Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 157: śāvāśaucādiḥ Die Unreinheit durch Todesfälle und Verwandtes

Puṣkara behandelt die Dauer der Unreinheit nach Tod und Geburt je nach Stand, Alter des Verstorbenen und Verwandtschaftsgrad, sodann die Totenriten bis zur Vereinigung mit den Ahnen (sapiṇḍīkaraṇa), die Ausnahmen von der Unreinheit sowie das Verhalten nach der Verbrennung. Der Text weist mehrere Verschreibungen auf (z.B. 1 śudhhim, 7 dvādaśāhene, 25 ūrdhavaṃ); die Zahlenangaben in 3–5 und 21 sind schwer deutbar. Vers 42 ist ein Halbvers.

puṣkara uvāca | pretaśuddhiṃ pravakṣyāmi sūtikāśudhhimeva ca / daśāhaṃ śāvamāśaucaṃ sapiṇdeṣu vidhīyate //

Puṣkara sprach: Ich will die Reinigung nach einem Todesfall verkünden und ebenso die Reinigung der Wöchnerin. Zehn Tage Leichenunreinheit ist für die Sapiṇḍas [Anm.: die durch gemeinsame Ahnenkloßopfer verbundenen Verwandten] vorgeschrieben.

Wort für Wort
preta-śuddhim
Reinigung nach einem Todesfall
sūtikā-śuddhim
Reinigung der Wöchnerin
daśa-aham
zehn Tage
śāvam āśaucam
Leichenunreinheit
sapiṇḍeṣu
bei den Sapiṇḍas
vidhīyate
ist vorgeschrieben

śudhhim verschrieben für śuddhim.

janane ca tathā śuddhirbrāhmaṇānāṃ bhṛgūttama / dvādaśāhena rājanyaḥ pakṣādvaiśyo 'tha māsataḥ //

Ebenso ist bei einer Geburt [nach zehn Tagen] die Reinigung der Brahmanen, o Bester der Bhṛgus; der Kṣatriya [wird rein] nach zwölf Tagen, der Vaiśya nach einem halben Monat und dann

Wort für Wort
janane
bei einer Geburt
bhṛgu-uttama
o Bester der Bhṛgus
dvādaśa-ahena
nach zwölf Tagen
rājanyaḥ
der Kṣatriya
pakṣāt
nach einem halben Monat
vaiśyaḥ
der Vaiśya

śūdro 'nulomato dāse svāmitulyantvaśaucakaṃ / ṣaṭbhistribhirathaikena kṣatraviṭśūdrayoniṣu //

der Śūdra nach einem Monat. Beim Diener ist die Unreinheit gleich der des Herrn, in absteigender (anuloma) Folge [?]. Nach sechs, drei und einem [Tag] — bei [Verwandten,] die aus Kṣatriya-, Vaiśya- und Śūdra-Schoß geboren sind —

Wort für Wort
māsataḥ
nach einem Monat
anulomataḥ
in absteigender Folge
dāse
beim Diener
svāmi-tulyam
gleich dem Herrn
ṣaḍbhiḥ tribhiḥ ekena
nach sechs, drei, einem
kṣatra-viṭ-śūdra-yoniṣu
bei aus Kṣatriya-, Vaiśya-, Śūdra-Schoß Geborenen

Die Stellung von anulomataḥ ist unklar.

brāhmaṇaḥ śuddhimāpnoti kṣatriyastu tathaiva ca / viṭśūdrayoneḥ śuddhiḥ syāt kramāt paraśurāmaka //

erlangt der Brahmane die Reinheit und der Kṣatriya ebenso; für die aus Vaiśya- und Śūdra-Schoß [Stammenden] erfolgt die Reinigung der Reihe nach, o Paraśurāma,

Wort für Wort
brāhmaṇaḥ
der Brahmane
śuddhim āpnoti
erlangt Reinheit
kṣatriyaḥ tathā eva
der Kṣatriya ebenso
viṭ-śūdra-yoneḥ
der aus Vaiśya-/Śūdra-Schoß
kramāt
der Reihe nach

ṣaḍrātreṇa trirātreṇa ṣaḍbhiḥ śūdre tathā viśaḥ / ādantajananāt sadya ācūḍānnaiśikī śrutiḥ //

nach sechs Nächten, nach drei Nächten, [und] beim Śūdra wie beim Vaiśya nach sechs [?]. [Stirbt ein Kind] vor dem Zahndurchbruch, [ist man] sofort [rein]; bis zur Tonsur gilt nach der Überlieferung eine Nacht.

Wort für Wort
ṣaṭ-rātreṇa
nach sechs Nächten
tri-rātreṇa
nach drei Nächten
ā-danta-jananāt
bis zum Zahndurchbruch
sadyaḥ
sofort
ā-cūḍāt
bis zur Tonsur
naiśikī
eine Nacht dauernd

5ab schwer verständlich; die Zahlen passen nicht klar zu 3cd–4.

trirātramāvratādeśāddaśarātramataḥ paraṃ / ūnatraivārṣike śūdre pañcāhācchuddhiriṣyate //

Bis zur Einweihung (Upanayana) drei Nächte, danach zehn Nächte. Beim Śūdra unter drei Jahren wird die Reinigung nach fünf Tagen angesetzt;

Wort für Wort
tri-rātram
drei Nächte
ā-vrata-ādeśāt
bis zur Einweihung
ataḥ param
danach
ūna-traivārṣike
bei einem unter Dreijährigen
pañca-ahāt
nach fünf Tagen
iṣyate
wird angesetzt

dvādaśāhene śuddhiḥ syādatīte vatsaratraye / gataiḥ saṃvatsaraiḥ ṣaḍbhiḥ śuddhirmāsena kīrtitā //

sind drei Jahre verstrichen, erfolgt die Reinigung nach zwölf Tagen; sind sechs Jahre vergangen, wird die Reinigung nach einem Monat gelehrt.

Wort für Wort
dvādaśa-ahena
nach zwölf Tagen
atīte vatsara-traye
nach drei verstrichenen Jahren
gataiḥ saṃvatsaraiḥ ṣaḍbhiḥ
nach sechs vergangenen Jahren
māsena
nach einem Monat
kīrtitā
wird gelehrt

dvādaśāhene verschrieben für dvādaśāhena.

strīṇāmakṛtacūḍānāṃ viśuddhir naiśikī smṛtā / tathā ca kṛtacuḍānāṃ tryahācchuddhyanti bāndhavāḥ //

Bei Mädchen, an denen die Tonsur nicht vollzogen wurde, gilt die Reinigung nach einer Nacht; bei solchen, an denen sie vollzogen wurde, werden die Verwandten nach drei Tagen rein.

Wort für Wort
strīṇām
bei weiblichen [Kindern]
akṛta-cūḍānām
ohne vollzogene Tonsur
naiśikī
eine Nacht
kṛta-cūḍānām
mit vollzogener Tonsur
tri-ahāt
nach drei Tagen
bāndhavāḥ
die Verwandten

vivāhitāsu nāśaucaṃ pitṛpakṣe vidhīyate / piturgṛhe prasūtānāṃ viśuddhir naiśikī smṛtā //

Bei verheirateten [Töchtern] ist auf der Seite des Vaters keine Unreinheit vorgeschrieben; bei denen, die im Haus des Vaters entbunden haben, gilt die Reinigung nach einer Nacht.

Wort für Wort
vivāhitāsu
bei Verheirateten
na āśaucam
keine Unreinheit
pitṛ-pakṣe
auf Seiten des Vaters
pituḥ gṛhe
im Haus des Vaters
prasūtānām
der Entbundenen

sūtikā daśarātreṇa śuddhimāpnoti nānyathā / vivāhitā hi cet kanyā mriyate pitṛveśmani //

Die Wöchnerin erlangt die Reinheit nach zehn Nächten, nicht anders. Stirbt aber eine verheiratete Tochter im Haus des Vaters,

Wort für Wort
sūtikā
die Wöchnerin
daśa-rātreṇa
nach zehn Nächten
na anyathā
nicht anders
vivāhitā kanyā
verheiratete Tochter
mriyate
stirbt
pitṛ-veśmani
im Vaterhaus

tasyāstrirātrācchuddhyanti bāndhavā nātra saṃśayaḥ / samānaṃ labdhaśaucantu prathamena samāpayet //

so werden ihre Verwandten nach drei Nächten rein, daran ist kein Zweifel. Eine gleichartige [neu hinzutretende] Unreinheit soll man mit der ersten beenden,

Wort für Wort
tasyāḥ
ihrer
tri-rātrāt
nach drei Nächten
bāndhavāḥ
Verwandte
na atra saṃśayaḥ
daran kein Zweifel
samānam
eine gleichartige
prathamena samāpayet
soll mit der ersten beenden

asamānaṃ dvitīyena dharmarājavaco yathā / deśāntarasthaḥ śrutvā tu kulyāṇāṃ maraṇodbhavau //

eine ungleiche mit der zweiten, gemäß dem Wort des Dharmarāja. Wer sich in einem anderen Land aufhält und vom Tod oder von der Geburt bei Angehörigen seines Geschlechts hört,

Wort für Wort
asamānam
eine ungleiche
dvitīyena
mit der zweiten
dharmarāja-vacaḥ
Wort des Dharmarāja
deśa-antara-sthaḥ
in einem anderen Land weilend
kulyānām
der Geschlechtsangehörigen
maraṇa-udbhavau
Tod und Geburt

yaccheṣaṃ daśarātrasya tāvadevaśucirbhavet / atīte daśarātre tu trirātramaśucirbhavet //

ist so lange unrein, wie von den zehn Nächten noch übrig ist; sind die zehn Nächte aber verstrichen, ist er drei Nächte unrein.

Wort für Wort
yat śeṣam
was übrig ist
daśa-rātrasya
von den zehn Nächten
tāvat eva
nur so lange
aśuciḥ bhavet
ist unrein
atīte
wenn verstrichen

aśucir: Text hat ‚evaśucir‘ (sinnwidrig), gelesen als eva aśucir.

tathā saṃvatsare 'tīte snāta eva viśuddhyati / mātāmahe tathātīte ācārye ca tathā mṛte //

Ist ferner ein Jahr verstrichen, wird er allein durch ein Bad rein. Ebenso, wenn der Großvater mütterlicherseits verschieden ist und wenn der Lehrer gestorben ist [gilt eine entsprechende Unreinheit].

Wort für Wort
saṃvatsare atīte
wenn ein Jahr verstrichen ist
snātaḥ eva
allein gebadet
viśuddhyati
wird rein
mātāmahe
beim mütterlichen Großvater
ācārye mṛte
wenn der Lehrer gestorben ist

rātribhirmāsatulyābhirgarbhasrāve viśodhanaṃ / sapiṇde brāhmaṇe varṇāḥ sarva evāviśeṣataḥ //

Bei einer Fehlgeburt [erfolgt] die Reinigung nach so vielen Nächten, wie Monate [der Schwangerschaft verstrichen sind]. Beim [Tod eines] Sapiṇḍa werden unter den Brahmanen alle ohne Unterschied

Wort für Wort
rātribhiḥ māsa-tulyābhiḥ
mit Nächten gleich den Monaten
garbha-srāve
bei einer Fehlgeburt
viśodhanam
Reinigung
sapiṇḍe
beim Sapiṇḍa
aviśeṣataḥ
ohne Unterschied

Wörtlich ‚beim Brahmanen die Stände alle‘; wohl im Sinne der folgenden Aufzählung nach Ständen gemeint.

daśarātreṇa śuddhyanti dvādaśāhena bhūmipaḥ / vaiśyāḥ pañcadaśāhena śūdrā māsena bhārgava //

nach zehn Nächten rein, der Fürst nach zwölf Tagen, die Vaiśyas nach fünfzehn Tagen, die Śūdras nach einem Monat, o Bhārgava.

Wort für Wort
daśa-rātreṇa
nach zehn Nächten
bhūmipaḥ
der Fürst
pañcadaśa-ahena
nach fünfzehn Tagen
śūdrāḥ māsena
die Śūdras nach einem Monat
bhārgava
o Bhārgava

ucchiṣṭasannidhāvekaṃ tathā piṇḍaṃ nivedayet / kīrtayecca tathā tasya namagotre samāhitaḥ //

In der Nähe der Speisereste soll man ebenso einen einzigen Kloß (piṇḍa) darbringen und dabei gesammelt dessen Namen und Geschlecht (gotra) nennen,

Wort für Wort
ucchiṣṭa-sannidhau
in der Nähe der Speisereste
ekam piṇḍam
einen einzigen Kloß
nivedayet
soll darbringen
nāma-gotre
Name und Geschlecht
samāhitaḥ
gesammelt

bhuktavatsu dvijendreṣu pūjiteṣu dhanena ca / visṛṣṭākṣatatoyeṣu gotranāmānukīrtanaiḥ //

wenn die besten Zweimalgeborenen gespeist und mit Geld geehrt sind und wenn unter Nennung von Geschlecht und Namen ungeschälte Körner und Wasser ausgegossen sind.

Wort für Wort
bhuktavatsu
wenn sie gegessen haben
dvija-indreṣu
die besten Zweimalgeborenen
pūjiteṣu dhanena
mit Geld geehrt
visṛṣṭa-akṣata-toyeṣu
wenn Körner und Wasser ausgegossen sind
gotra-nāma-anukīrtanaiḥ
unter Nennung von Geschlecht und Namen

caturaṅgulavistāraṃ tatkhātantāvadantaraṃ / vitastidīrghaṃ kartavyaṃ vikarṣūṇāṃ tathā trayaṃ //

Drei Furchen (vikarṣū) sind anzulegen, vier Fingerbreit weit, ebenso tief ausgehoben und mit ebenso großem Abstand, eine Spanne lang.

Wort für Wort
catur-aṅgula-vistāram
vier Fingerbreit weit
khātam
ausgehoben
tāvat antaram
mit ebensolchem Abstand
vitasti-dīrgham
eine Spanne lang
vikarṣūṇām trayam
drei Furchen

vikarṣūṇāṃ samīpe ca jvālayej jvalanatrayaṃ / somāya vahnaye rāma yamāya ca samāsataḥ //

In der Nähe der Furchen soll man drei Feuer entzünden, kurz gesagt für Soma, für Vahni (Agni) und für Yama, o Rāma.

Wort für Wort
vikarṣūṇām samīpe
nahe den Furchen
jvālayet
soll entzünden
jvalana-trayam
drei Feuer
somāya vahnaye yamāya
für Soma, Agni, Yama
samāsataḥ
kurz gesagt

juhuyādāhutīḥ samyak sarvatraiva catustrayaḥ / piṇḍanirvapaṇaṃ kuryāt prāgvadeva pṛthak pṛthak //

Man soll in jedem [Feuer] ordnungsgemäß Opfergaben darbringen, [jeweils] drei oder vier [?]. Die Kloßdarbringung soll man wie zuvor, jeweils gesondert, vollziehen.

Wort für Wort
juhuyāt āhutīḥ
soll Opfergaben darbringen
samyak
ordnungsgemäß
sarvatra
in jedem
piṇḍa-nirvapaṇam
Kloßdarbringung
prāgvat
wie zuvor
pṛthak pṛthak
jeweils gesondert

catustrayaḥ unklar (‚vier [und] drei‘ oder ‚dreimal vier‘).

annena dadhnā madhunā tathā māṃsena pūrayet / madhye cedadhimāsaḥ syāt kuryādabhyadhikantu tat //

Mit Speise, Sauermilch, Honig und Fleisch soll man [die Furchen] füllen. Fällt ein Schaltmonat in die Zwischenzeit, soll man jenes [Ritual] zusätzlich vollziehen.

Wort für Wort
annena dadhnā madhunā
mit Speise, Sauermilch, Honig
māṃsena
mit Fleisch
pūrayet
soll füllen
adhimāsaḥ
Schaltmonat
abhyadhikam
zusätzlich

athavā dvādaśāhena sarvametat samāpayet / saṃvatsarasya madhye ca yadi syādadhimāsakaḥ //

Oder man mag dies alles nach zwölf Tagen abschließen. Und wenn innerhalb des Jahres ein Schaltmonat vorkommt,

Wort für Wort
athavā
oder
dvādaśa-ahena
nach zwölf Tagen
sarvam etat
dies alles
samāpayet
mag abschließen
saṃvatsarasya madhye
innerhalb des Jahres

tadā dvādaśake śrāddhe kāryaṃ tadadhikaṃ bhavet / saṃvatsare samāpte tu śrāddhaṃ śrāddhavadācaret //

dann ist bei dem Ahnenmahl (śrāddha) des zwölften [Tages] jenes zusätzliche zu vollziehen. Ist das Jahr vollendet, soll man das Ahnenmahl in der Weise eines [gewöhnlichen] Ahnenmahls vollziehen.

Wort für Wort
dvādaśake śrāddhe
beim Ahnenmahl des Zwölften
adhikam
das zusätzliche
saṃvatsare samāpte
wenn das Jahr vollendet ist
śrāddhavat
wie ein Ahnenmahl
ācaret
soll vollziehen

pretāya tata ūrdhavaṃ ca tasyaiva puruṣatraye / piṇḍān vinirvapettadvaccaturastu samāhitaḥ //

Für den Verstorbenen und darüber hinaus für seine drei Vorfahren soll man gesammelt ebenso vier Klöße darbringen.

Wort für Wort
pretāya
für den Verstorbenen
tataḥ ūrdhvam
darüber hinaus
puruṣa-traye
für die drei Vorfahren
piṇḍān vinirvapet
soll Klöße darbringen
caturaḥ
vier

ūrdhavaṃ verschrieben für ūrdhvaṃ.

sampūjya datvā pṛthivī samānā iti cāpyatha / yojayet pretapiṇḍaṃ tu piṇḍeṣvanyeṣu bhārgava //

Nachdem man [sie] verehrt und [die Klöße] gegeben hat, und zwar mit [dem Spruch] „pṛthivī samānā“ [?], soll man den Kloß des Verstorbenen mit den anderen Klößen vereinigen, o Bhārgava.

Wort für Wort
sampūjya
nach der Verehrung
datvā
nach dem Geben
preta-piṇḍam
den Kloß des Verstorbenen
yojayet
soll vereinigen
piṇḍeṣu anyeṣu
mit den anderen Klößen

Der zitierte Spruch ist nicht sicher identifizierbar.

pretapātraṃ ca pātreṣu tathaiva viniyojayet / pṛthak pṛthak prakartavyaṃ karmaitat karmapātrake //

Ebenso soll man das Gefäß des Verstorbenen [mit seinem Inhalt] auf die [anderen] Gefäße verteilen. Diese Handlung ist jeweils gesondert im Ritualgefäß zu vollziehen.

Wort für Wort
preta-pātram
das Gefäß des Verstorbenen
pātreṣu
auf die Gefäße
viniyojayet
soll verteilen
pṛthak pṛthak
jeweils gesondert
karma-pātrake
im Ritualgefäß

mantravarjamidaṃ karma śūdrasya tu vidhīyate / sapiṇḍīkaraṇaṃ strīṇāṃ kāryamevaṃ tadā bhavet //

Diese Handlung ist für den Śūdra ohne Sprüche vorgeschrieben. Die Vereinigung mit den Sapiṇḍas (sapiṇḍīkaraṇa) ist für Frauen dann ebenso zu vollziehen.

Wort für Wort
mantra-varjam
ohne Sprüche
śūdrasya
für den Śūdra
sapiṇḍī-karaṇam
Vereinigung mit den Ahnen
strīṇām
für Frauen
evam
ebenso

śrāddhaṃ kuryācca pratyabdaṃ prete kumbhānnamabdakaṃ / gaṅgāyāḥ sikatā dhārā yathā varṣati vāsave //

Man soll jedes Jahr das Ahnenmahl vollziehen und für den Verstorbenen ein Jahr lang einen Krug [Wasser] und Speise [spenden]. Wie die Sandkörner der Gaṅgā und die Regenströme, wenn Vāsava (Indra) regnen lässt,

Wort für Wort
pratyabdam
jedes Jahr
kumbha-annam
Krug und Speise
abdakam
ein Jahr lang
gaṅgāyāḥ sikatāḥ
Sandkörner der Gaṅgā
dhārāḥ
Regenströme
vāsave varṣati
wenn Indra regnen lässt

śakyā gaṇayituṃ loke natvatītāḥ pitāmahāḥ / kāle satatage sthairyaṃ nāsti tasmāt kriyāṃ caret //

in der Welt gezählt werden können, nicht aber die verstorbenen Vorväter. In der stets dahineilenden Zeit gibt es keine Beständigkeit; darum soll man die [Ahnen-]Handlung vollziehen.

Wort für Wort
śakyā gaṇayitum
können gezählt werden
atītāḥ pitāmahāḥ
die verstorbenen Vorväter
kāle satata-ge
in der stets dahineilenden Zeit
sthairyam na asti
gibt es keine Beständigkeit
kriyām caret
soll die Handlung vollziehen

devatve yātanāsthāne pretaḥ śrāddhaṃ kṛtaṃ labhet / nopakuryānnaraḥ śocan pretasyātmana eva vā //

Ob im Götterstand oder am Ort der Qualen, der Verstorbene empfängt das vollzogene Ahnenmahl. Ein trauernder Mensch nützt weder dem Verstorbenen noch sich selbst.

Wort für Wort
devatve
im Götterstand
yātanā-sthāne
am Ort der Qualen
śrāddham kṛtam labhet
empfängt das vollzogene Ahnenmahl
śocan
trauernd
na upakuryāt
nützt nicht

bhṛgvagnipāśakāmbhobhirmṛtānāmātmaghātināṃ / patitānāṃ ca nāśaucaṃ vidyucchastrahatāś ca ye //

Für die durch Absturz, Feuer, Strick oder Wasser Gestorbenen, für die Selbstmörder und die Gefallenen gibt es keine Unreinheit, [ebenso für die,] die durch Blitz oder Waffe erschlagen wurden.

Wort für Wort
bhṛgu-agni-pāśaka-ambhobhiḥ
durch Absturz, Feuer, Strick, Wasser
ātma-ghātinām
der Selbstmörder
patitānām
der Gefallenen
na āśaucam
keine Unreinheit
vidyut-śastra-hatāḥ
durch Blitz oder Waffe Getötete

yatibratibrahmacārinṛpakārukadīkṣitāḥ / rājājñākāriṇo ye ca snāyādvai pretagāmyapi //

Asketen, Gelübdetreue, Brahmacārins, Könige, Handwerker, Geweihte (dīkṣita) und die, welche einen Befehl des Königs ausführen, [sind nicht unrein]. Wer einer Leiche folgt, soll jedoch baden.

Wort für Wort
yati-vrati-brahmacāri
Asketen, Gelübdetreue, Schüler
nṛpa-kāruka-dīkṣitāḥ
Könige, Handwerker, Geweihte
rāja-ājñā-kāriṇaḥ
Ausführende eines Königsbefehls
snāyāt
soll baden
preta-gāmī
wer einer Leiche folgt

bratī für vratī.

maithune kaṭadhūme ca sadyaḥ snānaṃ vidhīyate / dvijaṃ na nirharet pretaṃ śūdreṇa tu kathañcana //

Nach dem Beischlaf und [nach Berührung mit] Leichenfeuerrauch ist sofortiges Baden vorgeschrieben. Einen verstorbenen Zweimalgeborenen soll man keinesfalls von einem Śūdra hinaustragen lassen,

Wort für Wort
maithune
nach dem Beischlaf
kaṭa-dhūme
bei Leichenfeuerrauch
sadyaḥ snānam
sofortiges Bad
dvijam pretam
einen verstorbenen Zweimalgeborenen
na nirharet
soll nicht hinaustragen
śūdreṇa
durch einen Śūdra

kaṭadhūma: ‚Rauch vom Scheiterhaufen‘ (kaṭa = Leiche/Leichenfeuer).

na ca śūdraṃ dvijenāpi tayordoṣo hi jāyate / anāthaviprapretasya vahanāt svaragalokabhāk //

und auch nicht einen Śūdra durch einen Zweimalgeborenen; denn für beide entsteht eine Verfehlung. Durch das Tragen eines schutzlosen verstorbenen Brahmanen erlangt man Anteil an der Himmelswelt,

Wort für Wort
doṣaḥ jāyate
entsteht eine Verfehlung
anātha-vipra-pretasya
eines schutzlosen verstorbenen Brahmanen
vahanāt
durch das Tragen
svarga-loka-bhāk
Anteil habend an der Himmelswelt

saṅgrāme jayamāpnoti prete 'nāthe ca kāṣṭhadaḥ / saṅkalpya bāndhavaṃ pretamapasavyena tāṃ citiṃ //

und wer für einen schutzlosen Toten Holz spendet, erlangt Sieg im Kampf. Nachdem man den verstorbenen Verwandten [durch einen Entschluss] bedacht und den Scheiterhaufen linksherum

Wort für Wort
saṅgrāme jayam
Sieg im Kampf
kāṣṭha-daḥ
Holzspender
saṅkalpya
nach dem Entschluss
bāndhavam pretam
den verstorbenen Verwandten
apasavyena
linksherum
citim
den Scheiterhaufen

parikramya tataḥ snānaṃ kuryuḥ sarve savāsasaḥ / pretāya ca tathā dadyustrīṃstrīṃś caivodakāñjalīn //

umschritten hat, sollen darauf alle mitsamt den Kleidern baden; und sie sollen dem Verstorbenen je drei Handvoll Wasser geben.

Wort für Wort
parikramya
nach dem Umschreiten
snānam kuryuḥ
sollen baden
sa-vāsasaḥ
mitsamt den Kleidern
trīn trīn
je drei
udaka-añjalīn
Handvoll Wasser

dvāryaśmani padaṃ datvā praviśeyus tathā gṛhaṃ / akṣatānnikṣipedvahnau nimbapatraṃ vidaśya ca //

Nachdem sie den Fuß auf einen Stein an der Tür gesetzt haben, sollen sie das Haus betreten; man soll ungeschälte Körner ins Feuer werfen und ein Nimba-Blatt zerkauen,

Wort für Wort
dvāri aśmani
auf einen Stein an der Tür
padam datvā
den Fuß setzend
praviśeyuḥ gṛham
sollen das Haus betreten
akṣatān
ungeschälte Körner
nimba-patram vidaśya
ein Nimba-Blatt zerkauend

pṛthak śayīran bhūmau ca krītalabdhāśano bhavet / ekaḥ piṇdo daśāhe tu śmaśrukarmakaraḥ śuciḥ //

getrennt auf dem Boden schlafen und von gekaufter oder geschenkter Speise leben. Während der zehn Tage [gibt man täglich] einen Kloß; wer die Bartschur vollzogen hat, ist rein.

Wort für Wort
pṛthak śayīran
sollen getrennt schlafen
bhūmau
auf dem Boden
krīta-labdha-aśanaḥ
von gekaufter oder erhaltener Speise lebend
ekaḥ piṇḍaḥ
ein Kloß
śmaśru-karma-karaḥ
wer die Bartschur vollzogen hat

siddhārthakaistilair vidvān majjedvāsoparaṃ dadhat / ajātadante tanaye śiśau garbhasrute tathā //

Der Kundige soll mit weißem Senf und Sesam untertauchen und ein anderes Gewand anlegen. Bei einem Sohn, der noch keine Zähne hat, bei einem Säugling und ebenso bei einer Fehlgeburt

Wort für Wort
siddhārthakaiḥ tilaiḥ
mit weißem Senf und Sesam
majjet
soll untertauchen
vāsaḥ aparam dadhat
ein anderes Gewand anlegend
ajāta-dante tanaye
bei einem Sohn ohne Zähne
garbha-srute
bei einer Fehlgeburt

vāsoparaṃ für vāso 'paraṃ.

kāryo naivāgnisaṃskāro naiva cāsyodakakriyā / caturthe ca dinekāryas tathāsthnāṃ caiva sañcayaḥ //

ist keine Feuerbestattung zu vollziehen und auch keine Wasserspende für ihn. Am vierten Tag ist ferner das Sammeln der Knochen zu vollziehen.

Wort für Wort
agni-saṃskāraḥ
Feuerbestattung
udaka-kriyā
Wasserspende
caturthe dine
am vierten Tag
asthnām sañcayaḥ
Sammeln der Knochen

asthisañcayanādūrdhvamaṅgasparśo vidhīyate //42 //

Nach dem Sammeln der Knochen ist die Berührung des Körpers [anderer] gestattet.

Wort für Wort
asthi-sañcayanāt ūrdhvam
nach dem Knochensammeln
aṅga-sparśaḥ
Körperberührung
vidhīyate
ist gestattet

Nur ein Halbvers.

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