Ritual der Sūrya-Verehrung nach Śaiva-Muster: Mantra-Einsetzung, Bereitung des Arghya, Verehrung der Türhüter, des Sitzes mit seinen Füßen und neun Śaktis, Herbeirufung der Sonne mit dem Khakholka-Mantra, Glieder-Mantras, Mudrās, die Planeten auf den Lotosblättern, Entlassung und Übergabe der Reste an Caṇḍa. Titel im Kopf „sūryapūjāvidhiḥ“, im Kolophon „sūryapūjā“. Einige Silben-Śakti-Zuordnungen (V. 6–7) und V. 16 sind gestört.
Īśvara sprach: Ich werde, o Skanda, die Verehrung der Sonne darlegen, der die Einsetzung [der Mantras] auf Hände und Glieder vorangeht. Nachdem man meditiert hat: „Ich bin die aus Glanz bestehende Sonne“, verehre man die Wasserspende (arghya).
Wort für Wort
sūrya-arcanam
Verehrung der Sonne
kara-aṅga-nyāsa-pūrvakam
mit vorangehender Einsetzung auf Hände und Glieder
Man fülle [das Gefäß] mit rotfarbigem [Wasser], mit dem von der Stirn herabgezogenen Tropfen (bindu); nachdem man es mit den Glieder-[Mantras] Ravis verehrt und Schutz und Verhüllung (avaguṇṭhana) vollzogen hat
und mit dessen Wasser die Substanzen besprengt hat, verehre man, nach Osten gewandt, Bhānu. „oṃ aṃ“ und die Herz-Silbe usw. [gelten] überall. Die Verehrung von Daṇḍin und Piṅgala
[geschieht] an der Tür rechts und links; im Nordosten „aṃ gaṇāya“ [Anm.: aṃ, dem Gaṇa]; im Südosten den Guru; in der Mitte des Sitzes verehre man den Prabhūta-Sitz.
„rauṃ“ mit Vidyutā – [das sind] die Śaktis, im Osten beginnend; [„raṃ“] Sarvatomukhī [in der Mitte]. „raṃ“ in der Mitte sei der Sonnensitz; die Gestalt der Sonne [ist] der Sechssilbler.
Mit „oṃ haṃ khaṃ kholkāya“ [Anm.: … dem Khakholka, d. h. der Sonne] rufe man Bhāskara herbei und verehre ihn. Nachdem man über die rote Sonne meditiert hat, die von der Stirn in die hohle Hand gezogen wurde, setze man Ravi ein.
„hrāṃ hrīṃ saḥ sūryāya namaḥ“ [Anm.: …, Verehrung der Sonne]: Mit der Mudrā vollziehe man Herbeirufung usw.; zur Erfreuung zeige man die Bimba-Mudrā und gebe Duftstoffe usw.
Nachdem man die Lotos-Mudrā und die Bilva-Mudrā gezeigt hat, [verehre man] im Südosten das mit dem Herzen Gesprochene: „oṃ āṃ hṛdayāya namaḥ“ [Anm.: Verehrung dem Herzen]; ebenso „arkāya śirase“ [Anm.: dem Arka, dem Haupt],
„bhūr bhuvaḥ svaḥ sureśāya śikhāyai“ [Anm.: Erde, Luftraum, Himmel – dem Götterherrn, dem Haarschopf] verehre man im Südwesten; „huṃ kavacāya“ [dem Panzer] im Nordwesten; „hāṃ netrāya“ [dem Auge] in der Mitte;
für die Waffe ist die Trāsanī [Anm.: die Schreckende] anzuwenden, für die Planeten die Verneigung. „soṃ“ Soma, „buṃ“ Budha, „bṛṃ“ Jīva (Jupiter), „bhaṃ“ Bhārgava (Venus) verehre man
dale pūrvādike 'gnyādau aṃ bhaumaṃ śaṃ śanaiś caraṃ / raṃ rāhuṃ keṃ ketave ca gandhādyaiś ca khakholkayā //
auf den Blättern im Osten usw.; im Südosten usw. „aṃ“ Bhauma (Mars), „śaṃ“ Śanaiścara (Saturn), „raṃ“ Rāhu, „keṃ“ dem Ketu – mit Duftstoffen usw. und mit dem Khakholka-[Mantra].
Nachdem man das Wurzelmantra rezitiert und das Wasser des Arghya-Gefäßes gegeben hat, [folgt] ein Preislied an Sūrya. Nachdem man sich vor der abgewandten Sonne verneigt hat, spreche man dann: „Verzeih!“
Mit dem Pfeil-Aṇu [Anm.: Pfeil-Mantra], das auf „phaṭ“ endet, schlage man und [vollziehe] die Rücknahme der Aṇus [?]; im Herzlotos, [sprechend] „Śiva-Sūrya“, [vollziehe man] mit der Saṃhāriṇī-[Mudrā] die Rücknahme,
Wort für Wort
śara-aṇunā
mit dem Pfeil-Mantra
phaṭ-antena
auf phaṭ endend
samāhatya
geschlagen habend
aṇu-saṃhṛtim
Rücknahme der Aṇus
hṛt-padme
im Herzlotos
saṃhāriṇyā
mit der Saṃhāriṇī
aṇu hier wohl „Mantra“; Vers syntaktisch unvollständig; upasaṃskṛtiṃ wohl für upasaṃhṛtiṃ.
vereinige man den Glanz; dem Caṇḍa übergebe man die Opferreste (nirmālya) Ravis. Nachdem man den Herrn verehrt hat, wird durch Rezitation, Meditation und Feueropfer alles von Ravi [erlangt].