Kapitel 81: samayadīkṣāvidhānam
Die Vorschrift der Samaya-Weihe
Īśvara erklärt die Arten der Weihe (dīkṣā) nach den drei Klassen gebundener Seelen und die Unterscheidungen mit/ohne Stütze, Samen und Befugnis; dann folgt der Ritualablauf der Samaya-Weihe: Selbstvergöttlichung des Lehrers, Einrichtung des Opferpavillons mit Krug und Vardhanī, Feuerzungen und Wunschopfer, Bereitung des Opferbreis, Vorbereitung und Namensgebung des Schülers sowie Kanalverbindung. Der Titel lautet im Kopf samayadīkṣāvidhānaṃ, im Kolophon samayadīkṣākathanaṃ. Zahlreiche Druck- und Digitalisierungsfehler (u. a. V. 10, 13, 71, 87, 90) sind in den Anmerkungen vermerkt.
Īśvara sprach: Ich werde die Weihe (dīkṣā) erklären, die Genuss und Erlösung zum Ziel hat und die Sünde vernichtet, durch die die Lösung der Fesseln (pāśa) wie Mala, Māyā usw. bewirkt wird,
und durch die im Schüler Erkenntnis erzeugt wird – das ist die Weihe, die Genuss und Erlösung gewährt. Der Vijñānākala ist der eine (Typus), der zweite der Pralayākala,
Wort für Wort
jñānam janyate
Erkenntnis wird erzeugt
śiṣye
im Schüler
bhukti-mukti-dā
Genuss und Erlösung gebend
vijñānākala
Vijñānākala (nur durch Mala gebundene Seele)
pralayākalaḥ
Pralayākala (in der Weltauflösung ruhende Seele)
vijñātakala ist wohl verderbt für vijñānākala (Śaiva-Terminus).
der dritte der Sakala: So gilt im Lehrbuch der zu Begnadende (anugrāhya) als dreifach. Unter ihnen ist der erste nur mit Mala behaftet, der andere mit Mala und Karman,
Wort für Wort
sakalaḥ
Sakala (mit allen Tattvas behaftete Seele)
anugrāhyaḥ
der zu Begnadende
tri-vidhaḥ mataḥ
gilt als dreifach
mala-mātreṇa
durch bloßes Mala
mala-karmabhiḥ
durch Mala und Karman
mukto ist im Kontext wohl für yukto („verbunden“) verschrieben; übersetzt nach dieser Lesart.
der Sakala aber, weil (er gebunden ist) durch die [Tattvas] von Kalā bis zur Erde. Auch die Weihe gilt als zweifach: die stützlose (nirādhārā) und die gestützte (sādhārā).
Wort für Wort
kalā-ādi-bhūmi-paryantam
von Kalā bis zur Erde
tattvaiḥ (Text: stavaiḥ)
durch die Tattvas
nirādhārā
stützlos, ohne Vermittler
sādhārā
mit Stütze
dvi-vidhā
zweifach
stavais ist wohl verderbt für tattvais („durch die Prinzipien“).
nirādhārā dvayosteṣāṃ sādhārā sakalasya tu / ādhāranirapekṣeṇa kriyate śambhucaryayā //
Die stützlose ist für jene beiden, die gestützte aber für den Sakala. Diejenige, die ohne Rücksicht auf eine Stütze durch Śambhus (eigenes) Wirken vollzogen wird
durch das Herabsteigen intensiver Kraft (tīvraśaktinipāta), die wird als die stützlose überliefert. Diejenige, die Śambhu, indem er die Gestalt des Lehrers annimmt, mit der nach Graden wie schwach, intensiv usw. unterschiedenen
Wort für Wort
tīvra-śakti-nipātena
durch das Herabsteigen intensiver Kraft
nirādhārā iti smṛtā
wird als stützlos überliefert
ācārya-mūrtim āsthāya
die Gestalt des Lehrers annehmend
manda-tīvra-ādi-bhedayā
nach schwach, intensiv usw. unterschieden
māyātīvrādi ist wohl verderbt für mandatīvrādi („schwach, intensiv usw.“), die übliche Abstufung des śaktipāta.
sādhikārā bhaveddīkṣā sādhakācāryayorataḥ / nirvījā dīkṣitānāntu yadāsa mama putrayoḥ //
ist die Weihe für Sādhaka und Ācārya „mit Befugnis“. Für die Eingeweihten aber, nämlich Samayin und Putraka [?],
Wort für Wort
sādhikārā bhavet
ist mit Befugnis
sādhaka-ācāryayoḥ
für Sādhaka und Ācārya
dīkṣitānām tu
für die Eingeweihten aber
samayi-putrakayoḥ (Konjektur)
für Samayin und Putraka
Zweite Vershälfte verderbt (yadāsa mama putrayoḥ); vermutlich samayiputrakayoḥ zu lesen. Das einleitende nirvījā passt nicht zur folgenden Aussage und dürfte ebenfalls verderbt sein.
Die eine ist dabei die mit Ritualhandlung (kriyāvatī), der Feuergrube und Maṇḍala vorangehen; die durch bloße Tätigkeit des Geistes (vollzogen wird), gilt als die mit Erkenntnis (jñānavatī).
So wird die Weihe von einem Lehrer vollzogen, der die Befugnis erlangt hat. Der Guru soll die Samaya-Weihe [?] vollziehen, nachdem er zuvor die tägliche Ritualhandlung ausgeführt hat.
Wort für Wort
itthaṃ
so
labdha-adhikāreṇa
von einem, der die Befugnis erlangt hat
sādhyate
wird vollzogen
guruḥ kuryāt
der Guru soll vollziehen
nitya-kriyām kṛtvā
nach Ausführung des täglichen Ritus
dīkṣā.acāryeṇa: Digitalisierungsfehler für dīkṣācāryeṇa. skandadīkṣām ist wohl verderbt, vermutlich für samayadīkṣām (Kapitelthema).
Nachdem er mit dem Praṇava und dem Arghya-Wasser in der Lotoshand die Verehrung der Torhüter vollzogen, die Hindernisse vertrieben und die Waffe (astra) auf die Schwelle gelegt hat, soll er, auf seinem eigenen Sitz verweilend,
die Reinigung der Elemente (bhūtaśuddhi) und den Mantra-Yoga wie gelehrt ausführen. Sesam, Reiskörner, weißer Senf, Kuśa, Dūrvā-Gras, unzerbrochene Körner, Wasser,
zusammen mit Gerste, Milch und Wasser – das ist dann das besondere Arghya. Mit diesem Wasser (erfolgen) die Reinigung der Substanzen, das Stirnzeichen (tilaka) für Sitz und eigene Person,
die Verehrung, die Reinigung der Mantras und das Fünf-Kuh-Produkt (pañcagavya) wie zuvor. Geröstete Körner, Sandel, weißer Senf, Asche, Dūrvā, unzerbrochene Körner, Kuśa –
diese Streugaben (vikira), reine geröstete Körner, mit Räucherwerk, durch den Astra-Mantra geweiht, mit Astra-Wasser besprengt, mit dem Kavaca (Panzer-Mantra) umhüllt,
von verschiedener Gestalt [?], die die Flut der Hindernisse abwehren. Nachdem er aus Darbha-Halmen im Maß einer Handspanne (tāla) mit sechsunddreißig Halmen
einen Zopf (veṇī) gemacht hat – das vortreffliche „Schwert der Erkenntnis“ –, siebenmal mit dem Śiva-Astra beraunt, soll er Śiva in sich selbst niederlegen, als gewünschte Grundlage der Schöpfung [?],
und nachdem er den teillosen (niṣkala) Śiva niedergelegt hat, soll er sich vorstellen: „Ich bin Śiva.“ Nachdem er den Turban auf den Kopf gesetzt hat, soll er seinen eigenen Leib schmücken.
Nachdem er sie, leuchtend, mit dem Śiva-Mantra auf das eigene Haupt gelegt hat, soll er sich selbst als von Śiva ungeschiedenen Handelnden vorstellen, und zwar so:
Mit dem Schwert der Erkenntnis in der Hand stehend, nach Südwesten gewandt, soll der Mann den Opferpavillon mit Arghya-Wasser und Pañcagavya besprengen.
Er soll ihn mit den Weihungen, beginnend mit dem Anblicken (īkṣaṇa) und bis zum Vierweg [?] reichend, weihen. Nachdem er dort die Streugaben ausgestreut hat, soll er sie mit einem Kuśa-Besen zusammenfegen.
Wort für Wort
catuṣpatha-anta-saṃskāraiḥ
mit den bis zum Vierweg reichenden Weihungen [?]
īkṣaṇa-ādibhiḥ
mit Anblicken usw.
vikṣipya vikarān
die Streugaben ausstreuend
kuśa-kūrca
Kuśa-Besen
upasaṃharet
er soll zusammenfegen
catuṣpathāntasaṃskāraiḥ: technischer Sinn unklar (Reihe der Gefäß-/Ortsweihungen?).
im Westen (die Göttin), die (den Pavillon) mit Juwelen füllt, deren Gestalt der Pavillon ist, mit dem Herz-Mantra; auf einem Krug mit Wasser und Tuch, mit Juwelen, auf Getreide stehend, nach Westen gewandt,
auf dem Krug im Nordosten soll er Śambhu verehren, die Śakti rechts (südlich) vom Krug; im Westen [?] die Vardhanī, auf einem Löwen sitzend, in Gestalt eines Schwertes.
In den Himmelsrichtungen (soll er) die Welthüter von Śakra bis Viṣṇu, auf Praṇava-Sitzen, mit ihren Reittieren und Waffen, mit dem Herz-Mantra unter ihren eigenen Namen verehren.
dabei soll er, den Wurzel-Mantra aussprechend, die Welthüter Śivas Befehl hören lassen: „Schützt (dies) gebührend!“ Dann soll er, nachdem er den Krug gehalten hat, sie (die Vardhanī) aufstellen.
Dann soll er auf dem Krug mit festem Sitz Śaṅkara samt seinen Gliedern (aṅga) verehren, den zu reinigenden Pfad (adhvan) niederlegen und in der Vardhanī die Waffe (astra) verehren:
„oṃ haḥ, dem Sitz der Waffe, hūṃ phaṭ; oṃ oṃ, der Gestalt der Waffe, Verehrung; oṃ hūṃ phaṭ, der Pāśupata-Waffe Verehrung; oṃ oṃ, dem Herzen, hūṃ phaṭ, Verehrung; oṃ śrīṃ, dem Haupt, hūṃ phaṭ, Verehrung; oṃ yaṃ, dem Haarschopf, hūṃ phaṭ, Verehrung; oṃ gūṃ, dem Panzer, hūṃ phaṭ, Verehrung; oṃ phaṭ, der Waffe, hūṃ phaṭ, Verehrung.“ Die Waffe soll er sich vorstellen als vierköpfig, mit Hauern, samt Śakti, mit Keule, Dreizack und Schwert, strahlend wie zehn Millionen Sonnen.
Wort für Wort
astra-āsanāya
dem Sitz der Waffe
astra-mūrtaye
der Gestalt der Waffe
pāśupata-astrāya
der Pāśupata-Waffe
catur-vaktram sa-daṃṣṭram
vierköpfig, mit Hauern
sa-mudgara-triśūla-asim
mit Keule, Dreizack und Schwert
sūrya-koṭi-sama-prabham
strahlend wie zehn Millionen Sonnen
Die Mantra-Reihe (Sitz, Gestalt, Pāśupata-Waffe und die sechs Aṅga-Mantras) ist in Prosa eingeschoben; die Bījas sind teils wohl entstellt (z. B. oṃ oṃ).
Mit der Liṅga-Mudrā soll er die Vereinigung von Bhaga und Liṅga bewirken. Mit dem Daumen soll er unter dem Herz-Mantra den Krug berühren, mit der Faust die Waffen-Vardhanī.
Für Genuss und Erlösung soll er zuerst mit der Faust die Vardhanī berühren. Zum Schutz der Öffnung des Kruges soll er das Schwert der Erkenntnis darbringen.
Und hundert (Wiederholungen) des Wurzel-Mantras (samt) der Waffe soll er in den Krug hineinlegen, ein Zehntel davon in die Vardhanī; dann soll er um Schutz bitten:
Im Nordwesten soll er den vierarmigen Gaṇa (Gaṇeśa) auf dem Praṇava-Sitz verehren. Nachdem der Mann Śiva auf dem Opferplatz (sthaṇḍila) verehrt hat, soll er mit dem Arghya zur Feuergrube gehen.
niviṣṭo mantratṛptyarthamarghyagandhaghṛtādikaṃ / vāme 'savye tu vinyasya samiddarbhatilādikaṃ //
Dort sitzend soll er zur Sättigung der Mantras Arghya, Duftstoff, Schmelzbutter usw. zur Linken, Brennhölzer, Darbha, Sesam usw. aber zur Rechten niederlegen,
Wort für Wort
niviṣṭaḥ
sitzend
mantra-tṛpti-artham
zur Sättigung der Mantras
arghya-gandha-ghṛta-ādikam
Arghya, Duft, Butter usw.
vāme
links
asavye
rechts
samit-darbha-tila-ādikam
Brennholz, Darbha, Sesam usw.
'savye ist hier offenbar als „rechts“ gemeint (a-savya).
Feuergrube, Feuer, Opferlöffel, Schmelzbutter usw. wie zuvor weihen und sich den Vorrang des nach oben gerichteten Gesichts vorstellen; im Herzen und im Feuer soll er Śiva verehren.
In seiner eigenen Gestalt, im Śiva-Krug, auf dem Opferplatz, im Feuer und im Schüler soll er durch die Schöpfungs-Auflegung (sṛṣṭinyāsa) den zu reinigenden Pfad vorschriftsgemäß niederlegen.
Nachdem er sich den Mund (des Feuers) als so groß wie die Feuergrube vorgestellt hat, (opfere er) mit dem Herz-Mantra die gewünschten Opferungen. Die Keimsilben der sieben Zungen des Feuers werden zum Opfer genannt:
Die beiden letzten Laute ohne r [?], verbunden mit r und dem sechsten Vokal (ū), versehen mit Mond(sichel), Punkt und Flamme – das sind der Reihe nach die Keimsilben der Zungen.
Wort für Wort
virephau antimau varṇau
die beiden letzten Laute ohne r
repha-ṣaṣṭha-svara-anvitau
mit r und dem sechsten Vokal verbunden
indu-vindu-śikhā-yuktau
mit Mond, Punkt und Flamme versehen
jihvā-vījān
die Zungen-Keimsilben
anupakramāt
der Reihe nach
Verschlüsselte Mantra-Beschreibung (mantroddhāra); die genaue Laut-Identität ist aus dem Text allein nicht sicher; übersetzt wird wörtlich.
(Die Zungen heißen) Hiraṇyā, Kanakā, Raktā, Kṛṣṇā, danach Suprabhā, Atiriktā und Bahurūpā; sie sind den Richtungen Rudras, Indras, Agnis, der Wasser usw. zugewandt.
Wort für Wort
hiraṇyā
die Goldene
kanakā (Text: vanakā)
die Goldfarbene
raktā kṛṣṇā
die Rote, die Schwarze
suprabhā atiriktā bahurūpā
die Hellglänzende, die Übermäßige, die Vielgestaltige
rudra-indra-agni-āpya-diś-mukhā
den Richtungen Rudras, Indras, Agnis, der Wasser zugewandt
kṣīrādimadhurair homaṃ kuryācchāntikapauṣṭike / abhicāre tu piṇyākasaktukañcukakāñcikaiḥ //
Bei befriedenden und nährenden Riten soll er mit Milch und anderen süßen Stoffen opfern; beim Schadenzauber (abhicāra) aber mit Ölkuchen, Grützmehl, Spreu, saurem Reiswasser,
Der Mṛtyuñjaya(-Mantra) besiegt den Tod; Gedeihen entsteht durch Sesam-Opfer; die Rudra-Befriedung (dient) zur allgemeinen Befriedung. Nun wird das eigentliche Thema dargelegt.
Mit hundertacht Opferungen (ehre er) den Wurzel-Mantra, die Glieder-Mantras aber mit einem Zehntel davon; mit dem Wurzel-Mantra soll er sättigen und die Vollopferung (pūrṇāhuti) wie früher geben.
Ebenso soll er für den Eintritt des Schülers für jeden Schüler hundert (Mal) murmeln; zur Abwehr schlechter Vorzeichen und ebenso zur Erlangung guter Vorzeichen
sind zweihundert (Opferungen) mit dem Wurzel-Mantra wie zuvor darzubringen. Den acht Mantras vom Wurzel-Mantra bis zum Astra (gilt) einmal die Sättigung (tarpaṇa) mit auf svāhā endenden (Formeln);
śikhāsampuṭitair vījair hrūṃ phaḍantaiś ca dīpanaṃ / oṃ hauṃ śivāya svāhetyādimantraiś ca tarpaṇaṃ //
die Entflammung (dīpana) mit Keimsilben, die von der Śikhā(-Silbe) eingeschlossen sind und auf hrūṃ phaṭ enden; und die Sättigung mit Mantras wie „oṃ hauṃ śivāya svāhā“ (Oṃ hauṃ, dem Śiva, svāhā).
Die Entflammung (geschieht) mit (Formeln) wie „oṃ hrūṃ hrauṃ hrīṃ śivāya hrūṃ phaṭ“. Dann (nehme er) den Topf (sthālī), mit Śiva-Wasser gewaschen, mit dem Panzer(-Mantra) umhüllt,
candanādisamālabdhāṃ badhnīyāt kaṭakaṃ gale / varmāstrajaptasaddarbhapatrābhyāṃ carusiddhaye //
mit Sandel usw. gesalbt, und binde ihm um den Hals einen Reif (kaṭaka) aus zwei Blättern guten Darbha-Grases, die mit dem Panzer- und dem Astra-Mantra beraunt sind – zur Bereitung des Opferbreis (caru).
Nachdem mit dem Panzer-Mantra usw. ein Sitz auf einem Maṇḍala in Halbmondform gegeben ist, soll er, wenn (der Herd) aufgestellt und zur (Gottes-)Gestalt gemacht ist, Śiva mit geistigen Blumen verehren,
oder auf dem Topf, dessen Öffnung mit einem Tuch verbunden ist, mit äußeren Blumen; auf dem nach Westen gewandten Herd (cullī), der mit dem „menschlichen Selbst“ [?] belegt ist,
Wort für Wort
vastra-baddha-mukhāyām
mit tuchverbundener Öffnung
sthālyām
auf dem Topf
puṣpaiḥ bahirbhavaiḥ
mit äußeren Blumen
cullyām paścima-vaktrāyām
auf dem nach Westen gewandten Herd
mānuṣa-ātmanā
mit dem „menschlichen Selbst“ [?]
mānuṣātmanā: vermutlich Bezeichnung eines Mantras; Sinn unsicher.
auf den die Keimsilbe des Ichbewusstseins (ahaṅkāra) gelegt ist, der durch Anblicken usw. gereinigt ist, dessen Leib Dharma und Adharma sind, der mit dem „menschlichen Selbst“ [?] beraunt ist,
soll er den Topf setzen, mit dem Astra beraunt und mit Kuhwasser (gomūtra?) gereinigt; Kuhmilch, mit dem Astra gereinigt und mit hundert Prāsāda-Mantras beraunt,
danach soll er für zwei usw. (Schüler) der Reihe nach je eine Handvoll hinzufügen. Und er soll mit dem Feuer-Mantra (und) dem Panzer-Mantra die Abdeckung vornehmen.
Im Śiva-Feuer, mit dem Wurzel-Mantra, nach Osten gewandt, soll er den Opferbrei kochen. Wenn er gut gar ist, soll er (ihn) auf jenem Herd (lassen), den Opferlöffel (sruva) mit Schmelzbutter füllen
und mit den auf svāhā endenden Saṃhitā-Mantras die heiße Übergießung (abhighāraṇa) geben; dann soll er den Topf auf ein Maṇḍala aus gutem Darbha stellen, das mit dem Astra-Mantra bereitet ist,
vidadhyātsaṃhitāmantraiḥ śiṣyaṃ prati sakṛt sakṛt / dharmādyāsanake hutvā kuṇḍamaṇḍalapaścime //
Er soll (dies) mit den Saṃhitā-Mantras für jeden Schüler je einmal vollziehen. Nachdem er westlich von Feuergrube und Maṇḍala auf den Sitz des Dharma usw. geopfert hat
und mit dem Opferlöffel den Rest (sampāta) geopfert hat, soll er mit der Saṃhitā die Reinigung vornehmen. Den Opferbrei soll er einmal berühren, mit ebendieser (Saṃhitā), auf vaṣaṭ endend;
den durch die Kuh-Geste (dhenumudrā) zu Nektar gewordenen (Brei) soll er in die Nähe des Herrn des Opferplatzes bringen. Ein Teil mit Schmelzbutter für seine Schüler, ein Teil für den Gott, (einer) für das Feuer –
kuryāttu stokapālādeḥ samadhvājyamitidaṃ trayaṃ / namo 'ntena hṛdā dadyāttenaivācamanīyakaṃ //
so soll er es machen; (Opfer) für die Welthüter usw. [?]; mit Honig und Schmelzbutter – das ist die Dreiheit. Mit dem Herz-Mantra, auf namaḥ endend, soll er (ihn) geben, und mit ebendiesem das Mundspülwasser.
Wort für Wort
lokapāla-ādeḥ (Text: stoka-)
für die Welthüter usw. [?]
sa-madhu-ājyam
mit Honig und Butter
idam trayam
diese Dreiheit
namaḥ-antena hṛdā
mit dem Herz-Mantra auf namaḥ endend
ācamanīyakam
Mundspülwasser
stokapālādeḥ ist wohl verschrieben für lokapālādeḥ; Konstruktion der Zeile unsicher.
Nachdem er hundert Mantras mit Schmelzbutter geopfert hat, soll er vorschriftsgemäß die Vollopferung geben. Ein Maṇḍala östlich von der Feuergrube oder in der Mitte zwischen Śambhu und dem Krug –
(dort) soll er mit dem Herz-Mantra die innere Spende (antarbali) für die Rudras, Mütter, Gaṇas usw. ausführen; und nachdem er von Śiva die Erlaubnis erlangt [?] und die Vorstellung der Einheit vollzogen hat:
Wort für Wort
rudra-mātṛ-gaṇa-ādīnām
für Rudras, Mütter, Gaṇas usw.
nirvartya antar-balim
die innere Spende ausführend
hṛdā
mit dem Herz-Mantra
labdha-ājñaḥ
die Erlaubnis erlangt habend [?]
ekatva-bhāvanam
Vorstellung der Einheit
alabdhājño: wohl entstellt aus labdhājño („die Erlaubnis erlangt habend“).
so soll er, im Selbstbewusstsein „Ich bin Śiva“, aus dem Opferpavillon hinausgehen. Auf einem mit dem Astra-Mantra bereiteten Maṇḍala, auf das Darbha mit nach Osten weisenden Spitzen gelegt ist,
auf einem Praṇava-Sitz (setze er) den Schüler, der ein weißes Gewand und Obergewand trägt und gebadet ist – für die Erlösung nach Norden gewandt, für den Genuss aber nach Osten gewandt –,
mit aufgerichtetem Körper; ihn, nach Osten gewandt, soll er anblicken, bei der Erlösung von den Füßen bis zum Haarschopf, beim Genuss in umgekehrter Richtung,
soll er ihn für das Aschenbad, zur Befriedung der Hindernisse und zur Zerschlagung der Sünde, in der Abfolge von Schöpfung und Auflösung mit Astra-Asche bestreichen (schlagen).
Nachdem er ihn wieder mit Astra-Wasser besprengt hat, soll er ihn, um ihn „mit Teilen versehen“ zu machen (sakalīkaraṇa), oberhalb des Nabels mit der Kuśa-Spitze, den zum Abwischen dienenden Astra-Mantra aussprechend,
dreimal berühren; mit deren Wurzeln unterhalb des Nabels zur Tilgung der Sünde; und zur Zweiteilung [?] der Fesseln soll er (ihn) mit dem Pfeil-Mantra berühren.
Wort für Wort
tridhā ālabheta
dreimal berühren
tat-mūlaiḥ
mit deren Wurzeln
agha-marṣāya
zur Tilgung der Sünde
nābhi-adhaḥ
unterhalb des Nabels
dvaividhyāya pāśānām
zur Zweiteilung der Fesseln [?]
śara-aṇunā
mit dem Pfeil-(Astra-)Mantra
dvaividhyāya („zur Zweiheit“) im Sinn von Trennung/Spaltung der Fesseln unsicher.
Dann soll er in seinen Körper Śiva mit Gliedern und Sitz niederlegen. Die Augen dessen, der mit Blumen usw. verehrt ist, (soll er) mit dem Augen-Mantra (netra) oder dem Herz-Mantra
ihm einen Sitz mit Tuch geben und ihn gemäß seinem Stand (varṇa) vorstellen. Mit der Saṃhāra-Mudrā (soll er) sich selbst mittels der Gestalt in dessen Herzlotus
einschließen und, nachdem er im gereinigten Körper die Auflegung (nyāsa) vollzogen hat, ihn verehren. Dem nach Osten gewandten Schüler soll er mit dem Wurzel-Mantra auf den Kopf
die Śiva-Hand legen, die den Rang Rudras und Īśas verleiht, das Mittel zum Ergreifen des Śiva-Dienstes. Mit der (so) gegebenen Hand (lasse er ihn) unter dem Śiva-Mantra
eine Blume auf Śiva werfen, nachdem die Augenbinde abgenommen ist; (den Namen soll er geben) reich an dem Mantra der Stelle, auf die sie gefallen ist, Śiva, Deva oder Gaṇa folgend.
Wort für Wort
śive prakṣepayet puṣpam
eine Blume auf Śiva werfen lassen
apanīya
abnehmend
tat-pāta-sthāna-mantra-āḍhyam
reich an dem Mantra der Fallstelle
śiva-deva-gaṇa-anugam
auf Śiva, Deva, Gaṇa endend
arcakantāram unklar, wohl entstellt (Augenbinde, vgl. V. 82-83); pātra- vermutlich für pāta- („Fall“).
Der Reihe nach für Brahmanen usw. soll der Guru den Namen bilden, oder nach eigenem Belieben. Nachdem er ihn sich vor Krug und Vardhanī hat verneigen lassen, soll er ihn beim Feuer
ebenso auf einem Sitz zu seiner Rechten nach Norden gewandt sitzen lassen. Er soll sich (einen Kanal) wie die Suṣumṇā vorstellen, der aus dem Körper des Schülers heraustritt
dessen Wurzel an den eigenen Schenkel und die Spitze so (auch) an das Feuer [?]; er soll mit dem Śiva-Mantra durch das Ausatmen (recaka) in das Herz des Schülers gehen
und durch das Einatmen (pūraka) in das eigene Herzinnere zurückkehren; nachdem er so mit dem Śiva-Feuer erneut eine solche Verbindung der Kanäle (nāḍīsandhāna) hergestellt hat,
Wort für Wort
pūrakeṇa
durch Einatmen
samāgatya
zurückkehrend
svakīyam hṛdaya-antaram
das eigene Herzinnere
śiva-agninā
mit dem Śiva-Feuer
nāḍī-sandhānam īdṛśam
eine solche Kanalverbindung
purakeṇa für pūrakeṇa; hṛdyāntaram für hṛdayāntaram.
soll er mit dem Herz-Mantra drei Opferungen für dessen Gegenwart darbringen; zur Festigung der Śiva-Hand soll er hundert mit dem Wurzel-Mantra opfern. So wird (der Schüler) in der Samaya-Weihe zur Verehrung Bhavas (Śivas) befähigt.