Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 149: lakṣakoṭihomaḥ Das Hunderttausend- und Zehnmillionen-Opfer

Īśvara beschreibt die Feueropfer von zehntausend (ayuta), hunderttausend (lakṣa) und zehn Millionen (koṭi) Spenden: Vorbereitung durch Reinigung und Askese, Zahl der Priester, Opferlohn, Mantras, Opfersubstanzen und Größe der Opfergrube sowie ihre Wirkungen gegen Unheil, Feinde und Plagen. Das Kolophon nennt „ayutalakṣakoṭihoma“.

īśvara uvāca | homādraṇādau vijayo rājyāptirvighnanāśanaṃ / kṛcchreṇa śuddhimutpādya prāṇāyāmaśatena ca //

Īśvara sprach: Durch das Feueropfer [erlangt man] Sieg in der Schlacht usw., Gewinn der Herrschaft und Vernichtung der Hindernisse. Nachdem man durch ein Kṛcchra-Gelübde und durch hundert Atemregelungen Reinheit hervorgebracht hat

Wort für Wort
homāt raṇa-ādau vijayaḥ
durch das Opfer Sieg in der Schlacht usw.
rājya-āptiḥ
Erlangung der Herrschaft
vighna-nāśanam
Vernichtung der Hindernisse
kṛcchreṇa śuddhim utpādya
durch Kṛcchra Reinheit hervorbringend
prāṇāyāma-śatena
durch hundert Atemregelungen

antarjale ca gāyatrīṃ japtvā ṣoḍaśadhācaret / prāṇāyāmāṃś ca pūrvāhṇe juhuyāt pāvake haviḥ //

und im Wasser die Gāyatrī gemurmelt hat, vollziehe man sechzehnmal die Atemregelungen und opfere am Vormittag die Opferspeise ins Feuer.

Wort für Wort
antar-jale
im Wasser
gāyatrīm japtvā
nachdem man die Gāyatrī gemurmelt hat
ṣoḍaśadhā ācaret prāṇāyāmān
sechzehnmal übe man Atemregelungen
pūrvāhṇe
am Vormittag
juhuyāt pāvake haviḥ
man opfere die Opferspeise ins Feuer

bhaikṣyayāvakabhakṣī ca phalamūlāśano 'pi vā / kṣīraśaktughṛtāhāra ekamāhāramāśrayet //

Von Almosen und Gerstenbrei lebend oder auch Früchte und Wurzeln essend, Milch, Gerstengrütze und Butterschmalz als Nahrung [nehmend], halte man sich an eine einzige Mahlzeit,

Wort für Wort
bhaikṣya-yāvaka-bhakṣī
von Almosen und Gerstenbrei lebend
phala-mūla-aśanaḥ api vā
oder Früchte und Wurzeln essend
kṣīra-saktu-ghṛta-āhāraḥ
Milch, Gerstengrütze, Butterschmalz als Nahrung
ekam āhāram āśrayet
man halte sich an eine Mahlzeit

yāvatsamāptirbhavati lakṣahomasya pārvati / dakṣiṇā lakṣahomānte gāvo vastrāṇi kāñcanaṃ //

bis das Hunderttausend-Opfer vollendet ist, o Pārvatī. Als Opferlohn am Ende des Hunderttausend-Opfers [gebe man] Kühe, Kleider und Gold.

Wort für Wort
yāvat samāptiḥ bhavati
bis die Vollendung eintritt
lakṣa-homasya
des Hunderttausend-Opfers
pārvati
o Pārvatī
dakṣiṇā
Opferlohn
gāvaḥ vastrāṇi kāñcanam
Kühe, Kleider, Gold

sarvotpātasamutpattau pañcabhirdaśabhirdvijaiḥ / nāsti loke sa utpāto yo hy anena na śāmyati //

Wenn Unheilszeichen aller Art auftreten, [vollziehe man es] mit fünf oder zehn Brahmanen; es gibt in der Welt kein Unheilszeichen, das durch dieses nicht besänftigt würde.

Wort für Wort
sarva-utpāta-samutpattau
beim Auftreten aller Unheilszeichen
pañcabhiḥ daśabhiḥ dvijaiḥ
mit fünf oder zehn Brahmanen
na asti loke sa utpātaḥ
es gibt in der Welt kein Unheilszeichen
anena na śāmyati
das hierdurch nicht besänftigt wird

maṅgalyaṃ paramaṃ nāsti yadasmādatiricyate / koṭihomantu yo rājā kārayet pūrvavaddvijaiḥ //

Es gibt nichts höchst Glückbringendes, das dieses überträfe. Der König aber, der wie zuvor durch Brahmanen ein Zehnmillionen-Opfer vollziehen lässt –

Wort für Wort
maṅgalyam paramam
höchst Glückbringendes
yat asmāt atiricyate
das dieses überträfe
koṭi-homam
das Zehnmillionen-Opfer
kārayet pūrvavat dvijaiḥ
vollziehen lässt wie zuvor durch Brahmanen

na tasya śatravaḥ saṅkhye jātu tiṣṭhanti karhicit / na tasya mārako deśe vyādhirvā jāyate kvacit //

dessen Feinde halten in der Schlacht niemals und nirgends stand; in dessen Land entsteht nirgends eine tödliche Seuche oder Krankheit.

Wort für Wort
na tasya śatravaḥ saṅkhye
nicht seine Feinde in der Schlacht
jātu tiṣṭhanti
halten je stand
mārakaḥ deśe
tödliche Seuche im Land
vyādhiḥ vā jāyate
oder Krankheit entsteht

ativṛṣṭiranāvṛṣṭirmūṣakāḥ śalabhāḥ śukāḥ / rākṣasādyāś ca śāmyanti sarve ca ripavo raṇe //

Übermäßiger Regen, Dürre, Mäuse, Heuschrecken, Papageien, Rākṣasas usw. werden besänftigt, und alle Feinde in der Schlacht.

Wort für Wort
ativṛṣṭiḥ anāvṛṣṭiḥ
übermäßiger Regen, Dürre
mūṣakāḥ śalabhāḥ śukāḥ
Mäuse, Heuschrecken, Papageien
rākṣasa-ādyāḥ
Rākṣasas usw.
śāmyanti
werden besänftigt
ripavaḥ raṇe
die Feinde in der Schlacht

koṭihome tu varayedbrāhmaṇānviṃśatiṃ tathā / śatañcātha sahasraṃ vā yatheṣṭāmbhūtimāpnuyāt //

Beim Zehnmillionen-Opfer aber wähle man zwanzig Brahmanen, oder hundert oder tausend: [dann] erlangt man Gedeihen nach Wunsch.

Wort für Wort
koṭi-home
beim Zehnmillionen-Opfer
varayet brāhmaṇān viṃśatim
man wähle zwanzig Brahmanen
śatam sahasram vā
hundert oder tausend
yatheṣṭām bhūtim āpnuyāt
man erlangt Gedeihen nach Wunsch

koṭihomantu yaḥ kuryād dvijo bhūpo 'thavā ca viṭ / yadicchet prāpnuyāttattat saśarīro divaṃ vrajet //

Wer das Zehnmillionen-Opfer vollzieht, sei er Brahmane, König oder Vaiśya, erlangt, was immer er wünscht; mit dem Leib geht er in den Himmel.

Wort für Wort
dvijaḥ bhūpaḥ athavā viṭ
Brahmane, König oder Vaiśya
yat icchet
was immer er wünscht
prāpnuyāt tat tat
das erlangt er
sa-śarīraḥ divam vrajet
mit dem Leib geht er in den Himmel

gāyatryā grahamantrair vā kuṣmāṇḍījātavedasaiḥ / aindravāruṇavāyavyayāmyāgneyaiś ca vaiṣṇavaiḥ //

Mit der Gāyatrī oder mit den Planeten-Mantras, mit den Kūṣmāṇḍī- und Jātavedas-[Versen], mit den auf Indra, Varuṇa, Vāyu, Yama und Agni bezogenen und den viṣṇuitischen,

Wort für Wort
gāyatryā
mit der Gāyatrī
graha-mantraiḥ
mit den Planeten-Mantras
kūṣmāṇḍī-jātavedasaiḥ
mit Kūṣmāṇḍī- und Jātavedas-Versen
aindra-vāruṇa-vāyavya-yāmya-āgneyaiḥ
auf Indra, Varuṇa, Vāyu, Yama, Agni bezogen
vaiṣṇavaiḥ
viṣṇuitischen

śākteyaiś ca śāmbhavaiḥ saurair mantrair homārcanāttataḥ / ayutenālpasiddhiḥ syāllakṣahomo 'khilārtinut //

den śāktischen, śivaitischen und solaren Mantras [geschehen] dann Opfer und Verehrung. Durch das Zehntausend-[Opfer] entsteht geringe Vollendung; das Hunderttausend-Opfer beseitigt alle Not;

Wort für Wort
śākteyaiḥ śāmbhavaiḥ sauraiḥ
śāktischen, śivaitischen, solaren
homa-arcanāt
durch Opfer und Verehrung
ayutena alpa-siddhiḥ
durch Zehntausend geringe Vollendung
lakṣa-homaḥ akhila-ārti-nut
das Hunderttausend-Opfer beseitigt alle Not

sarvapīḍādinaśāya koṭihomo 'khilārthadaḥ / yavavrīhitilakṣīraghṛtakuśapramātikāḥ //

zur Vernichtung aller Bedrängnisse usw. [dient] das Zehnmillionen-Opfer, das alle Ziele gewährt. Gerste, Reis, Sesam, Milch, Butterschmalz, Kuśa-Gras, Pramātikā [?],

Wort für Wort
sarva-pīḍā-ādi-nāśāya
zur Vernichtung aller Bedrängnisse
koṭi-homaḥ akhila-artha-daḥ
das Zehnmillionen-Opfer gewährt alle Ziele
yava-vrīhi-tila
Gerste, Reis, Sesam
kṣīra-ghṛta-kuśa
Milch, Butterschmalz, Kuśa

pramātikāḥ ist unklar (Pflanzenname?).

paṅkajośīravilvāmradalā home prakīrtitāḥ / aṣṭahastapramāṇena koṭihomeṣu khātakaṃ //

Lotus, Uśīra-Wurzel, Bilva- und Mangoblätter werden für das Opfer genannt. Bei den Zehnmillionen-Opfern [misst] die Grube acht Ellen,

Wort für Wort
paṅkaja-uśīra
Lotus und Uśīra
bilva-āmra-dalāḥ
Bilva- und Mangoblätter
home prakīrtitāḥ
für das Opfer genannt
aṣṭa-hasta-pramāṇena
im Maß von acht Ellen
khātakam
die Grube

tasmādardhapramāṇena lakṣahome vidhīyate / homo 'yutena lakṣeṇa kodyājyādyaiḥ prakīrtitaḥ //

beim Hunderttausend-Opfer wird die Hälfte davon als Maß vorgeschrieben. Das Opfer wird mit zehntausend, hunderttausend oder zehn Millionen [Spenden] von Butterschmalz usw. gelehrt.

Wort für Wort
tasmāt ardha-pramāṇena
mit der Hälfte davon als Maß
lakṣa-home vidhīyate
wird beim Hunderttausend-Opfer vorgeschrieben
ayutena lakṣeṇa
mit zehntausend, hunderttausend
koṭi-ājya-ādyaiḥ
mit zehn Millionen (Spenden) Butterschmalz usw.

kodyājyādyaiḥ = koṭyājyādyaiḥ.

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