Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 23: pūjāvidhikathanaṃ Darlegung der Verehrungsregel

Nārada beschreibt die Vorbereitung (Reinigung des Körpers durch Meditation der Keimsilben yaṃ und kṣauṃ und Nektarüberflutung), die Auflegung der Mantras, die Einrichtung des Sitzes und die sechzehnteilige Verehrung Viṣṇus mit Waffen, Attributen und Richtungshütern; am Ende folgt die Verehrung der neun Emanationen. Das Kolophon nennt das Kapitel ādimūrtyādipūjāvidhi. Einige Stellen sind verderbt (viśeṣayet, yamaṃ, viṣṇurarghovasānataḥ).

nārada uvāca | vakṣye pūjāvidhiṃ viprā yat kṛtvā sarvamāpnuyāt / prakṣālitāṅghrirācamya vāgyataḥ kṛtarakṣakaḥ //

Nārada sprach: Ich will die Regel der Verehrung darlegen, o Brahmanen, durch deren Vollzug man alles erlangt. Mit gewaschenen Füßen, nach dem Mundausspülen, die Rede bezähmend und nachdem man sich Schutz bereitet hat,

Wort für Wort
pūjā-vidhim
die Regel der Verehrung
sarvam āpnuyāt
erlangt alles
prakṣālita-aṅghriḥ
mit gewaschenen Füßen
vāgyataḥ
die Rede bezähmend
kṛta-rakṣakaḥ
Schutz bereitet habend

prāṅmukhaḥ svastikaṃ baddhvā padmādyaparameva ca / yaṃ vījaṃ nābhimadhyasthaṃ dhūmraṃ caṇḍānilātmakaṃ //

nach Osten gewandt, nachdem man den Svastika-[Sitz] oder auch den Lotussitz usw. eingenommen hat, [meditiere man] die Keimsilbe „yaṃ“, in der Mitte des Nabels befindlich, rauchfarben, aus heftigem Wind bestehend;

Wort für Wort
prāṅmukhaḥ
nach Osten gewandt
svastikam baddhvā
die Svastika-Haltung eingenommen
padma-ādyam
Lotussitz usw.
nābhi-madhya-stham
in der Nabelmitte
caṇḍa-anila-ātmakam
aus heftigem Wind bestehend

vīja = bīja.

viśeṣayedaśeṣantu dhyāyet kāyāttu kalmaṣaṃ / kṣauṃ hṛtpaṅkajamadhyasthaṃ vījaṃ tejonidhiṃ smaran //

damit trockne man das gesamte Übel aus dem Körper aus – so meditiere man; der Keimsilbe „kṣauṃ“ gedenkend, in der Mitte des Herzlotos befindlich, dem Schatz des Glanzes,

Wort für Wort
viśoṣayet
trockne aus
aśeṣam
gänzlich
kāyāt kalmaṣam
das Übel aus dem Körper
hṛt-paṅkaja-madhya-stham
in der Mitte des Herzlotos
tejo-nidhim
Schatz des Glanzes

viśeṣayed wohl verderbt für viśoṣayed („trockne aus“).

adhordhvatiryaggābhistu jvālābhiḥ kalmaṣaṃ dahet / śaśāṅkākṛtivaddhyāyedambarasthaṃ sudhāmbubhiḥ //

verbrenne man das Übel mit Flammen, die nach unten, oben und quer gehen. [Die Keimsilbe] meditiere man mondgestaltig, im Luftraum [des Kopfes] befindlich; mit Nektarwassern,

Wort für Wort
adhaḥ-ūrdhva-tiryak-gābhiḥ
nach unten, oben und quer gehend
jvālābhiḥ
mit Flammen
dahet
verbrenne
śaśāṅka-ākṛtivat
mondgestaltig
ambara-stham
im Luftraum befindlich

hṛtpadmavyāpibhirdehaṃ svakamāplāvayetsudhīḥ / susumnāyonimārgeṇa sarvanāḍīvisarpibhiḥ //

die den Herzlotus durchdringen, überflute der Weise seinen eigenen Leib, [mit Nektarwassern,] die auf dem Weg des Ursprungs der Suṣumnā durch alle Kanäle strömen.

Wort für Wort
hṛt-padma-vyāpibhiḥ
den Herzlotus durchdringend
āplāvayet
überflute
sudhīḥ
der Weise
suṣumnā-yoni-mārgeṇa
auf dem Weg des Suṣumnā-Ursprungs
sarva-nāḍī-visarpibhiḥ
durch alle Kanäle strömend

śodhayitvā nyasettattvaṃ karaśuddhirathāstrakaṃ / vyāpakaṃ hastayorādau dakṣiṇāṅguṣṭhatoṅgakaṃ //

Nachdem man [so] gereinigt hat, lege man die Prinzipien (tattva) auf; dann die Handreinigung mit dem Waffen-[Mantra]; zuerst das Durchdringende (vyāpaka) auf beide Hände; vom rechten Daumen an die Glieder.

Wort für Wort
śodhayitvā
gereinigt habend
nyaset tattvam
lege das Prinzip auf
kara-śuddhiḥ
Handreinigung
astrakam
Waffen-Mantra
vyāpakam
das Durchdringende
dakṣiṇa-aṅguṣṭhataḥ
vom rechten Daumen an

mūlaṃ dehe dvādaśāṅgaṃ nyasenmantrair dviṣaṭkakaiḥ / hṛdayaṃ ca śiraś caiva śikhā varmāstralocane //

Den Grundmantra auf den Körper; das Zwölfgliedrige lege man mit den zwölf Mantras auf: Herz, Kopf, Haarschopf, Panzer, Waffe und Augen,

Wort für Wort
mūlam dehe
Grundmantra auf den Körper
dvādaśa-aṅgam
das Zwölfgliedrige
dvi-ṣaṭkakaiḥ
mit zweimal sechs
śikhā varma
Haarschopf, Panzer
astra-locane
Waffe und Augen

udaraṃ ca tathā pṛṣṭhaṃ bāhurujānupādakaṃ / mudrāṃ dattvā smaret viṣṇuṃ japtvāṣṭaśatamarcayet //

Bauch, Rücken, Arme, Schenkel, Knie und Füße. Nachdem man die Mudrā gezeigt hat, gedenke man Viṣṇus, murmele [den Mantra] hundertachtmal und verehre [ihn].

Wort für Wort
udaram pṛṣṭham
Bauch, Rücken
bāhu-ūru-jānu-pādakam
Arme, Schenkel, Knie, Füße
mudrām dattvā
die Mudrā gezeigt habend
aṣṭa-śatam
hundertacht
arcayet
verehre

vāme tu vardhanīṃ nyasya pūjādravyaṃ tu dakṣiṇe / prakṣālyāstreṇa cārghyeṇa gandhapuṣpānvite nyaset //

Links stelle man den Vardhanī-Krug auf, rechts die Verehrungsmaterialien; nachdem man sie mit dem Waffen-[Mantra] gewaschen hat, setze man mit dem Arghya-[Wasser] [Gefäße] hin, die mit Duft und Blumen versehen sind.

Wort für Wort
vāme
links
vardhanīm
den Vardhanī-Krug
pūjā-dravyam
Verehrungsmaterial
prakṣālya astreṇa
mit dem Waffen-Mantra gewaschen
gandha-puṣpa-anvite
mit Duft und Blumen versehen

caitanyaṃ sarvagaṃ jyotiraṣṭajaptena vāriṇā / phaḍantena tu saṃsicya haste dhyātvā hariṃ pare //

[Man vergegenwärtige] das alldurchdringende Bewusstsein, das Licht; mit achtmal besprochenem Wasser [und dem Mantra], der mit „phaṭ“ endet, besprenge man [die Materialien], meditiere Hari in der Hand und im Höchsten [?].

Wort für Wort
caitanyam
Bewusstsein
sarva-gam
alldurchdringend
aṣṭa-japtena vāriṇā
mit achtmal besprochenem Wasser
phaṭ-antena
mit „phaṭ“ endend
saṃsicya
besprengt habend

pare unklar.

dharmaṃ jñānaṃ ca vairāgyamaiśvaryaṃ vahnidiṅmukhāḥ / adharmādīni gātrāṇi pūrvādau yogapīṭhake //

Dharma, Wissen, Entsagung und Herrschaft [verehre man] in den Richtungen, die mit der des Agni beginnen; Adharma usw. als die Glieder im Osten usw. auf dem Yoga-Sitz;

Wort für Wort
dharmam jñānam
Dharma, Wissen
vairāgyam aiśvaryam
Entsagung, Herrschaft
vahni-diṅ-mukhāḥ
mit der Agni-Richtung beginnend
adharma-ādīni gātrāṇi
Adharma usw. als Glieder
yoga-pīṭhake
auf dem Yoga-Sitz

kūrmaṃ pīṭhe hy anantañca yamaṃ sūryādimaṇḍalaṃ / vimalādyāḥ keśarasthānugrahā karṇikā sthitā //

die Schildkröte und Ananta verehre man [?] auf dem Sitz, [ferner] die Kreise der Sonne usw.; Vimalā usw. in den Staubfäden befindlich, Anugrahā auf der Samenkapsel.

Wort für Wort
kūrmam
die Schildkröte
pīṭhe
auf dem Sitz
sūrya-ādi-maṇḍalam
die Kreise der Sonne usw.
kesara-sthāḥ
in den Staubfäden
karṇikā
Samenkapsel

yamaṃ wohl verderbt für yajet.

pūrvaṃ svahṛdaye dhyātvā āvāhyārcaiś ca maṇḍale / arghyaṃ pādyaṃ tathācāmaṃ madhuparkaṃ punaś ca tat //

Nachdem man [Viṣṇu] zuerst im eigenen Herzen meditiert und herbeigerufen hat, verehre man [ihn] im Maṇḍala: Wasserspende, Fußwasser, ebenso Mundspülwasser, Madhuparka und dieses [Mundspülwasser] nochmals,

Wort für Wort
sva-hṛdaye
im eigenen Herzen
āvāhya
herbeigerufen habend
arghyam pādyam
Wasserspende, Fußwasser
ācāmam
Mundspülwasser
madhuparkam
Madhuparka (Honigtrank)

snānaṃ vastropavītañca bhūṣaṇaṃ gandhapuṣpakaṃ / dhūpadīpanair vedyāni puṇḍarīkākṣavidyayā //

Bad, Gewand und heilige Schnur, Schmuck, Duft und Blumen, Räucherwerk, Lampen und Speiseopfer – [dies] mit dem Puṇḍarīkākṣa-Spruch (vidyā).

Wort für Wort
snānam
Bad
vastra-upavītam
Gewand und Opferschnur
dhūpa-dīpa
Räucherwerk, Lampe
naivedyāni
Speiseopfer
puṇḍarīkākṣa-vidyayā
mit dem Puṇḍarīkākṣa-Spruch

naivedyāni verderbt zu nair vedyāni.

yajedaṅgāni pūrvādau dvāri pūrve pareṇḍajaṃ / dakṣe cakraṃ gadāṃ saumye koṇe śaṅkhaṃ dhanurnyaset //

Man verehre die Glieder im Osten usw.; am Tor im Osten, im Westen den Eigeborenen (Garuḍa); im Süden stelle man den Diskus, im Norden die Keule, in die Ecke Muschel und Bogen.

Wort für Wort
aṅgāni
die Glieder
dvāri pūrve
am Osttor
pare aṇḍajam
im Westen den Eigeborenen
dakṣe cakram
im Süden den Diskus
saumye gadām
im Norden die Keule
koṇe
in der Ecke

pareṇḍajaṃ = pare 'ṇḍajam.

devasya vāmato dakṣe ceṣudhī khaḍgameva ca / vāme carma śriyaṃ dakṣe puṣṭiṃ vāmegrato nyaset //

Links und rechts vom Gott die beiden Köcher und das Schwert, links den Schild; Śrī rechts, Puṣṭi links; vorne lege man hin

Wort für Wort
devasya vāmataḥ
links vom Gott
iṣudhī
die beiden Köcher
khaḍgam
das Schwert
carma
den Schild
agrataḥ
vorne

vanamālāñca śrīvatsakaustubhau dikpatīnvahiḥ / svamantraiḥ pūjayet sarvān viṣṇurarghovasānataḥ //

den Waldkranz sowie Śrīvatsa und Kaustubha; die Richtungsherren außen. Alle verehre man mit ihren eigenen Mantras, Viṣṇu [aber] am Ende mit der Wasserspende [?].

Wort für Wort
vanamālām
den Waldkranz
śrīvatsa-kaustubhau
Śrīvatsa und Kaustubha
dik-patīn bahiḥ
die Richtungsherren außen
sva-mantraiḥ
mit ihren eigenen Mantras
argha-avasānataḥ
am Ende mit Arghya (?)

viṣṇurarghovasānataḥ verderbt.

vyastena ca samastena aṅgair vījena vai yajet / japtvā pradakṣiṇīkṛtya stuttvārdhyañca samarpya ca //

Mit dem getrennten und dem vereinten [Mantra], mit den Gliedern und der Keimsilbe verehre man. Nachdem man gemurmelt, die Rechtsumwandlung vollzogen, gepriesen und die Wasserspende dargebracht hat,

Wort für Wort
vyastena samastena
getrennt und vereint
aṅgaiḥ bījena
mit Gliedern und Keimsilbe
pradakṣiṇīkṛtya
rechts umwandelt habend
stutvā
gepriesen habend
samarpya
dargebracht habend

stuttvārdhyañca für stutvārghyañca.

hṛdaye vinyaseddhyātvā ahaṃ brahma haristviti / āgacchāvāhane yojyaṃ kṣamasveti visarjane //

lege man ihn ins Herz, meditierend: „Ich bin Brahman, Hari.“ „Komm!“ ist bei der Herbeirufung anzuwenden, „Verzeih!“ bei der Entlassung.

Wort für Wort
hṛdaye vinyaset
lege ins Herz
aham brahma
ich bin Brahman
āgaccha
komm!
āvāhane
bei der Herbeirufung
kṣamasva
verzeih!
visarjane
bei der Entlassung

evamaṣṭākṣarādyaiś ca pūjāṃ kṛtvā vimuktibhāk / ekamūrtyarcanaṃ proktaṃ navavyūhārcanaṃ śṛṇu //

Wer so die Verehrung mit dem Achtsilbigen usw. vollzieht, erlangt Anteil an der Erlösung. Die Verehrung der Einzelgestalt ist verkündet; höre [nun] die Verehrung der neun Emanationen (navavyūha).

Wort für Wort
aṣṭa-akṣara-ādyaiḥ
mit dem Achtsilbigen usw.
vimukti-bhāk
der Erlösung teilhaftig
eka-mūrti-arcanam
Verehrung der Einzelgestalt
nava-vyūha-arcanam
Verehrung der neun Emanationen
śṛṇu
höre

aṅguṣṭhakadvaye nyasya vāsudevaṃ balādikān / tarjanyādau śarīretha śirolalāṭavaktrake //

Auf die beiden Daumen lege man Vāsudeva, Bala[bhadra] usw. auf die Zeigefinger usw.; dann auf den Körper: Kopf, Stirn, Mund,

Wort für Wort
aṅguṣṭhaka-dvaye
auf die beiden Daumen
bala-ādikān
Bala usw.
tarjanī-ādau
auf den Zeigefinger usw.
śarīre
auf den Körper
śiraḥ-lalāṭa-vaktrake
Kopf, Stirn, Mund

hṛnnābhiguhyajānvaṅghrau madhye pūrvādikaṃ yajet / ekapīṭhaṃ navavyūhaṃ navapīṭhañca pūrvavat //

Herz, Nabel, Scham, Knie und Füße. In der Mitte, [dann] im Osten usw. verehre man. [Möglich ist] ein Sitz mit neun Emanationen oder neun Sitze wie zuvor,

Wort für Wort
hṛt-nābhi-guhya
Herz, Nabel, Scham
jānu-aṅghrau
Knie und Füße
madhye
in der Mitte
eka-pīṭham
ein Sitz
nava-pīṭham
neun Sitze

navābje navamūrtyā ca navavyūhañca pūrvavat / iṣṭaṃ madhye tataḥ sthāne vāsudevañca pūjayet //

im neunblättrigen Lotus mit neun Gestalten, und die neun Emanationen wie zuvor. Die erwählte [Gottheit] in der Mitte; dann verehre man an [ihrem] Platz Vāsudeva.

Wort für Wort
nava-abje
im neunblättrigen Lotus
nava-mūrtyā
mit neun Gestalten
iṣṭam madhye
die erwählte in der Mitte
sthāne
am Platz
vāsudevam pūjayet
verehre Vāsudeva

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