Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 190: akhaṇḍadvādaśīvrataṃ Das Gelübde des „ungebrochenen“ Zwölften

Das Akhaṇḍadvādaśī-Gelübde, das Mängel früher gebrochener Gelübde ausgleicht: Fasten am zwölften der hellen Mārgaśīrṣa-Hälfte, Bad in Pañcagavya-Wasser, Schenkung eines Gefäßes mit Gerste und Reis mit einem Gebet um Unversehrtheit aller Gelübde, Wiederholung in viermonatigen Perioden (mit Grützegefäßen ab Caitra, Fastenbrechen von Śrāvaṇa bis Kārttika) und Lohn. Kleinere Tippfehler (śaktu für saktu).

agnir uvāca | akhaṇḍadvādaśīṃ vakṣye vratasampūrṇatākṛtaṃ / mārgaśīrṣe site viṣṇuṃ dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ //

Agni sprach: Ich werde die Akhaṇḍadvādaśī darlegen, die die Vollständigkeit der Gelübde bewirkt. Im Mārgaśīrṣa, in der hellen Hälfte, [verehre] man, am zwölften fastend, Viṣṇu;

Wort für Wort
akhaṇḍa-dvādaśīm
den ungebrochenen Zwölften
vrata-sampūrṇatā-kṛtam
die Vollständigkeit der Gelübde bewirkend
mārgaśīrṣe site
im Mārgaśīrṣa in der hellen Hälfte
viṣṇum
Viṣṇu
samupoṣitaḥ
fastend

pañcagavyajale snāto yajettatprāśano vratī / yavavrīhiyutampātrandvādaśyāṃ hi dvije 'rpayet //

in Wasser mit den fünf Kuhprodukten gebadet, verehre der Gelübdeträger [ihn] und genieße dieses [Gemisch]; ein Gefäß mit Gerste und Reis überreiche man am zwölften einem Zweimalgeborenen [mit den Worten]:

Wort für Wort
pañcagavya-jale snātaḥ
in Pañcagavya-Wasser gebadet
yajet
verehre
tat-prāśanaḥ
dieses genießend
yava-vrīhi-yutam pātram
Gefäß mit Gerste und Reis
dvije arpayet
überreiche einem Zweimalgeborenen

saptajanmani yat kiñcinmayā khaṇḍaṃ vrataṃ kṛtaṃ / bhagavaṃstvatprasādena tadakhaṇḍamihāstu me //

„Was immer ich in sieben Geburten an Gelübden gebrochen vollzogen habe, o Erhabener, das möge durch deine Gnade hier für mich ungebrochen sein.

Wort für Wort
sapta-janmani
in sieben Geburten
khaṇḍam vratam kṛtam
gebrochen vollzogenes Gelübde
bhagavan
o Erhabener
tvat-prasādena
durch deine Gnade
akhaṇḍam iha astu me
möge hier für mich ungebrochen sein

yathākhaṇḍaṃ jagat sarvaṃ tvameva puruṣottama / tathākhilānyakhaṇḍāni vratāni mama santu vai //

Wie du, o höchster Geist, die ganze ungebrochene Welt bist, so mögen alle meine Gelübde ungebrochen sein.“

Wort für Wort
yathā akhaṇḍam jagat sarvam
wie die ganze ungebrochene Welt
tvam eva
du selbst
puruṣa-uttama
o höchster Geist
akhilāni vratāni
alle Gelübde
akhaṇḍāni santu
mögen ungebrochen sein

evamevānumāsañca cāturmāsyo vidhiḥ smṛtaḥ / anyaccaitrādimāseṣu śaktupātrāṇi cārpayet //

Genauso gilt die Regel für jeden Monat, [je eine Periode] von vier Monaten [umfassend]. Außerdem überreiche man in den Monaten, beginnend mit Caitra, Gefäße mit Gerstengrütze.

Wort für Wort
evam eva anumāsam
ebenso für jeden Monat
cāturmāsyaḥ vidhiḥ
viermonatige Regel
caitra-ādi-māseṣu
in den Monaten ab Caitra
saktu-pātrāṇi
Gefäße mit Gerstengrütze
arpayet
überreiche man

śaktupātrāṇi für saktupātrāṇi.

śrāvaṇādiṣu cārabhya kārttikānteṣu pāraṇaṃ / saptajanmasu vaikalyaṃ vratānāṃ saphalaṃ kṛte //

Mit Śrāvaṇa usw. beginnend, [erfolgt] das Fastenbrechen bis zum Ende des Kārttika. Ist [das Gelübde] vollzogen, so wird der Mangel der Gelübde in sieben Geburten fruchtbar [ausgeglichen].

Wort für Wort
śrāvaṇa-ādiṣu ārabhya
mit Śrāvaṇa usw. beginnend
kārttika-anteṣu
bis zum Ende des Kārttika
pāraṇam
Fastenbrechen
sapta-janmasu vaikalyam
Mangel in sieben Geburten
sa-phalam kṛte
fruchtbar, wenn vollzogen

Satzbau knapp; gemeint ist wohl, dass frühere Mängel wirkungslos werden.

āyurārogyasaubhāgyarājyabhogādimāpnuyāt //

Man erlangt Lebensdauer, Gesundheit, Glück, Königsherrschaft, Genüsse usw.

Wort für Wort
āyuḥ ārogya
Lebensdauer, Gesundheit
saubhāgya
Glück
rājya-bhoga-ādim
Königsherrschaft, Genüsse usw.
āpnuyāt
erlangt

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