Kapitel 317: gaṇapūjā
Die Verehrung Gaṇapatis und der Gaṇas
Das Kapitel leitet in verschlüsselter Form (Decknamen für Buchstaben) den Aghora-Waffenmantra her und nennt eine Śiva-Gāyatrī. Danach wird das Maṇḍala Vighnasūdana bzw. Vighnamarda beschrieben, in dessen Mitte Gaṇapati und ringsum in vier Reihen zahlreiche Gaṇas mit Namen verehrt werden; es folgen Murmeln, Opfer, Weihe und Lehrerehrung. Vers 7 umfasst nach der Einschubmarke der Digitalisierung (AP_317.006*1) anderthalb Verse; die Namensliste und die Maßangaben des Maṇḍalas sind stellenweise verderbt.
Īśvara sprach: Man hebe den „Viśvarūpa“ heraus, der über dem „Tejas“ steht; darunter setze man den „Narasiṃha“, unter diesen den „Kṛtānta“. [Anm.: Decknamen für Buchstaben bei der Herleitung (uddhāra) eines Mantras.]
Wort für Wort
īśvaraḥ uvāca
Īśvara sprach
viśvarūpam samuddhṛtya
den Viśvarūpa herausgehoben habend
tejasi upari saṃsthitam
über dem Tejas stehend
tataḥ adhastāt
darunter
kṛtāntam tat-adhaḥ nyaset
den Kṛtānta setze man darunter
Mantroddhāra in Decknamen; die Zuordnung der Buchstaben ist aus dem Text allein nicht sicher bestimmbar.
Den Praṇava setze man darunter, darunter wiederum den „Ūhaka“; den „Aṃśumant“, auf dem „Viśvamūrti“ stehend, [versehen] mit dem Kehl-Lippen-Laut [Anm.: o/au], dem Praṇava usw. [?]
Wort für Wort
praṇavam tat-adhaḥ kṛtvā
den Praṇava darunter setzend
ūhakam tat-adhaḥ punaḥ
den Ūhaka wiederum darunter
aṃśumān
Aṃśumant (Deckname)
viśvamūrti-stham
auf dem Viśvamūrti stehend
kaṇṭha-oṣṭha-praṇava-ādikam
mit Kehl-Lippen-Laut, Praṇava usw.
Dunkle Codierung; kaṇṭhoṣṭha bezeichnet wohl den Kehl-Lippen-Vokal (o oder au).
namo 'ntaḥ syāccaturvarṇo viśvarūpañca kāraṇam / sūryamātrāhataṃ brahmaṇyaṅgānīha tu pūrvavat //
Mit namaḥ am Ende sei er vierbuchstabig; Viśvarūpa ist die Ursache [?]; mit der Sonnen-Mātrā versehen [?] bei Brahman [?]; die Glieder[-Mantras] aber hier wie zuvor.
„ghātaya“ zweifach gesetzt, spreche man [den Mantra] mit hūṃ phaṭ am Ende. Das Aghora-Waffenmantra (aghorāstra) aber sei das „Auge“ [Anm.: als Aṅga-Mantra]. Nun wird die Gāyatrī genannt.
„tan maheśāya vidmahe mahādevāya dhīmahi tan naḥ śivaḥ pracodayāt“ (Diesen Maheśa wollen wir erkennen, über Mahādeva wollen wir nachsinnen; dazu möge uns Śiva antreiben) – diese Gāyatrī bewirkt alles. Beim Aufbruch (Heerzug), für Sieg usw. verehre man zuvor, um des Glückes willen, den Gaṇa [Gaṇeśa]. Zuvor [zeichne man] in einem Feld, das ringsum in zwölf (arka) [Teile] geteilt ist, im vierten Teil [?]:
Wort für Wort
maheśāya vidmahe
den Maheśa wollen wir erkennen
mahādevāya dhīmahi
über Mahādeva wollen wir nachsinnen
gāyatrī sarva-sādhanī
die alles bewirkende Gāyatrī
yātrāyām vijaya-ādau
beim Aufbruch, für Sieg usw.
yajet pūrvam gaṇam śriye
verehre zuvor den Gaṇa zum Heil
samantāt arka-bhājite
ringsum in zwölf geteilt
Der Vers enthält die Einschubmarken AP_317.006*1ab/cd der Digitalisierung (umfasst also 1½ Verse); tatraḥ für tan naḥ; turyāṃśe unsicher.
in einem Viererfeld aber, im Dreieck [?], zeichne man einen dreiblättrigen Lotus; dahinter einen Pfad aus Ein-Feld-Streifen [?], dreiblättrig, mit sieben (aśva) versehen [?].
Wort für Wort
catuṣpadam
Viererfeld (vier Felder)
trikoṇe
im Dreieck
tri-dalam kamalam likhet
zeichne einen dreiblättrigen Lotus
tat-pṛṣṭhe
dahinter
padikā-vīthī
Pfad aus Ein-Feld-Streifen
aśva-yuk
mit sieben (Pferd = 7) versehen
Architektonisch-technische Stelle, teilweise verderbt (padikāvithībhāgi).
Mit ... [vasudevasuta] samt dreiblättrigen Lotussen der Fußstreifen (pādapaṭṭikā); darüber ist eine Plattform (vedikā) anzubringen, nach dem Maß eines Teils (bhaga) [?].
Wort für Wort
sa-abjaiḥ tri-dalaiḥ
mit dreiblättrigen samt Lotussen
pāda-paṭṭikā
Fußstreifen
tat-ūrdhve
darüber
vedikā deyā
eine Plattform ist anzubringen
bhaga-mātra-pramāṇataḥ
nach dem Maß eines Teils
vasudevasutaiḥ unverständlich (Zahlwort-Code?); tidalaiḥ für tridalaiḥ.
Das Tor bemessen wie ein Lotus; vom Feld aus das Nebentor ... [vivarṇitam?]. Das aus Toren und Nebentoren gebildete Maṇḍala [heißt] „Vighnasūdana“ (Hindernistilger).
Wort für Wort
dvāram padma-mitam
das Tor wie ein Lotus bemessen
koṣṭhāt upadvāram
vom Feld aus das Nebentor
dvāra-upadvāra-racitam
aus Toren und Nebentoren gebildet
maṇḍalam
Maṇḍala
vighna-sūdanam
Hindernistilger
vivarṇitam „entfärbt“ oder verderbt aus vivardhitam/vivarjitam.
Der Name stehe am Anfang, mit „Savarāka“ [?] versehen, vom „Deva“ an mit „Śakra“ verbunden [?]; das „Haupt“ [śiras] [ist] mit dem Tatpuruṣa [-Mantra] verbunden [?], mit oṃ am Anfang und namaḥ am Ende.
Wort für Wort
nāma-ādyam
mit dem Namen am Anfang
śakra-samanvitam
mit Śakra verbunden
śiraḥ
das Haupt(-Mantra)
tatpuruṣeṇa
mit dem Tatpuruṣa
om-ādyam ca namaḥ-antakam
mit oṃ am Anfang, namaḥ am Ende
Mantro-Code, weitgehend unklar; hataṃ vielleicht für yutam.
Zehntausendmal [?] murmle man den Mantra und opfere ein Zehntel davon; für die übrigen aber lasse man nach dem Murmeln das Opfer mit je zehn Spenden vollziehen.
Nach Darbringung der Vollspende vollziehe man die Weihe (abhiṣeka); dann gelingt alles. Mit Land, Kühen, Pferden, Elefanten, Kleidern usw. vollziehe der Mann die Verehrung des Lehrers.
Wort für Wort
pūrṇām datvā
die Vollspende gegeben habend
abhiṣekam kuryāt
vollziehe man die Weihe
sarvam sidhyati
alles gelingt
bhū-go-aśva-gaja-vastra-ādyaiḥ
mit Land, Kühen, Pferden, Elefanten, Kleidern usw.