Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 299: grahahṛnmantrādikam Mantras und Mittel zur Vertreibung der Ergreifer (Grahas)

Agni beschreibt die fünf Arten des Wahnsinns und die Ursachen und Anzeichen der Besessenheit durch Grahas, nennt graha-vertreibende Mantras und schildert eine Sonnen- und Planetenverehrung mit Nyāsa, Sitzgottheiten und den Śaktis der Sonne. Den Schluss bilden Heilmittel gegen Grahas, Epilepsie, Fieber, Atemnot, Schluckauf, Gelbsucht und Husten. Quellbesonderheiten: Mehrere Mantras sind durch Buchstaben-Decknamen verschlüsselt (V. 12, 24), einige Śakti-Namen und Drogennamen sind verderbt (V. 22, 28, 32); V. 33 umfasst drei Halbverse.

agnir uvāca | grahāpahāramantrādīn vakṣye grahavimardanān / harṣecchābhayaśokādiviruddhāśucibhojanāt //

Agni sprach: Ich werde die Mantras usw. zur Abwehr der Ergreifer (graha) verkünden, welche die Ergreifer zermalmen. Aus Freude, Begierde, Furcht, Kummer usw., aus dem Genuss unverträglicher und unreiner Speise

Wort für Wort
agniḥ uvāca
Agni sprach
graha-apahāra-mantra-ādīn
Mantras usw. zur Abwehr der Grahas
vakṣye
ich werde verkünden
graha-vimardanān
die Grahas zermalmend
harṣa-icchā-bhaya-śoka-ādi
Freude, Begierde, Furcht, Kummer usw.
viruddha-aśuci-bhojanāt
durch unverträgliche, unreine Speise

gurudevādikopācca pañconmādā bhavanty atha / tridoṣajāḥ sannipātā āganturiti te smṛtāḥ //

und aus dem Zorn von Lehrern, Göttern usw. entstehen dann fünf Arten von Wahnsinn (unmāda): die aus den drei Doṣas entstehenden, die aus ihrem Zusammentreffen (sannipāta) entstehende und die „hinzukommende“ (āgantu) – so sind sie überliefert.

Wort für Wort
guru-deva-ādi-kopāt
aus dem Zorn von Lehrern, Göttern usw.
pañca unmādāḥ
fünf Arten von Wahnsinn
tri-doṣa-jāḥ
aus den drei Doṣas entstanden
sannipātāḥ
Zusammentreffen (aller Doṣas)
āgantuḥ
von außen hinzukommend
smṛtāḥ
überliefert

Die drei Doṣas (Vāta, Pitta, Kapha) ergeben drei Formen, dazu Sannipāta und Āgantu: zusammen fünf. āganturiti = āgantur iti.

devādayo grahā jātā rudrakrodhādanekadhā / saritsarastaḍāgādau śailopavanasetuṣu //

Die Ergreifer, Götter und andere, sind aus dem Zorn Rudras auf vielfache Weise entstanden. An Flüssen, Seen, Teichen usw., auf Bergen, in Hainen und an Dämmen,

Wort für Wort
deva-ādayaḥ grahāḥ
die Grahas, Götter usw.
jātāḥ
entstanden
rudra-krodhāt
aus dem Zorn Rudras
anekadhā
auf vielfache Weise
sarit-saras-taḍāga-ādau
an Flüssen, Seen, Teichen usw.
śaila-upavana-setuṣu
auf Bergen, in Hainen, an Dämmen

nadīsaṅge śūnyagṛhe viladvāryekavṛkṣake / grahā gṛhṇanti puṃsaś ca śriyaḥ suptāñca garbhiṇīm //

am Zusammenfluss von Flüssen, im leeren Haus, am Eingang einer Höhle, bei einem einzeln stehenden Baum ergreifen die Grahas Männer und Frauen, Schlafende und die Schwangere,

Wort für Wort
nadī-saṅge
am Zusammenfluss von Flüssen
śūnya-gṛhe
im leeren Haus
vila-dvāri
am Eingang einer Höhle
eka-vṛkṣake
beim einzeln stehenden Baum
gṛhṇanti
ergreifen
suptām garbhiṇīm
die Schlafende, die Schwangere

śriyaḥ ist wohl für striyaḥ ‚Frauen‘ verschrieben; vila = bila ‚Höhle, Loch‘.

āsannapuṣpānnagnāñca ṛtusnānaṃ karoti yā / avamānaṃ nṛṇāṃ vairaṃ vighnaṃ bhāgyaviparyayaḥ //

die Frau, deren Monatsblutung bevorsteht, die Nackte und die, welche das Bad nach der Monatsblutung vollzieht. (Anzeichen sind:) Geringschätzung durch die Menschen, Feindschaft, Hindernisse, Umschlag des Glücks,

Wort für Wort
āsanna-puṣpām
deren Monatsblutung nahe ist
nagnām
die Nackte
ṛtu-snānam karoti yā
die das Menstruationsbad vollzieht
avamānam nṛṇām
Geringschätzung durch Menschen
vairam vighnam
Feindschaft, Hindernis
bhāgya-viparyayaḥ
Umschlag des Glücks

devatāgurudharmādisadācārādilaṅghanam / patanaṃ śailavṛkṣādervidhunvanmūrdhajaṃ muhuḥ //

Übertretung (der Gebote) von Göttern, Lehrern, Dharma usw. und des guten Wandels usw., Stürzen von Berg, Baum usw.; wer immer wieder das Haupthaar schüttelt,

Wort für Wort
devatā-guru-dharma-ādi
Götter, Lehrer, Dharma usw.
sadācāra-ādi-laṅghanam
Übertretung des guten Wandels usw.
patanam
Fallen
śaila-vṛkṣa-ādeḥ
von Berg, Baum usw.
vidhunvan mūrdhajam muhuḥ
wiederholt das Haar schüttelnd

rudannṛtyati raktākṣo hūṃrūpo 'nugrahī naraḥ / udvignaḥ śūladāhārtaḥ kṣuttṛṣṇārtaḥ śirortimān //

weinend tanzt, rote Augen hat, „hūṃ“ ausstößt [?] – ein solcher Mensch ist von einem Graha ergriffen. Wer verstört ist, von stechendem Schmerz und Brennen gequält, von Hunger und Durst gequält, mit Kopfschmerz,

Wort für Wort
rudan nṛtyati
weinend tanzt er
rakta-akṣaḥ
rotäugig
hūṃ-rūpaḥ
von der Gestalt ‚hūṃ‘ [?]
udvignaḥ
verstört
śūla-dāha-ārtaḥ
von Stechen und Brennen gequält
kṣut-tṛṣṇā-ārtaḥ śiras-artimān
von Hunger und Durst gequält, mit Kopfschmerz

hūṃrūpo 'nugrahī unklar, vielleicht verderbt; übersetzt als ‚den Laut hūṃ von sich gebend … ergriffen‘.

dehi dahīti yāceta balikāmagrahī naraḥ / strīmālābhogasnānecchūratikāmagrahī naraḥ //

der bittend „Gib, gib!“ ruft – dieser Mensch ist von einem nach Opfergaben (bali) begierigen Graha ergriffen. Wer nach Frauen, Kränzen, Genuss und Bad verlangt, ist von einem nach Liebeslust (rati) begierigen Graha ergriffen.

Wort für Wort
dehi dehi iti yāceta
er bittet: „Gib, gib!“
bali-kāma-grahī
von einem opferbegierigen Graha ergriffen
strī-mālā-bhoga-snāna-icchuḥ
nach Frauen, Kränzen, Genuss, Bad verlangend
rati-kāma-grahī
von einem liebesbegierigen Graha ergriffen

dahīti = dehīti.

mahāsudarśano vyomavyāpī viṭapanāsikaḥ / pātālanārasiṃhādyā caṇḍīmantrā grahārdanāḥ //

Die Mantras Mahāsudarśana, Vyomavyāpin, Viṭapanāsika [?], Pātāla-Nārasiṃha usw. und die Caṇḍī-Mantras bedrängen die Grahas.

Wort für Wort
mahā-sudarśanaḥ
Mahāsudarśana (Mantra)
vyoma-vyāpī
der Raumdurchdringende (Mantra)
pātāla-nārasiṃha-ādyāḥ
Pātāla-Nārasiṃha usw.
caṇḍī-mantrāḥ
Caṇḍī-Mantras
graha-ardanāḥ
die Grahas bedrängend

viṭapanāsika als Mantraname unsicher.

pṛśnīhiṅguvacācakraśirīṣadayitamparam / pāśāṅkuśadharaṃ devamakṣamālākapālinam //

Pṛśniparṇī, Asa foetida (hiṅgu), Kalmus (vacā), Cakra [?] und Śirīṣa – das ist das beste Mittel [?]. (Man meditiere) den Gott, der Schlinge und Treibstachel hält, eine Gebetsschnur und eine Schädelschale trägt,

Wort für Wort
pṛśnī-hiṅgu-vacā
Pṛśniparṇī, Asa foetida, Kalmus
śirīṣa
Śirīṣa-Baum
pāśa-aṅkuśa-dharam devam
den Gott mit Schlinge und Treibstachel
akṣa-mālā-kapālinam
mit Gebetsschnur und Schädelschale

dayitam param ‚höchst geschätzt‘ unsicher; cakra als Pflanzenname unklar (evtl. cakramarda).

khaṭṭāṅgābjādiśiktiñca dadhānaṃ caturānanam / antarvāhyādikhaṭṭāṅgapadmasthaṃ ravimaṇḍale //

der Khaṭvāṅga-Stab, Lotos usw. und die Śakti(-Waffe) trägt, vierköpfig ist und auf dem Lotos mit innerem und äußerem Khaṭvāṅga usw. [?] im Sonnenkreis steht;

Wort für Wort
khaṭvāṅga-abja-ādi
Khaṭvāṅga, Lotos usw.
śaktim dadhānam
die Śakti tragend
catur-ānanam
vierköpfig
padma-stham
auf dem Lotos stehend
ravi-maṇḍale
im Sonnenkreis

śiktiñ = śaktiñ; khaṭṭāṅga = khaṭvāṅga. Der Ausdruck antarvāhyādi… ist unklar.

ādityādiyutaṃ prārcya uditerke 'rghyakaṃ dadet / śvāsaviṣāgniviprakuṇḍīhṛllekhāsakalo bhṛguḥ //

nachdem man ihn samt Āditya usw. verehrt hat, bringe man bei aufgegangener Sonne das Arghya dar. – (Der Mantra:) śvāsa, viṣa, agni, vipra, kuṇḍī, hṛllekhā (hrīṃ), mit Kalā versehen, Bhṛgu [Anm.: verschlüsselte Buchstabennamen].

Wort für Wort
āditya-ādi-yutam
samt Āditya usw.
prārcya
nachdem man verehrt hat
udite arke
bei aufgegangener Sonne
arghyakam dadet
gebe das Arghya
hṛllekhā
Deckname der Silbe hrīṃ

Die zweite Vershälfte besteht aus Decknamen für Laute (z. B. hṛllekhā = hrīṃ, bhṛgu = sa); die genaue Auflösung ist unsicher.

arkāya bhūrbhuvaḥsvaś ca jvālinīṃ kulamudgaram / padmāsano 'ruṇo raktavastrasadyutiviśvakaḥ //

„arkāya bhūr bhuvaḥ svaḥ“, (dann) Jvālinī und Kulamudgara [Anm.: weitere Mantrabestandteile]. (Der Gott) sitzt auf dem Lotos, ist rot, mit roten Gewändern, strahlend, allgestaltig [?],

Wort für Wort
arkāya
dem Arka (Sonne)
bhūḥ bhuvaḥ svaḥ
Erde, Luftraum, Himmel (Vyāhṛtis)
padma-āsanaḥ
auf dem Lotos sitzend
aruṇaḥ
rot
rakta-vastra
mit roten Gewändern

sadyutiviśvakaḥ unsicher.

udāraḥ padmadhṛgdorbhyāṃ saumyaḥ sarvāṅgabhūṣitaḥ / raktā hṛdādayaḥ saumyā varadāḥ padmadhāriṇaḥ //

erhaben, mit beiden Armen Lotosse haltend, mild, an allen Gliedern geschmückt. Die (Gottheiten) Herz usw. sind rot, mild, Gaben gewährend und Lotosse tragend.

Wort für Wort
udāraḥ
erhaben
padma-dhṛk dorbhyām
mit beiden Armen Lotosse haltend
sarva-aṅga-bhūṣitaḥ
an allen Gliedern geschmückt
hṛd-ādayaḥ
Herz usw. (Aṅga-Gottheiten)
vara-dāḥ padma-dhāriṇaḥ
Gaben gewährend, Lotosse tragend

vidyutpuñjanibhaṃ vastraṃ śvetaḥ saumyo 'ruṇaḥ kujaḥ / budhastadvadguruḥ pītaḥ śuklaḥ śukraḥ śanaiś caraḥ //

Ihr Gewand gleicht einer Masse von Blitzen. Soma ist weiß, Kuja (Mars) rot, Budha (Merkur) ebenso, Guru (Jupiter) gelb, Śukra (Venus) weiß; Śanaiścara (Saturn)

Wort für Wort
vidyut-puñja-nibham vastram
ein Gewand wie eine Blitzmasse
śvetaḥ saumyaḥ
der Mond (?) weiß
aruṇaḥ kujaḥ
Mars rot
guruḥ pītaḥ
Jupiter gelb
śuklaḥ śukraḥ
Venus weiß

saumyaḥ ist hier wohl für somaḥ (Mond) verstanden.

kṛṣṇāṅgāranibho rāhurdhūmraḥ keturudāhṛtaḥ / vāmoruvāmahastānte dakṣahastābhayapradā //

und Rāhu gleichen schwarzer Kohle, Ketu wird als rauchfarben bezeichnet. (Die Hand ruht) an der linken Hüfte, die linke Hand am Ende [?], die rechte Hand gewährt Furchtlosigkeit.

Wort für Wort
kṛṣṇa-aṅgāra-nibhaḥ
gleich schwarzer Kohle
rāhuḥ
Rāhu
dhūmraḥ ketuḥ
Ketu rauchfarben
vāma-ūru
linker Oberschenkel
dakṣa-hasta-abhaya-pradā
die rechte Hand Furchtlosigkeit gewährend

Die Zuordnung von kṛṣṇāṅgāranibha zu Śanaiścara und/oder Rāhu ist syntaktisch offen; die Handhaltung ist knapp formuliert.

svanāmādyantu vījāste hastau saṃśodhya cāstrataḥ / aṅguṣṭhādau tale netre hṛdādyaṃ vyāpakaṃ nyaset //

Ihre Keimsilben (bīja) beginnen mit dem (Anfangslaut) ihres eigenen Namens. Nachdem man die Hände mit dem Astra(-Mantra) gereinigt hat, lege man (die Glieder des Mantras) auf Daumen usw. und Handfläche, auf die Augen, auf Herz usw. und über den ganzen Körper (vyāpaka).

Wort für Wort
sva-nāma-ādyam
mit dem Anfang des eigenen Namens
bījāḥ
Keimsilben
hastau saṃśodhya
nachdem man die Hände gereinigt hat
astrataḥ
mit dem Astra-Mantra
vyāpakam nyaset
lege über den ganzen Körper auf

vījāste = bījās te.

mūlavījaistribhiḥ prāṇadhyāyakaṃ nyasya sāṅgakam / prakṣālya pātramastreṇa mūlenāpūrya vāriṇā //

Nachdem man mit den drei Wurzel-Keimsilben den ‚Prāṇa-Meditierer‘ [?] samt Gliedern aufgelegt hat, spüle man das Gefäß mit dem Astra(-Mantra) aus, fülle es mit dem Wurzelmantra mit Wasser,

Wort für Wort
mūla-bījaiḥ tribhiḥ
mit den drei Wurzel-Bījas
sa-aṅgakam nyasya
samt Gliedern auflegend
prakṣālya pātram
das Gefäß ausspülend
astreṇa
mit dem Astra-Mantra
mūlena āpūrya vāriṇā
mit dem Wurzelmantra mit Wasser füllend

prāṇadhyāyaka unklar.

gandhapuṣpākṣataṃ nyasya dūrvāmarghyañca mantrayet / ātmānaṃ tena samprokṣya pūjādravyañca vai dhruvam //

lege Duftstoff, Blumen und ungebrochene Reiskörner und Dūrvā-Gras hinein und weihe das Arghya durch Mantras. Damit besprenge man sich selbst und gewiss auch die Opfermaterialien.

Wort für Wort
gandha-puṣpa-akṣatam
Duftstoff, Blumen, ungebrochener Reis
dūrvām
Dūrvā-Gras
arghyam mantrayet
weihe das Arghya mit Mantras
ātmānam samprokṣya
sich selbst besprengend
pūjā-dravyam
die Opfermaterialien

prabhūtaṃ vimalaṃ sāramārādhyaṃ paramaṃ sukham / pīṭhādyān kalpayedetān hṛdā madhye vidikṣu ca //

Prabhūta, Vimala, Sāra, Ārādhya und Parama Sukha – diese (Sitzgottheiten) des Pīṭha usw. stelle man mit dem Herz(-Mantra) in der Mitte und in den Zwischenrichtungen vor.

Wort für Wort
prabhūtam vimalam sāram
Prabhūta, Vimala, Sāra
ārādhyam paramam sukham
Ārādhya, Parama Sukha
pīṭha-ādyān
die des Sitzes usw.
kalpayet hṛdā
stelle mit dem Herz-Mantra vor
madhye vidikṣu
in der Mitte, in den Zwischenrichtungen

pīṭhopari hṛdā madhye dikṣu caiva vidikṣu ca / pīṭhopari hṛdābjañca keśaveṣvaṣṭaśaktayaḥ //

Auf dem Sitz (verehre man) mit dem Herz(-Mantra) in der Mitte, in den Richtungen und in den Zwischenrichtungen; auf dem Sitz mit dem Herz(-Mantra) den Lotos, und auf den Staubfäden die acht Śaktis:

Wort für Wort
pīṭha-upari
auf dem Sitz
dikṣu vidikṣu
in Richtungen und Zwischenrichtungen
hṛdā abjam
mit dem Herz-Mantra den Lotos
keśareṣu
auf den Staubfäden
aṣṭa-śaktayaḥ
die acht Śaktis

keśaveṣu wohl für keśareṣu ‚auf den Staubfäden‘.

vāṃ dīptāṃ vīṃ tathā sukṣmāṃ vuñjayāṃ vūñca bhādrikāṃ / veṃ vibhūtīṃ vaiṃ vimalāṃ vomasighātavidyutām //

vāṃ Dīptā, vīṃ Sūkṣmā, vuṃ Jayā, vūṃ Bhadrikā, veṃ Vibhūti, vaiṃ Vimalā, voṃ Amoghā [?], Vidyutā,

Wort für Wort
vāṃ dīptām
vāṃ – Dīptā
vīṃ sūkṣmām
vīṃ – Sūkṣmā
vuṃ jayām
vuṃ – Jayā
vūṃ bhadrikām
vūṃ – Bhadrikā
veṃ vibhūtīm
veṃ – Vibhūti
vaiṃ vimalām
vaiṃ – Vimalā

vomasighātavidyutām verderbt; plausibel: voṃ amoghāṃ vauṃ vidyutām.

vauṃ sarvatomukhīṃ vaṃ pīṭhaṃ vaḥ prārcya raviṃ yajet / āvāhya dadyāt pādyādi hṛtṣaḍaṅgena suvrata //

vauṃ Sarvatomukhī. Nachdem man mit vaṃ und vaḥ den Sitz verehrt hat, verehre man Ravi. Nachdem man ihn herbeigerufen hat, bringe man Fußwasser usw. mit dem Herz(-Mantra) und den sechs Gliedern dar, o Treugelübdiger.

Wort für Wort
vauṃ sarvatomukhīm
vauṃ – Sarvatomukhī
vaṃ pīṭham
mit vaṃ den Sitz
prārcya ravim yajet
nach Verehrung Ravi verehren
āvāhya
herbeirufend
pādya-ādi
Fußwasser usw.
hṛt-ṣaḍ-aṅgena
mit Herz- und Sechsglieder-Mantra

khakārau daṇḍinau caṇḍau majjā daśanasaṃyutā / māṃsadīrghā jaradvāyuhṛdaitat sarvadaṃ raveḥ //

Zwei kha-Laute mit Daṇḍin (Anusvāra), Caṇḍa, Majjā mit Daśana, Māṃsa mit Langvokal, Jarad-vāyu und Hṛd – dies ist der alles gewährende (Mantra) des Ravi [Anm.: Beschreibung durch verschlüsselte Buchstabennamen].

Wort für Wort
kha-kārau
zwei kha-Laute
daṇḍinau
mit Daṇḍin (Anusvāra?)
māṃsa-dīrghā
Māṃsa mit Langvokal
sarva-dam
alles gewährend
raveḥ
des Ravi

Die Decknamen (caṇḍa, majjā, daśana, māṃsa, jaradvāyu) lassen sich nicht sicher auflösen; nicht rekonstruiert.

vahnīśarakṣo marutām kikṣu pūjyā hṛdādayaḥ / svamantraiḥ karṇikāntasthā dikṣvastraṃ purataḥ sadṛk //

In den Richtungen des Feuers, Īśas, der Rakṣas und der Winde (Südost, Nordost, Südwest, Nordwest) sind Herz usw. mit ihren eigenen Mantras zu verehren, am Rand der Samenkapsel stehend; in den Himmelsrichtungen das Astra, vorne das Auge (dṛś).

Wort für Wort
vahni-īśa-rakṣas-marutām dikṣu
in den Richtungen von Agni, Īśa, Rakṣas, Marut
pūjyāḥ hṛd-ādayaḥ
Herz usw. sind zu verehren
sva-mantraiḥ
mit ihren eigenen Mantras
karṇikā-anta-sthāḥ
am Rand der Samenkapsel
dikṣu astram
in den Richtungen das Astra

kikṣu = dikṣu; sadṛk wohl für sa dṛk ‚das Auge‘ (Netra-Mantra).

pūrvādidikṣu sampūjyāś candrajñagurubhārgavāḥ / nasyāñjanādi kurvīta sājamūtrair grahāpahaiḥ //

In den Richtungen, beginnend mit Osten, sind Candra, Jña (Merkur), Guru (Jupiter) und Bhārgava (Venus) zu verehren. Man bereite Nasenmittel, Augensalben usw. mit Ziegenharn und graha-vertreibenden (Zutaten).

Wort für Wort
pūrva-ādi-dikṣu
in den Richtungen ab Osten
candra-jña-guru-bhārgavāḥ
Mond, Merkur, Jupiter, Venus
nasya-añjana-ādi
Nasenmittel, Augensalbe usw.
sa-aja-mūtraiḥ
mit Ziegenharn
graha-apahaiḥ
mit graha-vertreibenden (Mitteln)

pāṭhāpathyāvacāśigrusindhūvyoṣaiḥ pṛthak phalaiḥ / ajākṣīrāḍhake pakvasarpiḥ sarvagrahān haret //

Mit Pāṭhā, Pathyā (Harītakī), Kalmus, Śigru, Steinsalz und den drei Scharfen (vyoṣa), mit gesonderten Früchten [?]: in einem Āḍhaka Ziegenmilch gekochtes Ghee vertreibt alle Grahas.

Wort für Wort
pāṭhā-pathyā-vacā-śigru
Pāṭhā, Harītakī, Kalmus, Meerrettichbaum
sindhu-vyoṣaiḥ
mit Steinsalz und Dreischarf
ajā-kṣīra-āḍhake
in einem Āḍhaka Ziegenmilch
pakva-sarpiḥ
gekochtes Ghee
sarva-grahān haret
vertreibt alle Grahas

pṛthak phalaiḥ unklar (evtl. je ein Pala-Maß).

vṛścikālīphalīkuṣṭhaṃ lavaṇāni ca śārṅgakam / apasmāravināśāya tajjalaṃ tvabhibhojayet //

Vṛścikālī, Phalī [?], Kuṣṭha, Salze und Śārṅgaka [?]: zur Vernichtung der Fallsucht (apasmāra) gebe man dieses (damit bereitete) Wasser zu sich zu nehmen.

Wort für Wort
vṛścikālī
Vṛścikālī (Pflanze)
kuṣṭham
Kuṣṭha (Costus)
lavaṇāni
Salze
apasmāra-vināśāya
zur Vernichtung der Epilepsie
abhibhojayet
lasse zu sich nehmen

phalī und śārṅgaka als Drogen unsicher.

vidārīkuśakāśekṣukvāthajaṃ pāyayet payaḥ / droṇe sayaṣṭikuṣmāṇḍarase sarpiś ca saṃskṛtau //

Man lasse Milch trinken, die mit einem Absud von Vidārī, Kuśa, Kāśa und Zuckerrohr bereitet ist. In einem Droṇa (Maß) mit Süßholz und Kürbissaft zubereitetes Ghee

Wort für Wort
vidārī-kuśa-kāśa-ikṣu
Vidārī, Kuśa, Kāśa, Zuckerrohr
kvātha-jam payaḥ
mit Absud bereitete Milch
pāyayet
lasse trinken
sa-yaṣṭi-kuṣmāṇḍa-rase
im Saft mit Süßholz und Kürbis
sarpiḥ saṃskṛtam
zubereitetes Ghee

pañcagavyaṃ ghṛtaṃ tadvadyogaṃ jvaraharaṃ śṛṇu / oṃ bhasmāstrāya vidmahe ekadaṃṣṭrāya dhīmahi tanno jvaraḥ pracodayāt kṛṣṇoṣaṇaniśārāsnādrākṣātailaṃ guḍaṃ lihet //

und ebenso Pañcagavya-Ghee (sind heilsam). Höre ein fiebervertreibendes Mittel: „oṃ bhasmāstrāya vidmahe ekadaṃṣṭrāya dhīmahi tanno jvaraḥ pracodayāt“ (Oṃ, wir wollen den kennen, dessen Waffe die Asche ist; wir meditieren über den Einzahnigen; dazu möge uns Jvara (das Fieber) antreiben). Langen Pfeffer, schwarzen Pfeffer, Gelbwurz, Rāsnā, Trauben, Öl und Melasse soll man lecken.

Wort für Wort
pañca-gavyam ghṛtam
Pañcagavya-Ghee
jvara-haram yogam
fiebervertreibendes Mittel
bhasma-astrāya vidmahe
wir wollen den mit der Asche-Waffe kennen
kṛṣṇa-ūṣaṇa-niśā
langer Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Gelbwurz
drākṣā-taila guḍam
Traube, Öl, Melasse
lihet
soll lecken

Gāyatrī-artige Formel an den Fiebergott eingeschoben.

śvāsavānatha vā bhārgīṃ sayaṣṭimadhusarpiṣā / pāṭhā tiktā kaṇā bhārgī athavā madhunā lihet //

Wer an Atemnot leidet, (lecke) oder Bhārgī mit Süßholz, Honig und Ghee; oder er lecke Pāṭhā, Tiktā, Kaṇā (langen Pfeffer) und Bhārgī mit Honig.

Wort für Wort
śvāsavān
wer an Atemnot leidet
bhārgīm
Bhārgī (Pflanze)
sa-yaṣṭi-madhu-sarpiṣā
mit Süßholz, Honig und Ghee
pāṭhā tiktā kaṇā
Pāṭhā, Tiktā, langer Pfeffer
madhunā lihet
mit Honig lecken

dhātrī viśvasitā kṛṣṇā mustā kharjūramāgadhī / pivaraśceti hikkāghnaṃ tat trayaṃ madhunā lihet //

Dhātrī (Emblica), Viśvā (Ingwer), Sitā (Zucker), Kṛṣṇā (langer Pfeffer), Mustā, Dattel, Māgadhī und Pivara [?] – das vertreibt Schluckauf; je drei davon lecke man mit Honig.

Wort für Wort
dhātrī viśvā sitā
Emblica, Ingwer, Zucker
kṛṣṇā mustā
langer Pfeffer, Mustā
kharjūra-māgadhī
Dattel, Māgadhī
hikkā-ghnam
Schluckauf vertreibend
madhunā lihet
mit Honig lecken

pivara unklar; tat trayam ‚diese drei‘ unklar im Bezug.

kāmalī jīramāṇḍūkīniśādhātrīrasaṃ pivet / vyoṣapadmakatriphalākiḍaṅgadevadāravaḥ / rāsnācūrṇaṃ samaṃ khaṇḍair jagdhvā kāsaharaṃ dhruvam //

Wer an Gelbsucht leidet, trinke den Saft von Kreuzkümmel, Māṇḍūkī, Gelbwurz und Dhātrī. Vyoṣa, Padmaka, Triphalā, Viḍaṅga, Devadāru und Rāsnā-Pulver zu gleichen Teilen, mit Zucker gegessen, vertreibt sicher den Husten.

Wort für Wort
kāmalī
der Gelbsüchtige
jīra-māṇḍūkī-niśā-dhātrī-rasam
Saft von Kümmel, Māṇḍūkī, Gelbwurz, Emblica
vyoṣa-padmaka-triphalā
Dreischarf, Padmaka, Triphalā
samam khaṇḍaiḥ jagdhvā
zu gleichen Teilen mit Zucker gegessen
kāsa-haram dhruvam
vertreibt sicher den Husten

Drei Halbverse. kiḍaṅga = viḍaṅga; pivet = pibet.

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