Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 375: samādhiḥ Die Versenkung (Samādhi)

Agni beschreibt den Samādhi als völlige Stillstellung des Geistes wie eine Lampe im Windstillen, warnt vor den Verlockungen übernatürlicher Kräfte und stellt Selbst, Körper, Sāṃkhya-Evolution und die Herzensstrahlen dar. Den Abschluss bildet die Lehre von den beiden Wegen nach dem Tod (Götterweg ohne Wiederkehr, Väterweg mit Wiederkehr) und der Erlösung auch des rechtschaffenen Hausvaters. Mehrere Tippfehler des Digitalisats (u. a. V. 6 verderbt, V. 30, 35, 43) sind in den Anmerkungen vermerkt.

agnir uvāca | yadātmamātraṃ nirbhāsaṃ stimitodadhivat sthitaṃ / caitanyarūpavaddhyānaṃ tat samādhirihocyate //

Agni sprach: Wenn die Meditation nur noch das Selbst aufleuchten lässt, wie ein unbewegter Ozean dasteht und gleichsam die Gestalt reinen Bewusstseins hat, so heißt sie hier Samādhi.

Wort für Wort
yadā ātma-mātram nirbhāsam
wenn nur das Selbst aufleuchtet
stimita-udadhi-vat sthitam
wie ein unbewegter Ozean dastehend
caitanya-rūpa-vat
gleichsam von der Gestalt des Bewusstseins
dhyānam
Meditation
samādhiḥ iha ucyate
heißt hier Samādhi

dhyāyanmanaḥ sanniveśya yastiṣṭhedacalasthiraḥ / nirvātānalavadyogī samādhisthaḥ prakīrtitaḥ //

Der Yogin, der meditierend den Geist [auf das Objekt] richtet und unbeweglich und fest verharrt wie ein Feuer ohne Wind, wird als im Samādhi befindlich gepriesen.

Wort für Wort
dhyāyan manaḥ sanniveśya
meditierend den Geist hinlenkend
tiṣṭhet acala-sthiraḥ
verharrt unbeweglich und fest
nirvāta-anala-vat
wie ein Feuer ohne Wind
samādhi-sthaḥ prakīrtitaḥ
wird als im Samādhi befindlich gepriesen

na śṛṇoti na cāghrāti na paśyati na vamyati / na ca sparśaṃ vijānāti na saṅkalpayate manaḥ //

Er hört nicht, riecht nicht, sieht nicht, schmeckt nicht [?], nimmt keine Berührung wahr, und sein Geist fasst keine Vorstellungen.

Wort für Wort
na śṛṇoti
er hört nicht
na ca āghrāti
und riecht nicht
na paśyati
sieht nicht
na sparśam vijānāti
nimmt keine Berührung wahr
na saṅkalpayate manaḥ
der Geist fasst keine Vorstellung

vamyati („erbricht“) passt nicht; im Kontext der Sinnesreihe wohl für ein Verb des Schmeckens (etwa rasyati) verschrieben.

na cābhimanyate kiñcinna ca budhyati kāṣṭhavat / evamīśvarasaṃlīnaḥ samādhisthaḥ sa gīyate //

Er hält nichts für das Seine und nimmt nichts wahr, wie ein Stück Holz; so in den Herrn eingegangen, wird er als im Samādhi befindlich besungen.

Wort für Wort
na ca abhimanyate kiñcit
er bezieht nichts auf sich
na ca budhyati
und erkennt nicht
kāṣṭhavat
wie ein Holzstück
īśvara-saṃlīnaḥ
in den Herrn eingegangen
gīyate
wird besungen

yathā dīpo nivātasyo neṅgate sopamā smṛtā / dhyāyato viṣṇumātmānaṃ samādhistasya yoginaḥ //

Wie eine Lampe an windstillem Ort nicht flackert – das gilt als Gleichnis für den Samādhi des Yogin, der über Viṣṇu als das Selbst meditiert.

Wort für Wort
yathā dīpaḥ nivāta-sthaḥ
wie eine Lampe an windstillem Ort
na iṅgate
flackert nicht
sā upamā smṛtā
das gilt als Gleichnis
dhyāyataḥ viṣṇum ātmānam
des über Viṣṇu als das Selbst Meditierenden

nivātasyo ist Tippfehler für nivātastho.

upasargāḥ pravartante divyāḥ siddhiprasūcakāḥ / pātitaḥ śrāvaṇo dhāturdaśanasvāṅgavedanāḥ //

Es treten göttliche Störungen auf, die das Erlangen übernatürlicher Kräfte anzeigen: [übernatürliche] Eingebung, Hören, ... Sehen, Schmecken und Fühlen [?].

Wort für Wort
upasargāḥ pravartante
Störungen treten auf
divyāḥ
göttliche
siddhi-prasūcakāḥ
die übernatürlichen Kräfte anzeigend
śrāvaṇaḥ
das Hören
vedanāḥ
Empfindungen

Zweiter Halbvers verderbt (pātitaḥ śrāvaṇo dhātur daśanasvāṅgavedanāḥ); vermutlich eine Liste der Wahrnehmungs-Siddhis wie prātibha, śrāvaṇa, darśana, āsvāda, vedanā.

prārthayanti ca taṃ devā bhogair divyaiś ca yoginaṃ / nṛpāś ca pṛthivīdānair dhanaiś ca sudhanādhipāḥ //

Die Götter umwerben jenen Yogin mit göttlichen Genüssen, die Könige mit Landschenkungen und die reichen Herren mit Schätzen.

Wort für Wort
prārthayanti
sie umwerben
devāḥ bhogaiḥ divyaiḥ
die Götter mit göttlichen Genüssen
nṛpāḥ pṛthivī-dānaiḥ
die Könige mit Landschenkungen
dhanaiḥ
mit Reichtümern
sudhana-adhipāḥ
die reichen Herren

vedādisarvaśāstrañca svayameva pravartate / abhīṣṭachandoviṣayaṃ kāvyañcāsya pravartate //

Alle Wissenschaft, beginnend mit dem Veda, stellt sich [bei ihm] von selbst ein; auch Dichtung in jedem gewünschten Versmaß und über jeden gewünschten Gegenstand stellt sich bei ihm ein.

Wort für Wort
veda-ādi-sarva-śāstram
alle Wissenschaft, beginnend mit dem Veda
svayam eva pravartate
stellt sich von selbst ein
abhīṣṭa-chandaḥ-viṣayam
in gewünschtem Versmaß und Gegenstand
kāvyam
Dichtung

rasāyanāni divyāni divyāś cauṣadhayas tathā / samastāni ca śilpāni kalāḥ sarvāś ca vindati //

Göttliche Elixiere (Rasāyanas) und ebenso göttliche Heilkräuter, sämtliche Handwerke und alle Künste erlangt er.

Wort für Wort
rasāyanāni divyāni
göttliche Elixiere
divyāḥ oṣadhayaḥ
göttliche Heilkräuter
samastāni śilpāni
sämtliche Handwerke
kalāḥ sarvāḥ
alle Künste
vindati
erlangt

surendrakanyā ity ādyā guṇāś ca pratibhādayaḥ / tṛṇavattāntyajed yastu tasya viṣṇuḥ prasīdati //

Die Töchter des Götterkönigs und dergleichen, und Vorzüge wie Geistesblitz (Pratibhā) usw. – wer dies wie Gras aufgibt, dem ist Viṣṇu gnädig.

Wort für Wort
surendra-kanyāḥ
Töchter des Götterkönigs
guṇāḥ pratibhā-ādayaḥ
Vorzüge wie Geistesblitz usw.
tṛṇavat
wie Gras
tān tyajet yaḥ
wer sie aufgibt
tasya viṣṇuḥ prasīdati
dem ist Viṣṇu gnädig

aṇimādiguṇaiśvaryaḥ śiṣye jñānaṃ prakāśya ca / bhuktvā bhogān yathecchātastanuntyaktvālayāttataḥ //

Im Besitz der Herrschaftskräfte wie Aṇimā (Kleinheit) usw., nachdem er dem Schüler das Wissen offenbart und die Genüsse nach Wunsch genossen hat, gebe er dann den Leib durch Auflösung (Laya) auf und ...

Wort für Wort
aṇimā-ādi-guṇa-aiśvaryaḥ
im Besitz der Kräfte wie Kleinheit usw.
śiṣye jñānam prakāśya
dem Schüler das Wissen offenbarend
bhuktvā bhogān
die Genüsse genossen habend
yathā-icchātaḥ
nach Wunsch
tanum tyaktvā layāt
den Leib durch Auflösung aufgebend

tiṣṭhet svātmani vijñāna ānande brahmaṇīśvare / malino hi yathādarśa ātmajñānāya na kṣamaḥ //

... verweile im eigenen Selbst, im Erkennen, in der Wonne, im Brahman, im Herrn. Denn wie ein schmutziger Spiegel [nicht spiegelt], so ist [der unreine Geist] zur Selbsterkenntnis nicht fähig.

Wort für Wort
tiṣṭhet sva-ātmani
er verweile im eigenen Selbst
vijñāne ānande
im Erkennen, in der Wonne
brahmaṇi īśvare
im Brahman, im Herrn
malinaḥ yathā ādarśaḥ
wie ein schmutziger Spiegel
ātma-jñānāya na kṣamaḥ
zur Selbsterkenntnis nicht fähig

sarvāśrayannije dehe dehī vindati vedanāṃ / yogayuktastu sarveṣāṃ yogānnāpnoti vedanāṃ //

Der Verkörperte erfährt im eigenen Leib die Empfindung, die auf allem beruht [?]; wer aber im Yoga verbunden ist, erfährt durch den Yoga von allem keinen Schmerz.

Wort für Wort
nije dehe
im eigenen Leib
dehī vindati vedanām
der Verkörperte erfährt Empfindung/Schmerz
yoga-yuktaḥ tu
der im Yoga Verbundene aber
yogāt na āpnoti vedanām
erfährt durch Yoga keinen Schmerz

sarvāśrayan wohl für sarvāśrayāṃ; Sinn des ersten Halbverses unsicher.

ākāśamekaṃ hi yathā ghaṭādiṣu pṛthag bhavet / tathātmaiko hy anekeṣu jalādhāreṣvivāṃśumān //

Wie der eine Raum in Töpfen usw. gesondert erscheint, so ist das eine Selbst in vielen [Wesen], wie die Sonne in [vielen] Wasserbehältern.

Wort für Wort
ākāśam ekam
der eine Raum
ghaṭa-ādiṣu pṛthak bhavet
erscheint in Töpfen usw. gesondert
ātmā ekaḥ anekeṣu
das eine Selbst in vielen
jala-ādhāreṣu iva aṃśumān
wie die Sonne in Wasserbehältern

brahmakhānilatejāṃsi jalabhūkṣitidhātavaḥ / ime lokā eṣa cātmā tasmācca sacarācaraṃ //

Brahman, Äther, Wind, Feuer, Wasser, Erde – die Grundstoffe –, diese Welten und dieses Selbst; und aus ihm [geht] das Bewegte und Unbewegte [hervor].

Wort für Wort
brahma-kha-anila-tejāṃsi
Brahman, Äther, Wind, Feuer
jala-bhū-kṣiti-dhātavaḥ
Wasser, Erde – die Grundstoffe
ime lokāḥ
diese Welten
eṣa ca ātmā
und dieses Selbst
tasmāt sa-cara-acaram
aus ihm das Bewegte und Unbewegte

bhū und kṣiti bedeuten beide „Erde“; die Aufzählung ist doppelt.

gṛddaṇdacakrasaṃyogāt kumbhakāro yathā ghaṭaṃ / karoti tṛṇamṛtkāṣṭhair gṛhaṃ vā gṛhakārakaḥ //

Wie der Töpfer durch die Verbindung von Ton, Stab und Rad einen Topf macht oder der Hausbauer aus Gras, Lehm und Holz ein Haus, ...

Wort für Wort
mṛd-daṇḍa-cakra-saṃyogāt
durch Verbindung von Ton, Stab und Rad
kumbhakāraḥ yathā ghaṭam
wie der Töpfer einen Topf
tṛṇa-mṛt-kāṣṭhaiḥ
aus Gras, Lehm und Holz
gṛham
Haus
gṛha-kārakaḥ
Hausbauer

gṛd- ist Tippfehler für mṛd-.

karaṇānyevamādāya tāsu tāsviha yoniṣu / mṛjatyātmānamātmaivaṃ sambhūya karaṇāni ca //

... so nimmt das Selbst die Werkzeuge (Karaṇas) an und erschafft sich selbst hier in diesen und jenen Mutterschößen, indem es sich mit den Werkzeugen verbindet.

Wort für Wort
karaṇāni ādāya
die Werkzeuge annehmend
tāsu tāsu yoniṣu
in diesen und jenen Schößen
sṛjati ātmānam ātmā
das Selbst erschafft sich selbst
sambhūya karaṇāni
sich mit den Werkzeugen verbindend

mṛjati wohl für sṛjati.

karmaṇā doṣamohābhyāmicchayaiva sa badhyate / jñānādvimucyate jīvo dharmād yogī na rogabhāk //

Durch das Karma, durch Fehler und Verblendung und durch Begehren wird er gebunden; durch Erkenntnis wird die Seele befreit; durch Dharma wird der Yogin nicht von Krankheit befallen.

Wort für Wort
karmaṇā
durch das Werk
doṣa-mohābhyām
durch Fehler und Verblendung
icchayā badhyate
wird durch Begehren gebunden
jñānāt vimucyate jīvaḥ
durch Erkenntnis wird die Seele befreit
na roga-bhāk
nicht von Krankheit befallen

vartyādhārasnehayogād yathā dīpasya saṃsthitiḥ / vikriyāpi ca dṛṣṭvaivamakāle prāṇasaṃkṣayaḥ //

Wie der Bestand einer Lampe auf der Verbindung von Docht, Gefäß und Öl beruht, so [erkennt man], wenn man eine Veränderung [daran] sieht, das vorzeitige Erlöschen des Lebenshauches.

Wort für Wort
varti-ādhāra-sneha-yogāt
durch Verbindung von Docht, Gefäß und Öl
dīpasya saṃsthitiḥ
Bestand der Lampe
vikriyā dṛṣṭvā
eine Veränderung sehend
akāle prāṇa-saṃkṣayaḥ
vorzeitiges Erlöschen des Lebenshauches

anantā raśmayastasya dīpavad yaḥ sthito hṛdi / sitāsitāḥ kadrunīlāḥ kapilāḥ pītalohitāḥ //

Unendlich sind die Strahlen dessen, der wie eine Lampe im Herzen weilt: weiße und schwarze, braune und blaue, rotbraune, gelbe und rote.

Wort für Wort
anantāḥ raśmayaḥ
unendliche Strahlen
dīpavat yaḥ sthitaḥ hṛdi
der wie eine Lampe im Herzen weilt
sita-asitāḥ
weiße und schwarze
kadru-nīlāḥ kapilāḥ
braune, blaue, rotbraune
pīta-lohitāḥ
gelbe und rote

ūrdhvamekaḥ sthitasteṣāṃ yo bhittvā sūryamaṇḍalaṃ / brahmalokamatikramya tena yāti parāṅgatiṃ //

Einer von ihnen steht aufwärts; wer [auf ihm] die Sonnenscheibe durchbricht und die Brahmā-Welt überschreitet, geht durch ihn zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
ūrdhvam ekaḥ sthitaḥ
einer steht aufwärts
bhittvā sūrya-maṇḍalam
die Sonnenscheibe durchbrechend
brahma-lokam atikramya
die Brahmā-Welt überschreitend
yāti parām gatim
geht zum höchsten Ziel

yadasyānyadraśmiśatamūrdhvameva vyavasthitaṃ / tena devanikāyāni dhāmāni pratipadyate //

Die hundert anderen Strahlen, die ebenfalls aufwärts gerichtet sind – durch sie gelangt er zu den Stätten der Götterscharen.

Wort für Wort
anyat raśmi-śatam
die anderen hundert Strahlen
ūrdhvam eva vyavasthitam
ebenfalls aufwärts gerichtet
deva-nikāyāni dhāmāni
die Stätten der Götterscharen
pratipadyate
er gelangt zu

ye naikarūpāścādhastādraśmayo 'sya mṛduprabhāḥ / iha karmopabhogāya taiś ca sañcarate hi saḥ //

Die vielgestaltigen Strahlen aber von mildem Glanz, die nach unten gehen – durch sie wandert er hier umher, um [die Früchte] der Taten zu genießen.

Wort für Wort
na eka-rūpāḥ
vielgestaltig
adhastāt raśmayaḥ
Strahlen nach unten
mṛdu-prabhāḥ
von mildem Glanz
karma-upabhogāya
zum Genuss der Taten
sañcarate
wandert umher

buddhīndriyāṇi sarvāṇi manaḥ karmendriyāṇi ca / ahaṅkāraś ca buddhiś ca pṛthivyādīni caiva hi //

Alle Erkenntnissinne, der Geist (Manas), die Tatsinne, der Ichmacher (Ahaṅkāra), die Buddhi und die [Elemente] Erde usw. ...

Wort für Wort
buddhi-indriyāṇi sarvāṇi
alle Erkenntnissinne
manaḥ
der Geist
karma-indriyāṇi
die Tatsinne
ahaṅkāraḥ buddhiḥ
Ichmacher und Intellekt
pṛthivī-ādīni
Erde usw.

avyakta ātmā kṣetrajñaḥ kṣetrastyāsya nigadyate / īśvaraḥ sarvabhūtasya sannasan sadasacca saḥ //

... [und] das Unentfaltete (Avyakta) – [all dies] heißt sein Feld; das Selbst ist der Feldkenner (Kṣetrajña). Er ist der Herr aller Wesen, seiend und nichtseiend, Sein und Nichtsein.

Wort für Wort
avyaktaḥ
das Unentfaltete
ātmā kṣetrajñaḥ
das Selbst ist der Feldkenner
kṣetram tu asya nigadyate
sein Feld wird genannt
īśvaraḥ sarva-bhūtasya
Herr aller Wesen
sat asat sat-asat ca
seiend, nichtseiend, beides

kṣetrastyāsya: lies kṣetraṃ tv asya.

buddherutpattiravyaktā tato 'haṅkārasambhavaḥ / tasmāt khādīni jāyante ekottaraguṇāni tu //

Aus dem Unentfalteten entsteht die Buddhi, daraus der Ichmacher; aus diesem entstehen Äther usw., jeweils mit um eins vermehrten Eigenschaften.

Wort für Wort
buddheḥ utpattiḥ avyaktāt
Entstehung der Buddhi aus dem Unentfalteten
ahaṅkāra-sambhavaḥ
Entstehung des Ichmachers
kha-ādīni jāyante
Äther usw. entstehen
eka-uttara-guṇāni
mit je um eins vermehrten Eigenschaften

śabdaḥ sparśaś ca rūpañca raso gandhaś ca tadguṇāḥ / yo yasminnāśritaś caiṣāṃ sa tasminneva līyate //

Schall, Berührung, Form, Geschmack und Geruch sind ihre Eigenschaften; worauf eines von ihnen beruht, darin geht es auch [wieder] auf.

Wort für Wort
śabdaḥ sparśaḥ
Schall, Berührung
rūpam rasaḥ gandhaḥ
Form, Geschmack, Geruch
tat-guṇāḥ
deren Eigenschaften
yaḥ yasmin āśritaḥ
was worauf beruht
tasmin eva līyate
darin geht es auf

sattvaṃ rajastamaś caiva guṇāstasyaiva kīrtitāḥ / rajastamobhyāmāviṣṭaś cakravadbhrābhyate hi saḥ //

Sattva, Rajas und Tamas werden als seine Guṇas gepriesen; von Rajas und Tamas ergriffen, wird er wie ein Rad herumgewirbelt.

Wort für Wort
sattvam rajaḥ tamaḥ
Sattva, Rajas, Tamas
guṇāḥ kīrtitāḥ
werden als Eigenschaften gepriesen
rajas-tamobhyām āviṣṭaḥ
von Rajas und Tamas ergriffen
cakravat bhrāmyate
wird wie ein Rad herumgewirbelt

bhrābhyate für bhrāmyate.

anādirādimān yaś ca sa eva puruṣaḥ paraḥ / liṅgendriyair upagrāhyāḥ sa vikāra udāhṛtaḥ //

Wer anfangslos und [doch] mit Anfang ist, der ist der höchste Puruṣa; was durch Merkmale und Sinne zu erfassen ist, wird Umwandlung (Vikāra) genannt.

Wort für Wort
anādiḥ ādimān
anfangslos, mit Anfang
puruṣaḥ paraḥ
der höchste Geist
liṅga-indriyaiḥ upagrāhyaḥ
durch Merkmale und Sinne erfassbar
vikāraḥ udāhṛtaḥ
heißt Umwandlung

yato devāḥ purāṇāni vidyopaniṣadas tathā / ślokāḥ sūtrāṇi bhāṣyāṇi yaccānyadmāṅbhayaṃ bhavet //

[Er ist es], aus dem die Götter, die Purāṇas, die Wissenschaften und Upaniṣaden, die Ślokas, Sūtras, Kommentare und was es sonst an Sprachwerk gibt, [hervorgehen].

Wort für Wort
yataḥ devāḥ
aus dem die Götter
purāṇāni
die Purāṇas
vidyā-upaniṣadaḥ
Wissenschaften und Upaniṣaden
ślokāḥ sūtrāṇi bhāṣyāṇi
Verse, Leitsätze, Kommentare
vāṅmayam
Sprachwerk

yaccānyadmāṅbhayaṃ: lies yac cānyad vāṅmayaṃ.

pitṛyānopavīthyāś ca yadagastyasya cāntaraṃ / tenāgnihotriṇo yānti prajākāmā divaṃ prati //

Auf dem Raum zwischen dem Seitenpfad des Väterwegs (Pitṛyāna) und [dem Stern] Agastya gehen die Agnihotra-Opferer, die Nachkommen wünschen, zum Himmel.

Wort für Wort
pitṛ-yāna-upavīthyāḥ
des Seitenpfads des Väterwegs
agastyasya ca antaram
und der Raum bis zu Agastya
agnihotriṇaḥ
die Agnihotra-Opferer
prajā-kāmāḥ
Nachkommen wünschend
divam prati yānti
gehen zum Himmel

ye ca dānaparāḥ samyagaṣṭābhiś ca guṇair yutāḥ / aṣṭāśītisahasrāṇi munayo gṛhamedhinaḥ //

Und die, die recht dem Geben ergeben und mit den acht Tugenden ausgestattet sind: achtundachtzigtausend Weise, Hausväter, ...

Wort für Wort
dāna-parāḥ
dem Geben ergeben
aṣṭābhiḥ guṇaiḥ yutāḥ
mit acht Tugenden ausgestattet
aṣṭāśīti-sahasrāṇi
achtundachtzigtausend
munayaḥ gṛhamedhinaḥ
Weise, Hausväter

punarāvartane vījabhūtā dharmapravartakāḥ / saptarṣināgvīthyāś ca devalokaṃ samāśritāḥ //

... die bei der Wiederkehr [der Schöpfung] zu Samen werden, die Begründer des Dharma, haben [auf dem Weg] zwischen den Sieben Weisen und dem Schlangenpfad (Nāgavīthī) Zuflucht in der Götterwelt genommen.

Wort für Wort
punar-āvartane
bei der Wiederkehr
bīja-bhūtāḥ
zu Samen werdend
dharma-pravartakāḥ
Begründer des Dharma
saptarṣi-nāgavīthyāḥ
zwischen den Sieben Weisen und dem Schlangenpfad
deva-lokam samāśritāḥ
in der Götterwelt Zuflucht genommen

vīja für bīja; saptarṣināgvīthyāś für saptarṣināgavīthyāś.

tāvanta eva munayaḥ sarvārambhavivarjitāḥ / tapasā brahmacaryeṇa saṅgatyāgena medhayā //

Ebenso viele Weise, die alle Unternehmungen aufgegeben haben, [gelangen] durch Askese, Keuschheit, Aufgabe der Anhaftung und Einsicht ...

Wort für Wort
tāvantaḥ eva munayaḥ
ebenso viele Weise
sarva-ārambha-vivarjitāḥ
alle Unternehmungen aufgebend
tapasā brahmacaryeṇa
durch Askese und Keuschheit
saṅga-tyāgena medhayā
durch Aufgabe der Anhaftung und Einsicht

yatra yatrāvatiṣṭhante yāvadāhūtasaṃplavaṃ / vedānuvacanaṃ yajñā brahmacaryaṃ tapo damaḥ //

... dorthin, wo sie verweilen bis zur Auflösung der Wesen. Vedarezitation, Opfer, Keuschheit, Askese, Selbstbezähmung, ...

Wort für Wort
yatra yatra avatiṣṭhante
wo sie verweilen
yāvat ābhūta-saṃplavam
bis zur Auflösung der Wesen
veda-anuvacanam
Vedarezitation
yajñāḥ brahmacaryam
Opfer, Keuschheit
tapaḥ damaḥ
Askese, Bezähmung

āhūtasaṃplavaṃ: lies ābhūtasaṃplavaṃ.

śraddhopavāsaḥ satyatvamātmano jñānahetavaḥ / sa tvāśramair nididhyāsyaḥ samastair evameva tu //

... Glaube, Fasten und Wahrhaftigkeit sind Ursachen der Selbsterkenntnis. Er [das Selbst] ist so von [den Angehörigen] aller Lebensstadien (Āśramas) zu meditieren, ...

Wort für Wort
śraddhā upavāsaḥ
Glaube, Fasten
satyatvam
Wahrhaftigkeit
ātmanaḥ jñāna-hetavaḥ
Ursachen der Selbsterkenntnis
āśramaiḥ samastaiḥ
von allen Lebensstadien
nididhyāsyaḥ
zu meditieren

draṣṭavyastvatha mantavyaḥ śrotavyaś ca dvijātibhiḥ / ya evamenaṃ vindanti ye cāraṇyakamāśritāḥ //

... von den Zweimalgeborenen zu schauen, zu bedenken und zu hören. Die ihn so erkennen und die im Wald Zuflucht genommen haben, ...

Wort für Wort
draṣṭavyaḥ
zu schauen
mantavyaḥ
zu bedenken
śrotavyaḥ
zu hören
ye evam enam vindanti
die ihn so erkennen
āraṇyakam āśritāḥ
die im Wald Zuflucht genommen haben

upāsate dvijāḥ satyaṃ śraddhayā parayā yutāḥ / kramātte sambhavantyarcirahaḥ śuklaṃ tathottaraṃ //

... die Zweimalgeborenen, die mit höchstem Glauben die Wahrheit verehren, gelangen der Reihe nach zur Flamme, zum Tag, zur hellen Monatshälfte, ebenso zum nördlichen ...

Wort für Wort
upāsate satyam
sie verehren die Wahrheit
śraddhayā parayā yutāḥ
mit höchstem Glauben
kramāt sambhavanti
gelangen der Reihe nach
arciḥ ahaḥ śuklam
Flamme, Tag, helle Hälfte
uttaram
den nördlichen

ayanandevalokañca savitāraṃ savidyutaṃ / tatastān puruṣo 'bhyetya mānaso brahmalaukikān //

... Sonnenlauf, zur Götterwelt, zur Sonne und zum Blitz; dann tritt eine geistgeborene Person zu ihnen heran und macht sie zu Bewohnern der Brahmā-Welt.

Wort für Wort
ayanam
Sonnenlauf
deva-lokam
Götterwelt
savitāram sa-vidyutam
die Sonne samt dem Blitz
puruṣaḥ abhyetya mānasaḥ
eine geistgeborene Person herantretend
brahma-laukikān karoti
macht sie zu Bewohnern der Brahmā-Welt

karoti punarāvṛttisteṣāmiha na vidyate / yajñena tapasā dānair ye hi svargajito janāḥ //

Für sie gibt es hier keine Wiederkehr. Die Menschen aber, die durch Opfer, Askese und Gaben den Himmel gewonnen haben, ...

Wort für Wort
punar-āvṛttiḥ
Wiederkehr
teṣām iha na vidyate
gibt es für sie hier nicht
yajñena tapasā dānaiḥ
durch Opfer, Askese, Gaben
svarga-jitaḥ janāḥ
die den Himmel gewonnen haben

dhūmaṃ niśāṃ kṛṣṇapakṣaṃ dakṣiṇāyanameva ca / pitṛlokaṃ candramasaṃ nabho vāyuṃ jalaṃ mahīṃ //

... [gelangen] zum Rauch, zur Nacht, zur dunklen Monatshälfte und zum südlichen Sonnenlauf, zur Väterwelt, zum Mond, zum Luftraum, zum Wind, zum Wasser, zur Erde, ...

Wort für Wort
dhūmam niśām
Rauch, Nacht
kṛṣṇa-pakṣam
dunkle Monatshälfte
dakṣiṇa-ayanam
südlicher Sonnenlauf
pitṛ-lokam candramasam
Väterwelt, Mond
nabhaḥ vāyum jalam mahīm
Luftraum, Wind, Wasser, Erde

kramātte sambhavantīha punareva vrajanti ca / etadyo na vijānāti mārgadvitayamātmanaḥ //

... der Reihe nach gelangen sie [dorthin] und kehren hierher wieder zurück. Wer diesen zweifachen Weg des Selbst nicht kennt, ...

Wort für Wort
kramāt te sambhavanti
der Reihe nach gelangen sie
punar eva vrajanti
gehen wieder
etat yaḥ na vijānāti
wer dies nicht kennt
mārga-dvitayam ātmanaḥ
den zweifachen Weg des Selbst

dandaśūkaḥ pataṅgo vā bhavedkīṭo 'thavā kṛmiḥ / hṛdaye dīpavadbrahma dhyānājjivo mṛto bhavet //

... wird ein beißendes Kriechtier, ein Flügelinsekt, eine Made oder ein Wurm. [Wer aber] das Brahman im Herzen wie eine Lampe meditiert, wird [beim] Sterben durch die Meditation unsterblich [?].

Wort für Wort
dandaśūkaḥ
beißendes Kriechtier, Schlange
pataṅgaḥ
Flügelinsekt
kīṭaḥ kṛmiḥ
Made, Wurm
hṛdaye dīpavat brahma
das Brahman im Herzen wie eine Lampe
dhyānāt jīvaḥ amṛtaḥ bhavet
durch Meditation wird die Seele unsterblich

mṛto wohl für amṛto (Sandhi dhyānājjīvo 'mṛto); bhavedkīṭo für bhavet kīṭo.

nyāyāgatadhanastattvajñānaniṣṭho 'tithipriyaḥ / śrāddhakṛtsatyavādī ca gṛhastho 'pi vimucyate //

Wer rechtmäßig erworbenen Reichtum besitzt, in der Erkenntnis der Wahrheit gefestigt ist, Gäste liebt, Totenopfer (Śrāddha) darbringt und die Wahrheit spricht, der wird auch als Hausvater erlöst.

Wort für Wort
nyāya-āgata-dhanaḥ
mit rechtmäßig erworbenem Reichtum
tattva-jñāna-niṣṭhaḥ
in der Wahrheitserkenntnis gefestigt
atithi-priyaḥ
gastfreundlich
śrāddha-kṛt satya-vādī
Totenopfer darbringend, wahrhaftig
gṛhasthaḥ api vimucyate
wird auch als Hausvater erlöst

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