „Oṃ hauṃ, dem Herrn des Opfers – vervollständige das Opfer! – dem Dreizack-in-der-Hand, Verehrung!“ Nachdem er Śiva und das Feuer verehrt und den Lehrer geehrt hat, tue er kund:

Wort für Wort
mūlādyaiḥ īśvarāntaiḥ
mit den vom Grundmantra bis īśvara
caturthāñjalinā
mit einer vierten Handvoll
makheśvarāya
dem Herrn des Opfers
makham pūraya
vervollständige das Opfer
śūlapāṇaye
dem Dreizack-in-der-Hand
bodhayet
er tue kund

bhagavannatiriktaṃ vā hīnaṃ vā yanmayā kṛtaṃ / sarvaṃ tadastu sampūrṇaṃ yacca dāmanakaṃ mama / sakalaṃ caitramāsotthaṃ phalaṃ prāpya divaṃ vrajet //

„Erhabener, was ich zu viel oder zu wenig getan habe, das alles sei vollständig, und [ebenso] mein Damanaka[-Ritus].“ Nachdem er die ganze aus dem Monat Caitra hervorgehende Frucht erlangt hat, geht er in den Himmel ein.

Wort für Wort
bhagavan
o Erhabener
atiriktam hīnam
zu viel, zu wenig
sampūrṇam
vollständig
dāmanakam mama
mein Damanaka-Ritus
caitramāsottham phalam
die Frucht des Monats Caitra
divam vrajet
er gehe in den Himmel

Vers mit drei Halbversen.

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