Kapitel 305: nārasiṃhādimantrāḥ
Die Mantras des Nārasiṃha und andere
Das Kapitel behandelt die niedere Zauberei (Lähmung, Vertreibung, Tötung usw.) und ihre Abwehr: einen Verwirrungsmantra des rasenden Rudra mit Bild- und Pulverzauber, den Sudarśana-Mantra mit Aṅga-Formeln, Ikonographie, gezeichnetem Rad und Opferritus sowie den Mantra des Nārasiṃha. Quellbesonderheiten: Das Kolophon ist im Digitalisat unvollständig (endet mit dem Vermerk „% chapter {306}“); die Aṅga-Formeln in V. 5 und die Radbeschreibung in V. 9–10 sind verderbt; V. 18 enthält eine Prosaformel mit vier Halbversen.
Agni sprach: Lähmung, Entzweiung, Vertreibung, Vernichtung (der Wohnstatt), Verwirrung, Tötung und Krankheit – dies gilt als niedere Zauberei (kṣudra). Die Befreiung davon wird verkündet; höre!
„oṃ namo bhagavate unmattarudrāya bhrama bhrama bhrāmaya bhrāmaya amukaṃ vitrāsaya udbhrāmaya udbhrāmaya raudreṇa rūpeṇa hūṃ phaṭ ṭha ṭha“ (Oṃ, Verehrung dem erhabenen rasenden Rudra! Kreise, kreise, lass den N. N. kreisen, lass ihn kreisen; erschrecke ihn, versetze ihn in Taumel mit furchtbarer Gestalt! hūṃ phaṭ ṭha ṭha). Nachdem man diesen nachts auf dem Leichenplatz rezitiert hat, opfere man dreihunderttausendmal mit Honig; (opfert man) im Feuer des Scheiterhaufens mit Stechapfel-Brennhölzern, so wird der Feind beständig in Verwirrung versetzt.
Ein schwarzes Bild aus Goldocker [?] – nachdem man (den Mantra) rezitiert hat, durchbohre man es mit goldenen Nadeln an der Kehle oder am Herzen: dann stirbt der Feind.
Eselshaar, Asche vom Scheiterhaufen, Brahmadaṇḍī und Markaṭī – dieses Pulver, beschworen, werfe man ins Haus oder auf den Kopf (des Feindes): es bewirkt Vernichtung.
Bhṛgu (sa) und Ākāśa (ha), mit flammendem Agni (ra); Bhṛgu, Vahni (ra) und Varma (huṃ), phaṭ – so (lautet der Mantra) des Tausendspeichigen: „… hūṃ phaṭ“. „ācakrāya svāhā“ (dem Rad, svāhā) ist das Herz; „vicakrāya“ (dem Auseinanderrad) der Kopf; „śikhācakrāya“ [?] die Śikhā; dann „vicakrāya“ der Panzer; dann das Auge –
Wort für Wort
bhṛgu-ākāśau
sa und ha
sa-dīpta-agniḥ
mit flammendem ra
varma phaṭ
huṃ phaṭ
sahasra-are
beim Tausendspeichigen
ācakrāya svāhā hṛdayam
„ācakrāya svāhā“: das Herz
kavacam
der Panzer
śivaḥ wohl für śiraḥ. Die Zuordnung der Aṅga-Formeln ist verderbt (vicakrāya erscheint zweimal).
„sañcakrāya“ ist als Waffe (astra) angegeben, „jvālācakrāya“ (dem Flammenrad) wie zuvor. Dies ist der Śārṅga-Sudarśana(-Mantra), der niedere Zauberei und Grahas vertreibt und alles vollbringt.
mūrdhākṣimukhahṛdguhyapāde hy asyākṣarānnyaset / cakrābjāsanamagnyābhaṃ daṃṣṭraṇañca caturbhujam //
Seine Silben lege man auf Kopf, Augen, Mund, Herz, Scham und Füße. (Man meditiere ihn) auf einem Sitz aus Diskus und Lotos, feuerglänzend, mit Hauern, vierarmig,
Muschel, Diskus, Keule, Lotos, Stab und Treibstachel in den Händen, mit Bogen, mit gelbbraunem Haar und gelbbraunen Augen, der die drei Welten mit … [?] erfüllt.
Wort für Wort
śaṅkha-cakra-gadā-padma
Muschel, Diskus, Keule, Lotos
śalākā-aṅkuśa-pāṇinam
Stab und Treibstachel in der Hand
cāpinam
mit Bogen
piṅga-keśa-akṣam
mit gelbbraunem Haar und Augen
vyāpta-tri-piṣṭapam
die drei Welten erfüllend
amaravyāpta unklar (evtl. ‚mit Göttern‘ oder verderbt aus ‚mit Glanz‘).
(Beim gezeichneten Rad:) Die Nabe, durchbohrt von jenem Feuer [?] – (so) vergehen Krankheiten und Grahas. Das Rad ist gelb, die Speichen [?] rot, (darauf) die Vokale, der Zwischenraum dunkel,
Wort für Wort
nābhiḥ
die Nabe
tena agninā viddhā
von jenem Feuer durchbohrt
naśyante vyādhayaḥ grahāḥ
Krankheiten und Grahas vergehen
pītam cakram
das Rad gelb
svarāḥ
die Vokale
śyāmam avāntaram
der Zwischenraum dunkel
gadā raktāḥ wohl für arā raktāḥ ‚die Speichen rot‘; die Satzabgrenzung ist unsicher.
der Radkranz weiß, außen eine schwarze Linie und das Erd(-Quadrat). In der Mitte und auf den übrigen Speichen [?] (setze man) die Laute; so zeichne man zwei Räder.
Wort für Wort
nemiḥ śvetā
der Radkranz weiß
bahiḥ kṛṣṇa-varṇa-rekhā
außen eine schwarze Linie
pārthivī
das Erdquadrat
varṇān
die Laute
cakra-dvayam likhet
zeichne zwei Räder
madhyetaremare wohl madhye 'tarāre (bzw. itarāre) zu lesen.
ādāvānīya kumbhodaṃ gocare sannidhāya ca / dattvā sudarśanaṃ tatra yāmye cakre hunet kramāt //
Nachdem man zuerst Wasser in einem Krug herbeigeholt und in Sichtweite aufgestellt hat, gebe man dort Sudarśana (hinein) und opfere der Reihe nach in das südliche Rad:
Viṣṇu usw. alle lege man ebendort auf, ebendort im Süden. „namo viṣṇujanebhyaḥ sarvaśāntikarebhyaḥ pratigṛhṇantu śāntaye namaḥ“ (Verehrung den Leuten Viṣṇus, die allen Frieden bewirken; mögen sie (dies) zum Frieden annehmen; Verehrung!) – mit diesem Mantra bringe man mit dem Wasser des Opferrestes eine Spende (bali) dar.
Auf ein bereitetes Brett, in ein mit Kuhprodukten gefülltes Gefäß lege man ein Palāśa-(Blatt) bzw. (Blätter) eines Milchsaftbaums und lasse so von Brahmanen in den Richtungen opfern.
Diese beiden Opfer, mit Opferlohn, vernichten Bhūtas usw. Durch Blätter, mit Kuhprodukten bestrichen und beschriftet, und durch blattlose [?] (Zweige) wird die niedere Zauberei beseitigt.
Wort für Wort
sa-dakṣiṇam
mit Opferlohn
homa-dvayam
die beiden Opfer
bhūta-ādi-nāśanam
Bhūtas usw. vernichtend
gavya-akta-patra-likhitaiḥ
durch mit Kuhprodukten bestrichene, beschriftete Blätter
Mit Dūrvā (opfere man) für langes Leben, mit Lotossen für Glück, mit Udumbara für Söhne, mit Ghee im Kuhstall für das Gedeihen der Rinder, mit (Hölzern) aller Bäume [?] für Einsicht.
„oṃ kṣauṃ namo bhagavate nārasiṃhāya jvālāmāline dīptadaṃṣṭrāya agninetrāya sarvarakṣoghnāya sarvabhūtavināśāya sarvajvaravināśāya daha daha paca paca rakṣa rakṣa hūṃ phaṭ“ (Oṃ kṣauṃ, Verehrung dem erhabenen Nārasiṃha, dem Flammenbekränzten, mit glühenden Hauern, mit Feueraugen, dem Töter aller Rakṣasas, dem Vernichter aller Bhūtas, dem Vernichter aller Fieber: brenne, brenne, koche, koche, schütze, schütze! hūṃ phaṭ). Dies ist der Mantra des Nārasiṃha, der alle Übel abwehrt. Durch Rezitation usw. vertreibt er niedere Zauberei, Grahas, Seuchen, Gift und Krankheiten. Ein Pulver aus Frosch und Krähe [?] bewirkt die Lähmung von Wasser und Feuer.
Wort für Wort
nārasiṃhāya
dem Nārasiṃha
jvālā-māline
dem Flammenbekränzten
sarva-rakṣaḥ-ghnāya
dem Töter aller Rakṣasas
sakala-agha-nivāraṇaḥ
alle Übel abwehrend
kṣudra-graha-mārī-viṣa-āmayān
niedere Magie, Grahas, Seuche, Gift, Krankheiten
jala-agni-stambha-kṛt
Wasser und Feuer lähmend
Vier Halbverse nach der Prosaformel. makalāghnivāraṇaḥ wohl sakalāghanivāraṇaḥ; maṇḍūkavayasā unsicher.