Agni beschreibt den Samādhi als völlige Stillstellung des Geistes wie eine Lampe im Windstillen, warnt vor den Verlockungen übernatürlicher Kräfte und stellt Selbst, Körper, Sāṃkhya-Evolution und die Herzensstrahlen dar. Den Abschluss bildet die Lehre von den beiden Wegen nach dem Tod (Götterweg ohne Wiederkehr, Väterweg mit Wiederkehr) und der Erlösung auch des rechtschaffenen Hausvaters. Mehrere Tippfehler des Digitalisats (u. a. V. 6 verderbt, V. 30, 35, 43) sind in den Anmerkungen vermerkt.
Agni sprach: Wenn die Meditation nur noch das Selbst aufleuchten lässt, wie ein unbewegter Ozean dasteht und gleichsam die Gestalt reinen Bewusstseins hat, so heißt sie hier Samādhi.
Der Yogin, der meditierend den Geist [auf das Objekt] richtet und unbeweglich und fest verharrt wie ein Feuer ohne Wind, wird als im Samādhi befindlich gepriesen.
Es treten göttliche Störungen auf, die das Erlangen übernatürlicher Kräfte anzeigen: [übernatürliche] Eingebung, Hören, ... Sehen, Schmecken und Fühlen [?].
Wort für Wort
upasargāḥ pravartante
Störungen treten auf
divyāḥ
göttliche
siddhi-prasūcakāḥ
die übernatürlichen Kräfte anzeigend
śrāvaṇaḥ
das Hören
vedanāḥ
Empfindungen
Zweiter Halbvers verderbt (pātitaḥ śrāvaṇo dhātur daśanasvāṅgavedanāḥ); vermutlich eine Liste der Wahrnehmungs-Siddhis wie prātibha, śrāvaṇa, darśana, āsvāda, vedanā.
Alle Wissenschaft, beginnend mit dem Veda, stellt sich [bei ihm] von selbst ein; auch Dichtung in jedem gewünschten Versmaß und über jeden gewünschten Gegenstand stellt sich bei ihm ein.
aṇimādiguṇaiśvaryaḥ śiṣye jñānaṃ prakāśya ca / bhuktvā bhogān yathecchātastanuntyaktvālayāttataḥ //
Im Besitz der Herrschaftskräfte wie Aṇimā (Kleinheit) usw., nachdem er dem Schüler das Wissen offenbart und die Genüsse nach Wunsch genossen hat, gebe er dann den Leib durch Auflösung (Laya) auf und ...
tiṣṭhet svātmani vijñāna ānande brahmaṇīśvare / malino hi yathādarśa ātmajñānāya na kṣamaḥ //
... verweile im eigenen Selbst, im Erkennen, in der Wonne, im Brahman, im Herrn. Denn wie ein schmutziger Spiegel [nicht spiegelt], so ist [der unreine Geist] zur Selbsterkenntnis nicht fähig.
Der Verkörperte erfährt im eigenen Leib die Empfindung, die auf allem beruht [?]; wer aber im Yoga verbunden ist, erfährt durch den Yoga von allem keinen Schmerz.
Wort für Wort
nije dehe
im eigenen Leib
dehī vindati vedanām
der Verkörperte erfährt Empfindung/Schmerz
yoga-yuktaḥ tu
der im Yoga Verbundene aber
yogāt na āpnoti vedanām
erfährt durch Yoga keinen Schmerz
sarvāśrayan wohl für sarvāśrayāṃ; Sinn des ersten Halbverses unsicher.
karaṇānyevamādāya tāsu tāsviha yoniṣu / mṛjatyātmānamātmaivaṃ sambhūya karaṇāni ca //
... so nimmt das Selbst die Werkzeuge (Karaṇas) an und erschafft sich selbst hier in diesen und jenen Mutterschößen, indem es sich mit den Werkzeugen verbindet.
karmaṇā doṣamohābhyāmicchayaiva sa badhyate / jñānādvimucyate jīvo dharmād yogī na rogabhāk //
Durch das Karma, durch Fehler und Verblendung und durch Begehren wird er gebunden; durch Erkenntnis wird die Seele befreit; durch Dharma wird der Yogin nicht von Krankheit befallen.
vartyādhārasnehayogād yathā dīpasya saṃsthitiḥ / vikriyāpi ca dṛṣṭvaivamakāle prāṇasaṃkṣayaḥ //
Wie der Bestand einer Lampe auf der Verbindung von Docht, Gefäß und Öl beruht, so [erkennt man], wenn man eine Veränderung [daran] sieht, das vorzeitige Erlöschen des Lebenshauches.
... [und] das Unentfaltete (Avyakta) – [all dies] heißt sein Feld; das Selbst ist der Feldkenner (Kṣetrajña). Er ist der Herr aller Wesen, seiend und nichtseiend, Sein und Nichtsein.
[Er ist es], aus dem die Götter, die Purāṇas, die Wissenschaften und Upaniṣaden, die Ślokas, Sūtras, Kommentare und was es sonst an Sprachwerk gibt, [hervorgehen].
pitṛyānopavīthyāś ca yadagastyasya cāntaraṃ / tenāgnihotriṇo yānti prajākāmā divaṃ prati //
Auf dem Raum zwischen dem Seitenpfad des Väterwegs (Pitṛyāna) und [dem Stern] Agastya gehen die Agnihotra-Opferer, die Nachkommen wünschen, zum Himmel.
punarāvartane vījabhūtā dharmapravartakāḥ / saptarṣināgvīthyāś ca devalokaṃ samāśritāḥ //
... die bei der Wiederkehr [der Schöpfung] zu Samen werden, die Begründer des Dharma, haben [auf dem Weg] zwischen den Sieben Weisen und dem Schlangenpfad (Nāgavīthī) Zuflucht in der Götterwelt genommen.
Wort für Wort
punar-āvartane
bei der Wiederkehr
bīja-bhūtāḥ
zu Samen werdend
dharma-pravartakāḥ
Begründer des Dharma
saptarṣi-nāgavīthyāḥ
zwischen den Sieben Weisen und dem Schlangenpfad
deva-lokam samāśritāḥ
in der Götterwelt Zuflucht genommen
vīja für bīja; saptarṣināgvīthyāś für saptarṣināgavīthyāś.
śraddhopavāsaḥ satyatvamātmano jñānahetavaḥ / sa tvāśramair nididhyāsyaḥ samastair evameva tu //
... Glaube, Fasten und Wahrhaftigkeit sind Ursachen der Selbsterkenntnis. Er [das Selbst] ist so von [den Angehörigen] aller Lebensstadien (Āśramas) zu meditieren, ...
... die Zweimalgeborenen, die mit höchstem Glauben die Wahrheit verehren, gelangen der Reihe nach zur Flamme, zum Tag, zur hellen Monatshälfte, ebenso zum nördlichen ...
... Sonnenlauf, zur Götterwelt, zur Sonne und zum Blitz; dann tritt eine geistgeborene Person zu ihnen heran und macht sie zu Bewohnern der Brahmā-Welt.
... [gelangen] zum Rauch, zur Nacht, zur dunklen Monatshälfte und zum südlichen Sonnenlauf, zur Väterwelt, zum Mond, zum Luftraum, zum Wind, zum Wasser, zur Erde, ...
... wird ein beißendes Kriechtier, ein Flügelinsekt, eine Made oder ein Wurm. [Wer aber] das Brahman im Herzen wie eine Lampe meditiert, wird [beim] Sterben durch die Meditation unsterblich [?].
Wort für Wort
dandaśūkaḥ
beißendes Kriechtier, Schlange
pataṅgaḥ
Flügelinsekt
kīṭaḥ kṛmiḥ
Made, Wurm
hṛdaye dīpavat brahma
das Brahman im Herzen wie eine Lampe
dhyānāt jīvaḥ amṛtaḥ bhavet
durch Meditation wird die Seele unsterblich
mṛto wohl für amṛto (Sandhi dhyānājjīvo 'mṛto); bhavedkīṭo für bhavet kīṭo.
nyāyāgatadhanastattvajñānaniṣṭho 'tithipriyaḥ / śrāddhakṛtsatyavādī ca gṛhastho 'pi vimucyate //
Wer rechtmäßig erworbenen Reichtum besitzt, in der Erkenntnis der Wahrheit gefestigt ist, Gäste liebt, Totenopfer (Śrāddha) darbringt und die Wahrheit spricht, der wird auch als Hausvater erlöst.