Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 83: nirvāṇadīkṣākathanam Darlegung der Nirvāṇa-Weihe (Vorbereitung)

Das Kapitel beschreibt die vorbereitenden Handlungen (adhivāsana) der Nirvāṇa-Weihe: Entflammung der Mantras, Anlegen des als Suṣumṇā vorgestellten Fadens, Einbeziehung der fünf Kalās (Śāntyatītā, Śānti, Vidyā, Pratiṣṭhā, Nivṛtti) mit ihren Tattvas, Padas, Lauten und Welten in den Faden, Speisung der Schüler und Nachtruhe. Der Kopf nennt nirvāṇadīkṣākathanaṃ, das Kolophon nirvāṇadīkṣāyām adhivāsanaṃ. Die Zahlenlisten der Kalās (V. 17-29) sind teilweise verderbt.

īśvara uvāca | atha nirvāṇadīkṣāyāṃ kuryānmūlādidīpanaṃ / pāśabandhanaśaktyarthaṃ tāḍanādikṛtena vā //

Īśvara sprach: Nun soll er bei der Nirvāṇa-Weihe die Entflammung (dīpana) des Wurzel-Mantras usw. vollziehen, um die Kraft zur Bindung der Fesseln (zu gewinnen), oder durch die Handlung des Schlagens usw.,

Wort für Wort
atha
nun
nirvāṇa-dīkṣāyām
bei der Nirvāṇa-Weihe
mūla-ādi-dīpanam
Entflammung des Wurzel-Mantras usw.
pāśa-bandhana-śakti-artham
für die Kraft, die Fesseln zu binden
tāḍana-ādi-kṛtena
durch Schlagen usw.

ekaikayā tadāhutyā pratyekaṃ tattrayeṇa vā / vījagarbhaśikhārdhantu hūṃ phaḍantadhruvādinā //

mit jeweils einer Opferung oder mit je drei für jeden; (den Mantra) mit Keimsilbe im Inneren, halber Śikhā [?], beginnend mit dem Dhruva (oṃ) und endend auf hūṃ phaṭ.

Wort für Wort
ekaikayā āhutyā
mit je einer Opferung
pratyekam tat-trayeṇa
je mit dreien
vīja-garbha
mit Keimsilbe im Inneren
śikhā-ardham
halbe Śikhā [?]
hūṃ phaṭ-anta-dhruva-ādinā
mit oṃ am Anfang und hūṃ phaṭ am Ende

vījagarbhaśikhārdham: Mantra-Konstruktion unklar.

oṃ hrūṃ hrauṃ hauṃ hrūṃ phaḍiti mūlamantrasya dīpanaṃ / oṃ hrūṃ hauṃ hauṃ hrūṃ phaḍiti hṛdaya evaṃ śiromukhe //

„oṃ hrūṃ hrauṃ hauṃ hrūṃ phaṭ“ – das ist die Entflammung des Wurzel-Mantras; „oṃ hrūṃ hauṃ hauṃ hrūṃ phaṭ“ – so beim Herz(-Mantra), ebenso bei Haupt und Gesicht.

Wort für Wort
iti
so
mūla-mantrasya dīpanam
Entflammung des Wurzel-Mantras
hṛdaye
beim Herz-Mantra
evam
ebenso
śiro-mukhe
bei Haupt und Gesicht

pratyekaṃ dīpanaṃ kuryāt sarvasmin krūrakarmaṇi / śāntike pauṣṭike cāsya vaṣaḍantādināṇunā //

Bei jeder grausamen Handlung soll er für jeden (Mantra) die Entflammung vollziehen; bei der befriedenden und nährenden (Handlung) aber mit dessen Mantra, beginnend mit (oṃ) und auf vaṣaṭ endend.

Wort für Wort
pratyekam dīpanam kuryāt
für jeden die Entflammung vollziehen
sarvasmin krūra-karmaṇi
bei jeder grausamen Handlung
śāntike pauṣṭike
bei der befriedenden und nährenden
vaṣaṭ-anta-ādinā aṇunā
mit dem auf vaṣaṭ endenden Mantra

vaṣaḍvauṣaṭsamopetaiḥ sarvakāmyopari sthitaiḥ / havanaṃ saṃvaraiḥ kuryāt sarvatrāpyāyanādiṣu //

Mit (Mantras), die mit vaṣaṭ und vauṣaṭ versehen sind und über allen Wunschriten stehen, soll er überall, bei Stärkung (āpyāyana) usw., mit Umhüllungen [?] das Opfer vollziehen.

Wort für Wort
vaṣaṭ-vauṣaṭ-samupetaiḥ
mit vaṣaṭ und vauṣaṭ versehen
sarva-kāmya-upari sthitaiḥ
über allen Wunschriten stehend
havanam kuryāt
das Opfer vollziehen
saṃvaraiḥ
mit Umhüllungen [?]
āpyāyana-ādiṣu
bei Stärkung usw.

saṃvaraiḥ unsicher (vielleicht sampuṭaiḥ „umschlossen“).

tataḥ svasavyabhāgasthaṃ maṇḍale śuddhavigrahaṃ / śiṣyaṃ sampūjya tat sūtraṃ suṣumṇeti vibhāvitaṃ //

Dann soll er den Schüler, der zu seiner Rechten im Maṇḍala sitzt und dessen Leib gereinigt ist, verehren und den Faden, der als Suṣumṇā (Zentralkanal) vorgestellt wird,

Wort für Wort
sva-savya-bhāga-stham
an seiner rechten Seite befindlich
maṇḍale
im Maṇḍala
śuddha-vigraham
mit gereinigtem Leib
tat sūtram
diesen Faden
suṣumṇā iti vibhāvitam
als Suṣumṇā vorgestellt

mūlena tacchikhābandhaṃ pādāṅguṣṭhāntamānayet / saṃhāreṇa mumukṣostu badhnīyācchiṣyakāyake //

mit dem Wurzel-Mantra vom Haarknoten bis zur großen Zehe herabführen; für den nach Erlösung Strebenden soll er ihn in der Auflösungs-Ordnung (saṃhāra) am Körper des Schülers festbinden.

Wort für Wort
mūlena
mit dem Wurzel-Mantra
tat-śikhā-bandham
von seinem Haarknoten
pāda-aṅguṣṭha-antam ānayet
bis zur großen Zehe führen
saṃhāreṇa
in der Auflösungs-Ordnung
mumukṣoḥ
des nach Erlösung Strebenden
badhnīyāt śiṣya-kāyake
am Körper des Schülers binden

puṃsastu dakṣiṇe bhāge vāme nāryā niyojayet / śaktiṃ ca śaktimantreṇa pūjitāntasya mastake //

Beim Mann soll er ihn an der rechten Seite, bei der Frau an der linken anbringen. Und die Śakti, mit dem Śakti-Mantra auf dessen Kopf verehrt,

Wort für Wort
puṃsaḥ dakṣiṇe bhāge
beim Mann rechts
vāme nāryāḥ
bei der Frau links
niyojayet
anbringen
śaktim śakti-mantreṇa
die Śakti mit dem Śakti-Mantra
pūjitām tasya mastake
auf seinem Kopf verehrt

pūjitāntasya wohl für pūjitāṃ tasya.

saṃhāramudrayā.adāya sūtraṃ tenaiva yojayet / nāḍīntvādāya mūlena sūtre nyasya hṛdārcayet //

soll er mit der Saṃhāra-Mudrā aufnehmen und mit eben diesem (Mantra) mit dem Faden verbinden. Den Kanal (nāḍī) soll er mit dem Wurzel-Mantra aufnehmen, in den Faden legen und mit dem Herz-Mantra verehren.

Wort für Wort
saṃhāra-mudrayā ādāya
mit der Einzieh-Geste aufnehmend
sūtram tena eva yojayet
mit diesem mit dem Faden verbinden
nāḍīm ādāya mūlena
den Kanal mit dem Wurzel-Mantra aufnehmend
sūtre nyasya
in den Faden legend
hṛdā arcayet
mit dem Herz-Mantra verehren

avaguṇṭhya tu rudreṇa hṛdayenāhutitrayaṃ / pradadyātsannidhānārthaṃ śaktāvapyevameva hi //

Nachdem er (ihn) mit dem Rudra-(Panzer-)Mantra umhüllt hat, soll er mit dem Herz-Mantra drei Opferungen für die Gegenwart darbringen; ebenso auch bei der Śakti.

Wort für Wort
avaguṇṭhya
umhüllend
rudreṇa
mit dem Rudra-Mantra
hṛdayena āhuti-trayam
mit dem Herz-Mantra drei Opferungen
sannidhāna-artham
für die Gegenwart
śaktau api evam
ebenso bei der Śakti

rudreṇa hier wohl für den Kavaca-Mantra.

oṃ hāṃ varṇādhvane namo hāṃ bhavanādhvane namaḥ / oṃ hāṃ kālādhvane namaḥ śodhyādhvānaṃ hi sūtrake //

„oṃ hāṃ, dem Pfad der Laute (varṇādhvan) Verehrung; hāṃ, dem Pfad der Welten (bhuvanādhvan) Verehrung; oṃ hāṃ, dem Pfad der Kalās Verehrung“ – so (legt er) den zu reinigenden Pfad in den Faden.

Wort für Wort
varṇa-adhvane namaḥ
dem Pfad der Laute Verehrung
bhuvana-adhvane namaḥ
dem Pfad der Welten Verehrung
kalā-adhvane namaḥ
dem Pfad der Kalās Verehrung
śodhya-adhvānam
den zu reinigenden Pfad
sūtrake
in den Faden

kālādhvane wohl für kalādhvane.

nyasyāstravāriṇā śiṣyaṃ prokṣyāstramantritena ca / puṣpeṇa hṛdi santāḍya śiṣyadehe praviśya ca //

Nachdem er (ihn) niedergelegt hat, den Schüler mit Astra-Wasser besprengt und mit einer mit dem Astra beraunten Blume aufs Herz geschlagen hat und in den Körper des Schülers eingedrungen ist,

Wort für Wort
nyasya
niederlegend
astra-vāriṇā śiṣyam prokṣya
den Schüler mit Astra-Wasser besprengend
astra-mantritena puṣpeṇa
mit astra-geweihter Blume
hṛdi santāḍya
aufs Herz schlagend
śiṣya-dehe praviśya
in den Körper des Schülers eindringend

guruś ca tatra hūṅkārayuktaṃ recakayogataḥ / caitanyaṃ haṃsavījasthaṃ viśliṣyedāyudhātmanā //

soll der Guru dort mit dem Huṃ-Laut, durch Ausatmen, das in der Haṃsa-Keimsilbe befindliche Bewusstsein mit dem Waffen-Selbst (Astra) ablösen.

Wort für Wort
guruḥ
der Guru
hūṅkāra-yuktam
mit dem Laut hūṃ
recaka-yogataḥ
durch Ausatmen
caitanyam haṃsa-vīja-stham
das in der Haṃsa-Keimsilbe befindliche Bewusstsein
viśliṣyet
ablösen
āyudha-ātmanā
mit dem Waffen-Selbst

oṃ hauṃ hūṃ phaṭ āchidya śaktisūtreṇa hāṃ haṃ svāheti cāṇunā / saṃhāramudrayā sūtre nāḍībhūte niyojayet //

(Mantra:) „oṃ hauṃ hūṃ phaṭ“. Nachdem er es abgetrennt hat, soll er es mit dem Śakti-Faden und dem Mantra „hāṃ haṃ svāhā“ mittels der Saṃhāra-Mudrā mit dem zum Kanal gewordenen Faden verbinden.

Wort für Wort
ācchidya
abtrennend
śakti-sūtreṇa
mit dem Śakti-Faden
aṇunā
mit dem Mantra
saṃhāra-mudrayā
mit der Einzieh-Geste
sūtre nāḍī-bhūte
mit dem zum Kanal gewordenen Faden
niyojayet
verbinden

oṃ hāṃ haṃ hāṃ ātmane namaḥ vyāpakaṃ bhāvayedenaṃ tanutrāṇāvaguṇṭhayet / āhutitritayaṃ dadyāt hṛdā sannidhihetave //

(Mantra:) „oṃ hāṃ haṃ hāṃ, dem Selbst Verehrung.“ Er soll es als alldurchdringend vorstellen, es mit dem Panzer(-Mantra) umhüllen und mit dem Herz-Mantra drei Opferungen zur Herbeiführung der Gegenwart darbringen.

Wort für Wort
ātmane namaḥ
dem Selbst Verehrung
vyāpakam bhāvayet
als alldurchdringend vorstellen
tanu-trāṇa-avaguṇṭhayet
mit dem Panzer umhüllen
āhuti-tritayam dadyāt
drei Opferungen geben
sannidhi-hetave
zur Gegenwart

vidyādehañca vinyasya śāntyatītāvalokanaṃ / tasyāmitaratattvādyaṃ mantrabhūtaṃ vicintayet //

Nachdem er den Wissens-Leib (vidyādeha) aufgelegt und die Śāntyatītā (Kalā) angeblickt hat, soll er in ihr das erste der übrigen Tattvas [?] als zum Mantra geworden vorstellen.

Wort für Wort
vidyā-deham vinyasya
den Wissens-Leib auflegend
śāntyatīta-avalokanam
Anblicken der Śāntyatītā
tasyām
in ihr
itara-tattva-ādyam
das erste der übrigen Tattvas [?]
mantra-bhūtam vicintayet
als Mantra geworden vorstellen

tasyāmitaratattvādyam unklar.

oṃ hāṃ hauṃ śāntyatītakalāpāśāya nama ity anenāvalokayet he tattve mantramapyekaṃ padaṃ varṇāś ca ṣoḍaśa / tathāṣṭau bhuvanānyasyāṃ vījanāḍīkathadvayaṃ //

(Mantra:) „oṃ hāṃ hauṃ, der Fessel der Śāntyatītā-Kalā Verehrung“ – mit diesem soll er (sie) anblicken. Zwei Tattvas, auch ein Mantra, ein Pada (Wortstück) und sechzehn Laute, ebenso acht Welten (bhuvana) in ihr, je zwei Keimsilben, Kanäle und Winde [?],

Wort für Wort
śāntyatīta-kalā-pāśāya namaḥ
der Fessel der Śāntyatītā-Kalā Verehrung
avalokayet
anblicken
dve tattve
zwei Tattvas
mantram ekam padam
ein Mantra, ein Pada
varṇāḥ ṣoḍaśa
sechzehn Laute
aṣṭau bhuvanāni
acht Welten

he tattve Druckfehler für dve tattve; vījanāḍīkathadvayam wohl für vījanāḍīsamīradvayam (vgl. V. 28).

viṣayañca guṇañcaikaṃ kāraṇaṃ ca sadā śivaṃ / sitāyāṃ śāntyatītāyāmantarbhāvya prapīḍayet //

ein Sinnesobjekt, ein Guṇa und als Ursache (Gottheit) Sadāśiva – dies soll er in die weiße Śāntyatītā einbeziehen und (dann) pressen [?].

Wort für Wort
viṣayam ca guṇam ca ekam
ein Sinnesobjekt und ein Guṇa
kāraṇam sadāśivam
als Ursache Sadāśiva
sitāyām śāntyatītāyām
in die weiße Śāntyatītā
antarbhāvya
einbeziehend
prapīḍayet
pressen [?]

prapīḍayet wohl für pratāḍayet („schlagen“, vgl. V. 29).

oṃ hauṃ śāntyatītakalāpāśāya hūṃ phaṭ saṃhāramudrayā.adāya vidadhyāt sūtramastake / pūjayedāhutīṃstisro dadyāt sannidhihetave //

(Mantra:) „oṃ hauṃ, der Fessel der Śāntyatītā-Kalā hūṃ phaṭ.“ Mit der Saṃhāra-Mudrā aufgenommen, soll er sie an das Kopfende des Fadens legen, verehren und zur Herbeiführung der Gegenwart drei Opferungen geben.

Wort für Wort
saṃhāra-mudrayā ādāya
mit der Einzieh-Geste aufnehmend
vidadhyāt sūtra-mastake
an das Kopfende des Fadens legen
pūjayet
verehren
āhutīḥ tisraḥ dadyāt
drei Opferungen geben
sannidhi-hetave
zur Gegenwart

tattve dve akṣare dve ca vījanāḍīkathadvayaṃ / guṇau mantrau tathābjasthamekaṃ kāraṇamīśvaraṃ //

(Für die Śānti-Kalā:) zwei Tattvas, zwei Laute, je zwei Keimsilben, Kanäle und Winde [?], zwei Guṇas, zwei Mantras, ebenso als einzige Ursache Īśvara, auf dem Lotus sitzend,

Wort für Wort
tattve dve
zwei Tattvas
akṣare dve
zwei Laute
guṇau mantrau
zwei Guṇas, zwei Mantras
abja-stham
auf dem Lotus sitzend
ekam kāraṇam īśvaram
als einzige Ursache Īśvara

padāni bhānusaṅkhyāni bhuvanāni daśa sapta ca / ekañca viṣayaṃ śāntau kṛṣṇāyāmacyutaṃ smaret //

Padas in der Zahl der Sonnen (zwölf), Welten zehn und sieben (siebzehn) und ein Sinnesobjekt – in der schwarzen Śānti soll er (dies) bedenken, und Acyuta [?].

Wort für Wort
padāni bhānu-saṅkhyāni
Padas in der Zahl der Sonnen (12)
bhuvanāni daśa sapta ca
siebzehn Welten
ekam viṣayam
ein Sinnesobjekt
śāntau kṛṣṇāyām
in der schwarzen Śānti
smaret
bedenken

acyutam passt nicht zur Reihe (Ursache ist Īśvara); vielleicht verderbt.

tāḍayitvā samādāya mukhasūtre niyojayet / juhuyānnijavījena sānnidhyāyāhutitrayaṃ //

Nachdem er (sie) geschlagen und aufgenommen hat, soll er (sie) mit dem Faden am Gesicht verbinden; mit ihrer eigenen Keimsilbe soll er für die Gegenwart drei Opferungen darbringen.

Wort für Wort
tāḍayitvā samādāya
schlagend und aufnehmend
mukha-sūtre niyojayet
mit dem Faden am Gesicht verbinden
juhuyāt nija-vījena
mit der eigenen Keimsilbe opfern
sānnidhyāya
für die Gegenwart
āhuti-trayam
drei Opferungen

vidyāyāṃ sapta tattvāni pādānāmekaviṃśatiṃ / ṣaḍ varṇān sañcaraṃ caikaṃ lokānāṃ pañcaviṃśatiṃ //

In der Vidyā (-Kalā): sieben Tattvas, einundzwanzig Padas, sechs Laute, ein Sañcara [?], fünfundzwanzig Welten,

Wort für Wort
vidyāyām
in der Vidyā
sapta tattvāni
sieben Tattvas
padānām ekaviṃśatim
einundzwanzig Padas
ṣaṭ varṇān
sechs Laute
lokānām pañcaviṃśatim
fünfundzwanzig Welten

pādānām für padānām; sañcaram unklar.

guṇānāntrayamekañca viṣayaṃ rudrakāraṇaṃ / antarbhāvyātiriktāyāṃ jīvanāḍīkathadvayaṃ //

drei Guṇas, ein Sinnesobjekt, als Ursache Rudra – dies soll er in die rote [?] (Vidyā) einbeziehen, (dazu) je zwei Lebens(-Winde) und Kanäle [?].

Wort für Wort
guṇānām trayam
drei Guṇas
ekam viṣayam
ein Sinnesobjekt
rudra-kāraṇam
Rudra als Ursache
antarbhāvya
einbeziehend
raktāyām
in der roten [?]

atiriktāyām wohl für raktāyām („in der roten“).

astramādāya dadhyācca padaṃ dvyadhikaviṃśatiṃ / lokānāñca kalānāñca ṣaṣṭiṃ guṇacatuṣṭayaṃ //

Mit dem Astra aufgenommen, soll er (sie) auflegen. (In der Pratiṣṭhā:) zweiundzwanzig Padas, sechzig an Welten und Kalās [?], vier Guṇas,

Wort für Wort
astram ādāya
mit dem Astra aufnehmend
dadhyāt
auflegen
padam dvi-adhika-viṃśatim
zweiundzwanzig Padas
lokānām kalānām ca ṣaṣṭim
sechzig an Welten und Kalās
guṇa-catuṣṭayam
vier Guṇas

dadhyāt für dadhyāt/vidadhyāt; lokānāṃ ca kalānāṃ ca ṣaṣṭim unsicher.

mantrāṇāṃ trayamekañca viṣayaṃ kāraṇaṃ hariṃ / antarbhāvya pratiṣṭhāyāṃ śuklayāntāḍanādikaṃ //

drei Mantras, ein Sinnesobjekt, als Ursache Hari – dies soll er in die weiße Pratiṣṭhā einbeziehen, das Schlagen usw.

Wort für Wort
mantrāṇām trayam
drei Mantras
kāraṇam harim
als Ursache Hari
antarbhāvya
einbeziehend
pratiṣṭhāyām śuklayām
in die weiße Pratiṣṭhā
tāḍana-ādikam
das Schlagen usw.

vidhāya nābhisūtrasthāṃ sannidhāyāhutīryajet / hrīṃ bhuvanānāṃ śataṃ sāgraṃ padānāmaṣṭaviṃśatiṃ //

vollziehen, (die Kalā) am Nabel-Faden befestigen und, nachdem er ihre Gegenwart bewirkt hat, Opferungen darbringen. (In der Nivṛtti:) hrīṃ [?] – mehr als hundert Welten, achtundzwanzig Padas,

Wort für Wort
vidhāya
vollziehend
nābhi-sūtra-sthām
am Nabel-Faden befestigt
sannidhāya āhutīḥ yajet
nach Herbeiführung der Gegenwart opfern
bhuvanānām śatam sāgram
über hundert Welten
padānām aṣṭāviṃśatim
achtundzwanzig Padas

hrīṃ steht isoliert, vermutlich Mantrarest.

vījanāḍīsamīrāṇāṃ dvayorindriyayorapi / varṇantattvañca viṣayamekaikaṃ guṇapañcakaṃ //

von Keimsilben, Kanälen und Winden je zwei, auch von den Sinnesvermögen zwei, Laut, Tattva und Sinnesobjekt je eines, fünf Guṇas,

Wort für Wort
vīja-nāḍī-samīrāṇām
von Keimsilben, Kanälen und Winden
dvayoḥ indriyayoḥ
von zwei Sinnesvermögen
varṇam tattvam ca
Laut und Tattva
viṣayam ekaikam
je ein Sinnesobjekt
guṇa-pañcakam
fünf Guṇas

hetuṃ brahmāṇḍamantrasthaṃ śambarāṇāṃ catuṣṭayaṃ / nivṛttau pītavarṇāyāmantarbhāvya pratāḍayet //

als Ursache (Brahmā), im Mantra des Brahma-Eis [?] befindlich, vier Śambaras [?] – dies soll er in die gelbe Nivṛtti einbeziehen und schlagen.

Wort für Wort
hetum
die Ursache
brahmāṇḍa-mantra-stham
im Mantra des Brahma-Eis [?]
śambarāṇām catuṣṭayam
vier Śambaras [?]
nivṛttau pīta-varṇāyām
in die gelbe Nivṛtti
pratāḍayet
schlagen

śambarāṇām catuṣṭayam unklar (vielleicht „vier Mantras“).

ādau yattattvabhāgānte sūtre vinyasyapūjayet / juhuyādāhutīstisraḥ sannidhāya pāvake //

Am Ende der Tattva-Abschnitte [?], in den Faden legend, soll er (sie) verehren und drei Opferungen darbringen, nachdem er (ihre) Gegenwart im Feuer bewirkt hat.

Wort für Wort
tattva-bhāga-ante
am Ende der Tattva-Abschnitte
sūtre vinyasya
in den Faden legend
pūjayet
verehren
juhuyāt āhutīḥ tisraḥ
drei Opferungen darbringen
sannidhāya pāvake
im Feuer gegenwärtig machend

ādau yat: Konstruktion unklar; vinyasyapūjayet = vinyasya pūjayet.

ityādāya kalāsūtre yojayecchiṣyavigrahāt / savījāyāntu dīkṣāyāṃ samayācārayāgataḥ //

So soll er (die Kalās) aus dem Leib des Schülers aufnehmen und mit dem Kalā-Faden verbinden. Bei der Weihe mit Samen (savījā) aber, wegen des Samaya-Wandels und Opfers,

Wort für Wort
iti ādāya
so aufnehmend
kalā-sūtre yojayet
mit dem Kalā-Faden verbinden
śiṣya-vigrahāt
aus dem Leib des Schülers
sa-vījāyām dīkṣāyām
bei der Weihe mit Samen
samaya-ācāra-yāgataḥ
wegen Samaya-Wandel und Opfer

dehārambhakarakṣārthaṃ mantrasiddhiphalādapi / iṣṭāpūrtādidharmārthaṃ vyatiriktaṃ prabandhakaṃ //

zum Schutz dessen, was den Körper aufbaut, und auch wegen der Frucht der Mantra-Vollendung, um der Pflichten wie Iṣṭāpūrta (Opfer und gemeinnützige Stiftungen) willen – (soll er) ein gesondertes Bindeglied,

Wort für Wort
deha-ārambhaka-rakṣā-artham
zum Schutz des den Körper Aufbauenden
mantra-siddhi-phalāt
wegen der Frucht der Mantra-Vollendung
iṣṭāpūrta-ādi-dharma-artham
um der Pflichten wie Iṣṭāpūrta willen
vyatiriktam prabandhakam
ein gesondertes Bindeglied

caitanyabodhakaṃ sūkṣmaṃ kalānāmantare smaret / amunaiva krameṇātha kuryāttarpaṇadīpane //

ein feines, das Bewusstsein erweckendes, zwischen den Kalās vorstellen. In eben dieser Reihenfolge soll er dann Sättigung und Entflammung vollziehen,

Wort für Wort
caitanya-bodhakam
das Bewusstsein erweckend
sūkṣmam
fein
kalānām antare smaret
zwischen den Kalās vorstellen
amunā eva krameṇa
in eben dieser Reihenfolge
tarpaṇa-dīpane
Sättigung und Entflammung

āhutibhiḥ svamantreṇa tisṛbhistisṛbhis tathā / oṃ hauṃ śāntyatītakalāpāśāya svāhetyāditarpaṇaṃ oṃ hāṃ haṃ hāṃ śāntyatītakalāpāśāya hūmphaḍityādidīpanaṃ tat sūtraṃ vyāptibodhāya kalāsthāneṣu pañcasu //

mit je drei Opferungen mit ihrem eigenen Mantra: „oṃ hauṃ, der Fessel der Śāntyatītā-Kalā, svāhā“ usw. ist die Sättigung; „oṃ hāṃ haṃ hāṃ, der Fessel der Śāntyatītā-Kalā, hūṃ phaṭ“ usw. die Entflammung. Diesen Faden (soll er), zur Erweckung der Durchdringung, an den fünf Stellen der Kalās

Wort für Wort
āhutibhiḥ sva-mantreṇa
mit Opferungen mit eigenem Mantra
tisṛbhiḥ tisṛbhiḥ
mit je drei
tarpaṇam
Sättigung
dīpanam
Entflammung
vyāpti-bodhāya
zur Erweckung der Durchdringung
kalā-sthāneṣu pañcasu
an den fünf Kalā-Stellen

saṅgṛhya kuṅkumājyena tatra sāṅgaṃ śivaṃ yajet / hūmphaḍantaiḥ kalāmantrair bhittvā pāśānanukramāt //

mit Safran und Schmelzbutter zusammenfassen (markieren) und dort Śiva mit seinen Gliedern verehren. Nachdem er mit den auf hūṃ phaṭ endenden Kalā-Mantras die Fesseln der Reihe nach gespalten hat

Wort für Wort
saṅgṛhya kuṅkuma-ājyena
mit Safran und Butter zusammenfassend
sa-aṅgam śivam yajet
Śiva mit Gliedern verehren
hūṃ phaṭ-antaiḥ kalā-mantraiḥ
mit auf hūṃ phaṭ endenden Kalā-Mantras
bhittvā pāśān
die Fesseln spaltend
anukramāt
der Reihe nach

namo 'ntaiś ca praviśyāntaḥ kuryād grahaṇabandhane / oṃ hūṃ hāṃ hauṃ hāṃ hūṃ phaṭ śāntyatītakalāṃ gṛhṇāmi badhnāmi cetyādimantraiḥ kalānāṃ grahaṇabandhanādiprayogaḥ pāśādīnāñca svīkāro grahaṇaṃ bandhanaṃ punaḥ //

und mit den auf namaḥ endenden (Mantras) ins Innere eingedrungen ist, soll er das Ergreifen und Binden vollziehen – „oṃ hūṃ hāṃ hauṃ hāṃ hūṃ phaṭ, die Śāntyatītā-Kalā ergreife ich und binde ich“: mit solchen Mantras erfolgt die Anwendung von Ergreifen, Binden usw. der Kalās. Ergreifen ist die Aneignung der Fesseln usw., Binden wiederum

Wort für Wort
namaḥ-antaiḥ
mit den auf namaḥ endenden
praviśya antaḥ
ins Innere eindringend
grahaṇa-bandhane
Ergreifen und Binden
gṛhṇāmi badhnāmi
ich ergreife, ich binde
pāśa-ādīnām svīkāraḥ
Aneignung der Fesseln usw.
grahaṇam
Ergreifen

puruṣaṃ prati niḥśeṣavyāpārapratipattaye / upaveśyātha tat sūtraṃ śiṣyaskandhe niveśayet //

(dient) zur Herbeiführung der gesamten Tätigkeit in Bezug auf den Puruṣa (die Seele) [?]. Dann soll er (den Schüler) sich setzen lassen und jenen Faden auf die Schulter des Schülers legen.

Wort für Wort
puruṣam prati
in Bezug auf den Puruṣa
niḥśeṣa-vyāpāra-pratipattaye
zur Herbeiführung der gesamten Tätigkeit
upaveśya
sitzen lassend
śiṣya-skandhe niveśayet
auf die Schulter des Schülers legen

vistṛtāghapramoṣāya śataṃ mūlena homayet / śarāvasampuṭe puṃsaḥ striyāś ca praṇitodare //

Zur Beseitigung ausgedehnter Sünde soll er hundert (Opferungen) mit dem Wurzel-Mantra darbringen. In eine Schale aus zwei zusammengefügten Tellern (beim) Mann, und bei der Frau in den Bauch des Praṇītā-Gefäßes [?],

Wort für Wort
vistṛta-agha-pramoṣāya
zur Beseitigung ausgedehnter Sünde
śatam mūlena homayet
hundert mit dem Wurzel-Mantra opfern
śarāva-sampuṭe puṃsaḥ
beim Mann in die Doppelschale
striyāḥ
bei der Frau
praṇīta-udare
in den Bauch des Praṇītā-Gefäßes [?]

praṇitodare wohl für praṇītodare.

hṛdastrasampuṭaṃ sūtraṃ vidhāyābhyarcayeddhṛdā / sūtraṃ śivena sāṅgena kṛtvā sampātaśodhitaṃ //

soll er den Faden, umschlossen von Herz- und Astra-Mantra, legen und mit dem Herz-Mantra verehren. Nachdem er den Faden mit Śiva samt Gliedern durch den Opferrest (sampāta) gereinigt hat,

Wort für Wort
hṛt-astra-sampuṭam sūtram
den von Herz- und Astra-Mantra umschlossenen Faden
vidhāya
legend
abhyarcayet hṛdā
mit dem Herz-Mantra verehren
śivena sa-aṅgena
mit Śiva samt Gliedern
sampāta-śodhitam
durch den Opferrest gereinigt

nidadhyāt kalaśasyādho rakṣāṃ vijñāpayediti / śiṣyaṃ puṣpaṃ kare datvā sampūjya kalaśādikaṃ //

soll er ihn unter den Krug legen und so um Schutz bitten. Nachdem er dem Schüler eine Blume in die Hand gegeben und Krug usw. verehrt hat,

Wort für Wort
nidadhyāt kalaśasya adhaḥ
unter den Krug legen
rakṣām vijñāpayet
um Schutz bitten
śiṣyam puṣpam kare datvā
dem Schüler eine Blume in die Hand gebend
sampūjya kalaśa-ādikam
Krug usw. verehrend

praṇamayya vahiryāyād yāgamandiramadhyataḥ / maṇḍalatritayaṃ kṛtvā mumukṣvanuttarānanān //

und ihn sich verneigen ließ, soll er aus der Mitte des Opfertempels hinausgehen. Nachdem er drei Maṇḍalas gemacht hat, soll er die nach Erlösung Strebenden nach Norden gewandt

Wort für Wort
praṇamayya
verneigen lassend
bahiḥ yāyāt
hinausgehen
yāga-mandira-madhyataḥ
aus der Mitte des Opfertempels
maṇḍala-tritayam kṛtvā
drei Maṇḍalas machend
mumukṣūn uttara-ānanān
die Erlösungssucher nach Norden gewandt

bhuktaye pūrvavaktrāṃś ca śiṣyāṃstatra niveśayet / prathame pañcagavyasya prāśayeccullakatrayaṃ //

und für den Genuss nach Osten gewandt – die Schüler dort sitzen lassen. Im ersten (Maṇḍala) soll er sie drei Schlucke Pañcagavya essen lassen,

Wort für Wort
bhuktaye pūrva-vaktrān
für den Genuss nach Osten gewandt
śiṣyān niveśayet
die Schüler sitzen lassen
prathame
im ersten
pañcagavyasya
vom Pañcagavya
prāśayet culuka-trayam
drei Schlucke essen lassen

cullaka für culuka („Handvoll Flüssigkeit“).

pāṇinā kuśayuktena arcitānantarāntaraṃ / caruntatastṛtīye tu grāsatritayasammitaṃ //

mit der kuśa-versehenen Hand, mit Verehrung dazwischen [?]; danach im dritten den Opferbrei, bemessen auf drei Bissen,

Wort für Wort
pāṇinā kuśa-yuktena
mit kuśa-versehener Hand
arcita-anantara-antaram
mit Verehrung dazwischen [?]
carum tataḥ tṛtīye
danach im dritten den Brei
grāsa-tritaya-sammitam
auf drei Bissen bemessen

arcitānantarāntaram unklar; der zweite Maṇḍala-Schritt wird nicht ausdrücklich genannt.

aṣṭagrāsapramāṇaṃ vā daśanasparśavarjitaṃ / pālāśapuṭake muktau bhuktau pippalapatrake //

oder im Maß von acht Bissen, ohne Berührung mit den Zähnen; für die Erlösung in einer Palāśa-Blatttüte, für den Genuss auf einem Pippala-Blatt.

Wort für Wort
aṣṭa-grāsa-pramāṇam
im Maß von acht Bissen
daśana-sparśa-varjitam
ohne Berührung der Zähne
pālāśa-puṭake
in der Palāśa-Blatttüte
muktau bhuktau
für Erlösung, für Genuss
pippala-patrake
auf dem Pippala-Blatt

hṛdā sambhojanaṃ datvā pūtair ācāmayejjalaiḥ / dantakāṣṭhaṃ hṛdā kṛtvā prakṣipecchobhane śubhaṃ //

Nachdem er mit dem Herz-Mantra die Speisung gegeben hat, soll er sie mit reinem Wasser den Mund spülen lassen. Nachdem er mit dem Herz-Mantra das Zahnholz (bereit)gemacht hat, soll er (es) werfen lassen; (fällt es) in eine günstige (Richtung), ist es glückverheißend.

Wort für Wort
hṛdā sambhojanam datvā
mit dem Herz-Mantra die Speisung gebend
pūtaiḥ ācāmayet jalaiḥ
mit reinem Wasser spülen lassen
danta-kāṣṭham
das Zahnholz
prakṣipet
werfen lassen
śobhane śubham
in günstiger (Richtung) glückverheißend

nyūnādidoṣamoṣāya mūlenāṣṭottaraṃ śataṃ / vidhāya sthiṇḍileśāya sarvakarmasamarpaṇaṃ //

Zur Tilgung von Fehlern wie Mangelhaftigkeit (soll er) hundertacht (Opferungen) mit dem Wurzel-Mantra vollziehen, dem Herrn des Opferplatzes die Übergabe aller Handlungen,

Wort für Wort
nyūna-ādi-doṣa-moṣāya
zur Tilgung von Fehlern wie Mangel
mūlena aṣṭa-uttaram śatam
hundertacht mit dem Wurzel-Mantra
sthaṇḍila-īśāya
dem Herrn des Opferplatzes
sarva-karma-samarpaṇam
Übergabe aller Handlungen

sthiṇḍileśāya für sthaṇḍileśāya.

pūjāvisarjanañcāsya caṇḍeśasya ca pūjanaṃ / nirmālyamapanīyātha śeṣamagnau yajeccaroḥ //

die Entlassung von dessen Verehrung und die Verehrung Caṇḍeśas; nachdem er dann das Abgelegte (nirmālya) entfernt hat, soll er den Rest des Opferbreis ins Feuer opfern.

Wort für Wort
pūjā-visarjanam
Entlassung der Verehrung
caṇḍeśasya pūjanam
Verehrung Caṇḍeśas
nirmālyam apanīya
das Abgelegte entfernend
śeṣam agnau yajet caroḥ
den Rest des Breis ins Feuer opfern

kalaśaṃ lokapalāṃś ca pūjayitvā visṛjya ca / visṛjedgaṇamagniñca rakṣitaṃ yadi vāhyataḥ //

Nachdem er Krug und Welthüter verehrt und entlassen hat, soll er Gaṇa und das Feuer entlassen, falls (das Feuer) außen [?] behütet war.

Wort für Wort
kalaśam lokapālān ca
Krug und Welthüter
pūjayitvā visṛjya
verehrend und entlassend
visṛjet gaṇam agnim
Gaṇa und Feuer entlassen
rakṣitam yadi bāhyataḥ
falls außen behütet [?]

lokapalān für lokapālān; zweite Hälfte unsicher.

vāhyato lokapālānāṃ datvā saṅkṣepato baliṃ / bhasmanā śuddhatoyair vā snātvā yā gālayaṃ viśet //

Nachdem er draußen den Welthütern kurz eine Spende (bali) gegeben und mit Asche oder reinem Wasser gebadet hat, soll er das Opferhaus betreten.

Wort für Wort
bāhyataḥ
draußen
lokapālānām
den Welthütern
saṅkṣepataḥ balim
kurz eine Spende
bhasmanā śuddha-toyaiḥ vā snātvā
mit Asche oder reinem Wasser badend
yāga-ālayam viśet
das Opferhaus betreten

yā gālayam für yāgālayam.

gṛhasthān darbhaśayyāyāṃ pūrvaśīrṣān surakṣitān / hṛdā sadbhasmaśayyāyāṃ yatīn dakṣiṇamastakān //

Die Hausväter (lege er) auf ein Darbha-Lager, mit dem Kopf nach Osten, mit dem Herz-Mantra wohl beschützt; die Asketen auf ein Lager aus guter Asche, mit dem Kopf nach Süden,

Wort für Wort
gṛhasthān
die Hausväter
darbha-śayyāyām
auf ein Darbha-Lager
pūrva-śīrṣān
mit dem Kopf nach Osten
sat-bhasma-śayyāyām yatīn
die Asketen auf ein Aschenlager
dakṣiṇa-mastakān
mit dem Kopf nach Süden

śikhābaddhasikhānastrasaptamāṇavakānvitān / vijñāya snāpayecchiṣyāṃstato yāyāt punarvahiḥ //

(die Schüler), deren Haarschopf gebunden ist und die mit sieben Astra-Knaben [?] versehen sind – nachdem er sie (so) erkannt hat, soll er sie schlafen lassen; dann soll er wieder hinausgehen.

Wort für Wort
śikhā-baddha
mit gebundenem Haarschopf
astra-sapta-māṇavaka-anvitān
mit sieben Astra-Knaben [?] versehen
vijñāya
erkennend
svāpayet śiṣyān
die Schüler schlafen lassen
yāyāt punaḥ bahiḥ
wieder hinausgehen

snāpayet wohl für svāpayet („schlafen lassen“); śikhābaddhasikhānastrasaptamāṇavaka verderbt, Sinn unsicher.

oṃ hili hili triśūlapāṇaye svāhā pañcagavyañcaruṃ prāśya gṛhītvā dantadhāvanaṃ / samācamya śivaṃ dhyātvā śayyāmāsthāya pāvanīṃ //

(Mantra:) „oṃ hili hili, dem Dreizack-Handigen, svāhā.“ Nachdem er Pañcagavya und Opferbrei gegessen, das Zahnholz genommen, den Mund gespült, Śiva meditiert und sich auf ein reinigendes Lager begeben hat,

Wort für Wort
triśūla-pāṇaye svāhā
dem Dreizack-Handigen, svāhā
pañcagavyam carum prāśya
Pañcagavya und Brei essend
gṛhītvā danta-dhāvanam
das Zahnholz nehmend
śivam dhyātvā
Śiva meditierend
śayyām āsthāya pāvanīm
sich auf ein reinigendes Lager begebend

dīkṣāgataṅkriyākāṇḍaṃ saṃsmaran saṃviśedguruḥ / iti saṅkṣepataḥ prokto vidhirdīkṣādhivāsane //

soll der Guru sich hinlegen, wobei er sich den zur Weihe gehörenden Ritualteil vergegenwärtigt. So ist kurz die Vorschrift für die Vorbereitung (adhivāsana) der Weihe erklärt.

Wort für Wort
dīkṣā-gatam kriyā-kāṇḍam
den zur Weihe gehörenden Ritualteil
saṃsmaran
vergegenwärtigend
saṃviśet guruḥ
der Guru soll sich hinlegen
saṅkṣepataḥ proktaḥ
kurz erklärt
dīkṣā-adhivāsane
bei der Weihe-Vorbereitung

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