Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 373: dhyānam Die Meditation

Agni definiert die Meditation (dhyāna) etymologisch und begrifflich, nennt ihre vier Aspekte (Meditierender, Meditation, Gegenstand, Zweck) und stellt das innere Meditationsopfer über äußere Opfer. Es folgt eine Stufenanleitung: Meditation über die drei Guṇas und Kreise, über den Herzlotus mit seinen symbolischen Teilen, über den Oṃkāra als Flamme und über die geschmückte Gestalt Viṣṇus im Feuerkreis; den Abschluss bildet das Lob des Murmelns (japa). Einzelne Stellen (V. 14, 27) sind unklar, mehrere Tippfehler des Digitalisats (V. 20, 30, 32).

agnir uvāca | dhyai cintāyāṃ smṛto dhāturviṣṇucintā muhūrmuhuḥ / anākṣiptena manasā dhyānamityabhidhīyate //

Agni sprach: Die Wurzel dhyai gilt [als stehend] im Sinne von ‚denken‘. Das wiederholte Denken an Viṣṇu mit unabgelenktem Geist wird Meditation (dhyāna) genannt.

Wort für Wort
dhyai
die Wurzel dhyai
cintāyām
im Sinne von Denken
dhātuḥ
Verbalwurzel
viṣṇu-cintā
Denken an Viṣṇu
muhuḥ muhuḥ
wiederholt
anākṣiptena manasā
mit unabgelenktem Geist

ātmanaḥ samanaskasya muktāśeṣopadhasya ca / brahmacintāsamā śaktirdhyānaṃ nāma taducyate //

Das Vermögen des mit dem Denkorgan versehenen Selbst, das alle Beschränkungen (upādhi) abgelegt hat, [ein Vermögen,] das dem Denken an Brahman gleichkommt: das heißt Meditation.

Wort für Wort
ātmanaḥ sa-manaskasya
des mit dem Denkorgan versehenen Selbst
mukta-aśeṣa-upādheḥ
das alle Beschränkungen abgelegt hat
brahma-cintā-samā
dem Denken an Brahman gleich
śaktiḥ
Vermögen
dhyānam nāma
heißt Meditation

dhyeyālambanasaṃsthasya sadṛśapratyayasya ca / pratyāntaranirmuktaḥ pratyayo dhyānamucyate //

Bei einem, der auf der Stütze des Meditationsgegenstandes steht und gleichartige Vorstellungen hat, heißt die von anderen Vorstellungen freie Vorstellung Meditation.

Wort für Wort
dhyeya-ālambana-saṃsthasya
auf der Stütze des Meditationsgegenstandes stehend
sadṛśa-pratyayasya
mit gleichartigen Vorstellungen
pratyaya-antara-nirmuktaḥ
frei von anderen Vorstellungen
pratyayaḥ
Vorstellung
dhyānam ucyate
heißt Meditation

pratyāntara für pratyayāntara.

dhyeyāvasthitacittasya pradeśe yatra kutricit / dhyānametatsamuddiṣṭaṃ pratyayasyaikabhāvanā //

Wenn der Geist auf den Meditationsgegenstand gerichtet ist, an welchem Ort auch immer, so wird dies als Meditation erklärt: die einheitliche Vergegenwärtigung einer Vorstellung.

Wort für Wort
dhyeya-avasthita-cittasya
dessen Geist auf dem Meditationsgegenstand weilt
pradeśe yatra kutracit
an welchem Ort auch immer
samuddiṣṭam
wird erklärt
pratyayasya eka-bhāvanā
einheitliche Vergegenwärtigung der Vorstellung

evaṃ dhyānasamāyuktaḥ khadehaṃ yaḥ parityajet / kulaṃ svajanamitrāṇi samuddhṛtya harirbhavet //

Wer so, mit Meditation verbunden, seinen Körper aufgibt, der errettet Familie, Angehörige und Freunde und wird zu Hari.

Wort für Wort
dhyāna-samāyuktaḥ
mit Meditation verbunden
sva-deham parityajet
gibt den eigenen Körper auf
kulam sva-jana-mitrāṇi
Familie, Angehörige, Freunde
samuddhṛtya
errettet habend
hariḥ bhavet
wird zu Hari

khadehaṃ Tippfehler für svadehaṃ.

evaṃ muhūrtamardhaṃ vā dhyāyed yaḥ śraddhayā hariṃ / sopi yāṃ gatimāpnoti na tāṃ sarvair mahāmakhaiḥ //

Wer so auch nur eine Muhūrta [Anm.: etwa 48 Minuten] oder eine halbe mit Vertrauen über Hari meditiert, auch der erlangt einen Zustand, den [man] durch alle großen Opfer nicht [erlangt].

Wort für Wort
muhūrtam ardham vā
eine Muhūrta oder eine halbe
śraddhayā
mit Vertrauen
dhyāyet harim
meditiert über Hari
yām gatim āpnoti
welchen Zustand er erlangt
na sarvaiḥ mahā-makhaiḥ
nicht durch alle großen Opfer

dhyātā dhyānaṃ tathā dhyeyaṃ yacca dhyānaprayojanaṃ / etaccatuṣṭayaṃ jñātvā yogaṃ yuñjīta tattvavit //

Meditierender, Meditation, Meditationsgegenstand und der Zweck der Meditation: nachdem der Kenner der Wahrheit diese Vierheit erkannt hat, übe er Yoga.

Wort für Wort
dhyātā
Meditierender
dhyānam
Meditation
dhyeyam
Meditationsgegenstand
dhyāna-prayojanam
Zweck der Meditation
catuṣṭayam
Vierheit
tattva-vit
Kenner der Wahrheit

yogābhyāsādbhavenmūktiraiśvaryañcāṣṭadhā mahat / jñānavairāgyasampannaḥ śraddadhānaḥ kṣamānvitaḥ //

Aus der Übung des Yoga entstehen Erlösung und die achtfache große Machtvollkommenheit. Mit Erkenntnis und Entsagung ausgestattet, vertrauend, mit Geduld versehen,

Wort für Wort
yoga-abhyāsāt
aus der Yogaübung
muktiḥ
Erlösung
aiśvaryam aṣṭadhā mahat
die achtfache große Machtvollkommenheit
jñāna-vairāgya-sampannaḥ
mit Erkenntnis und Entsagung ausgestattet
śraddadhānaḥ
vertrauend
kṣamā-anvitaḥ
geduldig

viṣṇubhaktaḥ sadotsāhī dhyātetthaṃ puruṣaḥ smṛtaḥ / mūrtāmūrtaṃ parambrahma harerdhyānaṃ hi cintanam //

Viṣṇu ergeben, stets eifrig: ein solcher Mensch gilt als Meditierender. Das gestalthafte und gestaltlose höchste Brahman [ist der Gegenstand]; Meditation ist das Denken an Hari.

Wort für Wort
viṣṇu-bhaktaḥ
Viṣṇu ergeben
sadā utsāhī
stets eifrig
dhyātā ittham
so (ist) der Meditierende
mūrta-amūrtam
gestalthaft und gestaltlos
param brahma
das höchste Brahman
hareḥ cintanam
Denken an Hari

sakalo niṣkalo jñeyaḥ sarvajñaḥ paramo hariḥ / aṇimādiguṇaiśvaryaṃ muktirdhyānaprayojanam //

Als teilhaft und teillos ist der allwissende, höchste Hari zu kennen. Die Machtvollkommenheit der Eigenschaften, beginnend mit Winzigkeit (aṇiman), und die Erlösung sind der Zweck der Meditation.

Wort für Wort
sakalaḥ niṣkalaḥ
teilhaft und teillos
jñeyaḥ
zu kennen
sarvajñaḥ
allwissend
aṇimā-ādi-guṇa-aiśvaryam
Machtvollkommenheit der Eigenschaften wie Winzigkeit
muktiḥ
Erlösung
dhyāna-prayojanam
Zweck der Meditation

phalena yojako viṣṇurato dhyāyet pareśvaraṃ / gacchaṃstiṣṭhan svapan jāgradunmiṣan nimiṣannapi //

Viṣṇu ist es, der mit der Frucht verbindet; darum meditiere man über den höchsten Herrn – gehend, stehend, schlafend, wachend, die Augen öffnend und schließend,

Wort für Wort
phalena yojakaḥ
mit der Frucht verbindend
ataḥ
darum
dhyāyet pareśvaram
man meditiere über den höchsten Herrn
gacchan tiṣṭhan
gehend, stehend
svapan jāgrat
schlafend, wachend
unmiṣan nimiṣan
die Augen öffnend und schließend

śucirvāpyaśucirvāpi dhyāyet śatatamīśvaram / svadehāyatanasyānte manasi sthāpya keśavam //

ob rein oder unrein, meditiere man beständig über den Herrn. Nachdem man im Geist Keśava im Innersten des Heiligtums des eigenen Körpers eingesetzt hat,

Wort für Wort
śuciḥ vā aśuciḥ vā
rein oder unrein
satatam
beständig
īśvaram
den Herrn
sva-deha-āyatanasya ante
im Innersten des Heiligtums des eigenen Körpers
manasi sthāpya
im Geist eingesetzt habend

śatatam für satatam.

hṛtpadmapīṭhikāmadhye dhyānayogena pūjayet / dhyānayajñaḥ paraḥ śuddhaḥ sarvadoṣavivarjitaḥ //

verehre man ihn inmitten des Sitzes des Herzlotus durch den Meditations-Yoga. Das Meditationsopfer ist das höchste, rein, frei von allen Fehlern.

Wort für Wort
hṛt-padma-pīṭhikā-madhye
inmitten des Herzlotussitzes
dhyāna-yogena
durch Meditations-Yoga
pūjayet
verehre man
dhyāna-yajñaḥ
das Meditationsopfer
sarva-doṣa-vivarjitaḥ
frei von allen Fehlern

teneṣṭvā muktimāpnoti vāhyaśuddhaiś ca nādhvaraiḥ / hiṃsādoṣavimuktitvādviśuddhiścittasādhanaḥ //

Wer mit ihm opfert, erlangt Erlösung, nicht aber durch äußerlich reine Opferhandlungen. Weil es frei vom Fehler der Verletzung ist, [ist es] Läuterung und ein Mittel [zur Vollendung] des Geistes [?].

Wort für Wort
tena iṣṭvā
mit ihm geopfert habend
muktim āpnoti
erlangt Erlösung
bāhya-śuddhaiḥ adhvaraiḥ
durch äußerlich reine Opfer
hiṃsā-doṣa-vimuktitvāt
weil frei vom Fehler der Verletzung
citta-sādhanaḥ
Mittel des Geistes

Zweite Hälfte syntaktisch unklar (viśuddhiś cittasādhanaḥ).

dhyānayajñaḥ parastasmādapavargaphalapradaḥ / tasmādśuddhaṃ santyajya hy anityaṃ vāhyasādhanaṃ //

Darum ist das Meditationsopfer das höchste, das die Frucht der Erlösung gewährt. Deshalb gebe man das unreine, vergängliche, äußere Mittel auf,

Wort für Wort
dhyāna-yajñaḥ paraḥ
das Meditationsopfer ist das höchste
apavarga-phala-pradaḥ
die Frucht der Erlösung gewährend
aśuddham santyajya
das Unreine aufgebend
anityam
vergänglich
bāhya-sādhanam
äußeres Mittel

yajñādyaṃ karma santyajya yogamatyarthamabhyaset / vikāramuktamavyaktaṃ bhogyabhogasamanvitaṃ //

gebe das mit dem Opfer beginnende Werk auf und übe mit aller Kraft den Yoga. Das von Umwandlung freie Unentfaltete (avyakta), mit Genießbarem und Genuss verbunden,

Wort für Wort
yajña-ādyam karma
das mit dem Opfer beginnende Werk
yogam atyartham abhyaset
übe mit aller Kraft den Yoga
vikāra-muktam
frei von Umwandlung
avyaktam
das Unentfaltete
bhogya-bhoga-samanvitam
mit Genießbarem und Genuss verbunden

cintayeddhṛdaye pūrvaṃ kramādādau guṇatrayaṃ / tamaḥ pracchādya rajasā sattvena cchādayedrajaḥ //

meditiere man zuerst im Herzen, der Reihe nach, zu Anfang die drei Guṇas: man bedecke Tamas mit Rajas und bedecke Rajas mit Sattva.

Wort für Wort
cintayet hṛdaye
meditiere man im Herzen
guṇa-trayam
die drei Guṇas
tamaḥ pracchādya rajasā
Tamas mit Rajas bedeckend
sattvena chādayet rajaḥ
bedecke Rajas mit Sattva

dhyāyettrimaṇḍalaṃ pūrvaṃ kṛṣṇaṃ raktaṃ sitaṃ kramāt / sattvopādhiguṇātītaḥ puruṣaḥ pañcaviṃśakaḥ //

Zuerst meditiere man die drei Kreise, der Reihe nach schwarz, rot und weiß. Jenseits der Eigenschaft der Sattva-Bedingtheit ist der Puruṣa, der fünfundzwanzigste.

Wort für Wort
tri-maṇḍalam
die drei Kreise
kṛṣṇam raktam sitam
schwarz, rot, weiß
sattva-upādhi-guṇa-atītaḥ
jenseits der Sattva-Bedingtheit
puruṣaḥ
der Puruṣa
pañcaviṃśakaḥ
der fünfundzwanzigste

dhyeyametadaśuddhañca tyaktvā śuddhaṃ vicintayet / aiśvaryaṃ paṅkajaṃ divyaṃ puruśopari saṃsthitaṃ //

Dieser Meditationsgegenstand ist unrein; man gebe ihn auf und meditiere über das Reine. Die Machtvollkommenheit ist ein göttlicher Lotus, über dem Puruṣa befindlich,

Wort für Wort
dhyeyam etat aśuddham
dieser Meditationsgegenstand ist unrein
tyaktvā
aufgebend
śuddham vicintayet
meditiere über das Reine
aiśvaryam paṅkajam divyam
die Machtvollkommenheit als göttlicher Lotus
puruṣa-upari saṃsthitam
über dem Puruṣa befindlich

puruśopari für puruṣopari.

dvādaśāṅgulavistīrṇaṃ śuddhaṃ vikaśitaṃ sitaṃ / nālamaṣṭāṅṇūlaṃ tasya nābhikandasamudbhavaṃ //

zwölf Fingerbreit ausgedehnt, rein, geöffnet, weiß; sein Stiel ist acht Fingerbreit [lang] und entspringt der Knolle des Nabels.

Wort für Wort
dvādaśa-aṅgula-vistīrṇam
zwölf Fingerbreit ausgedehnt
vikasitam sitam
geöffnet, weiß
nālam
Stiel
aṣṭa-aṅgulam
acht Fingerbreit
nābhi-kanda-samudbhavam
aus der Nabelknolle entspringend

aṣṭāṅṇūlaṃ Tippfehler für aṣṭāṅgulaṃ.

padmapatrāṣṭakaṃ jñeyamaṇimādiguṇāṣṭakam / karṇikākeśaraṃ nālaṃ jñānavairāgyamuttamam //

Die acht Lotusblätter sind als die acht Eigenschaften beginnend mit Winzigkeit zu verstehen; Samenkapsel, Staubfäden und Stiel [sind] die höchste Erkenntnis und Entsagung,

Wort für Wort
padma-patra-aṣṭakam
die acht Lotusblätter
aṇimā-ādi-guṇa-aṣṭakam
die acht Eigenschaften wie Winzigkeit
karṇikā-kesaram
Samenkapsel und Staubfäden
nālam
Stiel
jñāna-vairāgyam uttamam
höchste Erkenntnis und Entsagung

viṣṇudharmaś ca tatkandamiti padmaṃ vicintayet / taddharmajñānavairāgyaṃ śivaiśvaryamayaṃ paraṃ //

und der Viṣṇu-Dharma ist seine Knolle: so meditiere man den Lotus. Diesen höchsten, aus Dharma, Erkenntnis, Entsagung und heilvoller Machtvollkommenheit bestehenden

Wort für Wort
viṣṇu-dharmaḥ
der Viṣṇu-Dharma
tat-kandam
seine Knolle
padmam vicintayet
meditiere den Lotus
dharma-jñāna-vairāgyam
Dharma, Erkenntnis, Entsagung
śiva-aiśvarya-mayam
aus heilvoller Machtvollkommenheit bestehend

jñātvā padmāsanaṃ sarvaṃ sarvaduḥkhāntamāpnuyāt / tatpadmakarṇikāmadhye śuddhadīpaśikhākṛtiṃ //

Lotussitz ganz erkennend, erlangt man das Ende allen Leids. Inmitten der Samenkapsel dieses Lotus, gestaltet wie die Flamme einer reinen Lampe,

Wort für Wort
jñātvā padma-āsanam
den Lotussitz erkennend
sarva-duḥkha-antam
das Ende allen Leids
āpnuyāt
erlangt man
padma-karṇikā-madhye
inmitten der Lotus-Samenkapsel
śuddha-dīpa-śikhā-ākṛtim
gestaltet wie eine reine Lampenflamme

aṅguṣṭhamātramamalaṃ dhyāyedoṅkāramīśvaraṃ / kadambagolakākāraṃ tāraṃ rūpamiva sthitaṃ //

daumengroß, makellos, meditiere man den Oṃkāra, den Herrn, gestaltet wie eine Kadamba-Blütenkugel, wie ein Stern als Gestalt dastehend;

Wort für Wort
aṅguṣṭha-mātram
daumengroß
amalam
makellos
oṅkāram īśvaram
den Oṃkāra, den Herrn
kadamba-golaka-ākāram
wie eine Kadamba-Kugel gestaltet
tāram rūpam iva
wie ein Stern als Gestalt

dhyāyedvā raśmijālena dīpyamānaṃ samantataḥ / pradhānaṃ puruṣātītaṃ sthitaṃ padmasthamīśvaraṃ //

oder man meditiere den Herrn, ringsum von einem Netz von Strahlen leuchtend, jenseits von Urmaterie (pradhāna) und Puruṣa, im Lotus befindlich.

Wort für Wort
raśmi-jālena
mit einem Netz von Strahlen
dīpyamānam samantataḥ
ringsum leuchtend
pradhāna-puruṣa-atītam
jenseits von Urmaterie und Puruṣa
padma-stham
im Lotus befindlich
īśvaram
den Herrn

dhyāyejjapecca satatamoṅkāraṃ paramakṣaraṃ / manaḥsthityarthamicchānti sthūladhyānamanukramāt //

Man meditiere und murmle beständig den Oṃkāra, die höchste Silbe. Zur Festigung des Geistes wünscht man der Reihe nach [zunächst] die grobe Meditation.

Wort für Wort
dhyāyet japet
man meditiere und murmle
satatam
beständig
param akṣaram
die höchste Silbe
manaḥ-sthiti-artham
zur Festigung des Geistes
sthūla-dhyānam
grobe Meditation
anukramāt
der Reihe nach

icchānti für icchanti.

tadbhūtaṃ niś calībhūtaṃ labhet sūkṣme 'pi saṃsthitaṃ / nābhikande sthitaṃ nālaṃ daśāṅgulasamāyataṃ //

Wenn [der Geist] dadurch unbewegt geworden ist, erlangt man [ihn] auch im Feinen gefestigt. In der Nabelknolle befindet sich ein Stiel, zehn Fingerbreit lang,

Wort für Wort
niścalībhūtam
unbewegt geworden
sūkṣme api saṃsthitam
auch im Feinen gefestigt
nābhi-kande sthitam
in der Nabelknolle befindlich
nālam
Stiel
daśa-aṅgula-samāyatam
zehn Fingerbreit lang

Erste Hälfte (tadbhūtaṃ niścalībhūtaṃ …) knapp und unklar.

nālenāṣṭadalaṃ padmaṃ dvādaśāṅgulavistṛtaṃ / sakarṇike kesarāle sūryasomāgnimaṇḍalaṃ //

mit dem Stiel ein achtblättriger Lotus, zwölf Fingerbreit ausgedehnt; auf der Samenkapsel samt Staubfäden [befinden sich] die Kreise von Sonne, Mond und Feuer.

Wort für Wort
aṣṭa-dalam padmam
achtblättriger Lotus
dvādaśa-aṅgula-vistṛtam
zwölf Fingerbreit ausgedehnt
sa-karṇike kesara-āḍhye
mit Samenkapsel und Staubfäden
sūrya-soma-agni-maṇḍalam
die Kreise von Sonne, Mond und Feuer

agnimaṇḍalamadhyasthaḥ śaṅkhacakragadādharaḥ / padmī caturbhujo viṣṇuratha vāṣṭabhujo hariḥ //

In der Mitte des Feuerkreises befindlich: Viṣṇu, Muschel, Wurfscheibe und Keule tragend, einen Lotus haltend, vierarmig – oder aber Hari achtarmig,

Wort für Wort
agni-maṇḍala-madhya-sthaḥ
in der Mitte des Feuerkreises
śaṅkha-cakra-gadā-dharaḥ
Muschel, Wurfscheibe und Keule tragend
padmī
einen Lotus haltend
catur-bhujaḥ
vierarmig
aṣṭa-bhujaḥ
achtarmig

śārṅgākṣavalayadharaḥ pāśāṅkuśadharaḥ paraḥ / svarṇavarṇaḥ śvetavarṇaḥ saśrovatsaḥ sakaustubhaḥ //

den Bogen Śārṅga, einen Rosenkranz, Schlinge und Treibstachel tragend, der Höchste, goldfarben [oder] weißfarben, mit dem Śrīvatsa[-Zeichen], mit dem Kaustubha[-Juwel],

Wort für Wort
śārṅga-akṣa-valaya-dharaḥ
Bogen Śārṅga und Rosenkranz tragend
pāśa-aṅkuśa-dharaḥ
Schlinge und Treibstachel tragend
svarṇa-varṇaḥ
goldfarben
śveta-varṇaḥ
weißfarben
sa-śrīvatsaḥ sa-kaustubhaḥ
mit Śrīvatsa und Kaustubha

saśrovatsaḥ Tippfehler für saśrīvatsaḥ.

vanamālī svarṇahārī sphuranmakarakuṇḍalaḥ / ratnojjvalakirīṭaś ca pītāmbaradharo mahān //

mit Waldgirlande, mit goldener Halskette, mit funkelnden Makara-Ohrringen, mit edelsteinstrahlender Krone, ein gelbes Gewand tragend, groß,

Wort für Wort
vana-mālī
mit Waldgirlande
svarṇa-hārī
mit goldener Halskette
sphurat-makara-kuṇḍalaḥ
mit funkelnden Makara-Ohrringen
ratna-ujjvala-kirīṭaḥ
mit edelsteinstrahlender Krone
pīta-ambara-dharaḥ
gelbes Gewand tragend

sarvābharaṇabhūṣāḍhyo vitastarvā yathecchayā / ahaṃ brahma jyotirātmā vāudevo bimukta oṃ //

reich mit allem Schmuck geschmückt, eine Spanne groß oder nach Belieben. [Dann denke man:] „Ich bin das Brahman, dessen Wesen Licht ist, Vāsudeva, der Befreite, Oṃ.“

Wort für Wort
sarva-ābharaṇa-bhūṣā-āḍhyaḥ
reich mit allem Schmuck geschmückt
vitastiḥ vā
oder eine Spanne
yathā-icchayā
nach Belieben
aham brahma
ich bin das Brahman
jyotir-ātmā
dessen Wesen Licht ist
vimuktaḥ
befreit

vitastarvā für vitastir vā; vāudevo für vāsudevo; bimukta für vimukta.

dhyānācchrānto japenmantraṃ japācchrāntaś ca cintayet / japadhyānādiyuktasya viṣṇuḥ śīghraṃ prasīdati //

Von der Meditation ermüdet murmle man den Mantra, vom Murmeln ermüdet meditiere man. Wer mit Murmeln, Meditation usw. verbunden ist, dem ist Viṣṇu schnell gnädig.

Wort für Wort
dhyānāt śrāntaḥ
von der Meditation ermüdet
japet mantram
murmle man den Mantra
japāt śrāntaḥ
vom Murmeln ermüdet
cintayet
meditiere man
śīghram prasīdati
ist schnell gnädig

japayajñasya vai yajñāḥ kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīṃ / japinaṃ nopasarpanti vyādhayaścādhayo grahāḥ / bhuktirmurktirmṛtyujayo japena prāpnuyāt phalaṃ //

Die [übrigen] Opfer reichen nicht an ein Sechzehntel des Murmelopfers heran. Dem Murmelnden nahen weder Krankheiten noch Sorgen noch Planeten[-Unheil]. Genuss, Erlösung, Sieg über den Tod erlangt man durch das Murmeln als Frucht.

Wort für Wort
japa-yajñasya
des Murmelopfers
kalām na arhanti ṣoḍaśīm
reichen nicht an ein Sechzehntel heran
japinam na upasarpanti
nahen dem Murmelnden nicht
vyādhayaḥ ādhayaḥ grahāḥ
Krankheiten, Sorgen, Planeten
bhuktiḥ muktiḥ mṛtyu-jayaḥ
Genuss, Erlösung, Sieg über den Tod

murkti Tippfehler für mukti.

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