Kapitel 325: gauryādipūjā
Die Verehrung Gaurīs u. a.
Gelehrt wird die Verehrung Umās bzw. Gaurīs zur Erlangung von Eheglück und anderen Gütern: die (teilweise verschlüsselte) Herleitung ihrer Mantras in den Formen Yāmala und Ekavīra, ihre Bildformen, Begleitgöttinnen, Attribute und Handgesten, das Maṇḍala sowie Opfer, Mädchenspeisung und die Früchte des Rituals. Den Abschluss bildet die Verehrung des Mṛtyuñjaya in einem Krug mit Opfern und Meditation zur Abwehr vorzeitigen Todes. Zahlreiche Digitalisierungsfehler (z. B. tiṅgamudrā, mṛtyuñcaya, kanyārthau); die Mantro-Codes (V. 2–3, 7, 23) bleiben unsicher.
Īśvara sprach: Ich verkünde die Verehrung der Umā zur [Erlangung von] Eheglück usw., die Genuss und Erlösung gewährt: Mantra, Meditation, Maṇḍala, Handgeste (mudrā) und Durchführung von Opfer usw.
„Citrabhānu“, „Śiva“, „Kāla“, verbunden mit „Mahāśakti“; den [Buchstaben] beginnend mit „Iḍā“ hebe man von dem anderen [?] heraus, mit dem „Gott“ und dem „Vikāraṇa“ [?];
oṃ hrīṃ saḥ śauṃ gauryai namaḥ tatrārṇatritayenaiva jātiyuktaṃ ṣaḍaṅgulam / āsanaṃ praṇaveṇaiva mūrtiṃ vai hṛdayena tu //
„Oṃ hrīṃ saḥ śauṃ gauryai namaḥ“ (Oṃ hrīṃ saḥ śauṃ, der Gaurī Verehrung). Darauf [bilde man] mit eben den drei Buchstaben, mit der Schlussformel (jāti) versehen, die sechs Glieder; den Sitz mit dem Praṇava, die Gestalt aber mit dem Herz[-Mantra].
Ebenso hebe man „Udaka“ (Wasser), „Kāla“ und die Śiva-Keimsilbe heraus; den „Prāṇa“ mit langem Vokal versehen; die sechs Glieder mit der Schlussformel verbunden.
Den Sitz vollziehe man hier mit dem Praṇava, die Auflegung der Gestalt mit dem Herz[-Mantra]. [Die Form] „Yāmala“ (Paar) ist [damit] erklärt, mein Sohn; nun verkünde ich [die Form] „Ekavīra“ (Alleinheld).
Den „Durchdringenden“ (vyāpaka), verbunden mit der „Schöpfung“, mit „Vahni“, „Māyā“ und „Kṛśānu“ – die aus Śiva und Śakti bestehende Keimsilbe, [und zwar] die Keimsilbe ohne Herz usw.
Man verehre Gaurī [als Bild] aus Gold oder Silber, aus Holz, aus Stein usw., [ferner] die „Fünf-Kloß“-Form (pañcapiṇḍā) und die Unmanifeste: in den Ecken [vier], in der Mitte aber die fünfte.
Auf dem Sitz zwei Lotusse [?]; sie [ist] ... [tārā?], zweiarmig oder vierarmig, auf einem Löwen stehend oder auf einem Wolf [?], mit acht oder achtzehn schönen Händen.
Wort für Wort
pīṭha-padma-dvayam
auf dem Sitz zwei Lotusse
dvi-bhujā vā catur-bhujā
zwei- oder vierarmig
siṃha-sthā
auf einem Löwen stehend
vṛka-sthā
auf einem Wolf stehend
aṣṭa-aṣṭādaśa-sat-karā
mit acht oder achtzehn schönen Händen
tārā vielleicht für tathā; vṛkasthā vielleicht für vṛṣasthā („auf dem Stier“); caturbhajā für caturbhujā.
Manifest oder unmanifest ist sie darzustellen. Die Lotus-Geste gilt für den Sitz; die Liṅga-Geste wird für Śiva genannt, und die Herbeirufungs-Geste für beide.
in den Richtungen je drei Tore; oder man verehre [sie] im Bhadraka[-Maṇḍala] oder auf einem Erdaltar (sthaṇḍila), nachdem man [das Bild] aufgestellt [und] mit den fünf Kuhprodukten, Amṛta usw. [gebadet hat].
Rote Blumen sind darzubringen. Hat man, nach Norden gewandt, verehrt und hundert [Spenden] Amṛta und Ghee geopfert, so hat man, wenn man die Vollspende gibt, an allen Vollendungen Anteil.
Wort für Wort
rakta-puṣpāṇi deyāni
rote Blumen sind darzubringen
udaṅmukhaḥ
nach Norden gewandt
śatam hutvā
hundert geopfert habend
amṛta-ājyam
Amṛta und Ghee
pūrṇa-daḥ sarva-siddhi-bhāk
die Vollspende gebend hat an allen Vollendungen Anteil
Wer ein Mädchen [zur Ehe] begehrt, erlangt ein Mädchen; ein Sohnloser erlangt einen Sohn; eine vom Unglück Verfolgte Eheglück; ein König das Königreich und Sieg in der Schlacht;
aṣṭalakṣaiś ca vāksiddhirdevādyā vaśamāpnuyuḥ / na nivedya na cāsnīyādvāmahastena cārcayet //
mit acht Lakh [Wiederholungen] Meisterschaft der Rede; Götter usw. geraten in [seine] Gewalt. Man esse nicht, ohne dargebracht zu haben, und verehre nicht mit der linken Hand,
besonders am achten, vierzehnten und dritten [Mondtag]. Ich verkünde die Verehrung des Mṛtyuñjaya (Todesbezwinger): man verehre ihn im Inneren eines Kruges.
„Das zu Opfernde“ [?] und der Praṇava; die Gestalt ... [ojasa?] ist so beschaffen; den Grundmantra mit vauṣaṭ am Ende; man zeige die Krug-Geste (kumbhamudrā).
Wort für Wort
hūyamānam ca praṇavaḥ
das zu Opfernde und der Praṇava
mūrtiḥ
die Gestalt
mūlam ca vauṣaṭ-antena
den Grundmantra mit vauṣaṭ am Ende
kumbha-mudrām
die Krug-Geste
pradarśayet
man zeige
hūyamānaṃ und mūrtirojasa wohl Decknamen für Buchstaben des Mṛtyuñjaya-Mantras; unklar.
[Man meditiere ihn] viergesichtig, vierarmig, mit zwei [Händen] einen Krug haltend, mit zwei Wunschgewährung und Schutz [zeigend]; oder man bade [den Kranken] mit der Krug-Geste.
[Er gewährt] Gesundheit, Herrschaft und langes Leben; eine [mit ihm] besprochene Arznei ist heilsam. Meditiert beseitigt er vorzeitigen Tod; verehrt ist er wahrhaft wunderbar.