Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 81: samayadīkṣāvidhānam Die Vorschrift der Samaya-Weihe

Īśvara erklärt die Arten der Weihe (dīkṣā) nach den drei Klassen gebundener Seelen und die Unterscheidungen mit/ohne Stütze, Samen und Befugnis; dann folgt der Ritualablauf der Samaya-Weihe: Selbstvergöttlichung des Lehrers, Einrichtung des Opferpavillons mit Krug und Vardhanī, Feuerzungen und Wunschopfer, Bereitung des Opferbreis, Vorbereitung und Namensgebung des Schülers sowie Kanalverbindung. Der Titel lautet im Kopf samayadīkṣāvidhānaṃ, im Kolophon samayadīkṣākathanaṃ. Zahlreiche Druck- und Digitalisierungsfehler (u. a. V. 10, 13, 71, 87, 90) sind in den Anmerkungen vermerkt.

īśvara uvāca | vākṣyāmi bhogamokṣārthaṃ dīkṣāṃ pāpakṣayaṅkarīṃ / malamāyādipāśānāṃ viśleṣaḥ kriyate yayā //

Īśvara sprach: Ich werde die Weihe (dīkṣā) erklären, die Genuss und Erlösung zum Ziel hat und die Sünde vernichtet, durch die die Lösung der Fesseln (pāśa) wie Mala, Māyā usw. bewirkt wird,

Wort für Wort
īśvaraḥ uvāca
Īśvara sprach
vakṣyāmi
ich werde erklären
bhoga-mokṣa-artham
zum Zweck von Genuss und Erlösung
pāpa-kṣayaṃ-karīm
Sünde vernichtend
mala-māyā-ādi-pāśānām
der Fesseln Mala, Māyā usw.
viśleṣaḥ
Lösung, Trennung

vākṣyāmi ist Druckfehler für vakṣyāmi.

jñānañca janyate śiṣye sā dīkṣā bhuktimuktidā / vijñātakalanāmaiko dvitīyaḥ pralayākalaḥ //

und durch die im Schüler Erkenntnis erzeugt wird – das ist die Weihe, die Genuss und Erlösung gewährt. Der Vijñānākala ist der eine (Typus), der zweite der Pralayākala,

Wort für Wort
jñānam janyate
Erkenntnis wird erzeugt
śiṣye
im Schüler
bhukti-mukti-dā
Genuss und Erlösung gebend
vijñānākala
Vijñānākala (nur durch Mala gebundene Seele)
pralayākalaḥ
Pralayākala (in der Weltauflösung ruhende Seele)

vijñātakala ist wohl verderbt für vijñānākala (Śaiva-Terminus).

tṛtīyaḥ sakalaḥ śāstre 'nugrāhyastrividho mataḥ / tatrādyo malamātreṇa mukto 'nyo malakarmabhiḥ //

der dritte der Sakala: So gilt im Lehrbuch der zu Begnadende (anugrāhya) als dreifach. Unter ihnen ist der erste nur mit Mala behaftet, der andere mit Mala und Karman,

Wort für Wort
sakalaḥ
Sakala (mit allen Tattvas behaftete Seele)
anugrāhyaḥ
der zu Begnadende
tri-vidhaḥ mataḥ
gilt als dreifach
mala-mātreṇa
durch bloßes Mala
mala-karmabhiḥ
durch Mala und Karman

mukto ist im Kontext wohl für yukto („verbunden“) verschrieben; übersetzt nach dieser Lesart.

kalādibhūmiparyantaṃ stavaistu sakalo yataḥ / nirādhārātha sādhārā dīkṣāpi dvividhā matā //

der Sakala aber, weil (er gebunden ist) durch die [Tattvas] von Kalā bis zur Erde. Auch die Weihe gilt als zweifach: die stützlose (nirādhārā) und die gestützte (sādhārā).

Wort für Wort
kalā-ādi-bhūmi-paryantam
von Kalā bis zur Erde
tattvaiḥ (Text: stavaiḥ)
durch die Tattvas
nirādhārā
stützlos, ohne Vermittler
sādhārā
mit Stütze
dvi-vidhā
zweifach

stavais ist wohl verderbt für tattvais („durch die Prinzipien“).

nirādhārā dvayosteṣāṃ sādhārā sakalasya tu / ādhāranirapekṣeṇa kriyate śambhucaryayā //

Die stützlose ist für jene beiden, die gestützte aber für den Sakala. Diejenige, die ohne Rücksicht auf eine Stütze durch Śambhus (eigenes) Wirken vollzogen wird

Wort für Wort
dvayoḥ teṣām
für die beiden von ihnen
sakalasya tu
für den Sakala aber
ādhāra-nirapekṣeṇa
ohne Rücksicht auf eine Stütze
kriyate
wird vollzogen
śambhu-caryayā
durch Śambhus Wirken

tīvraśaktinipātena nirādhāreti sā smṛtā / ācāryamūrtimāsthāya māyātīvrādibhedayā //

durch das Herabsteigen intensiver Kraft (tīvraśaktinipāta), die wird als die stützlose überliefert. Diejenige, die Śambhu, indem er die Gestalt des Lehrers annimmt, mit der nach Graden wie schwach, intensiv usw. unterschiedenen

Wort für Wort
tīvra-śakti-nipātena
durch das Herabsteigen intensiver Kraft
nirādhārā iti smṛtā
wird als stützlos überliefert
ācārya-mūrtim āsthāya
die Gestalt des Lehrers annehmend
manda-tīvra-ādi-bhedayā
nach schwach, intensiv usw. unterschieden

māyātīvrādi ist wohl verderbt für mandatīvrādi („schwach, intensiv usw.“), die übliche Abstufung des śaktipāta.

śaktyā yāṃ kurute śambhuḥ sā sādhikaraṇocyate / iyaṃ caturvidhā proktā savījā vījavarjitā //

Kraft vollzieht, die heißt „mit Substrat“ (sādhikaraṇā). Diese wird als vierfach erklärt: mit Samen (savījā), ohne Samen,

Wort für Wort
śaktyā
durch die Kraft
kurute śambhuḥ
Śambhu vollzieht
sādhikaraṇā ucyate
heißt „mit Substrat“
catur-vidhā proktā
vierfach erklärt
sa-vījā
mit Samen
vīja-varjitā
ohne Samen

sādhikārānadhikārā yathā tadabhidhīyate / samayācārasaṃyuktā savījā jāyate nṛṇāṃ //

mit Befugnis und ohne Befugnis; so wie es beschrieben wird: Die Weihe mit Samen entsteht für Menschen, die mit dem Samaya-Wandel verbunden sind;

Wort für Wort
sādhikārā
mit Befugnis
anadhikārā
ohne Befugnis
abhidhīyate
wird beschrieben
samaya-ācāra-saṃyuktā
mit dem Samaya-Wandel verbunden
nṛṇām
für die Menschen

nirvījā tvasamarthānāṃ samayācāravarjitā / nitye naimittike kāmye yataḥ syādadhikāritā //

die ohne Samen für die Unfähigen, frei vom Samaya-Wandel. Weil Befugnis zu den ständigen, anlassgebundenen und wunschbezogenen (Riten) besteht,

Wort für Wort
nirvījā
ohne Samen
asamarthānām
für die Unfähigen
samaya-ācāra-varjitā
ohne Samaya-Wandel
nitye naimittike kāmye
beim ständigen, anlassgebundenen und wunschbezogenen (Ritus)
adhikāritā
Befugnis

sādhikārā bhaveddīkṣā sādhakācāryayorataḥ / nirvījā dīkṣitānāntu yadāsa mama putrayoḥ //

ist die Weihe für Sādhaka und Ācārya „mit Befugnis“. Für die Eingeweihten aber, nämlich Samayin und Putraka [?],

Wort für Wort
sādhikārā bhavet
ist mit Befugnis
sādhaka-ācāryayoḥ
für Sādhaka und Ācārya
dīkṣitānām tu
für die Eingeweihten aber
samayi-putrakayoḥ (Konjektur)
für Samayin und Putraka

Zweite Vershälfte verderbt (yadāsa mama putrayoḥ); vermutlich samayiputrakayoḥ zu lesen. Das einleitende nirvījā passt nicht zur folgenden Aussage und dürfte ebenfalls verderbt sein.

nityamātrādhikāratvaddīkṣā niradhikārikā / dvividheyaṃ dvirūpā hi pratyekamupajāyate //

ist die Weihe, weil sie nur zu den ständigen (Riten) befugt, „ohne Befugnis“. Diese zweifache (Weihe) tritt nämlich jeweils in zwei Formen auf:

Wort für Wort
nitya-mātra-adhikāratvāt
weil nur zu ständigen Riten befugt
niradhikārikā
ohne Befugnis
dvi-rūpā
zweigestaltig
pratyekam
jeweils
upajāyate
entsteht

nityamātrādhikāratvad für nityamātrādhikāratvād.

ekā kriyāvatī tatra kuṇḍamaṇḍalapūrvikā / manovyāpāramātreṇa yā sā jñānavatī matā //

Die eine ist dabei die mit Ritualhandlung (kriyāvatī), der Feuergrube und Maṇḍala vorangehen; die durch bloße Tätigkeit des Geistes (vollzogen wird), gilt als die mit Erkenntnis (jñānavatī).

Wort für Wort
kriyāvatī
mit Ritualhandlung
kuṇḍa-maṇḍala-pūrvikā
mit Feuergrube und Maṇḍala beginnend
mano-vyāpāra-mātreṇa
durch bloße Tätigkeit des Geistes
jñānavatī
mit Erkenntnis

itthaṃ labdhādhikāreṇa dīkṣā.acāryeṇa sādhyate / skandadīkṣāṃ guruḥ kuryāt kṛtvā nityakriyāṃ tataḥ //

So wird die Weihe von einem Lehrer vollzogen, der die Befugnis erlangt hat. Der Guru soll die Samaya-Weihe [?] vollziehen, nachdem er zuvor die tägliche Ritualhandlung ausgeführt hat.

Wort für Wort
itthaṃ
so
labdha-adhikāreṇa
von einem, der die Befugnis erlangt hat
sādhyate
wird vollzogen
guruḥ kuryāt
der Guru soll vollziehen
nitya-kriyām kṛtvā
nach Ausführung des täglichen Ritus

dīkṣā.acāryeṇa: Digitalisierungsfehler für dīkṣācāryeṇa. skandadīkṣām ist wohl verderbt, vermutlich für samayadīkṣām (Kapitelthema).

praṇavārgyakarāmbhojakṛtadvārādhipārcaṇaḥ / vighnānutsārya dehalyāṃ nyasyāstraṃ svāsane sthitaḥ //

Nachdem er mit dem Praṇava und dem Arghya-Wasser in der Lotoshand die Verehrung der Torhüter vollzogen, die Hindernisse vertrieben und die Waffe (astra) auf die Schwelle gelegt hat, soll er, auf seinem eigenen Sitz verweilend,

Wort für Wort
praṇava-arghya-kara-ambhoja
mit Oṃ und Arghya in der Lotoshand
dvāra-adhipa-arcanaḥ
die Torhüter verehrend
vighnān utsārya
die Hindernisse vertreibend
dehalyām nyasya astram
auf die Schwelle die Waffe (Astra-Mantra) legend
sva-āsane sthitaḥ
auf eigenem Sitz

kurvīta bhūtasaṃśuddhiṃ mantrayogaṃ yathoditaṃ / tilataṇḍulasiddhārthakuśadūrvākṣatodakaṃ //

die Reinigung der Elemente (bhūtaśuddhi) und den Mantra-Yoga wie gelehrt ausführen. Sesam, Reiskörner, weißer Senf, Kuśa, Dūrvā-Gras, unzerbrochene Körner, Wasser,

Wort für Wort
kurvīta
er soll ausführen
bhūta-saṃśuddhim
Reinigung der Elemente
mantra-yogam
Mantra-Yoga
tila-taṇḍula-siddhārtha
Sesam, Reis, weißer Senf
kuśa-dūrvā-akṣata-udakam
Kuśa, Dūrvā, unzerbrochene Körner, Wasser

sayavakṣīranīrañca viśeṣārghyamidantataḥ / tadambunā dravyaśuddhiṃ tilakaṃ svāsanātmanoḥ //

zusammen mit Gerste, Milch und Wasser – das ist dann das besondere Arghya. Mit diesem Wasser (erfolgen) die Reinigung der Substanzen, das Stirnzeichen (tilaka) für Sitz und eigene Person,

Wort für Wort
sa-yava-kṣīra-nīram
mit Gerste, Milch und Wasser
viśeṣa-arghyam
besonderes Arghya
tat-ambunā
mit diesem Wasser
dravya-śuddhim
Reinigung der Substanzen
tilakam sva-āsana-ātmanoḥ
Stirnzeichen für Sitz und Selbst

pūjanaṃ mantraśiddhiñca pañcagavyañca pūrvavat / lājacandanasiddhārthabhasmadūrvākṣataṃ kuśān //

die Verehrung, die Reinigung der Mantras und das Fünf-Kuh-Produkt (pañcagavya) wie zuvor. Geröstete Körner, Sandel, weißer Senf, Asche, Dūrvā, unzerbrochene Körner, Kuśa –

Wort für Wort
pūjanam
Verehrung
mantra-śuddhim
Reinigung der Mantras
pañcagavyam
die fünf Kuhprodukte
pūrvavat
wie zuvor
lāja-candana-siddhārtha-bhasma
geröstete Körner, Sandel, Senf, Asche

mantraśiddhi wohl für mantraśuddhi.

vikirān śuddhalājāṃstān sadhūpānastramantritān / śastrāmbuprokṣitānetān kavacenāvaguṇṭhitān //

diese Streugaben (vikira), reine geröstete Körner, mit Räucherwerk, durch den Astra-Mantra geweiht, mit Astra-Wasser besprengt, mit dem Kavaca (Panzer-Mantra) umhüllt,

Wort für Wort
vikirān
Streugaben
śuddha-lājān
reine geröstete Körner
sa-dhūpān
mit Räucherwerk
astra-mantritān
mit dem Astra-Mantra geweiht
śastra-ambu-prokṣitān
mit Waffen-Wasser besprengt
kavacena avaguṇṭhitān
mit dem Panzer-Mantra umhüllt

nānāgrahaṇākārān vighnaughavinivārakān / darbhāṇāntālamānena kṛtvā ṣaṭtriṃśatā dalaiḥ //

von verschiedener Gestalt [?], die die Flut der Hindernisse abwehren. Nachdem er aus Darbha-Halmen im Maß einer Handspanne (tāla) mit sechsunddreißig Halmen

Wort für Wort
nānā-grahaṇa-ākārān
von verschiedener Gestalt [?]
vighna-ogha-vinivārakān
die Flut der Hindernisse abwehrend
darbhāṇām
aus Darbha-Gras
tāla-mānena
im Maß einer Handspanne
ṣaṭtriṃśatā dalaiḥ
mit 36 Halmen

nānāgrahaṇākārān unklar/verderbt.

saptajaptaṃ śivāstreṇa veṇīṃ bodhāsimuttamaṃ / śivamātmani vinyasya sṛṣṭyādhāramabhīpsitaṃ //

einen Zopf (veṇī) gemacht hat – das vortreffliche „Schwert der Erkenntnis“ –, siebenmal mit dem Śiva-Astra beraunt, soll er Śiva in sich selbst niederlegen, als gewünschte Grundlage der Schöpfung [?],

Wort für Wort
sapta-japtam
siebenmal beraunt
śiva-astreṇa
mit dem Śiva-Astra
veṇīm
Zopf
bodha-asim uttamam
das vortreffliche Schwert der Erkenntnis
śivam ātmani vinyasya
Śiva in sich niederlegend

sṛṣṭyādhāramabhīpsitam: Bezug unklar.

niṣkalaṃ ca śivaṃ nyasya śivo 'hamiti bhāvayet / uṣṇīṣaṃ śirasi nyasya alaṃ kuryātsvadehakaṃ //

und nachdem er den teillosen (niṣkala) Śiva niedergelegt hat, soll er sich vorstellen: „Ich bin Śiva.“ Nachdem er den Turban auf den Kopf gesetzt hat, soll er seinen eigenen Leib schmücken.

Wort für Wort
niṣkalam śivam
den teillosen Śiva
śivaḥ aham iti
„ich bin Śiva“
bhāvayet
er soll sich vorstellen
uṣṇīṣam śirasi nyasya
den Turban aufs Haupt legend
alaṃ kuryāt sva-dehakam
er soll den eigenen Leib schmücken

gandhamaṇḍanakaṃ svīye vidadhyāddakṣiṇe kare / vidhinātrārcayedīśamitthaṃ syācchivamastakaṃ //

Auf seiner eigenen rechten Hand soll er eine Duftsalbung anbringen und darin nach der Vorschrift den Herrn verehren; so entsteht die „Śiva-Hand“ [?].

Wort für Wort
gandha-maṇḍanakam
Duftsalbung, Duftschmuck
dakṣiṇe kare
auf der rechten Hand
vidhinā
nach Vorschrift
arcayet īśam
er soll den Herrn verehren
śiva-hastakam (Text: -mastakam)
die Śiva-Hand

śivamastakam ist wohl verderbt für śivahastakam (vgl. Vers 86 und 93).

vinyasya śivamantreṇa bhāsvaraṃ nijamastake / śivādabhinnamātmānaṃ kartāraṃ bhāvayedyathā //

Nachdem er sie, leuchtend, mit dem Śiva-Mantra auf das eigene Haupt gelegt hat, soll er sich selbst als von Śiva ungeschiedenen Handelnden vorstellen, und zwar so:

Wort für Wort
vinyasya
auflegend
śiva-mantreṇa
mit dem Śiva-Mantra
bhāsvaram
leuchtend
nija-mastake
auf das eigene Haupt
śivāt abhinnam ātmānam
sich selbst als von Śiva ungeschieden
kartāram
den Handelnden

maṇḍale karmaṇāṃ sākṣī kalaśe yajñarakṣakaḥ / homādhikaraṇaṃ vahnau śiṣye pāśavimocakaḥ //

„im Maṇḍala der Zeuge der Handlungen, im Krug der Beschützer des Opfers, im Feuer die Grundlage der Opferung, im Schüler der Löser der Fesseln,

Wort für Wort
maṇḍale
im Maṇḍala
karmaṇām sākṣī
Zeuge der Handlungen
kalaśe yajña-rakṣakaḥ
im Krug der Opferschützer
homa-adhikaraṇam vahnau
im Feuer Grundlage der Opferung
śiṣye pāśa-vimocakaḥ
im Schüler Löser der Fesseln

svātmanyanugṛhīteti ṣaḍādhāro ya īśvaraḥ / so 'hameveti kurvīta bhāvaṃ sthirataraṃ punaḥ //

in mir selbst der Gnadenspender – der Herr, der diese sechs Stützen hat, der bin ich“: Diese Überzeugung soll er erneut noch fester machen.

Wort für Wort
sva-ātmani
in mir selbst
anugrahītā
der Gnadenspender
ṣaṭ-ādhāraḥ
mit sechs Stützen
saḥ aham eva
der bin ich
bhāvam sthirataram
die Überzeugung fester

anugṛhītā wohl für anugrahītā („der Begnadende“).

jñānakhaḍgakaraḥ sthitvā nairṛtyābhimukho naraḥ / sārghyāmbupañcagavyābhyāṃ prokṣayedyāgamaṇḍapaṃ //

Mit dem Schwert der Erkenntnis in der Hand stehend, nach Südwesten gewandt, soll der Mann den Opferpavillon mit Arghya-Wasser und Pañcagavya besprengen.

Wort für Wort
jñāna-khaḍga-karaḥ
das Erkenntnisschwert in der Hand
nairṛtya-abhimukhaḥ
nach Südwesten gewandt
sa-arghya-ambu-pañcagavyābhyām
mit Arghya-Wasser und Pañcagavya
prokṣayet
er soll besprengen
yāga-maṇḍapam
den Opferpavillon

catuṣpathāntasaṃskāraiḥ saṃskuryādīkṣaṇādibhiḥ / vikṣipya vikarāṃstatra kuśakūrcopasaṃharet //

Er soll ihn mit den Weihungen, beginnend mit dem Anblicken (īkṣaṇa) und bis zum Vierweg [?] reichend, weihen. Nachdem er dort die Streugaben ausgestreut hat, soll er sie mit einem Kuśa-Besen zusammenfegen.

Wort für Wort
catuṣpatha-anta-saṃskāraiḥ
mit den bis zum Vierweg reichenden Weihungen [?]
īkṣaṇa-ādibhiḥ
mit Anblicken usw.
vikṣipya vikarān
die Streugaben ausstreuend
kuśa-kūrca
Kuśa-Besen
upasaṃharet
er soll zusammenfegen

catuṣpathāntasaṃskāraiḥ: technischer Sinn unklar (Reihe der Gefäß-/Ortsweihungen?).

tānīśadiśi vardhanyāmāsanāyopakalpayet / nairṛte vāstugīrvāṇān dvāre lakṣmīṃ prapūjayet //

Diese soll er im Nordosten an der Vardhanī (dem Wasserkrug) als Sitz bereiten. Im Südwesten soll er die Vāstu-Gottheiten, am Tor Lakṣmī verehren,

Wort für Wort
īśa-diśi
in der Richtung Īśas (Nordosten)
vardhanyām
an der Vardhanī
āsanāya upakalpayet
als Sitz bereiten
nairṛte vāstu-gīrvāṇān
im Südwesten die Vāstu-Götter
dvāre lakṣmīm prapūjayet
am Tor Lakṣmī verehren

āpye ratnaiḥ pūrayantīṃ hṛdā maṇḍaparūpiṇīṃ / sāmbuvastre saratne ca dhānyasthe paścimānane //

im Westen (die Göttin), die (den Pavillon) mit Juwelen füllt, deren Gestalt der Pavillon ist, mit dem Herz-Mantra; auf einem Krug mit Wasser und Tuch, mit Juwelen, auf Getreide stehend, nach Westen gewandt,

Wort für Wort
āpye
im Westen (Richtung der Wasser)
ratnaiḥ pūrayantīm
mit Juwelen füllend
hṛdā
mit dem Herz-Mantra
maṇḍapa-rūpiṇīm
die Gestalt des Pavillons habend
sa-ambu-vastre sa-ratne
mit Wasser, Tuch und Juwelen
dhānya-sthe paścima-ānane
auf Getreide stehend, nach Westen gewandt

aiśe kumbhe yajecchambhuṃ śaktiṃ kumbhasya dakṣiṇe / paścimasyāntu siṃhasthāṃ vardhanīṃ khaḍgarūpiṇīṃ //

auf dem Krug im Nordosten soll er Śambhu verehren, die Śakti rechts (südlich) vom Krug; im Westen [?] die Vardhanī, auf einem Löwen sitzend, in Gestalt eines Schwertes.

Wort für Wort
aiśe kumbhe
auf dem nordöstlichen Krug
yajet śambhum
er soll Śambhu verehren
śaktim kumbhasya dakṣiṇe
die Śakti südlich des Kruges
siṃha-sthām
auf dem Löwen sitzend
khaḍga-rūpiṇīm
in Schwertgestalt

paścimasyāntu: Bezug unsicher.

dikṣu śakrādidikpālānviṣṇvantān praṇavāsanān / vāhanāyudhasaṃyuktān hṛdābhyarcya svanāmabhiḥ //

In den Himmelsrichtungen (soll er) die Welthüter von Śakra bis Viṣṇu, auf Praṇava-Sitzen, mit ihren Reittieren und Waffen, mit dem Herz-Mantra unter ihren eigenen Namen verehren.

Wort für Wort
dikṣu
in den Richtungen
śakra-ādi-dikpālān
die Richtungshüter beginnend mit Śakra (Indra)
viṣṇu-antān
bis Viṣṇu
praṇava-āsanān
auf Oṃ-Sitzen
vāhana-āyudha-saṃyuktān
mit Reittieren und Waffen
sva-nāmabhiḥ
mit ihren Namen

prathamantāṃ samādāya kumbhasyāgrābhigāminīṃ / avicchinnapayodharāṃ bhrāmayitvā pradakṣiṇaṃ //

Zuerst soll er sie (die Vardhanī) aufnehmen, die dem Krug vorangeht, und sie mit ununterbrochenem Wasserstrahl rechtsherum (um den Pavillon) führen;

Wort für Wort
prathamam tām samādāya
sie zuerst aufnehmend
kumbhasya agra-abhigāminīm
dem Krug vorangehend
avicchinna-payo-dhārām
mit ununterbrochenem Wasserstrahl
bhrāmayitvā
herumführend
pradakṣiṇam
rechtsherum

śivājñāṃ lokapālānāṃ śrāvayenmūlamuccaran / saṃrakṣata yathāyogaṃ kumbhaṃ dhṛtvātha tāṃ dhāret //

dabei soll er, den Wurzel-Mantra aussprechend, die Welthüter Śivas Befehl hören lassen: „Schützt (dies) gebührend!“ Dann soll er, nachdem er den Krug gehalten hat, sie (die Vardhanī) aufstellen.

Wort für Wort
śiva-ājñām
Śivas Befehl
lokapālānām śrāvayet
soll die Welthüter hören lassen
mūlam uccaran
den Wurzel-Mantra aussprechend
saṃrakṣata yathāyogam
schützt gebührend
kumbham dhṛtvā
den Krug haltend

dhāret wohl für dhārayet/sthāpayet.

tataḥ sthirāsane kumbhe sāṅgaṃ sampūjya śaṅkaraṃ / vinyasya śodhyamadhvānaṃ vardhanyāmastramarcayet //

Dann soll er auf dem Krug mit festem Sitz Śaṅkara samt seinen Gliedern (aṅga) verehren, den zu reinigenden Pfad (adhvan) niederlegen und in der Vardhanī die Waffe (astra) verehren:

Wort für Wort
sthira-āsane kumbhe
auf dem Krug mit festem Sitz
sa-aṅgam sampūjya śaṅkaram
Śaṅkara samt Gliedern verehrend
vinyasya śodhyam adhvānam
den zu reinigenden Pfad niederlegend
vardhanyām astram arcayet
in der Vardhanī die Waffe verehren

oṃ haḥ astrāsanāya hūṃ phaṭ / oṃ oṃ astramūrtaye namaḥ / oṃ hūṃ phaṭ pāśupatāstrāya namaḥ / oṃ oṃ hṛdayāya hūṃ phaṭ namaḥ / oṃ śrīṃ śirase hūṃ phaṭ namaḥ / oṃ yaṃ śikhāyai hūṃ phaṭ namaḥ / oṃ gūṃ kavacāya hūṃ phaṭ namaḥ / oṃ phaṭ astrāya hūṃ phaṭ namaḥ caturvaktraṃ sadaṃṣṭrañca smaredastraṃ saśaktikaṃ / samudgaratriśūlāsiṃ sūryakoṭisamaprabhaṃ //

„oṃ haḥ, dem Sitz der Waffe, hūṃ phaṭ; oṃ oṃ, der Gestalt der Waffe, Verehrung; oṃ hūṃ phaṭ, der Pāśupata-Waffe Verehrung; oṃ oṃ, dem Herzen, hūṃ phaṭ, Verehrung; oṃ śrīṃ, dem Haupt, hūṃ phaṭ, Verehrung; oṃ yaṃ, dem Haarschopf, hūṃ phaṭ, Verehrung; oṃ gūṃ, dem Panzer, hūṃ phaṭ, Verehrung; oṃ phaṭ, der Waffe, hūṃ phaṭ, Verehrung.“ Die Waffe soll er sich vorstellen als vierköpfig, mit Hauern, samt Śakti, mit Keule, Dreizack und Schwert, strahlend wie zehn Millionen Sonnen.

Wort für Wort
astra-āsanāya
dem Sitz der Waffe
astra-mūrtaye
der Gestalt der Waffe
pāśupata-astrāya
der Pāśupata-Waffe
catur-vaktram sa-daṃṣṭram
vierköpfig, mit Hauern
sa-mudgara-triśūla-asim
mit Keule, Dreizack und Schwert
sūrya-koṭi-sama-prabham
strahlend wie zehn Millionen Sonnen

Die Mantra-Reihe (Sitz, Gestalt, Pāśupata-Waffe und die sechs Aṅga-Mantras) ist in Prosa eingeschoben; die Bījas sind teils wohl entstellt (z. B. oṃ oṃ).

bhagaliṅgasamāyogaṃ vidadhyālliṅgamudrayā / agguṣṭhena spṛśet kumbhaṃ hṛdā muṣṭyāstravardhanīṃ //

Mit der Liṅga-Mudrā soll er die Vereinigung von Bhaga und Liṅga bewirken. Mit dem Daumen soll er unter dem Herz-Mantra den Krug berühren, mit der Faust die Waffen-Vardhanī.

Wort für Wort
bhaga-liṅga-samāyogam
Vereinigung von Bhaga und Liṅga
liṅga-mudrayā
mit der Liṅga-Geste
aṅguṣṭhena spṛśet kumbham
mit dem Daumen den Krug berühren
hṛdā
mit dem Herz-Mantra
muṣṭyā astra-vardhanīm
mit der Faust die Waffen-Vardhanī

agguṣṭhena ist Druckfehler für aṅguṣṭhena.

bhuktaye muktaye tvādau muṣṭinā vardhanīṃ spṛśet / kumbhasya mukharakṣārthaṃ jñānakhaḍgaṃ samarpayet //

Für Genuss und Erlösung soll er zuerst mit der Faust die Vardhanī berühren. Zum Schutz der Öffnung des Kruges soll er das Schwert der Erkenntnis darbringen.

Wort für Wort
bhuktaye muktaye
für Genuss und Erlösung
ādau
zuerst
muṣṭinā vardhanīm spṛśet
mit der Faust die Vardhanī berühren
kumbhasya mukha-rakṣā-artham
zum Schutz der Krugöffnung
jñāna-khaḍgam samarpayet
das Erkenntnisschwert darbringen

śastrañca mūlamantrasya śataṃ kumbhe niveśayet / taddaśāṃśena vardhanyāṃ rakṣāṃ vijñāpayettataḥ //

Und hundert (Wiederholungen) des Wurzel-Mantras (samt) der Waffe soll er in den Krug hineinlegen, ein Zehntel davon in die Vardhanī; dann soll er um Schutz bitten:

Wort für Wort
śastram
die Waffe (Astra-Mantra)
mūla-mantrasya śatam
hundert (Rezitationen) des Wurzel-Mantras
kumbhe niveśayet
in den Krug legen
tat-daśa-aṃśena
mit einem Zehntel davon
rakṣām vijñāpayet
um Schutz bitten

yathedaṃ kṛtayatnena bhagavanmakhamandiraṃ / rakṣaṇīyaṃ jagannātha sarvādhvaradhara tvayā //

„O Erhabener, Herr der Welt, Träger aller Opfer, wie dieser Opfertempel mit Mühe errichtet worden ist, so ist er von dir zu schützen.“

Wort für Wort
kṛta-yatnena
mit Mühe hergestellt
bhagavan
o Erhabener
makha-mandiram
Opfertempel
rakṣaṇīyam tvayā
von dir zu schützen
jagannātha
o Herr der Welt
sarva-adhvara-dhara
o Träger aller Opfer

praṇavasthaṃ caturbāhuṃ vāyavye gaṇamarcayet / sthaṇḍile śivamabhyarcya sārghyakuṇḍaṃ vrajennaraḥ //

Im Nordwesten soll er den vierarmigen Gaṇa (Gaṇeśa) auf dem Praṇava-Sitz verehren. Nachdem der Mann Śiva auf dem Opferplatz (sthaṇḍila) verehrt hat, soll er mit dem Arghya zur Feuergrube gehen.

Wort für Wort
praṇava-stham
auf Oṃ sitzend
catur-bāhum
vierarmig
vāyavye gaṇam arcayet
im Nordwesten Gaṇa verehren
sthaṇḍile śivam abhyarcya
auf dem Opferplatz Śiva verehrend
sa-arghya kuṇḍam vrajet
mit Arghya zur Feuergrube gehen

niviṣṭo mantratṛptyarthamarghyagandhaghṛtādikaṃ / vāme 'savye tu vinyasya samiddarbhatilādikaṃ //

Dort sitzend soll er zur Sättigung der Mantras Arghya, Duftstoff, Schmelzbutter usw. zur Linken, Brennhölzer, Darbha, Sesam usw. aber zur Rechten niederlegen,

Wort für Wort
niviṣṭaḥ
sitzend
mantra-tṛpti-artham
zur Sättigung der Mantras
arghya-gandha-ghṛta-ādikam
Arghya, Duft, Butter usw.
vāme
links
asavye
rechts
samit-darbha-tila-ādikam
Brennholz, Darbha, Sesam usw.

'savye ist hier offenbar als „rechts“ gemeint (a-savya).

kuṇḍavahnisrugājyādi prāgvat saṃskṛtya bhāvayet / mukhyatāmūrdhvavaktrasya hṛdi vahnau śivaṃ yajet //

Feuergrube, Feuer, Opferlöffel, Schmelzbutter usw. wie zuvor weihen und sich den Vorrang des nach oben gerichteten Gesichts vorstellen; im Herzen und im Feuer soll er Śiva verehren.

Wort für Wort
kuṇḍa-vahni-sruk-ājya-ādi
Grube, Feuer, Löffel, Butter usw.
prāgvat saṃskṛtya
wie zuvor weihend
mukhyatām ūrdhva-vaktrasya
den Vorrang des oberen Gesichts
hṛdi vahnau
im Herzen und im Feuer
śivam yajet
Śiva verehren

svamūrtau śivakumbhe ca sthaṇḍile tvagniśiṣyayoḥ / sṛṣṭinyāsena vinyasya śodhyādhvānaṃ yathāvidhi //

In seiner eigenen Gestalt, im Śiva-Krug, auf dem Opferplatz, im Feuer und im Schüler soll er durch die Schöpfungs-Auflegung (sṛṣṭinyāsa) den zu reinigenden Pfad vorschriftsgemäß niederlegen.

Wort für Wort
sva-mūrtau
in eigener Gestalt
śiva-kumbhe
im Śiva-Krug
agni-śiṣyayoḥ
in Feuer und Schüler
sṛṣṭi-nyāsena
durch die Schöpfungs-Auflegung
śodhya-adhvānam
den zu reinigenden Pfad

kuṇḍamānaṃ mukhaṃ dhyātvā hṛdāhutibhirīpsitaṃ / vījāni saptajihvānāmagnerhomāya bhaṇyate //

Nachdem er sich den Mund (des Feuers) als so groß wie die Feuergrube vorgestellt hat, (opfere er) mit dem Herz-Mantra die gewünschten Opferungen. Die Keimsilben der sieben Zungen des Feuers werden zum Opfer genannt:

Wort für Wort
kuṇḍa-mānam mukham
den Mund von der Größe der Grube
dhyātvā
vorstellend
hṛdā āhutibhiḥ
mit Opferungen unter dem Herz-Mantra
vījāni sapta-jihvānām
die Keimsilben der sieben Zungen
bhaṇyate
wird genannt

virephāvantimauvarṇau rephaṣaṣṭhasvarānvitau / induvinduśikhāyuktau jihvāvījānupakramāt //

Die beiden letzten Laute ohne r [?], verbunden mit r und dem sechsten Vokal (ū), versehen mit Mond(sichel), Punkt und Flamme – das sind der Reihe nach die Keimsilben der Zungen.

Wort für Wort
virephau antimau varṇau
die beiden letzten Laute ohne r
repha-ṣaṣṭha-svara-anvitau
mit r und dem sechsten Vokal verbunden
indu-vindu-śikhā-yuktau
mit Mond, Punkt und Flamme versehen
jihvā-vījān
die Zungen-Keimsilben
anupakramāt
der Reihe nach

Verschlüsselte Mantra-Beschreibung (mantroddhāra); die genaue Laut-Identität ist aus dem Text allein nicht sicher; übersetzt wird wörtlich.

hiraṇyā vanakā raktā kṛṣṇā tadanu suprabhā / atiriktā bahurūpā rudrendrāgnyāpyadiṅmukhā //

(Die Zungen heißen) Hiraṇyā, Kanakā, Raktā, Kṛṣṇā, danach Suprabhā, Atiriktā und Bahurūpā; sie sind den Richtungen Rudras, Indras, Agnis, der Wasser usw. zugewandt.

Wort für Wort
hiraṇyā
die Goldene
kanakā (Text: vanakā)
die Goldfarbene
raktā kṛṣṇā
die Rote, die Schwarze
suprabhā atiriktā bahurūpā
die Hellglänzende, die Übermäßige, die Vielgestaltige
rudra-indra-agni-āpya-diś-mukhā
den Richtungen Rudras, Indras, Agnis, der Wasser zugewandt

vanakā ist wohl verschrieben für kanakā.

kṣīrādimadhurair homaṃ kuryācchāntikapauṣṭike / abhicāre tu piṇyākasaktukañcukakāñcikaiḥ //

Bei befriedenden und nährenden Riten soll er mit Milch und anderen süßen Stoffen opfern; beim Schadenzauber (abhicāra) aber mit Ölkuchen, Grützmehl, Spreu, saurem Reiswasser,

Wort für Wort
kṣīra-ādi-madhuraiḥ
mit Milch und anderem Süßen
śāntika-pauṣṭike
beim befriedenden und nährenden Ritus
abhicāre
beim Schadenzauber
piṇyāka-saktu
Ölkuchen, Grützmehl
kañcuka-kāñcikaiḥ
mit Spreu und saurem Reiswasser

lavaṇair ājikātakrakaṭutailaiś ca kaṇṭakaiḥ / samidbhirapi vakrābhiḥ kruddho bhāṣyāṇunā yajet //

mit Salz, schwarzem Senf, Buttermilch, scharfem Öl und Dornen, auch mit krummen Brennhölzern – zornig soll er mit dem laut gesprochenen Mantra opfern.

Wort für Wort
lavaṇaiḥ
mit Salz
rājikā-takra-kaṭu-tailaiḥ
mit Senf, Buttermilch, scharfem Öl
kaṇṭakaiḥ
mit Dornen
samidbhiḥ vakrābhiḥ
mit krummen Brennhölzern
kruddhaḥ
zornig
bhāṣya-aṇunā
mit dem laut gesprochenen Mantra

ājikā wohl für rājikā („schwarzer Senf“).

kadambakalikāhomādyakṣiṇī siddhyati dhruvaṃ / bandhūkakiṃśukādīni vaśyākarṣāya homayet //

Durch Opferung von Kadamba-Knospen wird gewiss eine Yakṣiṇī gewonnen. Bandhūka, Kiṃśuka usw. soll er zur Unterwerfung und Anziehung opfern.

Wort für Wort
kadamba-kalikā-homāt
durch Opfer von Kadamba-Knospen
yakṣiṇī siddhyati
eine Yakṣiṇī wird gewonnen
dhruvam
gewiss
bandhūka-kiṃśuka-ādīni
Bandhūka, Kiṃśuka usw.
vaśya-ākarṣāya
zur Unterwerfung und Anziehung

bilvaṃ rājyāya lakṣmārthaṃ pāṭalāṃś campakānapi / padmāni cakravartitve bhakṣyabhojyāni sampade //

Bilva für die Königsherrschaft; für Glück Pāṭala- und auch Campaka-Blüten; Lotusblüten für die Weltherrschaft; Speisen und Gerichte für Wohlstand.

Wort für Wort
bilvam rājyāya
Bilva für die Herrschaft
lakṣmī-artham
für Glück
pāṭalān campakān
Pāṭala- und Campaka-Blüten
padmāni cakravartitve
Lotus für die Weltherrschaft
bhakṣya-bhojyāni sampade
Speisen für Wohlstand

lakṣmārtham für lakṣmyartham.

dūrvā vyādhivināśāya sarvasattvavaśīkṛte / priyaṅgupāṭalīpuṣpaṃ cūtapatraṃ jvarāntakaṃ //

Dūrvā-Gras zur Vernichtung von Krankheit und zur Unterwerfung aller Wesen; Priyaṅgu- und Pāṭalī-Blüten und Mangoblätter beenden Fieber.

Wort für Wort
dūrvā
Dūrvā-Gras
vyādhi-vināśāya
zur Vernichtung von Krankheit
sarva-sattva-vaśīkṛte
zur Unterwerfung aller Wesen
priyaṅgu-pāṭalī-puṣpam
Priyaṅgu- und Pāṭalī-Blüte
cūta-patram
Mangoblatt
jvara-antakam
Fieber beendend

mṛtyuñjayo mṛtyujit syād vṛddhiḥ syāttilahomataḥ / rudraśāntiḥ sarvaśāntyai atha prastutamucyate //

Der Mṛtyuñjaya(-Mantra) besiegt den Tod; Gedeihen entsteht durch Sesam-Opfer; die Rudra-Befriedung (dient) zur allgemeinen Befriedung. Nun wird das eigentliche Thema dargelegt.

Wort für Wort
mṛtyuñjayaḥ
der Mṛtyuñjaya(-Mantra)
mṛtyu-jit
den Tod besiegend
vṛddhiḥ tila-homataḥ
Gedeihen durch Sesamopfer
rudra-śāntiḥ
Rudra-Befriedung
prastutam ucyate
das Thema wird dargelegt

āhutyaṣṭaśatair mūlamaṅgāni tu daśāṃśataḥ / santarpayeta mūlena dadyāt pūrṇāṃ yathā purā //

Mit hundertacht Opferungen (ehre er) den Wurzel-Mantra, die Glieder-Mantras aber mit einem Zehntel davon; mit dem Wurzel-Mantra soll er sättigen und die Vollopferung (pūrṇāhuti) wie früher geben.

Wort für Wort
āhuti-aṣṭa-śataiḥ
mit 108 Opferungen
aṅgāni daśa-aṃśataḥ
die Glieder mit einem Zehntel
santarpayeta
er soll sättigen
dadyāt pūrṇām
die Vollopferung geben
yathā purā
wie früher

tathā śiṣyapraveśāya pratiśiṣyaṃ śataṃ japet / dur nimittāpasārāya sunimittakṛte tathā //

Ebenso soll er für den Eintritt des Schülers für jeden Schüler hundert (Mal) murmeln; zur Abwehr schlechter Vorzeichen und ebenso zur Erlangung guter Vorzeichen

Wort für Wort
śiṣya-praveśāya
für den Eintritt des Schülers
prati-śiṣyam
für jeden Schüler
śatam japet
hundertmal murmeln
durnimitta-apasārāya
zur Abwehr schlechter Omina
sunimitta-kṛte
für gute Omina

śatadvayañca hotavyaṃ mūlamantreṇa pūrvavat / mūlādyaṣṭāstramantrāṇāṃ svāhāntaistarpaṇaṃ sakṛt //

sind zweihundert (Opferungen) mit dem Wurzel-Mantra wie zuvor darzubringen. Den acht Mantras vom Wurzel-Mantra bis zum Astra (gilt) einmal die Sättigung (tarpaṇa) mit auf svāhā endenden (Formeln);

Wort für Wort
śata-dvayam hotavyam
zweihundert sind zu opfern
mūla-mantreṇa
mit dem Wurzel-Mantra
mūla-ādi-aṣṭa-astra-mantrāṇām
der acht Mantras vom Wurzel- bis zum Astra-Mantra
svāhā-antaiḥ
mit auf svāhā endenden
tarpaṇam sakṛt
Sättigung einmal

śikhāsampuṭitair vījair hrūṃ phaḍantaiś ca dīpanaṃ / oṃ hauṃ śivāya svāhetyādimantraiś ca tarpaṇaṃ //

die Entflammung (dīpana) mit Keimsilben, die von der Śikhā(-Silbe) eingeschlossen sind und auf hrūṃ phaṭ enden; und die Sättigung mit Mantras wie „oṃ hauṃ śivāya svāhā“ (Oṃ hauṃ, dem Śiva, svāhā).

Wort für Wort
śikhā-sampuṭitaiḥ vījaiḥ
mit von der Śikhā umschlossenen Keimsilben
hrūṃ phaṭ-antaiḥ
auf hrūṃ phaṭ endend
dīpanam
Entflammung
śivāya svāhā
dem Śiva, svāhā
tarpaṇam
Sättigung

oṃ hrūṃ hrauṃ hrīṃ śivāya hrūṃ phaḍityādidīpanaṃ / tataḥ śivāmbhasā sthālīṃ kṣālitāṃ varmaguṇṭhitāṃ //

Die Entflammung (geschieht) mit (Formeln) wie „oṃ hrūṃ hrauṃ hrīṃ śivāya hrūṃ phaṭ“. Dann (nehme er) den Topf (sthālī), mit Śiva-Wasser gewaschen, mit dem Panzer(-Mantra) umhüllt,

Wort für Wort
śivāya
dem Śiva
iti-ādi-dīpanam
Entflammung mit solchen Formeln
śiva-ambhasā
mit Śiva-Wasser
sthālīm kṣālitām
den gewaschenen Topf
varma-guṇṭhitām
mit dem Panzer-Mantra umhüllt

candanādisamālabdhāṃ badhnīyāt kaṭakaṃ gale / varmāstrajaptasaddarbhapatrābhyāṃ carusiddhaye //

mit Sandel usw. gesalbt, und binde ihm um den Hals einen Reif (kaṭaka) aus zwei Blättern guten Darbha-Grases, die mit dem Panzer- und dem Astra-Mantra beraunt sind – zur Bereitung des Opferbreis (caru).

Wort für Wort
candana-ādi-samālabdhām
mit Sandel usw. gesalbt
badhnīyāt kaṭakam gale
am Hals einen Reif binden
varma-astra-japta
mit Panzer- und Astra-Mantra beraunt
sat-darbha-patrābhyām
mit zwei guten Darbha-Blättern
caru-siddhaye
zur Bereitung des Opferbreis

varmādyair āsane datte sārdhendukṛtamaṇḍale / nyastāyāṃ mūrtibhūtāyāṃ bhāvapuṣpaiḥ śivaṃ yajet //

Nachdem mit dem Panzer-Mantra usw. ein Sitz auf einem Maṇḍala in Halbmondform gegeben ist, soll er, wenn (der Herd) aufgestellt und zur (Gottes-)Gestalt gemacht ist, Śiva mit geistigen Blumen verehren,

Wort für Wort
varma-ādyaiḥ
mit Panzer-Mantra usw.
āsane datte
wenn ein Sitz gegeben ist
sārdha-indu-kṛta-maṇḍale
auf einem Halbmond-Maṇḍala
mūrti-bhūtāyām
zur Gestalt geworden
bhāva-puṣpaiḥ
mit geistigen Blumen
śivam yajet
Śiva verehren

vastrabaddhamukhāyāṃ vā sthālyāṃ puṣpair vahirbhavaiḥ / cullyāṃ paścimavaktrāyāṃ nyastāyāṃ mānuṣātmanā //

oder auf dem Topf, dessen Öffnung mit einem Tuch verbunden ist, mit äußeren Blumen; auf dem nach Westen gewandten Herd (cullī), der mit dem „menschlichen Selbst“ [?] belegt ist,

Wort für Wort
vastra-baddha-mukhāyām
mit tuchverbundener Öffnung
sthālyām
auf dem Topf
puṣpaiḥ bahirbhavaiḥ
mit äußeren Blumen
cullyām paścima-vaktrāyām
auf dem nach Westen gewandten Herd
mānuṣa-ātmanā
mit dem „menschlichen Selbst“ [?]

mānuṣātmanā: vermutlich Bezeichnung eines Mantras; Sinn unsicher.

nyastāhaṅkāravījāyāṃ śuddhāyāṃ vīkṣaṇādibhiḥ / dharmādharmaśarīrāyāṃ japtāyāṃ mānuṣātmanā //

auf den die Keimsilbe des Ichbewusstseins (ahaṅkāra) gelegt ist, der durch Anblicken usw. gereinigt ist, dessen Leib Dharma und Adharma sind, der mit dem „menschlichen Selbst“ [?] beraunt ist,

Wort für Wort
nyasta-ahaṅkāra-vījāyām
mit aufgelegter Ahaṅkāra-Keimsilbe
śuddhāyām vīkṣaṇa-ādibhiḥ
durch Anblicken usw. gereinigt
dharma-adharma-śarīrāyām
deren Leib Dharma und Adharma ist
japtāyām
beraunt

sthālīmāropayedastrajaptāṃ gavyāmbumārjitāṃ / gavyaṃ payo 'strasaṃśuddhaṃ prāsādaśatamantritaṃ //

soll er den Topf setzen, mit dem Astra beraunt und mit Kuhwasser (gomūtra?) gereinigt; Kuhmilch, mit dem Astra gereinigt und mit hundert Prāsāda-Mantras beraunt,

Wort für Wort
sthālīm āropayet
den Topf aufsetzen
astra-japtām
mit dem Astra beraunt
gavya-ambu-mārjitām
mit Kuhwasser gereinigt
gavyam payaḥ
Kuhmilch
prāsāda-śata-mantritam
mit hundert Prāsāda-Mantras geweiht

tuṇḍalān śyāmakādīnāṃ nikṣipettatra tadyathā / ekaśiṣyavidhānāya teṣāṃ prasṛtipañcakaṃ //

und enthülste Körner von Śyāmaka-Hirse usw. soll er dort hineinschütten, und zwar: für die Handlung für einen Schüler fünf Handvoll (prasṛti) davon;

Wort für Wort
taṇḍulān
enthülste Körner
śyāmaka-ādīnām
von Śyāmaka-Hirse usw.
nikṣipet
hineinschütten
eka-śiṣya-vidhānāya
für die Handlung für einen Schüler
prasṛti-pañcakam
fünf Handvoll

tuṇḍalān für taṇḍulān.

prasṛtiṃ prasṛtiṃ paścādvardhayed dvyādiṣu kramāt / kuryāccānalamantreṇa pidhānaṃ kavacāṇunā //

danach soll er für zwei usw. (Schüler) der Reihe nach je eine Handvoll hinzufügen. Und er soll mit dem Feuer-Mantra (und) dem Panzer-Mantra die Abdeckung vornehmen.

Wort für Wort
prasṛtim prasṛtim
je eine Handvoll
vardhayet
hinzufügen
dvi-ādiṣu kramāt
für zwei usw. der Reihe nach
anala-mantreṇa
mit dem Feuer-Mantra
pidhānam kavaca-aṇunā
Abdeckung mit dem Panzer-Mantra

śivāgnau mūlamantreṇa pūrvāsyaś carukaṃ pacet / sukhinne tatra taccullyāṃ śruvamāpūrya sarpiṣā //

Im Śiva-Feuer, mit dem Wurzel-Mantra, nach Osten gewandt, soll er den Opferbrei kochen. Wenn er gut gar ist, soll er (ihn) auf jenem Herd (lassen), den Opferlöffel (sruva) mit Schmelzbutter füllen

Wort für Wort
śiva-agnau
im Śiva-Feuer
pūrva-āsyaḥ
nach Osten gewandt
carukam pacet
den Opferbrei kochen
sukhinne
wenn gut gar
śruvam āpūrya sarpiṣā
den Löffel mit Butter füllend

svāhāntaiḥ saṃhitāmantrair datvā taptābhighāraṇaṃ / saṃsthāpya maṇḍale sthālīṃ saddarbhe 'strāṇunā kṛte //

und mit den auf svāhā endenden Saṃhitā-Mantras die heiße Übergießung (abhighāraṇa) geben; dann soll er den Topf auf ein Maṇḍala aus gutem Darbha stellen, das mit dem Astra-Mantra bereitet ist,

Wort für Wort
svāhā-antaiḥ saṃhitā-mantraiḥ
mit auf svāhā endenden Saṃhitā-Mantras
taptā-abhighāraṇam
heiße Übergießung
saṃsthāpya maṇḍale sthālīm
den Topf aufs Maṇḍala stellend
sat-darbhe
auf gutem Darbha
astra-aṇunā kṛte
mit dem Astra-Mantra bereitet

praṇavena pidhāyāsyāṃ taddehalepanaṃ hṛdā / suśītalo bhavatyevam prāpya śītābhighāraṇaṃ //

ihn mit dem Praṇava bedecken und mit dem Herz-Mantra seinen Körper bestreichen; so wird er ganz kühl, nachdem er die kalte Übergießung empfangen hat.

Wort für Wort
praṇavena pidhāya
mit Oṃ bedeckend
tat-deha-lepanam hṛdā
Bestreichen seines Körpers mit dem Herz-Mantra
su-śītalaḥ bhavati
wird ganz kühl
śīta-abhighāraṇam
kalte Übergießung

vidadhyātsaṃhitāmantraiḥ śiṣyaṃ prati sakṛt sakṛt / dharmādyāsanake hutvā kuṇḍamaṇḍalapaścime //

Er soll (dies) mit den Saṃhitā-Mantras für jeden Schüler je einmal vollziehen. Nachdem er westlich von Feuergrube und Maṇḍala auf den Sitz des Dharma usw. geopfert hat

Wort für Wort
vidadhyāt
er soll vollziehen
śiṣyam prati sakṛt sakṛt
für jeden Schüler je einmal
dharma-ādi-āsanake
auf dem Dharma-usw.-Sitz
hutvā
geopfert habend
kuṇḍa-maṇḍala-paścime
westlich von Grube und Maṇḍala

sampātañca srucā hutvā śuddhiṃ saṃhitayā caret / carukaṃ sakṛdālabhya tayaiva vaṣaḍantayā //

und mit dem Opferlöffel den Rest (sampāta) geopfert hat, soll er mit der Saṃhitā die Reinigung vornehmen. Den Opferbrei soll er einmal berühren, mit ebendieser (Saṃhitā), auf vaṣaṭ endend;

Wort für Wort
sampātam srucā hutvā
den Rest mit dem Löffel opfernd
śuddhim saṃhitayā caret
Reinigung mit der Saṃhitā vornehmen
carukam sakṛt ālabhya
den Brei einmal berührend
vaṣaṭ-antayā
auf vaṣaṭ endend

dhenumudrāmṛtībhūtaṃ sthaṇḍileśāntikaṃ nayet / sājyabhāgaṃ svaśiṣyāṇāṃ bhāgo devāya vahnaye //

den durch die Kuh-Geste (dhenumudrā) zu Nektar gewordenen (Brei) soll er in die Nähe des Herrn des Opferplatzes bringen. Ein Teil mit Schmelzbutter für seine Schüler, ein Teil für den Gott, (einer) für das Feuer –

Wort für Wort
dhenu-mudrā-amṛtī-bhūtam
durch die Kuh-Geste zu Nektar geworden
sthaṇḍila-īśa-antikam nayet
zum Herrn des Opferplatzes bringen
sa-ājya-bhāgam
Teil mit Butter
sva-śiṣyāṇām
für die eigenen Schüler
bhāgaḥ devāya vahnaye
Teil für den Gott, für das Feuer

kuryāttu stokapālādeḥ samadhvājyamitidaṃ trayaṃ / namo 'ntena hṛdā dadyāttenaivācamanīyakaṃ //

so soll er es machen; (Opfer) für die Welthüter usw. [?]; mit Honig und Schmelzbutter – das ist die Dreiheit. Mit dem Herz-Mantra, auf namaḥ endend, soll er (ihn) geben, und mit ebendiesem das Mundspülwasser.

Wort für Wort
lokapāla-ādeḥ (Text: stoka-)
für die Welthüter usw. [?]
sa-madhu-ājyam
mit Honig und Butter
idam trayam
diese Dreiheit
namaḥ-antena hṛdā
mit dem Herz-Mantra auf namaḥ endend
ācamanīyakam
Mundspülwasser

stokapālādeḥ ist wohl verschrieben für lokapālādeḥ; Konstruktion der Zeile unsicher.

sājyaṃ mantraśataṃ hutvā dadyāt pūrṇāṃ yathāvidhi / maṇḍalaṃ kuṇḍataḥ pūrve madhye vā śambhukumbhayoḥ //

Nachdem er hundert Mantras mit Schmelzbutter geopfert hat, soll er vorschriftsgemäß die Vollopferung geben. Ein Maṇḍala östlich von der Feuergrube oder in der Mitte zwischen Śambhu und dem Krug –

Wort für Wort
sa-ājyam mantra-śatam hutvā
hundert Mantras mit Butter opfernd
dadyāt pūrṇām
die Vollopferung geben
maṇḍalam kuṇḍataḥ pūrve
Maṇḍala östlich der Grube
madhye śambhu-kumbhayoḥ
zwischen Śambhu und dem Krug

rudramātṛgaṇādīnāṃ nirvartyāntarbaliṃ hṛdā / śivamadhye 'pyalabdhājño vidhāyaikatvabhāvanaṃ //

(dort) soll er mit dem Herz-Mantra die innere Spende (antarbali) für die Rudras, Mütter, Gaṇas usw. ausführen; und nachdem er von Śiva die Erlaubnis erlangt [?] und die Vorstellung der Einheit vollzogen hat:

Wort für Wort
rudra-mātṛ-gaṇa-ādīnām
für Rudras, Mütter, Gaṇas usw.
nirvartya antar-balim
die innere Spende ausführend
hṛdā
mit dem Herz-Mantra
labdha-ājñaḥ
die Erlaubnis erlangt habend [?]
ekatva-bhāvanam
Vorstellung der Einheit

alabdhājño: wohl entstellt aus labdhājño („die Erlaubnis erlangt habend“).

sarvajñatādiyukto 'haṃ samantāccopari sthitaḥ / mamāṃśo yojanāsthānamadhiṣṭhāhamadhvare //

„Ich bin mit Allwissenheit usw. versehen, stehe ringsum und oben; mein Teil ist der Ort der Verbindung; ich walte über dem Opfer“ –

Wort für Wort
sarvajñatā-ādi-yuktaḥ aham
ich bin mit Allwissenheit usw. versehen
samantāt ca upari sthitaḥ
ringsum und oben stehend
mama aṃśaḥ
mein Teil
yojanā-sthānam
Ort der Verbindung
adhiṣṭhā aham adhvare
ich walte über dem Opfer

śivo 'hamityahaṅkārī niṣkramed yāgamaṇḍapāt / nyastapūrvāgrasandharbhe śastrāṇukṛtamaṇḍale //

so soll er, im Selbstbewusstsein „Ich bin Śiva“, aus dem Opferpavillon hinausgehen. Auf einem mit dem Astra-Mantra bereiteten Maṇḍala, auf das Darbha mit nach Osten weisenden Spitzen gelegt ist,

Wort für Wort
śivaḥ aham iti ahaṅkārī
im Bewusstsein „ich bin Śiva“
niṣkramet
hinausgehen
yāga-maṇḍapāt
aus dem Opferpavillon
nyasta-pūrva-agra-darbhe
mit ostwärts gerichtetem Darbha belegt
śastra-aṇu-kṛta-maṇḍale
auf einem mit dem Astra-Mantra gemachten Maṇḍala

sandharbhe wohl für saddarbhe.

praṇavāsanake śiṣyaṃ śuklavastrottarīyakaṃ / snātañcodaṅmukhaṃ muktyai pūrvavaktrantu bhuktaye //

auf einem Praṇava-Sitz (setze er) den Schüler, der ein weißes Gewand und Obergewand trägt und gebadet ist – für die Erlösung nach Norden gewandt, für den Genuss aber nach Osten gewandt –,

Wort für Wort
praṇava-āsanake
auf dem Oṃ-Sitz
śukla-vastra-uttarīyakam
mit weißem Gewand und Obergewand
snātam
gebadet
udak-mukham muktyai
nach Norden für die Erlösung
pūrva-vaktram bhuktaye
nach Osten für den Genuss

ūrdhvaṃ kāyaṃ samāropya pūrvāsyaṃ pravilokayet / caraṇādiśikhāṃ yāvanmuktau bhuktau vilomataḥ //

mit aufgerichtetem Körper; ihn, nach Osten gewandt, soll er anblicken, bei der Erlösung von den Füßen bis zum Haarschopf, beim Genuss in umgekehrter Richtung,

Wort für Wort
ūrdhvam kāyam samāropya
den Körper aufrichtend
pravilokayet
anblicken
caraṇa-ādi-śikhām yāvat
von den Füßen bis zum Haarschopf
muktau bhuktau
bei Erlösung, bei Genuss
vilomataḥ
in umgekehrter Richtung

cakṣuṣā saprasādena śaivaṃ dhāma vivṛṇvatā / astrodakena sammokṣya mantrāmbusnānasiddaye //

mit gnädigem Auge, das den Glanz Śivas offenbart. Nachdem er ihn zur Vollziehung des Mantra-Wasserbades mit Astra-Wasser besprengt hat,

Wort für Wort
cakṣuṣā sa-prasādena
mit gnädigem Auge
śaivam dhāma vivṛṇvatā
den Glanz Śivas offenbarend
astra-udakena
mit Astra-Wasser
samprokṣya
besprengend
mantra-ambu-snāna-siddhaye
zur Vollziehung des Mantra-Wasserbades

sammokṣya wohl für samprokṣya; siddaye für siddhaye.

bhasmasnānāya vighnānāṃ śāntaye pāpabhittaye / sṛṣṭisaṃhārayogena tāḍayedastrabhasmanā //

soll er ihn für das Aschenbad, zur Befriedung der Hindernisse und zur Zerschlagung der Sünde, in der Abfolge von Schöpfung und Auflösung mit Astra-Asche bestreichen (schlagen).

Wort für Wort
bhasma-snānāya
für das Aschenbad
vighnānām śāntaye
zur Befriedung der Hindernisse
pāpa-bhittaye
zur Zerschlagung der Sünde
sṛṣṭi-saṃhāra-yogena
in der Folge von Schöpfung und Auflösung
tāḍayet astra-bhasmanā
mit Astra-Asche schlagen

punarastrāmbunā prokṣya sakalīkaraṇāya taṃ / nābherūrdhvaṃ kuśāgreṇa mārjanīyāstramuccaran //

Nachdem er ihn wieder mit Astra-Wasser besprengt hat, soll er ihn, um ihn „mit Teilen versehen“ zu machen (sakalīkaraṇa), oberhalb des Nabels mit der Kuśa-Spitze, den zum Abwischen dienenden Astra-Mantra aussprechend,

Wort für Wort
punaḥ astra-ambunā prokṣya
wieder mit Astra-Wasser besprengend
sakalī-karaṇāya
zur Ausstattung mit Teilen
nābheḥ ūrdhvam
oberhalb des Nabels
kuśa-agreṇa
mit der Kuśa-Spitze
mārjanīya-astram uccaran
den Abwisch-Astra aussprechend

tridhā.alabheta tanmūlair aghamarṣāya nābhyadhaḥ / dvaividhyāya ca pāśānāṃ ālabheta śarāṇunā //

dreimal berühren; mit deren Wurzeln unterhalb des Nabels zur Tilgung der Sünde; und zur Zweiteilung [?] der Fesseln soll er (ihn) mit dem Pfeil-Mantra berühren.

Wort für Wort
tridhā ālabheta
dreimal berühren
tat-mūlaiḥ
mit deren Wurzeln
agha-marṣāya
zur Tilgung der Sünde
nābhi-adhaḥ
unterhalb des Nabels
dvaividhyāya pāśānām
zur Zweiteilung der Fesseln [?]
śara-aṇunā
mit dem Pfeil-(Astra-)Mantra

dvaividhyāya („zur Zweiheit“) im Sinn von Trennung/Spaltung der Fesseln unsicher.

taccharīre śivaṃ sāṅgaṃ sāsanaṃ vinyasettataḥ / puṣpādipūjitasyāsya netre netreṇa vā hṛdā //

Dann soll er in seinen Körper Śiva mit Gliedern und Sitz niederlegen. Die Augen dessen, der mit Blumen usw. verehrt ist, (soll er) mit dem Augen-Mantra (netra) oder dem Herz-Mantra

Wort für Wort
tat-śarīre
in seinen Körper
śivam sa-aṅgam sa-āsanam
Śiva mit Gliedern und Sitz
vinyaset
niederlegen
puṣpa-ādi-pūjitasya
des mit Blumen usw. Verehrten
netre netreṇa
die Augen mit dem Augen-Mantra

badhvāmantritavastreṇa sitena sadaśena ca /. / pradakṣiṇakramādenaṃ praveśya śivadakṣiṇaṃ //

mit einem mantra-geweihten weißen Tuch mit Saum verbinden; dann soll er ihn im Rechtsumgang eintreten lassen, auf Śivas rechte Seite,

Wort für Wort
baddhvā
verbindend
mantrita-vastreṇa
mit einem geweihten Tuch
sitena sa-daśena
weiß, mit Saum
pradakṣiṇa-kramāt
im Rechtsumgang
praveśya śiva-dakṣiṇam
auf Śivas rechte Seite führend

Überzähliges „/.“ im Digitalisat. badhvāmantritavastreṇa für baddhvā mantrita-.

savastramāsanaṃ dadyāt yathāvarṇaṃ nivedayet / saṃhāramudrayātmānaṃ mūrtyā tasya hṛdambuje //

ihm einen Sitz mit Tuch geben und ihn gemäß seinem Stand (varṇa) vorstellen. Mit der Saṃhāra-Mudrā (soll er) sich selbst mittels der Gestalt in dessen Herzlotus

Wort für Wort
sa-vastram āsanam dadyāt
Sitz mit Tuch geben
yathā-varṇam nivedayet
nach Stand vorstellen
saṃhāra-mudrayā
mit der Auflösungs-Geste
ātmānam
sich selbst
tasya hṛt-ambuje
in seinem Herzlotus

nirudhya śodhite kāye nyāsaṃ kṛtvā tamarcayet / pūrvānanasya śiṣyasya mūlamantreṇa mastake //

einschließen und, nachdem er im gereinigten Körper die Auflegung (nyāsa) vollzogen hat, ihn verehren. Dem nach Osten gewandten Schüler soll er mit dem Wurzel-Mantra auf den Kopf

Wort für Wort
nirudhya
einschließend
śodhite kāye
im gereinigten Körper
nyāsam kṛtvā
Auflegung vollziehend
tam arcayet
ihn verehren
pūrva-ānanasya śiṣyasya
des nach Osten gewandten Schülers
mastake
auf den Kopf

śivahastaṃ pradātavyaṃ rudreśapadadāyakaṃ / śivasevāgrahopāyaṃ dattahastaṃ śivāṇunā //

die Śiva-Hand legen, die den Rang Rudras und Īśas verleiht, das Mittel zum Ergreifen des Śiva-Dienstes. Mit der (so) gegebenen Hand (lasse er ihn) unter dem Śiva-Mantra

Wort für Wort
śiva-hastam pradātavyam
die Śiva-Hand ist aufzulegen
rudra-īśa-pada-dāyakam
Rudras und Īśas Rang verleihend
śiva-sevā-graha-upāyam
Mittel zum Ergreifen des Śiva-Dienstes
datta-hastam
mit gegebener Hand
śiva-aṇunā
mit dem Śiva-Mantra

śive prakṣepayet puṣpamapanīyārcakantāraṃ / tatpātrasthānamantrāḍhyaṃ śivadevagaṇānugaṃ //

eine Blume auf Śiva werfen, nachdem die Augenbinde abgenommen ist; (den Namen soll er geben) reich an dem Mantra der Stelle, auf die sie gefallen ist, Śiva, Deva oder Gaṇa folgend.

Wort für Wort
śive prakṣepayet puṣpam
eine Blume auf Śiva werfen lassen
apanīya
abnehmend
tat-pāta-sthāna-mantra-āḍhyam
reich an dem Mantra der Fallstelle
śiva-deva-gaṇa-anugam
auf Śiva, Deva, Gaṇa endend

arcakantāram unklar, wohl entstellt (Augenbinde, vgl. V. 82-83); pātra- vermutlich für pāta- („Fall“).

viprādīnāṃ kramānnāma kuryādvā svecchayā guruḥ / praṇatiṃ kumbhavardhanyoḥ kārayitvānalāntikaṃ //

Der Reihe nach für Brahmanen usw. soll der Guru den Namen bilden, oder nach eigenem Belieben. Nachdem er ihn sich vor Krug und Vardhanī hat verneigen lassen, soll er ihn beim Feuer

Wort für Wort
vipra-ādīnām kramāt
für Brahmanen usw. der Reihe nach
nāma kuryāt
den Namen bilden
sva-icchayā guruḥ
der Guru nach Belieben
praṇatim kārayitvā
verneigen lassend
kumbha-vardhanyoḥ
vor Krug und Vardhanī
anala-antikam
beim Feuer

sadakṣiṇāsane tadvat saumyāsyamupaveśayet / śiṣyadehaviniṣkrāntāṃ suṣumṇāmiva cintayet //

ebenso auf einem Sitz zu seiner Rechten nach Norden gewandt sitzen lassen. Er soll sich (einen Kanal) wie die Suṣumṇā vorstellen, der aus dem Körper des Schülers heraustritt

Wort für Wort
sa-dakṣiṇa-āsane
auf dem Sitz zur Rechten
saumya-āsyam upaveśayet
nach Norden gewandt sitzen lassen
śiṣya-deha-viniṣkrāntām
aus dem Körper des Schülers tretend
suṣumṇām iva
wie die Suṣumṇā
cintayet
vorstellen

nijagrahalīnāñca darbhamūlena mantritaṃ / darbhāgraṃ dakṣiṇe tasya vidhāya karapallave //

und im eigenen Körper [?] aufgeht; das Darbha, am Wurzelende beraunt – dessen Spitze in die rechte Hand (des Schülers) legend,

Wort für Wort
nija-deha-līnām
im eigenen Körper aufgehend [?]
darbha-mūlena mantritam
am Wurzelende beraunt
darbha-agram
die Darbha-Spitze
dakṣiṇe kara-pallave
in die rechte Hand
vidhāya
legend

nijagrahalīnām wohl verderbt für nijadehalīnām.

tammūlamātmajaṅghāyāmagrañceti śikhidhvaje / śiṣyasya hṛdayaṃ gatvā recakena śivāṇunā //

dessen Wurzel an den eigenen Schenkel und die Spitze so (auch) an das Feuer [?]; er soll mit dem Śiva-Mantra durch das Ausatmen (recaka) in das Herz des Schülers gehen

Wort für Wort
tat-mūlam ātma-jaṅghāyām
dessen Wurzel an den eigenen Schenkel
śikhidhvaje
am Feuer [?]
śiṣyasya hṛdayam gatvā
ins Herz des Schülers gehend
recakena
durch Ausatmen
śiva-aṇunā
mit dem Śiva-Mantra

śikhidhvaje („im Feuer“) im Bezug unsicher.

purakeṇa samāgatya svakīyaṃ hṛdyāntaraṃ / śivāgninā punaḥ kṛtvā nāḍīsandhānamīdṛśaṃ //

und durch das Einatmen (pūraka) in das eigene Herzinnere zurückkehren; nachdem er so mit dem Śiva-Feuer erneut eine solche Verbindung der Kanäle (nāḍīsandhāna) hergestellt hat,

Wort für Wort
pūrakeṇa
durch Einatmen
samāgatya
zurückkehrend
svakīyam hṛdaya-antaram
das eigene Herzinnere
śiva-agninā
mit dem Śiva-Feuer
nāḍī-sandhānam īdṛśam
eine solche Kanalverbindung

purakeṇa für pūrakeṇa; hṛdyāntaram für hṛdayāntaram.

hṛdā tatsannidhānārthañjuhuyādāhutitrayaṃ / śivahastasthiratvārthaṃ śataṃ mūlena homayet / itthaṃ samayadīkṣāyāṃ bhavedyogyo bhavārcane //

soll er mit dem Herz-Mantra drei Opferungen für dessen Gegenwart darbringen; zur Festigung der Śiva-Hand soll er hundert mit dem Wurzel-Mantra opfern. So wird (der Schüler) in der Samaya-Weihe zur Verehrung Bhavas (Śivas) befähigt.

Wort für Wort
tat-sannidhāna-artham
für seine Gegenwart
juhuyāt āhuti-trayam
drei Opferungen darbringen
śiva-hasta-sthiratva-artham
zur Festigung der Śiva-Hand
śatam mūlena homayet
hundert mit dem Wurzel-Mantra opfern
samaya-dīkṣāyām
bei der Samaya-Weihe
yogyaḥ bhava-arcane
befähigt zur Verehrung Bhavas

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks