Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 169: prāyaścittāni Sühnehandlungen

Puṣkara lehrt die Sühnen für die Hauptsünden (Brahmanenmord, Branntweintrinken, Golddiebstahl, Entweihung des Lehrerlagers), für Kuhtötung und die übrigen Nebensünden, für Tötung von Menschen verschiedener Kasten und Tiere, für Diebstahl verschiedener Güter und für verbotenen Geschlechtsverkehr. Der Text enthält zahlreiche Schreibfehler der Digitalisierung (z.B. aśrīyāt, sarām, kumāroṣu); in Vers 11 ist damane doppelt überliefert, in Vers 35 ist āptasya vermutlich verderbt.

puṣkara uvāca | etatprabhṛtipāpānāṃ prāyaścittaṃ vadāmi te / brahmahā dvādaśābdāni kuṭīṅkṛtvā vane vaset //

Puṣkara sprach: Ich nenne dir die Sühnen für diese und die damit beginnenden Sünden. Der Brahmanenmörder soll zwölf Jahre lang im Wald wohnen, nachdem er sich eine Hütte gebaut hat,

Wort für Wort
puṣkara uvāca
Puṣkara sprach
etat-prabhṛti-pāpānām
der mit diesen beginnenden Sünden
prāyaścittam
Sühne
brahma-hā
Brahmanenmörder
kuṭīṃ kṛtvā
eine Hütte gebaut habend
vane vaset
er wohne im Wald

bhikṣetātmaviśuddhyarthaṃ kṛtvā śavaśirodhvajaṃ / prāsyedātmānamagnau vā samiddhe triravākśirāḥ //

und er soll zu seiner Selbstläuterung betteln, nachdem er einen Totenschädel zu seinem Wahrzeichen gemacht hat; oder er werfe sich dreimal kopfüber in ein entfachtes Feuer.

Wort für Wort
bhikṣeta
er bettle
ātma-viśuddhy-artham
zur Selbstläuterung
śava-śiro-dhvajam
einen Totenschädel als Zeichen
prāsyet ātmānam agnau
er werfe sich ins Feuer
trir avākśirāḥ
dreimal kopfüber

yajeta vāśvamedhena svarjitā gosavena vā / japanvānyatamaṃ vedaṃ yojanānāṃ śataṃ brajet //

Oder er opfere mit dem Pferdeopfer, mit dem Svarjit- oder dem Gosava-Opfer; oder er wandere, einen der Veden murmelnd, hundert Yojanas weit.

Wort für Wort
yajeta
er opfere
aśvamedhena
mit dem Pferdeopfer
svarjitā gosavena vā
mit Svarjit oder Gosava
japan anyatamaṃ vedam
einen der Veden murmelnd
yojanānāṃ śatam vrajet
er gehe hundert Yojanas

brajet für vrajet (Digitalisierungs- bzw. Schreibvariante).

sarvasvaṃ vā vedavide brāhmaṇāyopapādayet / vratair etair vyapohanti mahāpātakino malaṃ //

Oder er übergebe sein gesamtes Vermögen einem vedakundigen Brahmanen. Durch diese Gelübde tilgen die Hauptsünder ihren Makel.

Wort für Wort
sarvasvam
gesamtes Vermögen
veda-vide brāhmaṇāya
einem vedakundigen Brahmanen
upapādayet
er überreiche
vrataiḥ etaiḥ
durch diese Gelübde
mahāpātakinaḥ malam
den Makel der Hauptsünder
vyapohanti
sie tilgen

upapātakasaṃyukto goghno māsaṃ yavān pivet / kṛtavāpo vasedgoṣṭhe carmaṇā tena saṃvṛtaḥ //

Wer mit einer Nebensünde behaftet ist, etwa ein Kuhtöter, soll einen Monat lang Gerste(nbrei) trinken; geschoren soll er im Kuhstall wohnen, eingehüllt in das Fell jener (Kuh).

Wort für Wort
upapātaka-saṃyuktaḥ
mit einer Nebensünde behaftet
go-ghnaḥ
Kuhtöter
māsaṃ yavān pibet
einen Monat Gerste trinken
kṛta-vāpaḥ
geschoren
goṣṭhe vaset
im Kuhstall wohnen
carmaṇā tena saṃvṛtaḥ
mit jenem Fell bedeckt

pivet für pibet.

caturthakālamaśrīyādakṣāralavaṇaṃ mitaṃ / gomūtreṇa caret snānaṃ dvau māsau niyatendriyaḥ //

Zur vierten Essenszeit soll er ein bemessenes Mahl ohne Würzsalz und Salz zu sich nehmen; mit Kuhharn soll er baden, zwei Monate lang, die Sinne bezähmt.

Wort für Wort
caturtha-kālam
zur vierten Essenszeit
aśnīyāt
er esse
akṣāra-lavaṇam mitam
ohne Würzsalz und Salz, bemessen
go-mūtreṇa snānam
Bad mit Kuhharn
dvau māsau
zwei Monate
niyata-indriyaḥ
mit bezähmten Sinnen

aśrīyāt ist verschrieben für aśnīyāt. caturthakāla: nur jede vierte Mahlzeit, d.h. jeden zweiten Abend.

divānugacchedgāś caiva tiṣṭhannūrdhvaṃ rajaḥ pivet / vṛṣabhaikādaśā gāstu dadyādvicāritavrataḥ //

Bei Tag folge er den Kühen und nehme stehend den aufwirbelnden Staub (der Herde) in sich auf. Hat er das Gelübde vollbracht, so gebe er zehn Kühe mit einem Stier als elftem.

Wort für Wort
divā anugacchet gāḥ
bei Tag folge er den Kühen
tiṣṭhan
stehend
ūrdhvaṃ rajaḥ pibet
den aufsteigenden Staub trinke er
vṛṣabha-ekādaśāḥ gāḥ
Kühe mit einem Stier als elftem
dadyāt
er gebe

vicāritavrataḥ steht wohl für ein Wort im Sinn von ‚der das Gelübde vollzogen hat‘; übersetzt nach dem Zusammenhang.

avidyamāne sarvasvaṃ vedavidbhyo nivedayet / pādamekañcaredrodhe dvau pādau bandhane caret //

Besitzt er diese nicht, so übergebe er sein gesamtes Vermögen den Vedakundigen. Beim Einsperren (einer Kuh, die daran stirbt) übe er ein Viertel (der Buße), beim Anbinden zwei Viertel;

Wort für Wort
avidyamāne
wenn nicht vorhanden
veda-vidbhyaḥ nivedayet
den Vedakundigen übergebe er
pādam ekam
ein Viertel
rodhe
beim Einsperren
bandhane
beim Anbinden

yojane pādahīnaṃ syāccaret sarvaṃ nipātane / kāntāreṣvatha durgeṣu viṣameṣu bhayeṣu ca //

beim Anschirren sei es (das Ganze) um ein Viertel vermindert; beim Niederwerfen übe er die ganze (Buße). In Wildnissen, an unwegsamen, an schwierigen und an gefährlichen Orten –

Wort für Wort
yojane
beim Anschirren
pāda-hīnam
um ein Viertel vermindert
sarvaṃ nipātane
das Ganze beim Niederwerfen
kāntāreṣu
in Wildnissen
durgeṣu viṣameṣu
an unwegsamen, unebenen Orten
bhayeṣu
in Gefahren

yadi tatra vipattiḥ syādekapādo vidhīyate / ghaṇṭābharaṇadoṣeṇa tathaivardhaṃ vinirdiśat //

wenn dort ein Unglück (Tod der Kuh) geschieht, ist ein Viertel vorgeschrieben. Für ein Verschulden durch Glocken und Schmuck setze man ebenso die Hälfte fest.

Wort für Wort
yadi tatra vipattiḥ syāt
wenn dort Unglück geschieht
eka-pādaḥ vidhīyate
ein Viertel wird vorgeschrieben
ghaṇṭā-ābharaṇa-doṣeṇa
durch Verschulden mit Glocke und Schmuck
ardham vinirdiśet
die Hälfte bestimme er

vinirdiśat für vinirdiśet.

damane damane rodhe śakaṭasya niyojane / stambhaśṛṅkhalapāśeṣu mṛte pādonamācaret //

Beim Bändigen, beim Einsperren, beim Anspannen an den Wagen, (bei Unfällen) an Pfosten, Ketten und Stricken: stirbt (das Tier), so übe er drei Viertel.

Wort für Wort
damane
beim Bändigen
rodhe
beim Einsperren
śakaṭasya niyojane
beim Anspannen an den Wagen
stambha-śṛṅkhala-pāśeṣu
an Pfosten, Ketten, Stricken
mṛte
wenn gestorben
pāda-ūnam ācaret
drei Viertel übe er

damane damane: Wortdoppelung, wohl verderbt (ein zweites Wort ist ausgefallen oder verschrieben).

śṛṅgabhaṅge 'sthibhaṅge ca lāṅgūlacchedane tathā / yāvakantu pivettāvadyāvat susthā tu gaurbhavet //

Bei Bruch eines Horns oder Knochens und beim Abschneiden des Schwanzes trinke er so lange Gerstenbrei, bis die Kuh wieder gesund ist,

Wort für Wort
śṛṅga-bhaṅge
bei Hornbruch
asthi-bhaṅge
bei Knochenbruch
lāṅgūla-cchedane
beim Abschneiden des Schwanzes
yāvakam pibet
Gerstenbrei trinke er
yāvat susthā gauḥ bhavet
bis die Kuh gesund ist

gomatīñca japedvidyāṃ gostutiṃ gomatīṃ smaret / ekā cedbahubhirdaivād yatra vyāpāditā bhavet //

und er murmle das Gomatī-Wissen und gedenke des Kuhpreises, der Gomatī. Wenn aber eine (Kuh) durch Schicksal von mehreren (gemeinsam) getötet worden ist,

Wort für Wort
gomatīṃ vidyām
das Gomatī-Wissen
japet
er murmle
go-stutim
den Kuhpreis
ekā ... bahubhiḥ
eine von vielen
daivāt
durch Schicksal
vyāpāditā
getötet

gomatī: ein Preislied bzw. Spruch auf die Kühe; genaue Bezeichnung unsicher.

pādaṃ pādantu hatyāyāś careyuste pṛthak pṛthak / upakāre kriyamāṇe vipattau nāsti pātakaṃ //

so soll jeder von ihnen einzeln ein Viertel (der Buße) für die Tötung üben. Kommt (die Kuh) zu Schaden, während man ihr eine Hilfe leistet, so gibt es keine Sünde.

Wort für Wort
pādaṃ pādam
je ein Viertel
hatyāyāḥ
der Tötung
pṛthak pṛthak
jeder einzeln
upakāre kriyamāṇe
wenn Hilfe geleistet wird
na asti pātakam
gibt es keine Sünde

etadeva vrataṃ kuryurupapātakinas tathā / avakīrṇavarjaṃ śuddhyarthañcāndrāyaṇamathāpi vā //

Eben dieses Gelübde sollen auch die (übrigen) Nebensünder üben, mit Ausnahme des Avakīrṇin; oder auch zur Läuterung das Cāndrāyaṇa.

Wort für Wort
etad eva vratam
eben dieses Gelübde
upapātakinaḥ
die Nebensünder
avakīrṇa-varjam
außer dem Gelübdebrüchigen
śuddhy-artham
zur Läuterung
cāndrāyaṇam
Mondgelübde

avakīrṇin: Vedaschüler, der sein Keuschheitsgelübde gebrochen hat.

avakīrṇī tu kālena gardhabhena catuṣpathe / pākayajñavidhānena yajeta nirṛtiṃ niśi //

Der Avakīrṇin aber soll zu (gegebener) Zeit an einer Wegkreuzung nachts mit einem Esel nach der Vorschrift des Pākayajña der Nirṛti opfern.

Wort für Wort
avakīrṇī
der Gelübdebrüchige
gardabhena
mit einem Esel
catuṣpathe
an der Wegkreuzung
pākayajña-vidhānena
nach Art des Kochopfers
nirṛtim
Nirṛti (Göttin des Verderbens)
niśi
nachts

kṛtvāgniṃ vidhivaddhīmānantatastu samittṛcā / candrendraguruvahnīnāṃ juhuyāt sarpiṣāhutiṃ //

Nachdem der Einsichtige vorschriftsgemäß das Feuer bereitet hat, bringe er danach mit dem Samidh-Dreivers Schmelzbutterspenden für Candra, Indra, Guru (Bṛhaspati) und Vahni (Agni) dar.

Wort für Wort
kṛtvā agnim vidhivat
das Feuer vorschriftsgemäß bereitet
samit-tṛcā
mit dem Samidh-Dreivers [?]
candra-indra-guru-vahnīnām
für Mond, Indra, Guru und Agni
juhuyāt
er opfere
sarpiṣā āhutim
eine Spende mit Schmelzbutter

samittṛcā: wohl ‚mit dem Dreivers (tṛca), der mit sam- beginnt‘ bzw. ‚mit Brennhölzern und einem Dreivers‘ [?]; unsicher.

athavā gārdhabhañcarma vasitvābdañcarenmahīṃ / hatvā garbhamavijñātaṃ brahmahatyāvrataṃ caret //

Oder er kleide sich in ein Eselsfell und durchwandere ein Jahr lang die Erde. Wer eine Leibesfrucht, deren (Geschlecht) nicht erkannt war, getötet hat, übe das Gelübde für Brahmanenmord.

Wort für Wort
gārdabham carma
Eselsfell
vasitvā
bekleidet
abdam caret mahīm
ein Jahr durchwandere er die Erde
hatvā garbham avijñātam
eine unerkannte Leibesfrucht getötet
brahmahatyā-vratam
Gelübde für Brahmanenmord

sarāṃ pītvā dvijo mohādagnivarṇāṃ surāṃ pivet / gomūtramagnivarṇaṃ vā pivedudakameva vā //

Hat ein Zweimalgeborener aus Verblendung Branntwein (Surā) getrunken, so trinke er feuerfarbene (d.h. glühend heiße) Surā; oder er trinke feuerheißen Kuhharn oder (ebenso) Wasser.

Wort für Wort
surām pītvā
Branntwein getrunken
dvijaḥ mohāt
ein Zweimalgeborener aus Verblendung
agni-varṇām
feuerfarben
go-mūtram
Kuhharn
udakam eva vā
oder Wasser

sarām für surām.

suvarṇasteyakṛdvipro rājānamabhigamya tu / svakarma khyāpayan vrūyānmāṃ bhavānanuśāstviti //

Ein Brahmane, der Gold gestohlen hat, soll zum König gehen, seine Tat bekennen und sagen: ‚Strafe mich, Herr!‘

Wort für Wort
suvarṇa-steya-kṛt
Golddieb
rājānam abhigamya
zum König gehend
sva-karma khyāpayan
seine Tat bekennend
brūyāt
er sage
mām bhavān anuśāstu
Euer Gnaden strafe mich

vrūyāt für brūyāt.

gṛhītvā muśalaṃ rājā sakṛddhanyāt svayaṅgataṃ / badhena śuddhyate steyo brāhmaṇastapasaiva vā //

Der König soll eine Keule ergreifen und den, der von selbst gekommen ist, einmal schlagen. Durch die Tötung wird der Dieb rein – oder der Brahmane allein durch Askese.

Wort für Wort
gṛhītvā muśalam
die Keule ergreifend
sakṛt hanyāt
er schlage einmal
svayaṃ gatam
den von selbst Gekommenen
vadhena śuddhyate
durch Tötung wird rein
tapasā eva
allein durch Askese

gurutalpo nikṛtyaiva śiśnañca vṛṣaṇaṃ svayaṃ / nidhāya cāñcalau gacchedānipātācca nairṛtiṃ //

Wer das Lager des Lehrers (entweiht hat), soll sich selbst Glied und Hoden abschneiden, sie in die hohlen Hände legen und nach Südwesten (der Richtung der Nirṛti) gehen, bis er zusammenbricht.

Wort für Wort
guru-talpaḥ
der das Lehrerlager Entweihende
nikṛtya śiśnaṃ vṛṣaṇam
Glied und Hoden abschneidend
nidhāya añjalau
in die hohlen Hände legend
ā nipātāt
bis zum Niederfallen
nairṛtīm
nach Südwesten

gurutalpa bezeichnet hier den Täter (gurutalpaga).

cāndrāyaṇān vā trīnmāsānabhyasenniyatendriyaḥ / jātibhraṃśakaraṃ karma kṛtvānyatamamicchayā //

Oder er übe drei Monate lang Cāndrāyaṇa-Gelübde mit bezähmten Sinnen. Hat einer absichtlich eine der Taten begangen, die Kastenverlust bewirken,

Wort für Wort
cāndrāyaṇān
Mondgelübde
trīn māsān
drei Monate
jāti-bhraṃśa-karam karma
kastenverlustbewirkende Tat
anyatamam
irgendeine
icchayā
absichtlich

carecchāntapanaṃ kṛcchraṃ prājāpatyamanicchayā / saṅkarīpātrakṛtyāsu māsaṃ śodhanamaindavaṃ //

so übe er das Sāntapana-Kṛcchra, unabsichtlich das Prājāpatya; bei den Taten, die zur Mischkaste herabsetzen oder (zum Empfang von Gaben) unwürdig machen, ist ein Monat Aindava (Mondgelübde) die Reinigung.

Wort für Wort
sāntapanaṃ kṛcchram
Sāntapana-Buße
prājāpatyam
Prājāpatya-Buße
anicchayā
unabsichtlich
saṅkarī-pātra-kṛtyāsu
bei Vermischung und Unwürdigmachen
māsam aindavam
einen Monat Mondgelübde
śodhanam
Reinigung

saṅkarīpātrakṛtyāsu = saṅkarīkaraṇa und apātrīkaraṇa (technische Sündenklassen), im Text zusammengezogen.

malinīkaraṇīyeṣu taptaṃ syādyāvakaṃ tryahaṃ / turīyo brahmahatyāyāḥ kṣatriyasya badhe smṛtaḥ //

Bei den befleckend machenden (Taten) sei es drei Tage heißer Gerstenbrei. Ein Viertel (der Buße) für Brahmanenmord gilt bei der Tötung eines Kṣatriya,

Wort für Wort
malinī-karaṇīyeṣu
bei befleckend machenden (Taten)
taptam yāvakam
heißer Gerstenbrei
tryaham
drei Tage
turīyaḥ
ein Viertel
kṣatriyasya vadhe
bei Tötung eines Kṣatriya

vaiśye 'ṣṭamāṃśe vṛttasthe śūdre jñeyastu ṣoḍaśaḥ / mārjaranakulau hatvā cāsaṃ maṇḍūkameva ca //

bei einem Vaiśya ein Achtel, bei einem rechtschaffen lebenden Śūdra ist ein Sechzehntel anzusetzen. Hat einer Katze und Mungo, einen Blauhäher oder einen Frosch getötet,

Wort für Wort
vaiśye aṣṭama-aṃśe
beim Vaiśya ein Achtel
vṛtta-sthe śūdre
beim rechtschaffenen Śūdra
ṣoḍaśaḥ
ein Sechzehntel
mārjāra-nakulau
Katze und Mungo
cāṣam maṇḍūkam
Häher, Frosch

cāsam für cāṣam (Blauracke/Häher).

śvagodholūkakākāṃś ca śūdrahatyāvrataṃ caret / caturṇāmapi varṇānāṃ nārīṃ hatvānavasthitāṃ //

einen Hund, eine Eidechse, eine Eule oder eine Krähe, so übe er das Gelübde für Śūdra-Mord. Hat er eine unstete (sittenlose) Frau aus einer der vier Kasten getötet,

Wort für Wort
śva-godha-ulūka-kākān
Hund, Eidechse, Eule, Krähe
śūdra-hatyā-vratam
Gelübde für Śūdra-Mord
caturṇām varṇānām
der vier Kasten
nārīm anavasthitām
eine unstete Frau

amatyaiva pramāpya strīṃ śūdrahatyāvrataṃ caret / sarpādīnāṃ badhe naktamanasthnāṃ vāyusaṃyamaḥ //

oder hat er ohne Absicht eine Frau umgebracht, so übe er das Gelübde für Śūdra-Mord. Bei der Tötung von Schlangen und dergleichen (esse er nur) nachts, bei knochenlosen (Tieren übe er) Atemzügelung.

Wort für Wort
amatyā eva
ohne Absicht
pramāpya strīm
eine Frau getötet
sarpa-ādīnām vadhe
bei Tötung von Schlangen usw.
naktam
Nachtessen
anasthnām
der Knochenlosen
vāyu-saṃyamaḥ
Atemzügelung

dravyāṇāmalpasārāṇāṃ steyaṃ kṛtvānyaveśmataḥ / carecchāntapanaṃ kṛcchaṃ vrataṃ nirvāpya siddhyati //

Hat er aus einem fremden Haus Dinge von geringem Wert gestohlen, so übe er das Sāntapana-Kṛcchra; hat er das Gelübde vollbracht (und das Gut erstattet [?]), wird er rein.

Wort für Wort
dravyāṇām alpa-sārāṇām
geringwertiger Dinge
steyam kṛtvā
Diebstahl begangen
anya-veśmataḥ
aus fremdem Haus
vratam nirvāpya
das Gelübde vollbracht
siddhyati
er wird rein

kṛccham für kṛcchram. nirvāpya: ‚vollendet habend‘ oder ‚zurückgegeben habend‘ [?].

bhakṣabhojyāpaharaṇe yānaśayyāsanasya ca / puṣpamūlaphalānāñca pañcagavyaṃ viśodhanaṃ //

Beim Entwenden von fester und weicher Speise, von Wagen, Bett und Sitz, von Blumen, Wurzeln und Früchten ist das Pañcagavya (die fünf Kuhprodukte) die Reinigung.

Wort für Wort
bhakṣya-bhojya-apaharaṇe
bei Entwendung von Speisen
yāna-śayyā-āsanasya
von Wagen, Bett, Sitz
puṣpa-mūla-phalānām
von Blumen, Wurzeln, Früchten
pañcagavyam
die fünf Kuhprodukte
viśodhanam
Reinigung

tṛṇakāṣṭhadrumāṇāntu śuṣkānnasya guḍasya ca / celacarmāmiṣāṇāntu trirātraṃ syādabhojanaṃ //

Bei Gras, Holz und Bäumen, bei trockener Speise und Rohzucker, bei Kleidern, Häuten und Fleisch sei es ein dreitägiges Fasten.

Wort für Wort
tṛṇa-kāṣṭha-drumāṇām
Gras, Holz, Bäume
śuṣka-annasya
trockener Speise
guḍasya
Rohzucker
cela-carma-āmiṣāṇām
Kleider, Häute, Fleisch
trirātram abhojanam
drei Nächte Fasten

maṇimuktāpravālānāṃ tāmrasya rajatasya ca / ayaḥkāṃsyopalānāñca dvādaśāhaṃ kaṇānnabhuk //

Bei Juwelen, Perlen und Korallen, bei Kupfer und Silber, bei Eisen, Messing und Steinen esse er zwölf Tage lang (nur) Kornbruch.

Wort für Wort
maṇi-muktā-pravālānām
Juwelen, Perlen, Korallen
tāmrasya rajatasya
Kupfer, Silber
ayaḥ-kāṃsya-upalānām
Eisen, Messing, Steine
dvādaśa-aham
zwölf Tage
kaṇa-anna-bhuk
Kornbruch essend

kārpāsakīṭajīrṇānāṃ dviśaphaikaśaphasya ca / pakṣigandhauṣadhīnāntu rajvā caiva tryahampayaḥ //

Bei Baumwolle, Seide und Wolle, bei Zweihufern und Einhufern, bei Vögeln, Duftstoffen und Heilkräutern und auch bei einem Strick: drei Tage (nur) Milch.

Wort für Wort
kārpāsa-kīṭaja-ūrṇānām
Baumwolle, Seide, Wolle
dvi-śapha-eka-śaphasya
Zwei- und Einhufer
pakṣi-gandha-auṣadhīnām
Vögel, Duftstoffe, Kräuter
rajjvāḥ
eines Stricks
tryaham payaḥ
drei Tage Milch

kīṭajīrṇānām wohl für kīṭajorṇānām (Seide und Wolle); rajvā für rajjvāḥ.

gurutalpavrataṃ kuryādretaḥ siktvā svayoniṣu / sakhyuḥ putrasya ca strīṣu kumāroṣvantyajāsu ca //

Das Gelübde für Entweihung des Lehrerlagers übe, wer Samen ergossen hat bei Frauen gleichen Mutterschoßes (Schwestern), bei den Frauen des Freundes und des Sohnes, bei Mädchen und bei Frauen niedrigster Herkunft.

Wort für Wort
guru-talpa-vratam
Gelübde für Lehrerlagerentweihung
retaḥ siktvā
Samen ergossen
sva-yoniṣu
bei Schwestern
sakhyuḥ putrasya strīṣu
bei Frauen von Freund und Sohn
kumārīṣu antyajāsu
bei Mädchen und Niedrigstgeborenen

kumāroṣu für kumārīṣu.

pitṛsvasreyīṃ bhaginīṃ svasrīyāṃ mātureva ca / mātuś ca bhrāturāptasya gatvā cāndrāyaṇañcaret //

Wer mit der Tochter der Vaterschwester, mit der Schwester, mit der Tochter der Mutterschwester und (der Tochter) des Mutterbruders, eines nahen Verwandten [?], verkehrt, übe das Cāndrāyaṇa.

Wort für Wort
paitṛ-svasreyīm
Tochter der Vaterschwester
bhaginīm
Schwester
svasrīyām mātuḥ
Tochter der Mutterschwester
mātuḥ bhrātuḥ
des Mutterbruders
gatvā
verkehrt habend
cāndrāyaṇaṃ caret
übe er das Mondgelübde

svasrīyām mātur eva ca: ‚der Schwesterntochter der Mutter‘; āptasya (‚des Vertrauten‘) ist auffällig, erwartet wäre ein Wort für ‚Tochter‘; wohl verderbt.

amānuṣīṣu puruṣa udakyāyāmayoniṣu / retaḥ siktvā jale caiva kṛcchraṃ śāntapanañcaret //

Wer bei nichtmenschlichen Weibchen, bei einer Menstruierenden, an nicht-vaginalen Stellen oder ins Wasser Samen ergossen hat, übe das Sāntapana-Kṛcchra.

Wort für Wort
amānuṣīṣu
bei nichtmenschlichen Weibchen
udakyāyām
bei einer Menstruierenden
ayoniṣu
außerhalb der Scheide
jale
ins Wasser
kṛcchraṃ śāntapanam
Sāntapana-Buße

maithunantu samāsevya puṃsi yoṣiti vā dvijaḥ / goyāne 'psu divā caiva savāsāḥ snānamācaret //

Hat ein Zweimalgeborener Geschlechtsverkehr gepflogen mit einem Mann oder mit einer Frau auf einem Ochsenkarren, im Wasser oder bei Tag, so nehme er ein Bad samt seinen Kleidern.

Wort für Wort
maithunam samāsevya
Geschlechtsverkehr gepflogen
puṃsi yoṣiti vā
mit Mann oder Frau
go-yāne
auf dem Ochsenkarren
apsu divā
im Wasser, bei Tag
sa-vāsāḥ snānam
Bad in Kleidern

caṇḍālāntyastriyo gatvā bhuktvā ca pratigṛhya ca / patatyajñānato vipro jñānāt sāmyantu gacchati //

Ein Brahmane, der mit Caṇḍāla- oder anderen niedrigsten Frauen verkehrt, bei ihnen gegessen oder (Gaben) von ihnen angenommen hat, kommt – unwissentlich – zu Fall; wissentlich wird er ihnen gleich.

Wort für Wort
caṇḍāla-antya-striyaḥ
Caṇḍāla- und Niedrigstfrauen
bhuktvā pratigṛhya
gegessen, angenommen
patati
er fällt
ajñānataḥ
unwissentlich
jñānāt sāmyam gacchati
wissentlich wird er gleich

vipraduṣṭāṃ striyaṃ bhartā nirundhyādekaveśmani / yat puṃsaḥ paradāreṣu tadenāñcārayedvrataṃ //

Eine stark verdorbene (ehebrecherische) Frau soll der Gatte in einem einzigen Raum einschließen; das Gelübde, das einem Mann für (den Umgang mit) fremden Frauen (auferlegt ist), lasse er sie üben.

Wort für Wort
vipraduṣṭām striyam
die verdorbene Frau
bhartā
der Gatte
nirundhyāt eka-veśmani
sperre ein in einem Raum
para-dāreṣu
bei fremden Frauen
cārayet vratam
lasse das Gelübde üben

sācetpunaḥ praduṣyeta sadṛśenopamantritā / kṛcchrañcādrāyaṇañcaiva tadasyāḥ pāvanaṃ smṛtaṃ //

Wird sie, von einem Ebenbürtigen verführt, abermals verdorben, so gelten Kṛcchra und Cāndrāyaṇa als ihre Läuterung.

Wort für Wort
punaḥ praduṣyeta
sie wird wieder verdorben
sadṛśena upamantritā
von einem Gleichen verführt
kṛcchram cāndrāyaṇam
Kṛcchra und Mondgelübde
pāvanam smṛtam
gilt als Läuterung

cādrāyaṇam für cāndrāyaṇam.

yat karotyekarātreṇa vṛṣalīsevanaṃ dvijaḥ / tadbhaikṣyabhuk japennityaṃ tribhirvaṣair vyapohati //

Was ein Zweimalgeborener in einer Nacht durch Umgang mit einer Śūdra-Frau (an Sünde) begeht, das tilgt er, indem er von Almosen lebt und beständig (Gebete) murmelt, in drei Jahren.

Wort für Wort
eka-rātreṇa
in einer Nacht
vṛṣalī-sevanam
Umgang mit einer Śūdra-Frau
bhaikṣya-bhuk
von Almosen lebend
japet nityam
er murmle beständig
tribhiḥ varṣaiḥ vyapohati
in drei Jahren tilgt er

vaṣaiḥ für varṣaiḥ.

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