Agni definiert die Meditation (dhyāna) etymologisch und begrifflich, nennt ihre vier Aspekte (Meditierender, Meditation, Gegenstand, Zweck) und stellt das innere Meditationsopfer über äußere Opfer. Es folgt eine Stufenanleitung: Meditation über die drei Guṇas und Kreise, über den Herzlotus mit seinen symbolischen Teilen, über den Oṃkāra als Flamme und über die geschmückte Gestalt Viṣṇus im Feuerkreis; den Abschluss bildet das Lob des Murmelns (japa). Einzelne Stellen (V. 14, 27) sind unklar, mehrere Tippfehler des Digitalisats (V. 20, 30, 32).
Agni sprach: Die Wurzel dhyai gilt [als stehend] im Sinne von ‚denken‘. Das wiederholte Denken an Viṣṇu mit unabgelenktem Geist wird Meditation (dhyāna) genannt.
ātmanaḥ samanaskasya muktāśeṣopadhasya ca / brahmacintāsamā śaktirdhyānaṃ nāma taducyate //
Das Vermögen des mit dem Denkorgan versehenen Selbst, das alle Beschränkungen (upādhi) abgelegt hat, [ein Vermögen,] das dem Denken an Brahman gleichkommt: das heißt Meditation.
dhyeyālambanasaṃsthasya sadṛśapratyayasya ca / pratyāntaranirmuktaḥ pratyayo dhyānamucyate //
Bei einem, der auf der Stütze des Meditationsgegenstandes steht und gleichartige Vorstellungen hat, heißt die von anderen Vorstellungen freie Vorstellung Meditation.
Wort für Wort
dhyeya-ālambana-saṃsthasya
auf der Stütze des Meditationsgegenstandes stehend
Wenn der Geist auf den Meditationsgegenstand gerichtet ist, an welchem Ort auch immer, so wird dies als Meditation erklärt: die einheitliche Vergegenwärtigung einer Vorstellung.
evaṃ muhūrtamardhaṃ vā dhyāyed yaḥ śraddhayā hariṃ / sopi yāṃ gatimāpnoti na tāṃ sarvair mahāmakhaiḥ //
Wer so auch nur eine Muhūrta [Anm.: etwa 48 Minuten] oder eine halbe mit Vertrauen über Hari meditiert, auch der erlangt einen Zustand, den [man] durch alle großen Opfer nicht [erlangt].
Meditierender, Meditation, Meditationsgegenstand und der Zweck der Meditation: nachdem der Kenner der Wahrheit diese Vierheit erkannt hat, übe er Yoga.
Aus der Übung des Yoga entstehen Erlösung und die achtfache große Machtvollkommenheit. Mit Erkenntnis und Entsagung ausgestattet, vertrauend, mit Geduld versehen,
Viṣṇu ergeben, stets eifrig: ein solcher Mensch gilt als Meditierender. Das gestalthafte und gestaltlose höchste Brahman [ist der Gegenstand]; Meditation ist das Denken an Hari.
Als teilhaft und teillos ist der allwissende, höchste Hari zu kennen. Die Machtvollkommenheit der Eigenschaften, beginnend mit Winzigkeit (aṇiman), und die Erlösung sind der Zweck der Meditation.
Wort für Wort
sakalaḥ niṣkalaḥ
teilhaft und teillos
jñeyaḥ
zu kennen
sarvajñaḥ
allwissend
aṇimā-ādi-guṇa-aiśvaryam
Machtvollkommenheit der Eigenschaften wie Winzigkeit
Viṣṇu ist es, der mit der Frucht verbindet; darum meditiere man über den höchsten Herrn – gehend, stehend, schlafend, wachend, die Augen öffnend und schließend,
ob rein oder unrein, meditiere man beständig über den Herrn. Nachdem man im Geist Keśava im Innersten des Heiligtums des eigenen Körpers eingesetzt hat,
teneṣṭvā muktimāpnoti vāhyaśuddhaiś ca nādhvaraiḥ / hiṃsādoṣavimuktitvādviśuddhiścittasādhanaḥ //
Wer mit ihm opfert, erlangt Erlösung, nicht aber durch äußerlich reine Opferhandlungen. Weil es frei vom Fehler der Verletzung ist, [ist es] Läuterung und ein Mittel [zur Vollendung] des Geistes [?].
Wort für Wort
tena iṣṭvā
mit ihm geopfert habend
muktim āpnoti
erlangt Erlösung
bāhya-śuddhaiḥ adhvaraiḥ
durch äußerlich reine Opfer
hiṃsā-doṣa-vimuktitvāt
weil frei vom Fehler der Verletzung
citta-sādhanaḥ
Mittel des Geistes
Zweite Hälfte syntaktisch unklar (viśuddhiś cittasādhanaḥ).
gebe das mit dem Opfer beginnende Werk auf und übe mit aller Kraft den Yoga. Das von Umwandlung freie Unentfaltete (avyakta), mit Genießbarem und Genuss verbunden,
Zuerst meditiere man die drei Kreise, der Reihe nach schwarz, rot und weiß. Jenseits der Eigenschaft der Sattva-Bedingtheit ist der Puruṣa, der fünfundzwanzigste.
Dieser Meditationsgegenstand ist unrein; man gebe ihn auf und meditiere über das Reine. Die Machtvollkommenheit ist ein göttlicher Lotus, über dem Puruṣa befindlich,
Die acht Lotusblätter sind als die acht Eigenschaften beginnend mit Winzigkeit zu verstehen; Samenkapsel, Staubfäden und Stiel [sind] die höchste Erkenntnis und Entsagung,
viṣṇudharmaś ca tatkandamiti padmaṃ vicintayet / taddharmajñānavairāgyaṃ śivaiśvaryamayaṃ paraṃ //
und der Viṣṇu-Dharma ist seine Knolle: so meditiere man den Lotus. Diesen höchsten, aus Dharma, Erkenntnis, Entsagung und heilvoller Machtvollkommenheit bestehenden
Man meditiere und murmle beständig den Oṃkāra, die höchste Silbe. Zur Festigung des Geistes wünscht man der Reihe nach [zunächst] die grobe Meditation.
Wenn [der Geist] dadurch unbewegt geworden ist, erlangt man [ihn] auch im Feinen gefestigt. In der Nabelknolle befindet sich ein Stiel, zehn Fingerbreit lang,
Wort für Wort
niścalībhūtam
unbewegt geworden
sūkṣme api saṃsthitam
auch im Feinen gefestigt
nābhi-kande sthitam
in der Nabelknolle befindlich
nālam
Stiel
daśa-aṅgula-samāyatam
zehn Fingerbreit lang
Erste Hälfte (tadbhūtaṃ niścalībhūtaṃ …) knapp und unklar.
mit dem Stiel ein achtblättriger Lotus, zwölf Fingerbreit ausgedehnt; auf der Samenkapsel samt Staubfäden [befinden sich] die Kreise von Sonne, Mond und Feuer.
den Bogen Śārṅga, einen Rosenkranz, Schlinge und Treibstachel tragend, der Höchste, goldfarben [oder] weißfarben, mit dem Śrīvatsa[-Zeichen], mit dem Kaustubha[-Juwel],
reich mit allem Schmuck geschmückt, eine Spanne groß oder nach Belieben. [Dann denke man:] „Ich bin das Brahman, dessen Wesen Licht ist, Vāsudeva, der Befreite, Oṃ.“
Wort für Wort
sarva-ābharaṇa-bhūṣā-āḍhyaḥ
reich mit allem Schmuck geschmückt
vitastiḥ vā
oder eine Spanne
yathā-icchayā
nach Belieben
aham brahma
ich bin das Brahman
jyotir-ātmā
dessen Wesen Licht ist
vimuktaḥ
befreit
vitastarvā für vitastir vā; vāudevo für vāsudevo; bimukta für vimukta.
Von der Meditation ermüdet murmle man den Mantra, vom Murmeln ermüdet meditiere man. Wer mit Murmeln, Meditation usw. verbunden ist, dem ist Viṣṇu schnell gnädig.
Die [übrigen] Opfer reichen nicht an ein Sechzehntel des Murmelopfers heran. Dem Murmelnden nahen weder Krankheiten noch Sorgen noch Planeten[-Unheil]. Genuss, Erlösung, Sieg über den Tod erlangt man durch das Murmeln als Frucht.