Kapitel 39: bhūparigrahavidhānam
Die Vorschrift zur Inbesitznahme des Bodens
Hayagrīva zählt die fünfundzwanzig Pañcarātra-Tantras auf, bestimmt Herkunft und Eignung des weihenden Lehrers und die Richtung und Lage der Tempel der einzelnen Götter in der Stadt. Es folgen die Bhūta-Spende und das Pflügen bei der Inbesitznahme des Baugrunds sowie eine Maßtabelle vom Atom bis zur Elle. Vers 19 ist nur ein Halbvers mit eingefügter Nummer; zwischen Vers 18 und 19 scheint Text zu fehlen. Der Kolophon nennt das Kapitel bhūparigraha innerhalb des Abschnitts über die Weihe.
hayagrīva uvāca | viṣṇvādīnāṃ pratiṣṭhādi vakṣye brahman śṛṇuṣva me / proktāni pañcarātarāṇi saptarātrāṇi vai mayā //
Hayagrīva sprach: Ich werde die Weihe usw. [der Bilder] Viṣṇus und der anderen [Götter] darlegen, o Brahman; höre mich! Die Pañcarātras und die Saptarātras sind von mir verkündet worden;
das Ātreya, das Nārasiṃha genannte, das Ānanda genannte, ebenso das Āruṇa, das Baudhāyana und ebenso das Ārṣa; das Viśvokta [ist] aus deren Essenz [gebildet] [?].
Wort für Wort
ātreyam
das Ātreya
nārasiṃha-ākhyam
das Nārasiṃha genannte
ānanda-ākhyam āruṇam
das Ānanda genannte, das Āruṇa
baudhāyanam ārṣam
Baudhāyana, Ārṣa
tasya sārataḥ
aus dessen Essenz
Mit Ārṣa sind 25 Namen erreicht; viśvoktaṃ tasya sārataḥ ist unklar (ein weiteres Werk 'Viśvokta' oder 'das Gesamt-Verkündete gemäß seiner Essenz').
pratiṣṭhāṃ hi dvijaḥ kuryānmadhyadeśādisambhavaḥ / nakacchadeśasambhūtaḥ kāverīkoṅkaṇodgataḥ //
Die Weihe soll ein Zweimalgeborener vollziehen, der aus dem Mittelland (Madhyadeśa) usw. stammt – nicht einer, der aus dem Land Kaccha stammt, von der Kāverī oder aus dem Koṅkaṇa kommt,
Sie sind ungeistig, von Tamas beherrscht; [wer] von den fünf Nächten frei [ist] [?] [und] weiß: 'Ich bin Brahman, der makellose Viṣṇu', der ist ein [rechter] Lehrer (deśika).
Wort für Wort
acaitanyāḥ
ungeistig, bewusstlos
tamaḥ-udriktāḥ
von Tamas überwogen
pañcarātra-vivarjitam
frei von den fünf Nächten
brahma aham viṣṇuḥ amalaḥ
ich bin Brahman, der makellose Viṣṇu
deśikaḥ
Lehrer
pañcarātravivarjitaṃ: Bezug unklar, wohl auf den Lehrer zu beziehen, der die fünf Elemente übersteigt.
sarvalakṣaṇahīṇopi sa gurustantrapāragaḥ / nagarābhimukhāḥ sthāpyā devā na ca parāṅmukhāḥ //
Auch wenn er aller [äußeren] Merkmale ermangelt, ist er ein Guru, der die Tantras durchdrungen hat. Die Götter sind der Stadt zugewandt aufzustellen, nicht abgewandt,
kurukṣetre gayādau ca nadīnāntu samīpataḥ / brahmā madhye tu nagare pūrve śakrasya śobhanaṃ //
[außer] in Kurukṣetra, Gayā usw. und in der Nähe von Flüssen. Brahmā [steht] in der Mitte der Stadt; im Osten ist [ein Tempel] Śakras (Indras) günstig,
Wort für Wort
kurukṣetre gayā-ādau
in Kurukṣetra, Gayā usw.
nadīnām samīpataḥ
in der Nähe der Flüsse
madhye nagare
in der Mitte der Stadt
pūrve śakrasya
im Osten [der] Śakras
śobhanam
günstig, schön
Die Ausnahme ('außer') ist sinngemäß ergänzt; wörtlich nur 'in Kurukṣetra, Gayā usw.'.
vairṛte mandiraṃ kuryāt varuṇādadeś ca vāruṇe / vāyor nāgasya vāyavye saumye yakṣaguhasya ca //
im Südwesten soll man den Tempel [der Nirṛti] bauen, im Westen [den] Varuṇas usw., im Nordwesten [den] Vāyus und des Nāga, im Norden [den] der Yakṣas und Guhas,
prāsādaṃ kārayedanyaṃ nobhayaṃ pīḍayedbudhaḥ / bhūmau tu śodhitāyāṃ tu kuryādbhumiparigrahaṃ //
soll der Weise einen weiteren Tempel bauen lassen; er soll keinen der beiden beeinträchtigen. Ist der Boden gereinigt, soll er die Inbesitznahme des Bodens vollziehen.
prākārasīmāparyantaṃ tato bhutabaliṃ haret / māṣaṃ haridrācūrṇantu salājaṃ dadhisaktubhiḥ //
Bis zur Grenze der Umfassungsmauer soll er dann die Opferspende für die Bhūtas darbringen: Bohnen, Kurkumapulver mit gerösteten Körnern, mit Sauermilch und Gerstenmehl;
aṣṭākṣareṇa saktūṃś ca pātāyitvāṣṭadikṣu ca / rākṣasāś ca piśācāś ca yesmiṃstiṣṭhanti bhūtale //
mit dem Achtsilbigen [Mantra] lasse er das Gerstenmehl in die acht Richtungen fallen [und spreche]: 'Die Rākṣasas und die Piśācas, die auf diesem Erdboden weilen,
Acht Atome (paramāṇu) ergeben, wie man lehrt, ein Stäubchen (trasareṇu).
Wort für Wort
paramāṇu-aṣṭakena
durch eine Achtzahl von Atomen
eva
eben
trasareṇuḥ
Stäubchen (im Sonnenstrahl)
prakīrtyate
wird genannt
Nur ein Halbvers mit eingefügter Nummer '//19 //'. Vor diesem Vers liegt offenbar eine Lücke: der Übergang vom Pflügen zur Maßlehre ist unvermittelt. pramāṇvaṣṭakena für paramāṇvaṣṭakena.
tair aṣṭabhistu bālāgraṃ likhyā tair aṣṭabhirmatā / tābhiryūkāṣṭabhiḥ khyātā tāścāṣṭau yavamadhyamaḥ //
Acht davon [ergeben] eine Haarspitze; acht davon gelten als eine Nisse (likṣā); acht Nissen heißen eine Laus (yūkā); und acht davon ein mittleres Gerstenkorn.
yavāṣṭakair aṅgulaṃ syāccaturviṃśāṅgulaḥ karaḥ / caturaṅgulasaṃyuktaḥ sa hastaḥ padmahastakaḥ //
Aus acht Gerstenkörnern entsteht ein Fingerbreit (aṅgula); eine Elle (kara) hat vierundzwanzig Fingerbreiten; um vier Fingerbreiten vermehrt ist diese Elle eine Padma-Elle.